Hanauer K Anzeiger
»-Ehr»q 1,80 Mk., m»«Mch 80 ^, fk m* ewrtiy 36otm orten mit dem betrefimden Psstaufschl«».
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HetatleuSdrurk M Verlag der Buchdrucker« dell vereiu. A Waijachause» tat Hamm.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage» mit belletristischer Beilage.
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Die fünf gespart«« Petttzeile oder deren Statt« M Pf-, tat Rektamenteü die Zeit« 4b Pj-,
verautmorü. Redakteur: ». Schrecker in Hamm,
9?L 303 Ner«sprecha«schltttz Nr. 605.
Dienstag den 28. Dezember
Fer«sprechanschl«tz Nr. 605. 1909
Amtliches.
Bekanntmachung.
Von der im Kursbureau des ReichS-PostamtS neu bearbeiteten Post- und Eisenbahnkarte des Deutschen Reichs ist jetzt das Blatt 11 erschienen.
Das Blatt umfaßt die Rheinprovinz, südlich der Linie Köln—Aachen, Lothringen, die Rheinpfalz, die nördlichen Teile vom Elsaß und von Baden, sowie Teile vom Großherzogtum und von der Provinz Hessen.
Das Blatt kann im Wege des Buchhandels zum Preise von 2 Mk. für daS unauSgemalte Exemplar und von 2 Mk. 25 Pfg. für das Exemplar mit farbiger Angabe der Grenzen von dem Gea-Verlage (Berliner Lithographisches Institut Julius Moser, Berlln W 35, Potsdamerstraße 110) bezogen werden.
Berlin W 66 den 22. Dezember 1909.
Der Staatssekretär deS Reichs-Postamts.
J. A.: Kobelt.
Landkreis Ran an.
Das Hofmarschallamt Seiner Königlichen Hoheit des Landgrafen von Hessen zu Philippsruhe beabsichtigt zur Vertilgung von Raben und Krähen in den 'landgräflichen Jagdbezirken deS hiesigen Kreises „Ochsenblut mit Strychnin" auszulegen. Die Stellen, an welchen daS Gist liegt, find kenntlich gemacht.
Ich bringe dies hiermit zur allgemeinen Kenntnis und ersuche auch die OrtSpolizeibrhörden, für weitere orts- k â^WMMMbezu, sorgen. ff "X WAmt den 2> Dezember 1909, ^ Der Königliche Landrat.
V7087 Frhr. Laur.
Stadtkreis F)anau. Bekanntmachung.
Die im Stadtschloß (Friedrichsbau) gleicher Erde befindliche Wohnung, bestehend auS 5 Zimmern und Zubehör ist vom 1. April 1910 ab zu vermieten.
Auskunft wird erteilt im Rathaus Zimmer Nr. 11. Hanau den 24. Dezember 1909.
Der Magistrat.
Dr. GebeschuS. 29217
Ablösung der Neujahrs-Gratulationen.
Zur Ablösung der hier üblichen und gewiß ebenso wie an anderen Orten lästig empfundenen gegenseitigen Neujahrs-
Die Selbolder Familiennamen.
Ein V«such ihrer Deutung von G. Maldfeld, Rektor.
(Fortsetznng und Schluß.)
S. Name«, die aus fremde« Sprachen stamme«.
Bessier, Name französischen Ursprungs, wohl der Mann aus Besse, einer Stadt und einem Marktflecken in Frankreich.
Forke. Im niederdeutschen Sprachgebiete nennt man eine zweizinkigr Gabel Forke, von lat. furca = die Gabel. Wahrscheinlich lautete der Name Forke aber früber Froke. Durch bie gerade in Norddeutschland sehr häufig zu beobachtend» MetathesiS ist sicherlich das r hinter daS o getreten. Froke ist niederdeutsche Verkleinerungsform zu dem im 7. Jahrh, urkundlich auf- tretenden ahd. Froja, von got. fraujo = Herr.
Gasch t", wohl französischen Ursprungs: gâcheur = der Mörtelmacher, von gâcher = den Mörtel anfeuchlen, anrührm.
H a r r i ß, ein englischer Name (z. B. Harris Lord Malmesbury, Harrisburgh, Stadt im Staate Pennsylvanien in Nordamerika.)
Kempski, polnischer Name — Mann auS Kempen in Posen.
Mackscho«, ?.
10. Jüdische Namen.
Wie schon in der Einleitung bemerkt, sind die Juden erst am Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts durch die staatliche Gesetzgebung veranlaßt worden, feste Familiennamen zu führen. Im Hanauischen geschah dies durch das Gesetz vom 26. September 1811. Doch wurde jedem freigestellt, sich einen Namen nach seinem Belieben zu wählen.
