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Erstes Blatt.

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Wotlenlbrudf und Berles der Buchdruckers b» »er«», n, Waijeuhause» in Hanau.

Gencral-Anzeiger

Amllichcs Grgau für Stadt- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Zpernsprechanschluh Nr. 605.

Sie iMe Nummer umftßt außer d.NuterialtuMilat!

16 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.

Die hiesigen Landwirtschafltreibenden, in deren landwirt­schaftlichen Betrieben im laufenden Jahre Veränderungen durch Ab- und Zugänge in den Bebauungsflächen eingetreten sind, werden aufgefordert binnen 5 Tagen (spätestens bis zum 8. Dezember) diese Veränderungen im Rathaus, Sladtsekretariat, Zimmer Nr. 12, anzuzeigen.

Hanau den 2. Dezember 1909.

Hessen-Nassauische landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft Sektion Hanau-Stadt.

Hild. 27243

Zum Wettbewerb um die Preise der Behrens- und Zwernemannstiftung werden folgende Aufgaben gestellt:

L Behrensstistnng, Entwurf für einen reichen Gold­schmuck im Empirestil, bestehend aus: Halskette, Brosche, Gliederarmband, Ohrringen und Ring. Der Steinwert darf den Metallwert nicht übersteigen.

2. Zwernemannftisinnft, Entwurf von 3 Medaillons und 3 Anhängern, Ausführung in Gold, unter Ver- -______Wendung von einigen Steinen.

Die Arbeiten sind, mit einem Kennwort versehen (Brief­umschlag mit demselben Kennwort, in dem sich der Name des Anfektiaers befinden muß, ist beizufügen) bis spätestens 15. Januar 1910 an das Sekretariat einzuliefern.

Hanau den 2. Dezember 1909.

Der Direktor der Königs. Zeichenakademie.

______ ' Leven. __________27229

Gesiiiidcne und verlorene Geoenstiiiidt ic.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 1,02 Mk.

Verloren: 1 schwarzer Beutel mit schwarzen Tanz­schuhen und mit Fächer mit weißer Schleife, 1 kleines schwarzes Portemonnaie mit etwa 2 Mk.

Entlaufen: 1 junger bräunlicher Jagdhund m. Geschlecht.

Hanau den 3. Dezember 1909.

politische Rundschau.

Dem Reichstage ist weiter ein Antrag des Zentrums zugegangen, Anordnungen zu treffen, daß 1. dem Handwerk, insbesondere den Handwerksmeistern, die den Meistertitel zu führen berechtigt sind und den Vereinigungen selbständiger Hank werter (Innungen, Genossenschaften) in weit höherem Umfange als bisher Aufträge bei Lieferungen an die Reichs- Verwaltungen zufließen, 2. daß jährlich dem Reichsiage Nack» weisnngen über den Umfang bieder Lieferungen des Hand­werks vorgelegt werden. Ferner beantragt das Zentrum, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen das bandenweise Umherziehen der Zigeuner verboten wird.

Die Cinignng der Linken. Der ViererauSschuß der freisinnigen Fraktions-Genuinschaft hat am Donnerstag die erste Beratung des Entwurfs eines Einigungsprogramms zu Ende geführt. Es wurde ein Einverständnis über alle in Betracht kommenden Fragen herbeigeführt. Die zweite Lesung wird in einigen Tagen vorgenommen werden.

Bundesrat. In der gestrigen BundesraiSsitznnq wurde dem Freundschaft»- und Handelsvertrag zwischen dem Deut'chen Reiche und dem Freistaat Bolivien die Zustimmung erteilt.

Im Meininger Landtag wurde gestern der Sozial­demokrat Wehder zum Vizepräsidenten gewählt.

