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Beraniworü. Redaktmr: S. Schrecke, in Hauau.
Nk. 284 Arrnsprechanschluf; Nr. 605
Samstag den 4. Dczmcbcr
Fernsprrchanschlittz Nr. 605.
1909
Sie blutige Kummer umfafit anfitt KünkrialhnyiM
24 Seiten.
AmUIchk«.
Zwecks Vornahme von NnsbtsserungSarbeiten wird auf Grund des § 63 der Straßenpolizeiverordnung für den Stadtkreis Hanau vom 28. Mai d. J. das Belahren der Siralenüberführungen am Ostbahnhof hier über da» Gleis der Strecke Frankfurt a. M.— Bebra und Frank'urt a. M.» Ost— Aschaffenburg mit Dampfwalzen auf die Dauer von drei Monaten untersagt.
Hanau den 1. Dezember 1909.
Königliche Polizei-Direktion.
P 14180 J. A.: vr. v. Waldow, Neg.-Asseffor.
Hus Banau Stadt und Tand.
Hanau, 4. Dezember.
August Novcnstcm, der „Turnvater des Mittelrheinkreises".
Zu seinem 100. Geburtstage — 4. Dezember 1909.
„TaS Gedächtnis de» Gerechten bleibet in Segen."
Hundert Jahre sind es heute, daß ein Mann daS Licht der Welt erblickte, der sich auf den verschiedensten Gebieten große, unvergängliche Verdienste erworben, dessen Name in weitesten Volkskreisen einen guten Klang bat und dessen An- d'nken in würdiger Weise zu sciern^die Körperschaften, „bje , tbw so Vieles zu verdanken haben, miteinander wetteifern.
Am 4. Dezember 1809 wurde August Raven st ein zu Frankfurt am Main als Sohn eines fürstlich Primatischen Umerbeamten — sein Vater war Schreiber und Hausverwalter beim Stadtaericht — geboren. Schon mit sech» Jahren verlor er beide Eltern und kam nach beendetem Besuch der Volksschule zu dem Buchhändler Jügel in die Lehre. Eifrig bestrebt, seine lückenhafte Bildung zu vervollkommnen, erlernte er hier die französische, englische und italienische Sprache, zeichnete fleißig und bildete sich namentlich zu »'nem hervorragenden Topographen aus. Zu diesem Zwecke erlernte er nach Ablauf seiner fünfjährigen Lehrzeit in Mainz den Steindruck und Karlenstich und unternahm dann eine größere Wanderschaft, meist zu Fnß, durch Süddeutschland nach Sachsen. Jurückgekehrt, fand er in Frankfurt eine Stellung als Sekretär auf dein Kursbüro der Fürstlich Thurn und TaxiSschen General-Postdirektion, welche er 10 Jahre bekleidete und 1841 niederlegte. Er gründete hierauf die geographische Anstalt, die von seinem Sohne fortgesetzt, einen Weltruf besitzt.
Eine Reihe gemeinnütziger Vereine verdanken Ravenstein ihr Entstehen, so schon 1833 der „Geographische Verein"
II. Klimmermnsik-Abcnd der Fnnilsurtcr Quartett Verciniitiini,.
Nachstehend geben wir eine kurze Erläuterung zu dem am nächsten Montig zur Aufführung gelangenden Streichquartett 'n d-moll von Hugo Wolf.
„Entbehren sollst du, sollst entbehren". Dieses Motto, das auch Richard Wagner dem I. Satz der neunten Sinfonie v. Beethoven vorangesetzt, hat Hugo Wolf zum x Vorwurf seines â-mnll- Streichquartetts gewählt und damit seinem „Schmerzenskind", wie er es stets nannte, eine Devise zum Geleit gegeben, die leiter das Charakteristikum seines eigenen Lebens werden sollte. Das Werk, bereits im Jahre 1879 in Wien begonnen, erlebte seine erste öffentliche, von größtem künstlerischen Erfolge gekrönte Aufführung im Februar 1903 durch den „Hugo Wolf-Verein", nachdem es im Jahre 1885 von den Quarteltvereinigungen Rofö und Helmesberger aus unbekannten Gründen abgelehnt worden war. — Prof. Hr. Richard Wallascheck schrieb damals in der „Zeit", am 13. Februar 1903 über das Quartett, daß es stellenweise von echt Beethoven'schem Geist erfüllt und oft io gemütstief, ideenreich und klangschön sei, daß es, früher aufgeführt (Wolf starb am 22. Februar 1903) den Komponisten mit einem Schlag in die erste Reihe zeitgenössischer Tondichter hätte stellen können.