Diese Wahl fiel natürlich sehr bunt aus. Viele behielten einfach bie seither geführten Personennamen auch als
gratulationen sind Listen ausgelegt in der G. M. Alberti- fdjen und F. R. Königs Hofbuchhandlung, der Buchbattdlnng von August Zippelius und auf dem städtischen Armenamt, Langstraße Nr. 43. In diese Listen kann jedermann seinen Namen und den von ihm gezahlten Betrag selbst eintragen.
Der Erlös soll für die von der Stadt unterhaltenen armen Pflege- und Waisenkinder verwendet werden. Insbesondere soll dadurch ein Grundstock für außerhalb der engeren Armenpflege liegende Aufwmdungen, z. B. zu Weihnachtsbescherungen u. dergl. geschaffen werden.
Die Nameu der Zeichner werden rechtzeitig vor und nötigenfalls unmittelbar nach Neujahr in den hiesigen Zeitungen jedoch ohne Angabe des gezahlten Betrages veröffentlicht werden, fo- datz ein vollständiger Ersah für die gegenseitige« Neujahrsgratulationen vorhanden ist.
Da diese Einrichtung sich an anderen Orten sehr bewährt hat, bitten wir, auch hier recht regen Gebrauch davon zu machen.
Allen Gebern im vorau» besten Dank.
Hanau den 15. Dezember 1909.
Der Magistrat, Armenamt.
Hild. 28825
Handelskammer Hanau.
Unter Bezugnahme auf di» im „Hanauer Anzeiger* und „Hanauer Zeitung* erlassene Bekanntmachung der HandelS- wM§x,Lom Kapeâ.Z, L-tÄM iââMâ zur Kenntnis, daß gemäß § 16 des Gesetzes über die Handelskammern vom 24. Februar 1870 / 19. August 1897 und gemäß § 6 des Wahlstatuts der Handelskammer zu Hanau vom 16. September 1897 für die mit Schluß des Kalenderjahres 1909 ausscheidenden Mitglieder für den Wahlbezirk Stadt- und Landkreis Hanau, Herren Heinrich Bracker, Albert Deines, Gustav Gustine, Rudolf Treusch, sämtlich zu Hanau, eine ErgânzungSwahl stattzufinden hat.
Die Wahl erfolgt in einer gemeinsamen Wahlhandlung und zwar derart, daß jeder Wahlberechtigte einen Stimmzettel abgibt auf dem so viele Personen verzeichnet sind, wie zu wählen find.
Von der HandelSkamm« zum Wahlkommissar bestellt, lade ich die wahlberechtigten Firmen und Firmenv»rtreter zur Vornahme der Wahl auf
Mittwoch den 29. Dezember, 10 Uhr vorm.,
in den hiesigen Rathaussaal ein (Parterre, links).
Familiennamen bei (Isaak, Moritz, Siemon re.) Andere nannten sich nach wirklichen und erdichteten Orten (Hamburger, Glauberg, Kanthai rc.), wieder andere nach Tieren (Hirsch, Katz, Strauß re.), eine weitere Gruppe nach Gewerben (Goldschmidt re.), u. s. f. Mit Vorliebe aber wurden besonders wohlklingende und wohlriechende Namen gewählt (Ehrenreich, Blumenthal re.).
In Seibold ist die Zahl der israelitischen Namen, trotzdem die israelitische Gemeinde eine ziemlich starke ist, nicht besonders groß. Es find folgende:
Blumenthal, offenbar ein Phantafiename, obwohl «s fast anderthalb Dutzend Ortschaften dieses Namens in Deutschland gibt.
Ehrenreich, ebenfalls ein Phantafiename; denn an den altdeutschen Personennamen Erencius = der Ehren- reiche, von erin, einer Erweiterung von er, ahd. èra, mhd. ère = die Ehre, ist sicherlich nicht zu denken.
Glauberg, vom Orte gleichen Namens bei Stockheim in Oberhessen.
Goldschmidt, ein Handwerkername.
Homburger, von Hamburg.
Hirsch, ein Tiername, von Juden besonders gern gewählt im Hinblick auf den Segen Abrahams (1. Mos. 49,21).
Isaak, hebr. Jis-châk = der Spötter, von sachâk — lachen, spotten.
Kann — Kann»; der im 9. Jahrh, auftretende Name Kan — der Zauberer, von altn. gan = Zauberei, kommt wohl nicht in Betracht.
K a n t h a l, ein Phantasiename, wenn man nicht an den französischen Bergnameu Cantal denken will.
Katz, ein Tiername.
Lutz, ebenfalls ein Tiername — der Luchs.
Moritz, Kü 'ug von Mauritius = der Mauretaner, der
aus Mauretanien, dem heutigen Marokko, Stammende. Neuhaus, von einem der vielen Orte namens Neuhaus. Oppeuheimir, von Oppenheim am Rhein.
Die Wahlstimmen abgebend« Prokuristen haben sich dur^ schriftliche Vertretungsvollmacht ihrer Firma zu legitimieren.
Die Wahlhandlung wird 2 Stunden dauern.
Hanau den 28. Dezember 1909.