Die Landtagswahlen in Sachsen-Weimar. Von 23 Wahlkreisen waren gestern bis abends 10 Uhr neun Resultate bekannt. Es wurden gewählt: 4 Sozialdemokraten (die im vkifloffentn Landtage zwei Mandate besaßen), 2 Libe­rale, 1 Nationalliberaler, 1 Konseivativer und 1 Mitglied deS Zentrums. Aus den ländlichen Wahlbezirken sind die Resultate erst heute zu erwarten. Nack dem neuen Landiags- wahlgesetz wird der Landtag auS 38 Abgeordneten (bisher 83) gebildet. Je fünf Abgeordnete sind von den Groß- !Grundbesitzern und den übrigen Höchstbest uerien zu wählen; ünf Abgeordnete werden aus den Kreisen der Universität Jena, der Handel»-. Handwerks-, Landwirtichastskammer

Freitag den 3. Dezember

und Arbeitskammer (die letztgenannten beiden Kammern gibt r» vorläufig noch nicht) gewählt, und 23 Abgeordnete gehen auS den allgemeinen Wahlen hervor. Die allgemeinen Wahlen sind zum ersten Male direkt; daS Wahlmânner- Jnstitut ist abqeschafft worden.

Die hessische zweite Kammer setzte gestern die Beratung der Wahlrechtsvorlage fort. Die Artikel 7 rnb 8 bis 15, die von der Wählbarkeit der Abgeordneten handeln, wurden nach den Anträgen des Ausschusses angenommen, ebenso die Artikel 17 bis 18 ohne Debatte. Zu Artikel 19 hatte der Ausschuß beantragt, die Wahl der Abgeordneten für die fünf größeren Städte nach dem Proportionalwahl­system vorzunehmen ; der Antrag wurde jesoch abaelehnt und ein Antrag Osann auf W Lederherstellung der Regierungs­vorlage angenommen. Artikel 20, betreffend die Zahl der Abgeordneten für die Landbezirke, wurde angenommen; ebenso Artikel 21 bis 24 ohne Debatte und ebenso Ariikel 26 bis 52, während Artikel 25, der die Aufstellung der Wahllisten betrifft, an den gesetzgebenden Ausschuß zurück- verwiesen wurde.

Denkschrift. Don der sächsischen und der badischen Regierung steht in den nächsten Tagen eine Denkschrift zur Frage der SchiffahrtSabgaben in Aussicht.

Die französische Kammer hat gestern den Etat bet Finanzministeriums angenommen.

Rücktritt des italienischen Kabinetts. Nachdem gestern vormittag in die Kommission zur Beratung der neuen S.euervorschlâge der Regierung 7 Oppositionelle und 2 Ministerielle gewählt worden sind, hat Ministerpräsident Giolitti der Kammer den Rücktritt des Kabinett» angekündigt.

MHerichtüber die Kammersitzung lautet r Anwesend sind der Ministerpräsident Giolitti mit sämtlichen Ministern. Saal und Tribünen sind überfüllt. Bei lebhafter Aufmerk­samkeit deS Hauses erklärt Ministerpräsident Giolitti: Ange­sichts der Beschlüsse, welche die Bureau» der Kammer in Sachen der Steuergesetze gefaßt haben, unterbreitet da» Ministerium dem Könige sein EmlassungSgesuch. Der König behielt sich die Entscheidung vor. Da» Ministerium bleibt im Amte, um die öffentliche Ordnung aufrecht zu er­halten und die laufenden Geschäfte zu erledigen. Er bitte die Kammer, sich zu vertagen. Nachdem der Präsident er­klärt hatte, die Kammer nehme von den Mitteilungen der Regierung Kenntnis, wurde die Sitzung geschlossen. Gio­litti wurde um 2 Uhr nachmittags vom Könige empfangen. Vor der Sitzung der Kammer trat das Ministerium im Parlamentsgebâude zu einer Beratung zusammen.

Die Kommandense alsLan-esverrâlerkn. An» Wien wird eine etwas eigenartige Darstellung der von dem Oberleutnant v. Dembowski betriebenen Spionage über­mittelt. Sie lautet: Der frühere österreichische Ulanen^Ober- leuinant Hans Ritter v. Dembowski ist jetzt dem Wiener Landesgericht eingeliefert worden. Er gehörte schon seit ein paar Jahren, seit seiner wegen Spielschulden erfolgten Kassie­rung, zu den katilinarischen Eristenzen der Großstadt. Der intimste Freund des Dembowski war ein Graf L., der ihn jetzt denunziert hat. Der Herr Graf konnte, wie er ver­sichert, nicht mit ansehen, daß der andere beim Spiel betrog. Seine Informationen, die ihm Rußland und Italien glänzend honorierten, verdankte Dembowski der Neigung einer hohen Kommandeust, der Gatlin eines Stabsoffiziers, der inzwischen Feldmarschall-Leutnant geworden ist. Die liebende, alte Exzellenzfrau schickte ihrem Freunde brieflich Mitteilungen militärischer Naiur, deren Erlangung ihr bei der hohen Stellung des Mannes ein leichtes war.

