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W. Wagnchaut«» la Hauau.
Griieral-Anzkiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Kernfprechanschlutz Nr. CO5»
1909
Amtliches.
Candhrds Ranau.
An Stelle deS seitherigen Gemeindeältesten Salli Sichel in Hochstadt ist der Handelsmann Salomon Goldschmidt daselbll zum Aeltesten der Synagogen- gemeinde Hochstädt-Dörtugheim-Blschofsheim bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 16. Dezember 1909.
Der Königliche Landrat.
V 6761 F r hr. Lau r.
Stadtkreis Ranau.
Ablösung der Rcnjnhrs-Gratiilationen.
Zur Ablösung der H'er üblichen und gewiß ebenso wie an anderen Orten lästig empfundenen gegenseitigen NeusabrS- gratulationen sind Listen ausg-lrgt in der G M. Alberti» schen und ft. R. Königs K»otbuckiftandlttng, der Bitcktbanvl»t"g von Attflttft Zippelins und auf dem städtischen Armenamt, Langstraße Nr. 43. In diese Listen kann jedermann seinen Namen und den von ihm gezahlten Betrag selbst eintragen.
Der Erlös soll für die von der Stadt unterhaltenen armen Pfl-ge- und Waisenkinder verwendet werden. Insbesondere soll dadurch ein Grundstock für außerhalb der engeren Armenpflege liegende Aufwendungen, z. B. zu Weih- nachtSbescherungen u. dergl. geschaffen werden.
Die Namen der Zeichner werden rechtzeitig vor «nd nötigenfalls unmittelbar nach Neujahr in den hiesigen Zeitungen irboch ohne Angabe /^. des gezahlten Betrages veröffentlicht werben, jo» “ daß ein vollständiger Ersatz für die gegenseitigen Nenjahrsgratulationen vorhanden ist.
Da diese Einrichtung sich an anderen Orten sehr bewährt hat, bitten wir, auch hier recht regen Gebrauch davon zu machen.
Allen Gebern im voraus besten Dank.
Hanau den 15. Dezember 1909.
Der Magistrat, Armrnamt.
Hild. 28825
Bekanntmachung.
Wegen deS Jahresabschlusses bleibt das Bureau der Kreissp^rkasie vom 24. bis einschließlich den 30. d. M. für den Verkehr mit dem Publikum geschloffen.
Hanau am 17. Dezember 1909.
Der Vorstand der KreiSsparkaff«.
Frhr. Laur. 28747
Plakatkunst.
Dr. Fried Lübbecke.
„Immer herein, meine Herrschaften, das muß man gesehen haben!* brüllt der Ausrufer vor der Jahrmarktsbude mit überschlagender Stimme, und klatschend saust der lange Rohrstock auf daS bunte Bild, das die „Staunen erregende, dickste und schwerste deutsche Jungfrau* (4 Zentner netto!) in ihrer ganzen Fülle zeigt. Der AuSruker und daS Plakat: sie gehören zusammen, sie stammen vom Jahrmarkt, auS dem grünen Wagen. Gewiß gab eS früher auch bereits Firmenschilder, doch ihre bescheidene, oft sehr künstlerische Zurückhaltung hatte nichts mit dem modernen Plakat gemein. Denn das Plakat schreit, muß schreien, wenn es seinem Zwecke gerecht werden will. Ihm eignen alle Merkmale deS tüchtigen Ausrufers früherer Zeiten, die die billige maschinelle Vervielfältigung eines BildeS noch nicht kannten. In dem rauschenden Getriebe der Großstadt muß es sich durchsetzen, muß die bunte Konkurrenz rechts und links, über und unter sich durch noch grellere Farben übertönen. Gellende Stich- worte wirst eS in die Menge, häuft die Superlative und schwelgt in seiner Schilderung in Stätten und Licht. Je frecher, desto bester. Ein Plakat soll und darf nicht zimper- 1’$ sein, muß den Mund möglichst voll nehmen, um-im Gewirr des großen Leben» sich noch verständlich zu machen. Darum muß seine Schilderung so einfach wie möglich sein, skein überflüssiges Wort, kein behagliches Verweilen! Bu - 'allen um jeden Preis! Je einfacher und eindeutiger daS Plakat seine Barschaft der Welt vor das abgestumpfte Auge bringt, desto erfolgreicher wird es sein. So einfach istS ober garnicht, wirklich oder meistens nur scheinbar Großes in einem knappen Stichwort zusammenzudrängen. Dafür braucht man nicht nur einen brillanten Zeichner, sondern auch einen geistreichen Kopf. Darum ift es eigentlich garnicht so ieltjam, daß schon seit Jahren
Städtische Sparkasse.
