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General-Anzeiger
Amtlnhes Organ für Stabt nn) FanÄkreis Kasan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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14 Seiten.
Gefundene iitib ucrlorctit Gezenstündc rc.
Gefunden: 1 silberner Damen-Gummigürtel.
Liegen geblieben bei M. 8. Berlizheimer & Söhne: 1 schwarzer schmaler Damenpelz. Empfangnahme auf dem Fundbureau.
Entlaufen: 1 weißer Spitz m. Geschl.
Hanau den 26. November 1909.
Politische Rundschau.
Der Kaiser begab sich gestern nachmitlag in Begleitung des Fürsten Henckel von Donnersmarck von Schloß Neudeck nach dem Bahnhöfe in Raduonkau. Nach herzlicher Verabschiedung von dem Fürsten fuhr der Kaiser gegen 8 Uhr im Sonderzug nach Pleß. — Der kaiserliche Sonderzng lief um 4'/« Uhr in Pleß ein. Zum Empfange am Bahnhof waren anwesend der Fürst v. Pleß, ferner der Landrat des Kreises Pletz und der Oberbürgermeister. Auf dem Weg znm Schloß bildete die Feuerwehr mit brennenden Fackeln, sowie Krieger- und Turnvereine und Schulen Spalier. Das zahlreich zusammengeströmte Publikum bereitete dem Kaiser lebhafte Ovationen.
Ein Frülttabrsbcsuch Kaiser Wilhelms und Df»-' Kaikeri« Hiktoria hei ^^i^$ ^»^^^
Die „N. Fr. Pr." meldet: „ES steht nunmehr fest, daß Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Viktoria im Frühjahr zum Besticke des Kaisers Franz Josef nach Wien kommen werden. Kaiser Wilhelm werde während seines Wiener Aufenthaltes auf Einladung des Erzherzogs Franz Ferdinand einen Jagdausüug nach Eckertsau unternehmen. *
Vor der Reichstags- Eröffnung. Der „Köln. Ztq." wird geschrieben: In der Presse waren vielfach Knnd- gebungen der Ungeduld zu lesen, weil die ReichSregierung und der Reichstanzler Herr v. Bethmann noch keinen Anlaß genommen haben, mit Erklärungen über die in Zukunft zu befolgende Politik hervorzuireten. Schon in wenigen Tagen wird sich nun im Reichstage Gelegenheit bieten, das bisher Unterlassene nackzuholen, und vielfach verspricht man sich schon von der Thronrede eine bedeutungsvolle Orientierung. Ob diese letzte Annahme zutreffend ist, muß abgewartet werden, denn bisher ist ein endgültiger Entwurf der Thronrede noch nicht aufgestellt worden. Thronreden tragen im allgemeinen in Deut ich and einen ausgesprochen geschäftlichen Charakter und von dieser Gewöhnung ist nur selten abgegangen worden. Daß diesmal neben den EiatSgrsetzen wirtschaftliche und soziale Vorlagen (Reichsversicherung), juristische und vielleicht auch koloniale Gesetzesvorschläge kommen werden, ist bekannt. Es sind das durchweg Vorlagen, die mehr nach sachlichen als parteitaktischen Rücksichten zil lösen sind, und wenn die Reichsregiernng gerade mit solchen an den Reichstag herantritt, so wird daS durch den Wunsch erklärt werden, keine Vorlagen zu bringen, die ihrer Natur nach geeignet wären, den Parleigeist anfzustacheln. Herr v. Bethmann hat es vermieden, in die Nachkämpfe einzugreifen, die anläßlich der Reichsfinanzgesetzgebung entstanden sind und den ganzen Sommer und Herbst beherrscht haben. Aus dieser Haltung kann man ohne weiteres entnehmen, daß auch bei den Reichstagsdebatien sein Bestreben darauf gerichtet sein wird, weniger zurückzublicken in die Vergangenheit, als vielmehr der Zukunft Arbeitsfelder zu eröffnen. Inwieweit es Herrn v. Bethmann-Hollweg gelingen wird, in dieser Beziehung erfolgreich den Weg zu weisen, muß abgewartet werden. Unter den Aufgaben, die man von liberaler Seite dem Reichskanzler stellen möchte, steht wohl m erster Linie die Reform des preußischen Wahlrechts ; doch wird dabei mehrfach ganz und gar übersehen, daß daS eine preußische und keine Reichsangelegenheit ist. Sie ist allerdings von solcher Bedeutung, daß sie auck da» Reich aufs höchste interessiert und daß die Art und Weise, wie man sie behandeln ober nicht behandeln wird, eine Rückwirkung auf die Reichspolitik auSüben muß. Formell ist es aber unbestreitbar, daß sie zur Zuständigkeit Preußen« und nicht des Reiches gehört, so daß man sich schon bis zum Zusammentritt deS preußi'chen Landtages wird gedulden müssen. Feste Beschlüsse sind übrigen« in dieser Frage immer noch nicht gefaßt worden, und es ist daher auch nicht wahr- scheinlich, daß die ReichSregierung, wenn die Wahlrechtssrage im Reichstag angeschnitten werden sollte, auf eine eingehende Erörterung sich einlaffen wird.
