Erstes Blatt.
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Metotionldrsif und verlaq der Buchdrucker« Set »erein. n, Baifenboufe» tat Hanan.
General-Anzeiger
AAtliihcs Grgllil für SlaM= un) faalikrtb Samu
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fünf gehalten« ßetitjetle oder seren Raum M Pt» im Sreklameuteil die Zeile Lb Pt».
«erantmortl. Redakteur: «.Schrecker in Hanan.
Nr. 294 F-rnspr-chanschlus; Nr. 605.
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14 Seiten.
Amtliches.
LanâKreis hanau»
Unter den Schweinen in Windecken ist die Schwrine- seuche erloschen.
Hanau den 16. Dezember 1909.
Der Königliche Landrat.
V 6803 Frhr. L a u r.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Verstenerung d r Pacht- und Mietverzeich Nisse über die im Kalenderjahre 1909 in Geltung gewesenen Pacht- und Mietverträge und zwar nicht nnr über die schriftlichen, sondern anch über die mündlich abgeschlossenen bis zum Ablauf des Monats Januar 1910 bei der zuständigen Zollstelle zu bewirken ist.
Hanau den 13. Dezember 1909.
_____ Königliches Hanptzollamt. 28427
Gefundene und verlorene Gegenstiindc re.
Gefunden: 1 Schülermütze (Realschule).
Verloren: 2 Schreibkladden gez. O 77/08, 1 Säckchen âLonsumularre>l, 1 AehymarsM OgM Leibt^Seide, ^goldener Kneifer mit Eiuis.
Abhanden gekommen: 1 kleiner runder Mülleimer.
Zugelaufen: 1 junger schwarzer Hund mit weißer Brust m. Geschl.
Hanau den 16. Dezember 1909.
Politische Rundschau.
Der Viereransschntz der linksliberalen Fraktionsgemeinschaft stellte den Entwurf des Einigungsprogramms und des Organisationsstatuis mit den besonderen Uebergangsbestimmungen fertig. Der Entwurf, von dem der Fraklionsgemeinschaft Kenntnis gegeben worden ist, geht nunmehr an die einzelnen Partei-Instanzen, wird aber alsbald veröffentlicht werden. Als Name der geeinigten Partei schlägt der Viererausichnß „Deutsche freisinnige Volkspartei" vor. Die Panriverschmelzung dürfte damit in greifbare Nähe gerückt sein.
Die Parlamentswirren in Oesterreich. — Ein Dauerredner. Nach einer zwölfstündigen Rede des Tschechen Kollarz' kam es zu turbulenten Lärmszenen. Ein Galeriebesucher ruft in den Saal: „Das lassen wir uns nicht gefallen, das ist unerhört. Ich zahle jährlich 4400 Gulden Steuer und lasse mich nicht behüten und bestehlen !" Auch eine Dame ruft von der Galerie: „Pfui, pfui 1" Im Saale entsteht großer Lärm. Der Präsident wird aufgefordert, die Galerie räumen zu lasten. Der Lärm wird immer größer. Bei der Räumung der Galerie kommt es zu Zusammen- P’-fjen. Endlich legte sich der Lärm.
Di, Verinâhlnngsfeler in Braunschweig.
Braunschweig, 15. Dez. Das Kaiserpaar ist heute vormittag im Sonderzuge hier eingetroffen. Zum Empfange hatten sich auf dem Bahnsteige eingesunden: der Herzog- regent Johann Albrecht in der Uniform des Leibgardehusaren- regimeuls, die Großherzogin' Maria von Mecklenburg- Schwerin, die Mitglieder des braunschweigischen Staats- ministeriums, der kommandierende General des 10. A- meekorpS, die Spitzen der staatlichen und städti'chen Behörden. Der Kaiser, der gleichfalls die Uniform des Leibgardehusarenregt- ments trug, begrüßte auf' das Herzlichste die Großherzogin Maria und hiernach den Herzogregenten. Nachdem dieser der Kaiserin beim Verlassen des Salonwagens behilflich gewesen und von ihr herzlichst bearüßt worden war. überreichte er ihr ein Rosenbukett. Im Fürstruzimmer des Bahnhofs fand die Vorstellung des GeiolgeS statt. Auf dem Platz vor dem Bahnhof erwies eine Kompanie des Braunschweigischen Infanterieregiments Nr. 92 die militärischen Ehren. Beim Erich inkn des Kaiserpaares brachte das zahlreiche Publikum herzliche Kundgebungen dar. Begleitet von zwei Halbeskadronen des Braunschweigischen Husarenregiments Nr. 17 begaben sich die Fürstlichkeiten nach dem Schlosse und zwar fuhren der Kaiser und der Herzogregent im offenen Vierspänner, die Kaiserin mit der Großherzogin im geschlossenen Galawagen.
