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letotfoiilbnict und Verla, der Duchdruckerei bei verein. «. Waifenhaufe» in Hanau.

General-Anzeigtr

Amtliches Organ für Sindt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die fünsgespalteue Petüzeile oder deren Raum 20 Hz, im Râuneuteii bu Zelle 4b Psg.

Berantmortl. Skedaktem: O. Schrecker N Hamm»

Nr. 275 ^-rnsprechanschlitf; Nr. 605,

Amtliches.

Eandkreis Hanau.

Unser den Schweinen zu Mainkur ist die Schweineseuche erloschen.

Hanau den 23. November 1909,

Der Königliche Landrat.

V 6378 Frhr. Laur.

Gefundene und verlorene Gegenstonde re.

Gefunden: 1 Gesangbuch (in der Marienkirche), 1 Nadfahrcrgamasche, 1 schwarzer Damengummigürtel, 1 schwarzer gestrickter wollener Handschuh, 1 Schlüsselring mit 2 kleinen Schlüsseln und 1 Schlinke.

Verloren: 1 Portemonnaie mit etwas über 4 Mk., 1 braunes Portemonnaie mit 3,24 Mk. und 1 Monats- nebenkane für Heinrich Börner zu Niederrodenbach.

Hanau den 24. November 1909.

Politische Rundschau.

Der Kaiser trifft am Montag zum Besuch des Leib- kürafsierregiments in BreSlau ein. Er stattet auch dem Kardinal Kopp einen Besuch ab.

Verstorben. Der frühere Chef deS Marinekabinetts Admiral Freiherr von Senden-Blbran ist gestern in Berlin gestorben.

Ernannt. Der Geheime Oberregierungsrat und Vor- Allende Pat der BMWnMWhMM wuxhe zumUiiter- ftaatssekrrtär der Reichskanzlei ernannt.

In der hessischen Zweiten Kammer kam es gestern bei der allgemeinen Aussprache über die WahlrechtS- vorlage zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen dem Abge­ordneten Ulrich und Staatsminister Dr. Ewald wegen der Angriffe Ulrichs auf die preußisch-hesstiche Eisenbahngemein- schaft und die Regierung. Der Minister Ewald wies die Angriffe entschieden zurück und stellte fest, daß sein AmtS- vorgânger dieselben Kautelen in das Wahlrecht gebracht habe; die jetzige Regierung verdiene daher nicht den Vorwurf, sie sei reaktionär.

Die sächsische Zweite Kammer nahm gestern den von den Naiionalliberalen aus wirtschaftlichen Rücksichten gestellten Antrag auf Verlegung des Epiphaniafestes vom Wochentag auf den nächstfolgenden Sonntag an. Die Re­gierung verhielt sich ablehnend, ebenso die Sozialdemokraten, mit denen die Liberalen heftig zusammenstießen.

Die Eröffnung des badischen Landtages. In herkömmlicher Weise ist gestern um iP/i Uhr der Landtag durch den Großherzog eröffnet worden. In der Hofloge wohnte die Großherzogin Hilda und die Prinzessin Max der Feier bei. Die Thronrede, die jede Andeuiung auf die vor- ausgegangene Landtagswahl vermeidet, machte auf die An­wesenden einen sehr tiefen Eindruck. So schleckt wie jetzt war die Finanzlage noch nie. Alle Ueberschüsse aus den früheren Jahren sind aufgezehrt; der recht beträchtliche Fehl­betrag im Staatsvoranschlag muß durch eine etwa 10 proz. Erhöhung der Einkommen- und auch der Vermögenssteuer gedeckt werden. Besonder« eindringlich betont die Thron­rede das Mißverhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen bei der Eisenbaynverwaltung; der Reinertrag der Slaats- bahnen reicht nicht mehr auS, um die Eisenbahnschuld zu verzinsen und zu tilgen. Welche Maßnahmen die Regierung beabsichtigt, um die Einnahmen der Eisenbahnen in ein besseres Verhältnis zu den Ausgaben zu bringen, verschweigt die Thronrede. Nach Schluß der Thronrede, die lautlos angehört wurde, folgte die Vereidigung der Abgeordneten. Der Feier war die sozialdemokratische Fraktion ferngeblieben.