Wa» uns Hugo Wolff in seinem Streichquartett zu schildern weiß, ist in der Tat ein ernstes Stück seines an Entbehrungen und vielen Enttäuschungen reichen Lebens. Der intime Charakter der v er Streichinstrumente schien ihm besonders dazu angetan, die beklemmte Bnlst zu erleichtern; hier konnte er die rechten Töne finden, in denen sich sein ti<ü*<i Innere spiegeln sollte, eine auffallende Erscheinung,
und es würde zu weit führen, sie hier alle aufzuzählen. Desonder» wirkte er für Nmaestaltnnq und Verbesserung deS Schul, welenS und trat Ende der 1860er Jahre in Wort und Schrift kür Gründung einer Hochschule in Frankfurt ein. 1871 gründete er, selber ein rüstiger Fußwanderer, den Taunusklub und gab 1842 die Anregung zur Erbauung deS ersten FeldberghauseS.
Bahnbrechend ist aber Ravenstein ganz besonders auf dem Gebiete der Turnkunst geworden, die er in seinen Wanderjahren zu Mainz bei dem Turnlehrer Mämpel kennen gelernt und zu deren eifrigsten Verbreitern er zählte. Er gründete 1833 die erste Turngemeinde in Frankfurt, der er als Turn- wart vorstand und errichtete 1838 eine öffe"tliche Turn- anstalt, in der an Erwachsene und Schüler — auch an Mädchen — Unterricht in den Leibesübungen, außer im Turnen auch im Fechten und Exerzieren, erteilt wurde und die er in echt Jahn'schem Sinne lestete. Er schrieb damal»: .Ausbildung und Veredelung der körperlichen Kräfte und in ihrem Gefolge Stählung der Gesundheit, Beförderung der Sittlichkeit und Erzielung größerer Empfänglichkeit der Seele für die geistige Bildung sind der Hauptzweck der Anstalt." Durch Wort und Schrift warb Ravenstein unermüdlich der Tnrnsache neue Anhänger, er verfaßte 1841 ein .Handbuch für die Schüler der Turnanstalt in Frankfurt", da» 1844 und 1847 in zweiter und dritter Auflaae als .Leitfaden zur Turnlehre und Turnkunst" erschien, 1863 sein „Volksturn- buch", daS mehrere Auflagen erlebte und noch heute geschätzt wird. Von 1846 bis 1847 gab er daS „Nachrichtsblatt für Deutschlands Turnanstalten und Turngemeinden", 1843 auch ein .Turnliederbuch" heraus.
Für die Verbreitung des Turnen? dienten namentlich auch die Wetturuen, die Ravenstein von 1841 an mit den benach- barten Beremen von Mainz und Hanau gemeinsam veranstaltete. Diese Wetiurnen wurden 1844 auf den Feld- berg verlegt, wo sie noch heute in Blüte sieben und zu großartigen Volksfesten geworden sind. Zur Besprechung über diese Weilnrnen und andere gemeinsame Angelegenheiten fanden von 1841 an Zusammenkünfte der beteiligten Vereine auf der Mainkur statt, die als die Anfänge d e S heutigen Mittelrbeinkreises zu betrachten sind. Schon 1846 schlug Ravenstein eine Einteilung Deutschland» in Turnbezirke vor, ganz ähnlich, wie sie heute in der Deutschen Turnerschaft in mustrraültiger Weise durchge» führt ist. Die 1845 erfolgte Gründung eines „Verein» für körperliche Ausbildung der Jugend" ist gleichfalls fein Werk.