In der Skupschtina fragte gestern der Sozial- demokrat Kazlerowitsch bet dem Präsidenten an, ob die Re­gierung Schritte unternommen habe, um den durch die Hin­richtungen in Ceiinje beaangenen Mord, der eine Schmach für das ganze serbisel e Volk sei, zu verhindern. Der Präfi- dent erwiderte darauf, Kazlerowitsch möge seine Anfrage direkt an die Regierung richten.

Die Vereinigten Staaten von Nkearagna. Der KreuzerPrairie", an dessen Bord sich auch Konireadmiral Kimball befindet, ist gestern mit 700 Marinesoldaten von Philadelphia nach Panama abgegangen. Der zur Zeit in Panama liegende KreuzerBuffalo" soll Proviant für 500 Mann an Bord nehmen und am 5. Dezember mit einem Teile der jetzt auf dem Transport nach dem Süden befind­lichen Marinejoldaten nach Corinto abfahren.

Der englische Berfassungskonfllkt.

London, 2. Dezbr. Unterhaus. (Ausführliche Meldung.) Beim Betreten des Saales wurde Premierminister Asquith von den Liberalen stürmisch begrüßt. Ebenso freudig empfingen die Unionisten Balfour. In Begründung seiner Resolution sagte der Premierminister: Das HauS fei in eine Lage gekommen, die in der ParlamentSgeschichte ohne Bev