Wegen bei Abschlusse? wird die städtische Sparkaste vom 22. Dezember nachmittags bis dttfthL 31. Dezember 11)09 für den Verkehr mit dem Publikum geschloffen fern.
Zur Erleichterung de» Verkehrs in den ersten Tagen deS Monats Januar 1910 wird die Kaste am 3l. Dezember 1909, vormittags. jedoch nur für Einlagen mit Wirkling vom 3. Januar 1910, geöffnet.
Hanau den 3. Dez-mber 1909.
Der Vorstand. 28OO5
Hanauer Ortskrankenkasse.
Die Auszahlung des Krankengeldes findet diese Woche Freitag den 24. Dezember, vorm. von 8 bis 1 Uhr, statt. Nachmittags um 3 Uhr wird die Kaste geschlossen.
Hanau den 21. Dezember 1909.
Der Vorstand.
A. Kiefer, L Vorsitzender. 28845
Gefunden auf dem Wochenmarkte: 1 Schlüssel. Ab- zuholen auf dem Geschäftszimmer der Armeuverwaltung.
Hanau den 20. Dezember 1909. 28823
Proviantamt Hanau E kaust Rogaen - Maschinen- (SreitbruW Stroh sowie Pretzlangstroh wenn dieses keinerlei Abfälle auiweist.
Gcsiindcnt und verlorene Gcizenstiiilde rc.
Gesund eu: 1 gestickt. Wesir, 1 Portemonnaie mit 5 Mark.
Verloren: 1 unfertiger Rock, 2 Seile.
Hanau den 21. Dezember 1909.
PolitiTcbe Rundschau.
Personalien. Regierungspräsident v. Jarotzky in Danzig wurde in gleicher AmtSeigenschaft nach Münster versetzt ; zu seinem Nachfolger ist der Ministerialdirekior im Finanzministerium, Förster, berufen. Zum Präsidenten der Regierung in Magdeburg wurde Oberregierungsrat Dr. Miesttschek von Wischkau in Düsseldorf ernannt.
Der oldenburgische Landtag wurde durch eine Allerhöchste Verordnung biS zum 4. März 1910 verlängert und zugleich ab morgen bis zum 8. Februar 1910 vertagt. — In der gestrigen Sitzung wurde der Aufnahme einer Anleihe von 3 950 000 Mk. zur Deckung deS Fehlbetrages deS EisenbahnbaulondS zugestimmt.