— In dem Sturm» und Drangfahr 1848 veröffentlichte Ravenstein als Flugblatt sein „Turnerische» Glaubensbekenntnis", in dem er sich als Deutscher und „rin Mann de» friedlichen Fortschrittes" auf gesetzlicher Bahn bekannte, aber die Ansicht vertrat, daß die Turnvereine als solche sich nicht „in den Dienst einer politischen Partei, und fei es die ehr-nhafteste" zu stellen hätten, wodurch er sehr im Gegensatz zu den meisten der damaligen Turner stand, wenn auch heute fein Standpunkt als ein miAtiner
die wir bei fast allen unseren großen Tondichtern zu beobachten Gelegenheit haben. Sie alle kehren, sobald es sich um die musikalische Beichte ihres eigenen Lebens handelt, zu der biegsamen und weichen .Klangfarbe des Streichquartetts zurück, trotz der Wucht und der reichen Mittel, die ihnen in der Tonsprache des großen Orchesters zu Gebote stehen. So sehen wir Beethoven sich uns selbst gebend, seine tiefsten Gefühlsregungen uns offenbarend in. seinen letzten Quartetten, am deutlichsten wohl in dem großen a-moil op. 132 und Es-diir op. 127, mit welch letzterem das Wölfische Quartett in seiner ganzen Anlage große Ähnlichkeit haben dürfte. Das Andante aus Brahms B-dnr Streichquartett ist unstreitig einer der schönsten Sätze, die der Meister geschrieben, ein reines Seelenbekenntnis. Smetana findet in seinem Quartett „Aus meinem Leben" ergreifende Töne sein Schicksal zu schildern, das ihn besonders hart getroffen durch den Verlust seines GchörS. Dvorak be'^es ^ammermufifmerf, das großangelegte Streichquartett in As-dur ist ebenfalls als ein musikalisches Bild seines eigenen Lebens anzusehen. Selbst der ewig jung gebliebene Haydn spricht besonders in einigen langsamen Sätzen seiner 83 Streichquartette eine geradezu rührende Herzenssprache, wie er solche niemals schöner dem großen, gewaltigen Orchestersatz zu geben vermochte. Welch n Wert unsere Meister der Tonkunst der AuSdruckssähigkeN des Streichquartett» beigelegt, mag da» eben Erwähnte zur Genüge bezeug-n; um so erfreulicher ist deshalb auch die Ta'sache, daß sich die reiche Quartettliteratur dem Verständnis einer stets wachsenden Gemeinde mehr und mehr erschließt.
„Entbehren sollst du, sollst entbehren". Den bitteren Lebenskampf, den diese Worte künden, schildert uns Hugo Wolf in der breiten Anlage des I. Satzes. Schon baS majestätisch anbebende „(Vr ane" in der Einleitung, mit dem oft wilden, trotzigen Ausjchrei in der I. Violine, die jchtverrn, ,
Grundsatz der Detilschen turnerfchaft längst anerkannt ist. Ravenstein stand bi» 18.',8 an der Spitze der von ihm inl Leben gerufenen Feldbergfeste und leitete seine Privatturnanstalt bis 1863, wo sie durch die Gründung verschiedener Frankfurter Turnvereine entbehrlich geworden, einging. Er hatte noch die Freude, da» herrlich« V. Deutsche Turnfest zu Frankfurt im Juli 1880 mit zu erleben und starb am 31. Juli 1881.
Die deutschen Turner, namentlich He Frankfurt» und bei Mittelrheinkreiie», die diesem echt deutschen Mann« so viel Dank schulden, gedenken an seinem hundertjährigen Geburtstag seiner in dankbarer Ehrung. Heute vormittag findet eine einfache Gedächtnisfeier an seinem Grabe auf dem Frankfurter Friedhof statt und am morgigen Sonntag wandern die Scharen der Turner und die Mitglieder de» Taunu»- klubs auf den durch ihn so recht volkstümlich gewordenen Feldberg, um dort eine ihm geweihte Gedenktafel zu enthüllen. August Ravenstein wird der Deutschen Turnerschaft ein leuchtende» Vorbild bleiben für alle Zeiten.