Donnerstag bett 16. Dczcmbcr
Mittags fand im Schlösse die Zivillrauung deS Brautpaares statt, an das sich unmittelbar die kirchliche Trauung im Dom antchloß. Die Herrschaften versammelten sich in der Burg Dankwarderode, wo eine Ehrenkompanie die Honneurs erwies. Im Dome banden sich die Spitzen der Behörden und eine große Zahl geladener Gäste ein. Am Hochaltar stand die evangelische Geistlichkeit Braunschweigs. Ein Orgelspie', intoniert von Professor Schrader, durchbrauste das Gotteshaus, als der Zug der fürstlichen Gäste nahte. Als der Domckor mit einem a eapeUa-Gesang einsetzte, nahie bei eigentliche Brautzug unter Vorantritt der braunschweigischen Hofchargen, der Herzog geleitet von der Großherzogin Maria von Mecklenburg-Schwerin und der verwitweten Fürstin- Mutter von Stolberg-Roßla, die Braut geleitet vom Groß Herzog von Mecklenburg-Schwerin und der Fürstin zu Stol berg-Roßla. Das Brautpaar nahm vor dem Altar Platz die fürstlichen Gäste dahinter auf dem hohen Chor. Nau dem Gemeindegesang hielt der großherzogl. mecklenburgische Oberhofprediger D. Wolff die Traurede und vollzog nach dem weiteren Chorgesang die Trauung unter Assistenz des Herzog!, braunschweigischen HofpredigerS D. v. Schwartz uif des fürstl. Stolberg-Roßlaschen Konsitiorialraies Vorwerk Chorgesang und Gemeindegesang schloß die ,' ei er. Die Orgel setzte mit der ^-nwU-Fuge von Fach ein und in feierlichem Zuge verließen die Füistlichkeiten das Gotteshaus, das neuvermählte Paar voranschreitend, dann der Kaiser mit der Großherzogin Maria von Mecklenburg, während der König von Bulgarien mit der Kaiserin und die übrigen Fürstlichkeiten sich anschlossen. Es folgte in der Burg die Gratu- lationseour für die Fürstlichkeiten, die Gefolge und die Geladenen fremder Höse. Der Kaiser verlieh eine Reihe von ^rden.
Die Meischtenerung.
Dresden, 15. Dez. Die Zweite Kammer verhandelte in ihrer heutigen Sitzung über die freisinnige Interpellation, betreffend die Fleischtenerung. In seiner Begründung der Interpellation betonte Abg. Koch (freis. Dpt.), daß zu der Fleischteuerung auch die Drotteueung hinzukomme. Die Folge sei eine Unterernährung der Bevölkerung. Die Landwirtschaft sei trotz alles Schutzes, den sie auf Kosten der übrigen Bevölkerung genieße, nicht in der Lage, so viel Vieh auf den Markt zu bringen, als für die Ernährung des Volkes notwendig sei. DaS wichtigste Mittel zur Abwendung der Fleischteuerung sei die Oeffnung der Grenzen: vor allem gegenüber Dänemark und Amerika, natürlich unter Beobachtung aller gebotenen veteriuärpolizrilichen Maßregeln. Daneben bedürfte eS einer Ermäßigung der Ge- treidezölle und einer Herabsetzung der Futtermitielzölle. Würde die sächsische Regierung in dieser Beziehung Vorgehen, so roüibe sie das ganze Volk ebenso hinter sich haben, wie neulich gelegentlich der Denkschrift über die Schiff- fahrtsabgaben. Staatsminister Graf v. Vitzihum-Eckstâdt wies in Erwiderung an der Hand von statistischem Material nach, daß eine Viehteuerung, soweit Rinder und Schafe in Frage kämen, nicht bestehe. Nur die Schweinepreise hätten sich auf der Höhe von 1906 erhalten, dagegen seien die Fleischpreise der Bewegung der Viehpreise nicht überall gefolgt. Das liege zum Teil an dem zähen Festhalten der Fleischer an den einmal errungenen hohen Flei'chpreisen und an der Ausbildung des Zwischenhandels. Die Erzeugn'igs- kosten deS Fleisches seien in stetem Wachsen