Der Wahlkommifsar.
Canthal,
Königl. Kommerzienrat. 88948
Gefundene und verlorene Genenstitndc re.
Gefunden: 1 Mesfing-Wagenkapsel von einer Patent- achse.
Verloren: 1 Anhänger (goldener Kreuzchen), 1 goldenes Kettenarmband, 1 silberner Trauring (gez. Karl Schäfer).
Zugelaufen: 1 kleiner grauer Hund mit weißer Brust.
Hanau dm 28. Dezember 1909.___________________
Zugelaufen t 1 grauer Jagdhund mit gelber Brust, mânnl. Geschl. Abzuholen 29261
Bürgermeisteramt Rüdigheim.
Politische Rundschau.
Der Wechsel im Reichseisenbahnamt. Präsident v. Schulz-HauSmann, der am 1. Januar daS Reichs«,sm- bahnamt verläßt, hat über 19 Jahre lang an der Spitze bei Reichseisenbahnamtes gestanden und sich in dieser Stellunhohe Verdienste rrworben. Er steht jetzt im 70. Lebensjahre, und sein Scheiden aus dem Amte ist aus AlterSrückfichten geboten. Er ist «in Sohn deS verstorbenen braunschweigischen Ministers und wandte sich früh der Eisenbahnlaufbahn zu. ILM wurde er Leb, .Reaierunssrat, und VsrtrMnder Rat im Reichsamt für die Verwaltung der ReichSeisenbahnen und rückte 1883 zum Geh. OberregierungSrat auf. 1887 kam er als Vertreter des Präsidenten und Vortragender Rat in daS Reichseisenbahnamt und wurde im Dezember 1890 Präsident diese, ReichSamtes. 1898 ist er Wirkl. Geh. Rat geworden. Seit 1878 gehörte v. Schulz-HauSmann dem BundeSrat an. Er hat in ihm in allen Eisen bahn fragen von jeher eine hervorragende Rolle gespielt und sich besonders um dir Ausarbeitung des Gesetzes brtr. das Gütertarifwesen auf deutschen Eisenbahnen in hohem Maße verdient gemacht. Drr ihm jetzt verliehen« Nam« v. Schulz-HauSmann rührt daher, daß sein« Gattin eine geboren« HauSmann, übrigens eine Schwestrr beS verstorbenen berühmten Cellisten Robert HauSmann ist. Sein Nachfolger, Präsident Wackrrzapp, ist Mitt« der siebziger Jahre in den Eisenbahndirnst eingetreten, und zwar zuerst als Regierungsassessor Hilfsarbeiter bei der Eisenbahndirektion zu Saarhrücken. Er kam dann al, Hilfsarbeiter an die Generaldirektion der Eisenbahnen in Elsaß«
Seiferheld, wohl auch ein Phantafiename, ober bedeutet eS einen Mann namens Held an- einem der Ort« namens Seifen bezw. einen Mann (Held), der seifert, b. h. den Speichel fließen läßt?
Siemon, hebr. — der Erhörte, von schimdn = Er« Hörung.
Strauß, Tiernam«. An den im 8. Jahrh, zuerst urkundlich erscheinend«! altdeutschen Namm Struz, »oe Strud, Strodo = der Verwüster, Räuber, vom angels. strudan, ahd. strudjan = verwüsten, rauben, kann der Name wohl nicht angeknüpft werben.
Ztveischkenstiel ----- Stiel der Zwetsche, süddeutsch Zwetschke, Zwrtschge. Wahrscheinlich fein freiwillig gewählter, sondern ein aufgezivungener Name. In manchen Ländern, namentlich in Oesterreich, weigerten sich viele Juden, „heidnische* Namrn neben ihren „heiligen" hebräischen zu tragen. Darum beauftragte Joseph II. seinen Hofkriegsrat, binnen zweier Jahre Namen für die Widerspenstigen zu schaffen. ES wurden nun militärisch« Kommissionen gebildet und dies« stillten dann manchmal recht sonderbar« Namengebild« auf, z. B. Geldschrank, Singmirwas, Ladstockschwinger, Reinwascher, Rebenwurzel, Ochsenschwanz, Stinker, Wanzenknickrr, Saumagen u. dergl. mehr. Zu dies« Art Namen mag auch Zwetschkenstiel gehören. —
III. Rückblick.
Schauen wir auf di» Menge der befrachteten Ramin zurück und ziehen wir die Familiennamen der Nachbarorte zum Vergleiche heran, so drängt sich unS die Beobachtung auf, daß die Selbolder Rainen eigentlich ein sehr buntes Gemisch darstelleu und wenig Bodenständiges an sich haben. In der Tat, viele davon sind Fremdlinge und stammen manchmal aus ganz entlegenen Gegenden und Orten Deutsch- lands. Die heutig« Bevölkerung SelboldS ist eben, was ihr» StammrSzugrhörigkrit anlaugt, keine reine und gleichartig.