H. Heusohn.
• MNstonsarbelt. In der Adventbzeit hören wir oft von dem Kommen de» Herrn, auch davon, daß er kommrn will zu allen Völkern der Erde. Durch die Mission wird ihm der Weg bereitet, daß der König der Ehren überall seinen Einzug halten kann. Dit Advent»zeit ist rechte M i s s i o n »z e i t, recht geeignet für eifrige Mission?» arbeit. Deshalb will in dieser Zeit Herr Missionar Mohr auch unsere Gemeinden einlaben zu fleißiger Mitarbeit an diesem großen Werk bei Herrn. Lange Jahre hat «r als Basler Missionar an der Goldküste in Westafrika gearbeitet und zuletzt da» dortige Mission»grbi«t als General- Prä >e» geleitet. Jetzt will er von seiner Arbeit in der Heimat berichten und durch Lichtbilder feine Bericht« veranschaulichen. So Gott will wird er am Sonntag vormittag in Langenselbold, am Abend in E i ch e n, am Montag abend in R ü d i g h e i m , am Dienstag abend in Großauheim, am Mittwoch in H o ch st adt, Donnerstag in Bergen, Freitag in Windecken, Sonntag in Wachenbuchen, nachmittag» in Mittelbuchen und abend» in Bruchköbel Vorträge au» seiner reichen Erfahrung auf jenem MilsionSgebiet halten. Hoffentlich werden die Gemeinden ihm überall freundliche» Entgegenkommen erweisen und diese heimische Arbeit de» verdienten Missionar» mit reger Teilnahme begleiten.
• Deutsche Ksloulnsgesellschaft, Abt. Hanau. Wir lchgn an dieser Stelle bekannt gegeben worden ist, findet nächsten Dienstag, abend» 81/* Uhr, im Saale der „Eon» corHa* ein öffentlicher Vortrag mil Lichtbildern statt. Di« Dortrag-ndr Frl. Maria Karow spricht über eigene Erlebnisse in Drutsch-Südwestafrika und erzielte überall großen Beifall. In BreSlau fand ihr Vortrag vor 1800 Zuhörern statt. — Wir bemerken noch, daß auch Damen zu dem Dor» tragSabende recht willkommen sind. dramatischen Accente im weiteren Verlauf bei I. Abschnittes, lassen uns deutlich den Kampf seine» Innern mit der Außenwelt fühlen, der er trotzend die Stirne zeigt, kostet ei auch die letzte Anstrengung, um im Kampfe mit ihr nicht unter» zugrhen. Der II. Satz, in der Tat von echt Beethoven- schem ©cifte erfüllt, ist eine völlige Ergebenheit in da» unabwendbare Schicksal. Die sich hier anSbreitende trostbringende Ruhe wird stellenweise scharfkontrastierend durch ein düsteres, gemahnend«« Motiv unterbrochen, bai er» schreckend sein Innere» durchbe'ck. Der befriedigend« AuS- klang diese» rein klassischen Srhei spricht am besten für bie Bedeutung seine« Schöpfer«. Jm III. Teil« wechseln Trotz mit Schmerz und Milde; die Gedanken bei f. und IL Sahe» vereinigen sich hier versöhnend und versuchen für kurze Zeit über bie Miseren beS Alltagsleben« hinwrqzutäuschen (bei leichte Tanzrbvthmus beS Trio«). Der IV. Satz läßt heitere und ernste Momente, wenn auch oft nur skizzenhaft, in knapper Form an uni vorüberziehen. Im Strudel der ®el< scheint der Komponist sich von dem Banne der ihn quälenden Geister befreien zu wollen; trotz hartem, verzweifelndem Kampf« gelingt eS ihm nicht, er ist ihnen verfallen, fein eigenes Ich erweist sich schließlich doch all zu ohnmächtig, um diesen entrinnen zu können. Mit einer’ letzten, aufbäumende,l Kraftanstrenaung schlirßt da» gedankenreich«, dramatische Quartett. -
Mög, nun birfe kurze Erläuterung dazu beitragen, da» Ve'ständn's für das grabangelegte Weik zu fördrrn, und ei ber Aufführung desselben beschikden sein, wenn auch nur einen kleinen Krei« neuer Freund« dem „Schmerzenskind" des so früh verstorbenen Meister« wuifubrtn, dann sehen wir un» reichlich, aufs schönst« belohnt für bie Mühe, bie wir auf die Einstudierung diese» schwere» Opus vermenbd haben.
Konzertmeister H«rman» Lvâ. Frankfurt I SU