begriffen; bei den Landwirten infolge des Umstandes, daß sie Krastfatter- mittel verwenden müssen, um der Nachfrage nach besserem Fleisch zu genügen, bei den Fleischern infolge höheren Aufwendungen für die Ausstattung der Läden u. s. w. Vor allem aber werde das Fleisch verteuert durch den Zwischenhandel. Diesen zu beseitigen, wäre allerdings verfehlt, nur müsse der Zwischenhandel auf ein vernünftiges Maß znrückgeiührt werden. Das Fleisch würde ferner verteuert in den Städten durch die Schlachihofgebühr; ob die Städte zu diesen Abgaben ein Recht hätten, wolle er nicht untersuchen, nur dürfe man die teueren Flei'ch- preife dann nicht den Landwirten in die Schuhe schieben. Als Maßnahmen gegen die Fleischtenerung empfehle er in erster Linie den Weg der Selbsthilfe und zwar durch den genossenschaftlichen Viehverkauf. Es sei möglich, nur müsse unsere Landwirtschaft in die Lage versetzt werden, die nötige Futtermenqe selbst zu erzeugen. Der Minister betonte hier- bei im Hinblick auf das Verhältnis zu Amerika, daß wir diesem Lande gegenüber nicht den letzten Trumpf aus der Hand geben sollten. Die geforderte Aufhebung der Grenzsperre würde nur bedeuten, daß die Viehbestände der Seuchen- gefahr schutzlos preisgegeben würden und es würde eine noch größere Steigerung der Fleischpreise eintreten. Unsere Fleisch- erzeugung sei einer starken Ausdehnung fähig und werde auch in Zukunft möglich sein, dem attestierten Bedarf zu ent«
Mernfprechanschluk Nr. 605. 1909
sprechen, nur müsse die Viehzucht in die rechten Bahnen geleitet werden. Die deutsche Landwiri'chist müsse ihre Futtererzeugung steigern. Der Minister schloß: Nach alledem erblickt die sächsische Regierung in einer verständnisvollen fteti« den Förderung der landwirtschaftlichen Viehzucht das natür- li bße und sicherte Mittel, die Fleischpreise so zu gestalten, daß dem Gewerbe ein angemessener Verdienst wird, ohne daß der Verbrauch übermäßig belastet wird.
Hus aller Mell.
Ein «etter Gesangverein. Durch die vielen Fenster- änbrüche der letzten Zeit wurde die Berliner Kriminalpolizei luf den Gesangverein der „Kalupen" aufmerksam gemacht, ger in einem Lokal deS Ostens seine Gesangstunden abhielt mb dessen Mitglieder als Vereinszeichen einen perlmuttenrn Vferdekopf auf der Krawatte trugen. Der Präsident der ZangeSbrüder, die meist des Nachts mit ihren Bräuten bei frohem Zechgelage ihren Studien im gemischten Chor ob« agen, ist der „Schwarze August". Statutengemäß wurde einer unter 18 Jahren Mitglied, 30 Psg. war der Mindest- ivochenbeitrag. Wenn ein Mitglied in „Verdruß" kam, sollten ihm statuarisch 3 Mk. pro Tag gewährt werden. Diese Statuten fanden merkwürdigerweise nicht den Beifall der Polizei, sondern vorige Woche hob sie den Verein kurzerhand auf, d. h. sie verschaffte sich des Nachts Zutritt zu den Gesangsübungen der „Kalupen" und verhaftete sämtliche SangeSbrüder und Sangesschwestern. Don den sieben Mitgliedern waren den „Geheimen" der „Hosen-Otto", der „Polen-Hermann" und „Schneider-August" alte Bekannte. Bei den Haussuchungen, die die Polizei später vornahm, kam es heraus, daß den „Kalupen" eine große Anzahl der letzten Einbrüche, unter anderem auch der Bei Juwelier Hanusch, wo für 10 000 Mk. Goldlacken erbeutet wurden, aufs Konto zu setzen ist. Der Präsident „Schwarzer August" wurde in Deutsch-Krone mit seiner Sangesschwester verhaftet, gerade, als er sich mit seinen Eltern versöhnen wollte.