Ein deutsch österreichisches Mbfommcn. worüber in den letzten Wochen in mündlichen Verhandlungen bereit .i wurde, ist abgeschlossen worden. Ueber den Inhalt erfährt rin Berliner Blatt folgende Einzelheiten: Weine österreichisch- ungarischen Ursprungs, für die österreichisch-ungarische Unter« suchungszenifikate beigebracht werden können, werden fortan an der deutschen Grenze keiner weiteren Prüfung mehr unter» zogen werden. Ferner sind deutscherseits Zusicherungen er­teilt worden, daß die Bestimmungen über die Färbung der importierten, minderwertigen, zur Biererzeugung nicht ge­eigneten leichteren Gerste strengstens durchgeführt werden soll, um eine Schädigung der Interessen der österreichisch- ungarischen Importeure höherwertiger und dementsprechend auch höher zu verzollender Malzgerste zu verhüten. Endlich sind auch durch die mündlichen Verhandlungen in Wien und Budapest mehrere Meinungsverschiedenheiten über das Vieh stuchenübereinkommen beseitigt worden.

Mittwoch den 24. November

Zur Entwirrung der ungarischen Krisis hat in der Hofburg ein Kronrat mit den ungarischen Ministern stattgefunden.

In Kopenhagen ist der Sozialist Knudsen zum Bürgermeister gewählt worden.

Durch zwei neue Mahregeln der russischen Re- gierung gegen die Sonderrechte Finnlands wird eine völlige Vergewaltigung und Ausschaltung des finnischen Landtages vorbereitet.

Die Antwort der Kretaschutzmächte auf da» Zirkular der Pforte ist ferliggestellt, sie wird keine An­deutungen bezüglich der subsidären Frage enthalten. Wie der Pforte telegraphisch mitgeteilt worden ist, wurde die Ueber- reichung der Antwort um einige Tage verschoben. Der auf die in der Türkei ansässigen Bulgaren bezügliche Teil der Rede der Minister Malinow und Paprikow in der Sobranje beschäftigt die Pforte gegenwärtig in hohem Maße. Bei dem gestrigen Empfange der Diplomaten bemängelte der Groß- wesir jenen Passus in scharfen Worten. Auch der Minister des Aeußern lenkte die Aufmerksamkeit des bulgarischen Ge­sandten darauf hin, indem er auf die Rückwirkung auf die öffentliche Meinung der Türkei hinwies. Heute verlangte das Ministerium des Aeußeren von dem türkischen Gesandten in Sofia die authentischen Texte der Reden Malinows und Paprikows, damit der Minister des Aeußern bei der Be­antwortung der Interpellation in der Kammer sich danach richten könne.

Atts China. Es wurde ein kaiserliches Edikt erlassen, wodurch der Vizxkönig von Tschili, Tuan-fang, entlassen wird. Der Vizekönig von Hakuanq, der Mandschu Chen-Kueilung mjj.L Der Gouverneur von Kingsu, der auch Mandschu ist, wurde zum stellvertretenden Vizekönig von Hukuang ernannt. Ihm folgt im Amte der Gouverneur von Shanfi. Die Ernennung Chen-Kueilungs findet nicht die allgemeine Billigung, da seine dienstliche Tüchtigkeit gering geachtet wird und er in dem Rufe steht, fremdenfeindliche Ansichten zu haben. Bei den Chinesen ist er nicht beliebt.

Marokko-Debatte in der französischen Kammer.

Paris, 23. Novbr. Die Kammer nahm die Besprechung der Marokkointerpellationen wieder auf. Emile Constant (Republikaner) meinte, Frankreich habe an Marokko nicht den Anteil erhalten, der ihm für seine Opfer gebühre. Tournade (Nationalist) billigte die Politik PichonS und würde eS für unklug halten, die Truppen zurückzuberufen. In Erwiderung auf die Ausführungen mehrerer Redner sagte Minister Pichon, Spanien habe, bevor seine Aktion im Rifgebiet begann, die europäischen Staaten benachrichtigt und versichert, daß die Aktion genau begrenzt und sich nicht gegen Tasa richten werde. Spanien habe den Effrklivbestand an Truppen verdoppelt, aber immer zu verstehen gegeben, daß eS sich damit begnügen werde, die aufrührerischen Stämme zu unterwerfen, und daß es seine Truppen zurückziehen werde, sobald dieS gelungen sei. Die europäischen Staaten hätten einmütig Spanien beigepfl'chtet. Pichon versicherte, die Entente mit Spanien sei die Grundlage der Marokkopolilik Frankreichs. Sie sei bestimmt, daß die herzliche Entente mit Spanien aufrechterhalten werde. Spanien habe Frank­reich missen lassen, daß alle seine Anstrengungen auf die prompte Durchführung der militärischen Operationen ge­richtet seien. Pichon besprach dann die mit der marokkanischen Gesandtschaft geführten Ve> Handlungen. Er erklärte, Frank­reich weide das Sckanjagebiet erst nach der Organisierung der Streitkräfte des Maghzen, die die Ordnung gewährleiste, räumen. Die Negierung habe niemals aufgehört, Ca'a- blanca als marokkanisches Gebiet zu betrachten. Dasselbe gelte für die Gegend von Udschda und Budenib, für die marokkanische Regierung einen Oberkommissar ernennen sollte. Frankreich zeigte sich in finanzieller Beziehung wohlwollend gegen Marokko. Wenn Marokko gezwungen würde, sich anders wohin zu werden, so läge daS md)t im Interesse des Maghzen. Er betonte weiterhin mit großem Nachdruck die loyale Haltung der deutschen Regierung. AuS der Haltung Deutschlands habe sich für die beiden Regierungen sowohl wie für die allgemeine Lage eine Entspanunung ergeben, die alle mit Beifall begrüßen müßten. (Beifall.) Die italienische Regieiung habe dem Maghzen mitgeteilt, daß sie nitt länger auf die Bezahlung ihrer Forderungen warten könne. Die Mäckte seien also hinsichtlich der dem Maghzen gegenüber einznuehmeuden Haltung einig und billigten ein­mütig die Vorschläge Frankreichs. Die Zustimmung Marokkos, fuhr der Minister fort, haben wir noch nicht erhalten. Er habe den Vertretern Muley Hafids mitgeteilt, daß die Fort, setzunq der Verhandlungen unnötig würde, wenn wir nicht schnelle Genugtuung erhielten. Die Antwort, die eine der drinaendsten ist, ist die bezüglich der Anleihe. Die Presse

