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Gtkeral-Anzeiger

ANtliches Organ für Stabb und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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verantworti. Rebafteur: 8. Schrecker in Hana».

9tr« 297 Nernsprechanschluh Nr. 605»

MontH bcn 20. Dczcmicr

K«rn!vrcchanM»s> Nr. 608. 1909

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die Weihnachtsbescherimg der Kinderkrippe findet am Mittwoch den 22. Dezember, nachm. 4 Uhr, diejenige der Kleinkinderschule am Donners­tag den 23. d. Mts, nachm. 4V* Uhr, im Gebäude der Kleinkinderschule, Nußallee, statt.

Einlaßkarten können bei der Kleinkinderschule bis zum Mittwoch morgen in Empfang genommen werden.

Etwaige Gaben werden ebenfalls dort entgegeugenommen. Hanau den 17, Dezember 1909.

Der Magistrat.

Hild. 28803

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Hanau belegenen, im Grundbuche von da, Band 70 Blatt 3717, Abteilung I Nr. 1 und 2, zur Zeit der Eintragung des Ver- steigerungsvermrrkeS auf den Namen des Gastwirts Ulrich Karl Pesoldt in Hanan eingetragenen Grundstücke:

Krtbl. EE Parz. Nr. 225/1, Sandeldamm 12 = 9 ar 21 qm,

a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten,

b) Nebengebäude (A),

c) Kegelbahn,

Krtbl. EE Parz. Nr. 209/1, Hofraum am Sandel­damm, 55 qm,

— Grbäudesteuernutzunaswert: zu a) = 2400 M., zu b) = 60 M., w c) — 135 M. —

— Gebändesteuerrolle Nr. 2760 —

— Grundsteuermutterrolle Artikel 2891 —

am 3. März 1910, vormittags 1t Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden. — 2 K 44/09. —

Hanau den 16. Dezember 1909.

__________Königliches Amtsgericht 2. 28755

Bekanntmachung.

Wegen des Jahresabschlusses bleibt das Bttrean der Kreissp-^rkasse vom 24. bis einschliehlich den 30. d. M. für den Verkehr mit dem Publikum geschlossen.

Hanau am 17. Dezember 1909.

Der Vorstand der Kreissparkasse.

Frhr. Laur. 28747

Gefundene und verlorene Gcgenstilii-e re.

Gefunden: 1 Schirmzeichen Nr. 142 von PH. Heinzinger, 1 alter schwarzer Damenpelz, 1 Mülleimer, 1 Kellerladen.

Verl oren: 1 gestickte unfertige Weste, 1 Pincenez m goldener Fassung an kleiner goldener Kette.

Zugelaufen: 1 schwarzer Dobermannpinscher m. Geschl., 1 kleiner schwarzer Hund mit weißer Brust, 1 gelber Hund w. Geschl.

Entlaufen: 1 Dobermannpinscher, schwarz-braun, w. Geschl., 1 wolfsfarbiger deutscher Schäferhund, 7 Monate alt, w. Geschl.

Hanau den 20. Dezember 1909.

politische Rundschau.

Konstituierende Sitzung des Deutschen Ko­lonialkongresses 1910. Im Hotel „Prinz Albrecht" zu Berlin fand, wie schon mitgeteilt, unter dem Vorsitze bei stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft, Konteradmiral z. D. Strauch die konstituierende Sitzung deS Komitee- de« Deutschen Kolonialkongreffes 1910 statt. Admiral Strauch gab im Namen des Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschast, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, dem Bedauern Ausdruck, daß es sich Seine Hoheit hätte versagen müssen, die konstituierende Sitzung selber zu leiten, wie er es bisher immer getan hat. Seine Hoheit wurde danach einstimmig ztim Präsidenten des neuen Kongresses gewählt, ebenso zum Vizepräsidenten Se. Ezell. der Kaiserl. Botschafter a. D. Wirkl. Geh. Rat Dr. von Holleben. Der Arbeitsausschuß des früheren Kongresses wurde wiedergewählt mit der Maßgabe, daß an Stelle deS verstorbenen Gesandten v. Braunschweig Generalmajor z. D.

Mueller, der frühere Kommandeur der Kameruner und Südwestafrikanischen Schutztruppe, tritt. Als Termin deS Kongresse« sind vorläufig die Tage vom 5. bis 8. Oktober nächsten JahreS in Aussicht genommen. Es wurde be­schlossen, daß die Anmeldung von Vorträgen bis zum 15. Mai bei dem Vorsitzenden des VortragSauSschusses zu er­folgen hat. Als Milveranstalter deS Kongresses sind über 160 Vereine und Institute eingeladen worden, von denen bereits gegen 100 zugesagt haben; den letzten Kongreß halten 87 Vereine und Institute veranstaltet. Auch zu der kon­stituierenden Sitzung war eine Menge von Vertretern er­schienen. Am Abend zuvor fand im Kolonialheim eine Begrüßung statt.