Freitag den 26. November
Die Zentrumsfraktion deS Reichstages beabsichtigt die Verfolgung der Bonner Borussen-Affäre zu einer Interpellation im Reichstage zu macken dahin, ob und inwieweit die Zugehörigkeit des Einjährigen-Unteroffiziers Veith zu einer nil tschlagenden Studenten-Verbindung für die Verweigerung der Qualifikation zum Reserveoffizier, die Veith bis dahin besaß, ausschlaggebend gewesen ist. Ueber die Suspendierung der Bonner Boruffen hat der Kultusminister vom Senat der Universität Bonn einen Bericht eingefordert. E» wird angenommen, daß der Bericht zur Vorlage an den Kaiser bestimmt ist.
Graf Zedlitz • Trützschler zum Ehrenbürger Breslaus ernannt. Die Breslauer Stadtverordneten ernannten einstimmig den scheidenden Oberpräsiventen, Staatsminister Grafen Zedlitz - Trützschler, zum Ehrenbürger der Stadt Breslau, nachdem die Sozialdemokraten vorher den Sitzungssaal verlaffen hatten.
Vermehrung des Marinepersonals. Die Marine wird im nächsten Jahre eine Vermehrung um 3500 Köpfe, Seeoffiziere, Ingenieure und Mannschaften, erfahren und eine Stärke von rund 57 000 Mann aufweisen. Die Zahl der Seeoffiziere steigt um 100 auf annähernd 1900, die Zahl der Ingenieure um 40 auf rund 400. Dir Forderung für Neubauten für 1910 hält sich innerhalb des Rahmens de» FlottengesetzeS von 1906.
In dem 12. Berliner Wahlkreis (Moabit) haben die Vertreter der nationalliberalen und konservativen Partei ihre Kandidatur zugunsten deS freisinnigen Kandidaten zurückgezogen, so daß Dr. Runze am 30. November der Kandidat sämtlicher bürgerlichen Parteien ist.
DaS deutsch-österreichische Bündnis vor dem österreichischen Abgeorvnetenhause. Jy der weiteren Beratung der Dringlichkeitsanlrâge im Abgeordnetenhaus betreffend die nationalen Fragen erklärte Abg. Miklas (christl. soz.) gegenüber dem Abgeordneten Kramarz, das Bündnis mit Deutschland sei den Oesterreichern und insbesondere den Deutschen, sicherlich auch dem größten Teil der slawischen Bevölkerung ein HerzenSbündnis und eine Notwendigkeit zum Schutze der gegenseitigen Jntereffen gewesen. Das mächtige Deutsche Reich habe im letzten Winter Oesterreich die notwendige Rückendeckung geboten, für welche dieses noch heute dankbar sei. Abg. Dr. Weidenhoffer (deutschnational) erklärte, die Wiener Vorgänge seien spontane Kundgebungen der Bevölkerung gewesen zum Schutze der deutschen Heimat gegen den von der allslawischen Propaganda ausgehenden Versuch, den deutschen Kern in der Monarchie zu durchsetzen. Mit der Verteidigung des Deutschtums in Niederösterreich würden die Grundlagen deS Bestände» der Monarchie verteidigt.