i bedeutende Künstler von fast allen großen Firmen heran- I gezogen werden, wenn eS galt, ein wirklich erfolgreiche» Plakat in die Welt zu schleudern. Man soll sich hüten, dahinter viel Kunstsinn und ähnliche schöne ästhetische Dinge zu suchen. Der praktische Kaufmann ist an sich viel zu nüchtern, viel zu berechnend, als daß er an so müßigen Dingen seine Zeit und sein Geld verschwendete. Aber er weiß, daß wahre Beschränkung nur von wahren Meistern geübt werden kann. Und diese Weisheit führte ihn zum Künstler, wenn er fühlte, daß seinem Geschäfte eine recht tüchtige Werbetrommel wieder einmal nörig sei. Beiden wurde durch diesen von der Notwendigkeit geschlossenen Bund geholfen. Eine mächtige, künstlerisch bedeutende Plakatkunst ist aufgebläht, die trotz ihrer so flüchtigen Gebilde durchaus ihren Platz in unserem geistigen Leben behauptet. Berühmte Künstler verschmähen eS nicht, ihre Ärâfte die'er jüngsten aller Künste zur Verfügung zu stellen. Erinnert sei nur an Th. Tb. Heine nnd Bruno Paul. Solche Leute verscheuchten bald die jammerhafte Asterkiinsi, die in den neunz'ger Jahren auf den Lii'aßsäulen sich spreizte und jede» fühlend« Auge beleidigte. Fast wurde el beute guter Ton, daß jeder größere Geschâftsinbaber sich womöglich von einem anerkannten Künstler sein R-klamebild anferi'gen ließ. DaS war natürlich ein sehr teurer SnobiSmuS, der sich jedoch bald selbst richtet-, zumal diese Künstler in der ihrem Weien eigenen Vornehmheit oft den rechten Plakatton nicht fanden. Eine neue Generation ist emporgefommen, die jetzt Plakate bringt, daß man dran seine helle Freude haben muß.
Bis vor kurzem marschierten Frankreich und England unS auf diesem Gebiet bedeut-nd voran. Deutschland nahm endlich den Weltkampf auf unb mit vollem Glück! Frankreich liegt weit hinter uni zurück, England ist schon fast überwunden. Deutschland» Kunst errinat immer mehr Boden in der Fremde, ganze Wagenladungen Plakate gehen täglich ins Ausland, besonder» dem Osten zu. Wiederum waren el Berlin und besonder» München, die auch auf diesem Gebiete
Der Bttdgetcknsfckiuh des &9errd<f|!f<ff ?n Ab- si«ordnetenhn«s,s nahm mit 26 gegen 18 Stimmen ein sechsmonatige» Budgeiprovisorium an.
Ätalienifche Kammer. In der Debatte über die ministerielle Erklärung führte Ministerpräsident Sonnino in Beantwortung verschiedener Reden au»: lieber die Lösung der -Krise habe er geglaubt, sich an die bedeutendsten Mitglieder der verschiedenen Gruppen der großen konstitutionellen liberalen Partei roenben zu sollen, um ihre Mitwirkung beim Reformwerke zu erbitten. Er verstchere, daß er beim Studium der Reformen niemal» dir Leistungsfähigkeit und die solide Gnindlage bei Budget» au» den Augen verliere» werde. (Brssall.) Da» Parlament unb da» Land könnten in einigen Wochen die Vorlegung konkreter Gesetzentwürf» erwarten. Auf dir Fragr, ob da« Ministerium dir Majorität besitze, erwidert« her Minister, er hab« bat Vertrauen zu der Weisheit und dem Patriotismus der Kammer, daß, wenn die RegierungSentwürfe dem Lande Gewinn brächten, sie auch zweifellos dir Billigung deS Parlaments finden würden. Für den Augenblick bitte bie Regierung nur nm ein kurzes wohlwollendes Abwarten. sLebhafter Beifall.) Hierauf wurde die Debatte geschlossen und daS provisorisch« Budget mit 224 gegen 65 Stimmen angenommen.
PortttgiesischtS Kabinett. Da« Kabinett bot feine Demission an, bie vom König angenommen wurde.
Ernannt. Peter« bürg, 19. Dezbr. J«wol«kt wurde zum Mitglied bei RrichSrat« ernannt unter Beibehaltung bei Posten» al« Minister bei Arußern.
Rutzland nimmt im fernen Osten umfanareiée Truppen- Verlegungen vor. Von Irkutsk find 50 000 Mann nach Osten verschoben worden. Die Gesamtstärke der dort stehenden russischen Truppe« beträgt nunmehr ungefähr 160 000 Mann.