Eine grotze Nebersüttuug in der Auftizver- Waltung Bayerns hat den dortigen Justizminister von Mlliner veranlaßt, durch einen Erlaß alle Bewerber, die im zweiten Staatsexamen eine Drei erhalten haben, von der Anstellung als Richter auszuschließen. Diese „Dreier-Frage" hat vor einigen Tagen die bayerische Abgeordnetenkammer bei der Beratung des Justizetats beschäftigt. Dr. Müller- Meiningen gab der Ansicht Ausdruck, daß die Examensnote allein für die Verwendung als Richter unmöglich maßgebend sein darf und kann. Der Justizininister v. Miltner erklärte, daß ohne Rückwirkung die Justizverwaltung genötigt wäre, auf eine Reihe von Jahren hinaus immer noch Herren mit dritter Note aufzunehmen. Die Zahl, die da zu berück­sichtigen wäre, beträgt 200. Der ganze Bedarf der Justiz­verwaltung für Amtsrichterstellen beträgt rund 50 pro Jahr bei 600 Bewerbern, von denen eine große Anzahl die dritte Note hat. Abg. Goldschmidt betonte nach den „Münch. Neuest. Nachr." : Die Dreier können nicht mehr zur Justiz, sie können nicht zur Verwaltung, sie können nicht zum Notariat. Es wird auch £- dir. AnrrMschaft nicht sehr. vorteilhaft sein, wenn sie ausschließlich zur Anwaltschaft gehen, und schließlich können sie auch auS finanziellen Gründen vielfach nicht zur Anwaltschaft gehen. Nun bleibt diesen unglücklichen Menschen eigentlich gar keine Existenz mehr übrig. - Auch im Ausschuß der Kammer der Reichbräte wurde die Dreier-Frage erörtert. Hier machte Prinz Lud­wig darauf aufmerksam, daß früher manche, die im Staats­examen die dritte Note erhalten hätten, später zu hohen StaatSbeamlenstellungen aufgerückt seien. Es komme eben viel darauf an, wie sich der betreffende Beamte im Dienste bewähre. Die rückwirkende Kraft deS Ministerialerlasses ist in beiden Kammern deS Landtags entschieden verurteilt worden.

Die Landtagsstichwahlen im Grotzherzogtum Sachsen-Weimar haben am Freitag stattgefunden. Es wurden gewählt: 5 Freisinnige, 2 Nationalliberale und 3 rechtsstehende Kandidaten. Der Reichslagsabgeordnete Leh­mann wurde trotz der gegen ihn ausgegebenen liberalen Wahlparole in Berga a. d. Elster, mit knapper Mehrheit gewählt. Nach dem jetzt vollständigen Ergebnis der allge­meinen Wahlen sind gewählt: 8 rechtsstehende Kandidaten, 10 Liberale (Freisinnige und Nationalliberale), vier Sozial­demokraten und ein Angehöriger des Zentrums. Hierzu kommen noch 15 Abgeordnete der privilegierten Wähler. Die Sozialdemokraten haben, gegen den letzten Landtag, ein Mandat gewonnen.

Die deutsche Kriegsgefahr im englischen Wahlkampf. Der englische Lord Curzon hielt in Derby eine Rede, in der er auf die Beziehungen zu Deutschland zu sprechen kam. Er sagte, die KriegSwolke erhebe sich bereits in etwas bedrohlichem Umfang. Wenn man nicht sorgsam mache, könnte sie eine Form annehmen, daß sich unter Um­ständen, welche hoffentlich niemals eintreten würden, ein Ver­derben bringender Regenguß auf England herabstürzen könnte. Wenn dem so sei, sei eS ein Gebot der einfachsten Klugheit, Maßregeln zu treffen, um zu verhindern, daß die Gefahr eine solche Ausdehnung gewinne. England brauche Be­schäftigung, Wohlfahrt und Fortschritt; aber die Bedingung für alles dies sei die Sicherheit. — In Beckenham sprach Lord Weardale und führte aus: „Laßt unS die Deutschen nicht als Feinde betrachten, sondern als ehrenwerte Rivalen, die wir nicht fürchten, und lehnen wir eS ab, sie als Feinde zu behandeln, bloß weil sie zufällig unsere Handelsrivalen sind." — In Liverpool protestierte der UnterstaatSlekretär für die Kolonien Seely gegen den unglücklichen Versuch, am Vorabend der Wahlen einen Streit zwischen England und Deutschland aufzuwühlen, mit dem seiner Ansicht nach Eng­land immer in Freundschaft leben werde. Die britische Flotte werde nicht herauSgeforden werden. An Bemannung, Schiffen und Geschützen sei sie doppelt so stark wie jede andere Flotte.