Amnestie im Herzogtum Braunschweig. Der Herzog-Regent Johann Albrecht von Braunschweig wird, den „Braunschw. Neuest. Nackr.* zufolge, anläßlich seiner Ver mâhlung mit der Prinzessin Elisabeth zu Etolberg-Roßla am 15. Dezember eine umfangreiche Amnestie erlaffen.
Die belgische Kammer nahm die Herabsetzung der Dienstzeit der Infanterie von zwei Jahren nach dem Inkrafttreten deS Gesetze» über die Heeresreform auf 15 Monate mit 98 gegen 27 Stimmen an. Die Dienstzeit der Kavallerie wurde auf zwei Jahr« herabgesetzt. Damit ist die erste Lesung der Vorlage beendet.
Die französische Kammer nahm gestern bei der Beratung des Etat« deS Innern den Artikel betreffend den geheimen Fond», für dessen Beibehaltung Ministerpräsident Briand die Vertrauensfrage gestellt hatt, mit 364 gegen 125 Stimmen an. Hierauf wurden alle Artikel de» Etats bewilligt.
Englisches Oberhaus. Lord Balfour mißbilligte bei der Fortsetzung der Budgetdebatte im Oberhäute die ganze Anzahl von Vorschlägen zu der Finanzbill und warnte die Lords sowohl in ihrem eigenen Interesse als auch im Interesse deS Lande» vor falschen Schritten. Nach Balfour sprachen noch mehrere Redner, ohne indes neue Gesichts- punkte aufzustellen.
Eine Nrteilsfâllung in KeetmanSkoop. Vor Jahresfrist räuberte, plünderte und mordete eine fünfzehn- köpfige Bande in der Südostccke Deutsch-Südwestafrikas. Sie schoß bei Springputz zwei Reiter der Schutztruppe aus dem Hinterhalt nieder. Ferner wurden in Fettkluft zwei deutsche Farmer, als sie nichtsahnend beim MiNagseffen saßen, ermordet; ein dritter Farmer, der flüchtete, wurde massakriert. Die Bande wandte sich dann sogar gegen einen Militärposten. Schließlich gelang es einer entsandten Patrouille unter dem Leutnant Müller, die Bande zu stellen, doch entkam sie über die englische Grenze, wo sie sich schließlich aus Wassermangel der englischen Polizei stellten. Neun Mit- glitder der Bande sind jetzt nach der »Lüderttzbuchter Ztg."
fittnfvttdianWttfc Nr. 605. 1909
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an die deutschen Behörden ausgeliefert worden. Fünf von ihnen wurden wegen vorsätzlichen Morde» zur Todesstrafe, die anderen wegen Räubereien zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe und viermal fünfundzwanzig Hieben verurteilt.
Die amerikanische Grotzfinanz entwickelt seit einiger Zeit in Rußland eine besonders rührige Tätigkeit zur Erlangung von Konzessionen auf den verschiedensten Gebieten. Der gewaltigste Plan dieser Art gilt der Erschließung Sibiriens, und allem Anschein nach steht die russische Regierung im Begriff, daS Angebot der kapitalkräftigen Amerikaner anzunehmen. Sie will einen Vertrag mit einem großen amerikanischen Syndikat abschließen, das den Ausbau der sibirischen Bahn in die Hand nehmen und ein zweites GleiS die ganze Strecke entlang legen soll. E» handelt sich um ein Projekt von Hunderten von Millionen. Schon Präsident Roosevelt hat seinerzeit seinen ganzen Einfluß eingesetzt, um das russische Unternehmen den Amerikanern zu sichern. Zwei Bevollmächtigte deS Syndikat» halten sich bereit» in Europa auf und warten nur auf die Nachricht, daß der Zar von Livadia nach Petersburg abgereist ist, um sich dann selbst nach der russischen Hauptstadt zu begeben. Der Zar wird einen russischen Ingenieur als seinen Vertrauensmann nennen, der ihm von Zeit zu Zeit Bericht über den Fortschritt des Werke« erstattet. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die jüngste Reise des russischen Finanzminister« nach dem fernen Osten hauptsächlich im Interesse diese» Plane» unternommen worden ist.