Zum Lod« ML GroMürffett Michael Nikola- jseMitfch. In Tanne» ist Großfürst Michael Nikolajewitsch von Rußland, der Großvater der Kronprinzessin Cecilie, in feiner dortigen Villa im 78. Leben»jahre gestorben. Mit dem Großfürsten ist da» älteste Mitglied bei russischen Kaiserhauses, der letzte Sohn bei Zaren Nikolaus I. aus seiner Ehe mit Prinzessin Charlotte von Preußen, der Tochter Friedrichs Wilhelm« III., dahingegangen. Großfürst Michail, der am 13. Oktober 1832 in PeterSbur« geboren war, trat all Artillerie-Offizier in die Armee ein und wurde schon in jungen Jahren Generalseldzeugmeister. 1863 ging er all Statthalter in den Kaukasu« und erhielt im russisch-türkischen Kriege den Oberbefehl über bie gegen Armenien marschierenden Truppen; nach dem Frieden«schluß wurde er zum Gene- ralfeldmarschall ernannt Rech seinem Au«scheiden au« dem aktiven Dienst im Jahre 1881 übernahm der Großfürst den Vorsitz in der Genrraldirektio« der Artillerie und bei Reichs- rate», den er bi« zum Jahre 1905 führte. Al« er dann wegen dauernder Kränklichkeit — er hatte zwei Jahre vorher sieghaft den anderen Deutschen vorangingen. In München sieht man heute auf den Anschlagsäulen kaum noch «in» dieser früheren, abscheulich süßen ober rohen Machwerke, die einem anständigen Geschäfte mehr schadeten wie nützten. Ja, man kann sagen, daß diese modernste unserer heutigen Kunst- bestrebungen auch bie gesundest« ist. UcberaO kraftvoll«« Streben nach den dieser Kunst gesetzten Zielen, viel Gut««'— Neue» — neben einer immerhin nicht störenden Tradition, soweit man überhaupt von einer solchen in bietet jungen Kunst sprechen kann. Selbst in den mittleren Städten begegnet man häufig ganz überraschenden Leistungen, ein Zeichen dafür, daß jede Kunst die Nutzen bringt, sich auch rasch durchsetzt. Trotzdem bleibt doch immer noch rrcht viel im einzelnen zu wünschen übrig, besonders in der ,fitinen* Plakatkunst. „Kleine* Plakatkunst möchte ich bie bezeichnen, bie auf Geschäft«- Packungen (Bonbonschacht, ln, Konservendosen, Cigarrrnkistru u. s. f.) zu finden ist. Sie springt nicht so in bie Augen, ist weniaer erfolgreich als bie größere Schwester, dann glaubt fie, die Geschäftswelt auch mit vollem Recht weniger liebevoll behandeln zu dürfen. Abgesehen von einigen ganz großen Firmen, wie Stollwerk u. Feinhals in Köln unb ähnlich«, wird auf diesem Gebiete von unseren Geschäftsleuten noch ganz unglaublich gekündigt. Man stelle nur einmal ein paar Cwarrenkisten, G-lchäftskatalog«, Empfehlungsschreiben, Kakaopackungen wahllo« zusammen und vertiefe sich in diese« stilistische Tohuwabohu, und bie Augen gehen einem über. Hier ist noch fast alle« zu tun. Di« große Gleichgültigkeit des breiten Publikum», das durch den täglichen Anblick in seinem gesunden Em»finden abgestumpft wurde, mag gewiß viel an solchem Tiefstand« dieses Teiles unserer Kultur schuld fein, noch größere Schuld liegt aber bei den Fabrikanten dieser alltäglichen Bedürfnisse. Würde» fie bessere Sachen anbieten, fie mürben bald da« Publikum gewonnen haben. Denn immer noch ist unser Volk so ge* funb in seinem natürlichen künstlerischen Instinkt, daß el eine einfach« und atbiegene Kunst »ehr zu schätze» w-zK.