Eine Beruttglimpsuufl deutscher Soldaten durch Bilder eine« kinematographischen Theaters in Neapel

hat Anfang November in deutschen Blättern Aufsehen er­regt, und eS waren damals sogleich konsularische Ermitt­lungen ungeordnet worden. Diese wurden dadurch erschwert, daß der Vorfall in Neapel, besonders auch in der dortigen deutschen Kolonie unbeachtet geblieben, dem Generalkonsulat keine Anzeige zugegangen und in den Zeitungsberichten keine nähere Bezeichnung deS Ortes der verletzenden Schaustellung enthalten war. Es mußten deshalb die Programme sämt­licher kinematographischer Theater Neapels durchforscht werden. Schließlich ergab sich, daß unter dem harmlosen Titel „Der Großvater" die betreffende deutschfeindliche Nummer ver­borgen war. Ihre weitere Vorführung wurde dann ver­hindert. — Wir sind, so schließt eine offiziöse Berliner Zu­schrift der Süddeutschen Reichskorresponbenz diese Fest­stellungen, auf diese Angelegenheit nur zurückgekommen, um Akt zu nehmen von der Bereitwilligkeit, mit der die italienischen Behörden zur Ermittlung und Abstellung eines üblen Unfugs das ihrige getan bat.

Ueberscküffe im ungarischen Etat. Die dem ungarischen Abgeordnetenhause vorgelegte Schlußrechnung für 1908 meist einen so beträchtlichen Ueberschuß der Gebahrung des Staatshaushalts auf, daß daraus der größte Teil der Annexionskosten gedeckt werden könnte.

Das Programm des neuen italienischen Kabinetts-

Rom, 18. Dez. sDeputiertrnkammer.) Der Saal und die Tribünen find stark besetzt. Alle Minist« und etwa 400 Abgeordnete sind zugegen. Der Minist«- präfldent Sonnino erklärt: Die Regierung werde demnächst mit bestimmten Gesetzesvorlchlägen hervortreten. Für heute beabsichtige er, die Absichten ber Regierung in den wichtigsten Punkten und Fragen der allgemeinen politischen Richtung darzulegen. Er bitte die Kammer, die Erörterung über sie Postbampfer-Linien für kurze Zeit zu unterbrechen, um der Regierung Zeit zum Studium der Frage zu lassen. Di« Regierung beabsichtige, einen dringenden Gesetzentwurf vor» zulegen, der jetzt die auf verschiedene Ministerien verteilten Angelegenheiten der Handelsmarine und der dazu gehörige« Industrien in ein Marineministerium vereinigen werde. Weiter sollen der Ackerbau, die Forsten und die Bergw«k« von dem Ministerium für Arbeit, Industrie und Handel los­gelöst werden, das sich künftighin auch mit den Handelsver­trägen und dem Versicherungswesen usw. zu beschäftigen haben wild. Sodann soll ein besonderes Eisenbahnministerium ge­schaffen werden, um bit Verwaltung zu vereinfachen und deren Verantwortlichkeit gegenüber der Regierung zu v«- stärken, ohne ihre unerläßliche Autonomie zu beeinträchtigen. Der Schatzminister werde demnächst mit strenger Klarheit die Lage des Budget? entwickeln, dessen günstigen Verhältnissm das finanzielle Gleichgewicht bei den örtlichen Verwaltungen entsprechen müsse. Im weiteren Verlauf seiner Rede kündigt« der Ministerpräsident an, daß die Regierung die Gesetze üb« den obligatorischen Unterricht, die sozialen Reformen, bie allmähliche Wiederherstellung der Staatsforsten und die ernst­hafte Anwendung der Gesetze zugunsten der südlichen Pro­vinzen nachdrücklich fördern werde, ebenso wie die Arbeit an der Beseitigung ber Folgen der furchtbaren Katastrophe von Reggio und Messina. Angesichts dies« mannigfaltigen, schwerwiegenden Anforderungen sei her Augenblick für Steuererleichterungen wenig geeignet. Die Hauptaufgabe sei jetzt der Schutz von Arbeit und Kapital, der beiden ständigen Quellen nationalen Wohlstandes. Das militärisch« Programm zu Wasser und zu Lande wird weiter durchgeführt werden mit Eifer und Vertrauen, entsprechend dem Willen deS Lande« und den Anforderungen der nationalen Ver­teidigung. Der Ministerpräsident fuhr wörtlich fort: In Sacken der auswärtigen Politik wäre vielleicht jede Erklärung überflüssig, wenn man daran denkt, mit welcher Konsequenz und Einmütigkeit deS Urteils sich das Parlament zugunsten ber bisher ringehaltenen Richtung ausgesprochen hat. Di« Beziehungen zu den verbündeten Mächten waren nie so ver­trauensvoll wie in letzter Zeit. Der Dreibund bedeutet nach wie vor nicht allein einen mächtigen Faktor im Dienste bei Friedens, sondern auch bie Garantie unserer Interessen. Die schon lange Zeit bestehenden FreundschaftSbeziehungen mit England und Frankreich fügen sich den aus der italienisch- russischen Annäherung Hervorgegangenen an, die in der jüngsten Unterhaltung des Königs mit dem russischen Kaiser ihren Ausdruck fanden. Der herzliche Meinungsaustausch, den diese Freundschaltsbeziebungen gestalten, während sie in keiner Weise mit den Bündnisverträgen im Widerspruch stehen, begünstigen deren Zwecke und stellen eine neue Friedens­bürgschaft. DaS ständige Ziel unserer Politik ist der Friede, in dem gleichzeitig mit der Sicherheit des Landes dessen Hoh« moralisch« und wirtschaftliche Interessen ihren Schutz finden.