Weitere „Politische Stundschan" im zweite« Blatt.
Hus aller Hielt,
Auszeichnung veS Frankfurter Oberbürgermeisters. Die juristische Fakultät der Landesunioersität Gießen verlieh dem Oberbürgermeister Dr. Adickes-Frankfurt a. M. die juristische Doktorwürde honoris causa. Dr. Adickes hat bereits den medizinischen Ehrendoktortitel.
Schneeverwehungen haben in Südbayern teilweise Verkehrsstockungen verursacht. Einzeln« Lokalbahnen sind in der Nacht zum Donnerstag betriebsunfähig geworden.
Fortuna- Laune. In der Donnerstagziehung der Königlich preußischen Lotterie würd« daS groß« LoS mit 500 000 M. gezogen. ES fiel auf die Nummer 187 926, und zwar in die Kollekte zu Güstrow in Mecklenburg, wo es in Zehntellosen gespielt wird. An diesen Anteilen partizipieren eine Reihe von Personen zu geringen Quoten.
Furchtbare Grubeukalastroph« in Japan. Au- Tokio meldet der Draht: In der Kohlengrube Onura in der Provinz Fukuoka fand eine Explosion statt. Soweit bisher bekannt, find 15 Personen umgekommen, 228 find noch eingeschloffen.
Gattenmord. In DeiderwieS in Niederbayern hat der Maurer Schmöller feine getrennt von ihm lebende Frau zur angeblichen Abholung ihrer Kinder in den Wald gelockt, dort erstochen und sich dann selbst der Gendarmerie gestellt.
Ein ErpreffungSfall, der genau nach der in München an dem Kommerzienrat Ludowici versuchten Millionen- erpressiing geplant ist, hat in Kempten die Einwohnerschaft in große Erregung versetzt. Dort erhielt ein angesehener Bürger einen Drohbrief, seine Kinder würden geblendet, wenn er nicht innerhalb 24 Stunden 1000 M. an einem näher bezeichneten Platz niederlege. Einen tâimmter Verdacht haben die polizeilichen Ermittelungen noch nicht ergeben.
Tödlich verunglückt. Der Stahtverordnete Karl Phil. Müller in Darmstadt, erster Vorsitzender deS Deutschen Gast- wirteverbande», ist gestern morgen zwischen 11 und 12 Uhr tödlich verunglückt. Er wollte ein Pferd kaufen und hatte das Tier zur Probefahrt eingespannt. ES wurde scheu und Müller wurde von dem Pferde zu Tode getreten.
Verdorbene Jugend. Nette Früchtchen scheinen mehrere Rixdorfer Bengel zu sein, die die gußeisernen Deckel der Kanäle und Wasserleitungsschächte auf den Straßen auS- hoben, zerschlugen und alS altes Eisen verkauften. Wie bie Burschen eS bewerkstelligten, die zum Teil sehr schweren Verschlüsse wegzuschleppen, ist mehr als verwunderlich. Natür- lich sind durch das Fehlen der Deckel auf den Straßen auch verschiedene Passanten qurch Stürze ernstlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Polizei hat einige der Burschen bereit« ermittelt, nach den anderen fahndet sie.
Bier Kinder erstickt. In Iungwoschitz in Nordböhmen zündeten 4 unbeaufsichtigte Kinder deS Ehepaares Perschl beim Spielen mit Zündhölzchen die Betten an und erstickten im Qualm.
Juweleudiebstähle. In Nom wurden zwei groß« Juwelen-Diebstähle ausgeführt, die bisher noch nicht aufgeklärt werden konnten. Der letzte Diebstahl wurde bei dem Iuwelenhändler Moiraghi aus Mailand verübt, der im Hotel Senat in Rom abgestiegen war. Den Dieben fielen für 100000 Francs Juwelen in die Hände.
Ein furchtbares Gewitter richtete gestern in Konstan, tmopel große Verheerungen an. Viele Gebäude wurden durch Blitzschlag beschädigt. 10 Menschen sind bei der gieich^tria