Latvinenstürze in Tirol. AuS vielen Tälern Tirol» laufen Meldungen über Lawinenstürze ein, die zum Teil Diel Schaden anrichteten und den Verkehr auf den Straßen sperrten. Im Groednertale riß eine mächtige Lawine drei Skifahrer mit sich fort. Die Fahrer vermochten sich zwar zu retten, haben aber bedeutende Verletzungen erlitten.
Zum Fall Steinheil. Marietta Wolf, die Köchin der Frau Steinheil, hat ihre Rolle als Zettelanschlägerin auS- gespielt und wendet sich nun, zur großen Heiterkeit deS Publikums, der Bühne 51t
Die Hofrichter-Nffäre. Wie aus Wien gemeldet wird, geht daselbst in der Hofrichter-Affäre daS Gerücht, die chemische Untersuchung deS GifteS, welches an die Offizier« versandt wurde, habe ergeben, daß nicht reineS Cyankalt, sondern Chinin an die Offiziere verschickt worden ist. Wir gemelder, hat Hofrichter in Linzer Apotheken mehrmals Chinin gekauft.
Ein Luthervenkmal demoliert. In Eberswalde ist daS Lutherdenkmal durch Vandalenhände teilweise zerstört worden. Die Berliner Kriminalpolizei sucht, dem „Lok.-Anz." zufolge, mittels Polizeihunden nach den Denkmalsschändern.
Einem raffinierten Gannerkniff ist die bedeutend« Diainantenfirma Halberstadt & Hakker in Amsterdam zum Opfer gefallen. Vor einigen Tagen stieg im hiesigen Amstel- Hotel, wo die reichen amerikanischen Geschäftsleute zu wohnen pflegen, ein vornehm aussehender Amerikaner ab, der sich in daS Fremdenbuch als Charles F. Dixon. Vertreter der großen Newyorker Uhrenfabrik The Woltham Watch Company, einschrieb. Dem Hotelleiter machte Mr. Dixon, der sich ausschließlich der englischen Sprach« bediente und keine ander« zu verstehen schien, di« Mitteilung, er sei nach Amsterdam gekommen, um für feine Uhrenfabrik di« zur Garnitur notwendigen Diamanten einzukauftn, und erbat sich von ihm die Empfehlung an eine bedeutende Amsterdamer Diamanten- firma. Der Hotelleiter sandte seinen Gast in Begleitung des Hoteldolmetschers zu der Firma Halberstadt & Hakker, der die unverhoffte Kundschaft deS Amerikaners um so anangenehmer war, als Mr. Dixon gleich beim Eintritt in das Geschäfts' okal der Diamantenfirma Barzahlung in Aussicht stellte. Der Käufer traf rasch die Auswahl und ließ sich mehrere Serien Diamanten im Werte von 30000 Gulden einpacken. AlS Barzahlung gab er aber keine Banknoten, sondern zwei von der Nèw-Porker Firma The Waltham Watch Company ausgestellte Checks, zahlbar in London bei der dortigen Union and Smith-Bank. Darin sahen die Herren Halberstadt & Hakker nichts Auffälliges, weil eS im Diamantenhandel, bei dem es sich meistens um große Summen handelt, Gebrauch ist, mit Checks zu zahlen. Sie nahmen daher diese an und händigten bent Käufer die Ware auS. Erst als die beiden Checks am Tage darauf bei der Londoner Bank zur Zahlung präsentiert wurden, stellte es sich heraus, daß sie gefälscht waren und daß die Newyorker Uhrenfirma mit ihr in keiner Verbindung stand. Nun machten die geprellten Diamantenhändler die Anzeige bei der Polizei. Aber der Gauner war natürlich lange über alle Berge, und bei dem Vorsprung, den er hat, wird «s schwer fein, ihn »inzuhoi««.