ffernsprechauschlutz Nr. 605, 1909

spiel sei. AlS daS Bridget daS Hau» der Gemeinen verließ, habe eS in größerem Maße all irgend eine andere Vorlage daS wohlerwogene Werk der Volksvertreter dargestellt. (Bet- fall bei den Liberalen.) Im Laufe einer Woche sei daS ganze Werk in Grund und Boden getreten worden. Zum ersten Male in der englischen Geschichte seien dievomUnter- haus« der Krone gemachten Bewilligungen zunichte gemacht worden durch eine Körperschaft, die anerkanntermaßen nicht die Macht habe, auch nur eine einzige vom Unterhaus« be» willigte Steuer abzuändern. ES würde der bisherigen Ueber­lieferung unwürdig sein, wenn daS HauS auch nur einen einzigen Tag vergehen ließe, ohne darüber Klarheit zu schaffen, daß eS nicht gesonnen fei, die schwerste Schmach und die un­erhörtesten Hebelgriffe, bie ihm feit zwei Jahrhunderten widerfahren seien, zu ertragen. ASquith ging dann zur finanziellen Lag« über und drückt« bie Hoffnung auS, daß der schließliche und uneinbringlich« Verlust sür den Staat nicht sehr groß sein werd«. Die Situation sei nicht von der Regierung geschaffen worden, aber e» fei Pflicht der Regierung, ihr« Härten und Unzutrag- lichkeiten so weit all möglich zu mildern. Er er» Härte bie Zumutung für lächerlich, daß bie Regierung ew neues Sitbget einbringen und el der Zustimmung oder Ab­lehnung durch die LordS unterbreiten sollte. LandSdown» und Lord Eawdor hätten gnädig ihre Mitwirkung zugelagt. (Gelächter; Zurufe:Mir brauchen sie nicht!) Ein Minister, der einen derartigen Vorschlag mache, mürbe nicht fünf Minuten daS Vertrauen der UnterhauSmitglieder behalten. (Beifall.) Ein solcher Vorschlag wäre in Wirklichkeit eine Anerkennung der Recht« der Peers, nicht allein daS jährlich« Budget deS Jahres abzulehnen, sondern auch abzuändern. Nach Ansicht der Regierung fei der alleinige Weg, den man «Anschlägen könne, ohne daS Gesetz oder die Verfassung zu I verletzen, der, dem Könige anzuraten, daS Parlament so I rasch alS möglich aufzulösen. (Beifall bei der Regierungs­partei.) Der König habe diesen Vorschlag gnädig angenom­men. Er, Asquith, seit der festen Ueberzeugung, daß daS neue Unterhaus noch zu einer Zeit werde zusammentreten können, in der man es ermöglichen könne, sowohl nach rück­wärts wie nach vorwärt» für die Bedürfnisse bei laufenden Finanzjahres Vorsorge zu treffen. Wenn die Regierung so glücklich sein werde, daS Vertrauen deS Unterhauses zu ge­nießen. so würd« ihre erste Handlung sein, all« in der Finanz­bill enthaltenen Steuern und Abgaben mit Wirkung von dieser Woche ab wieder zu erheben und alle bisherigen Steuer­einziehungen und -Zahlungen für rechtmäßig zu «rklären. Mittlerweile mögen alle, die ihre Steuern entrichten wollen, diese zu dem genehmigten Satz« rinzahlen. Nähere Mit­teilungen würden unverzüglich von den betreffenden Ressorts gemacht. Der Premierminister erklärte weiter: Wir sind gern bereit, die Rechte bei Parlament- zu verringern, wenn el notwendig ist; aber dieser neumodische ZäsariSmuS, welcher die LordS in ein Organ bei DolkswillenS verwandelt, ist eine der seltsamsten Erfindungen unserer Zeit. Alles Gered« darüber, die Vorlagen vor daS Volk zu bringen, fei ganz seichtes politisches Geschwätz gewesen. (Beifall.) Die Peer­hätten daS Finanzgesetz verworfen, nicht auS Siebe zum Volk, sondern auS Haß gegen das Budget. Di« Resolution, die er beantrage, fei vielleicht ein entscheidende- Stadium in dem lang hingezogenen Streit. Die Frage sei nicht ob man ein Einkammer- oder daS Zweikammersystem haben wolle, sondern ob. wenn die Torypartei die Macht habe, daS Unterhaus allmächtig und wenn die Liberalen an der Macht seien, die Lords allmächtig sein sollten. Asquith schloß: Die LordS haben ihren Standpunkt mit voller Ueberlcgnng gewählt und haben sich entschlossen, die ungeschriebenen, aber durch die Zeit geheiligten Bestimmungen der Verfassung für ein Nichts zu achten; aber ihr Vorgehen wird viel weiter- reichende Folgen haben. Wir haben bie Herausforderung nicht veranlaßt. (Widerspruch bei der Opposition.) 2Bir bitten das HauS und zrim frühesten Termin auch bie Wähler­schaft zu erklären, daß Stimme und Organ bei freien Volke- feine gewählten Vertreter sein sollen." Nach dem Premier­minister erklärte Balfour: Die Regierung hätte ganz gut angemessene Dorsorg« für eine gesetzliche Erhebung der Steuern treffen können, aber sie habe el vorgezogen, den Verkehr zu behindern und wolle dem Volke einreden, daß die Lords ihm damit einen Schimpf angetan hätten, daß sie el um feine Meinung befragten. Die Lord- hielten sich klar am Buchstaben und Geist der Verfassung. Er, Balfour, hoffe, die Macht der Lords würde selten auS- geübt, niemals aufgegeben und niemals beseitigt werden. Die Bemühungen der Negierung, diese zu kürzen, seien ihrer Natur nach kleinlich und äußerst nachteilig und schädlich für das öffentlich« Interesse. Mit ihrem Vorgehen hätten die LordS einen vollkommen klaren und gesunden Instinkt dafür bewiesen, mal die Pflicht einer Zweiten Kammer sei. Sie hätten sie ohne Furcht getan und daS Land werde sie recht­fertigen.

London, 2. Dezbr. DaS Parlament wird morgen ver­tagt. Wie verlautet, werden die Neuwahlen zwischen dem 10. und dem 20. Januar stattfinden.

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