^erttsprechanschlittz Nr. 605. 1909

Deutschland», Englands und Italiens erklärt, daß die Re­gierungen bereit seien, die Maßregeln zu billigen, die zu treffen wir gezwungen werden könnten (Beifall.) Wir werden nicht in die Räumung Casablancas willigen, ohne daß wir Garantien erlangt haben. Minister Pichon stellte bann fest, daß Muley Hafid auf Europa nicht Rücksicht ge­nommen habe, eine Haltung, die man hätte voraussehen können. Frankreich hat als erste unter den Mächten gegen seine Grausamkeiten Protest erhoben. Pichon verbreitete sich sodann über die schlechte Behandlung, der bit französischen Schutzgenoffen in Marokko ausgesetzt seien. Muley Hafid habe auch für den an Dr. Manchang begangenen Mord noch keine Genugtuung gegeben. Diese Lage dürfe nicht länger anbauern. DaS sei keine Drohung, denn Frankreich habe Zeit und Geduld und hinreichende Mittel, um in den Ausgang der Unterhandlungen Vertrauen setzen zu können. Niemals sei Frankreichs Kraft in Marokko größer und niemals weniger angezweifelt gewesen. Wenn JaurèS auch darüber sich beklage, er beglückwünsche sich dazu. (Beifall.) Marokko verdanke Frankreich eine Anzahl kultureller Fortschritte. Frankreich halte an den Verträgen fest, aber verlang« auch, daß Muley Hafid die Algeeiras-Akte nicht verkenne. Es wünsche jede unnütze bewaffnete Intervention zu ver­meiden, könne sich aber bi» zur vollkommenen Genugtuung nicht einer jeden Bürgschaft entäußern. Es sei Zeit, die Verhandlungen zu beendigen, deren Ziel bis auf einige Kleinigkeiten in der Annahme der französischen Vorschläge bestehen müffe. Muley Hafid werde entweder der Stimm« der Vernunft gehorchen, dann werde Frankreich ihm helfen, oder er werde bei seiner Haltung verharren und dann werde Frankreich genötigt sein, allein auf die Erfüllung der in Ge­meinschaft mit den europäischen Mächten unterzeichneten Ver­träge, besonders dessen von Algeciras zu dringen. Eine andere Möglichkeit gebe e» nicht. Der Berichterstatter für dir Marokkokredite Doumer führte aus, man müsse den Ein­geborenen zeigen, daß man entschlossen sei, zur Gewalt zu greifen, nur auS dem Grunde, damit man nicht genötigt sei, dies wirklich zu tun. JaureS erklärte, daß man die Anarchie in Marokko vermehren werde, wenn man ihm die Last einer Anleihe von 150 Millionen auferlege. Eine Priorität zu Gunsten der Tagesordnung JaureS, in der die Zurückziehung der Truppen aus Marokko verlangt wird, wurde mit 436 gegen 71 Stimmen abgrlehnt. Eine Tagesordnung Lefevre, welche besagt: die Kammer billigt die Erklärungen der Re­gierung im.Vertrauen darauf, daß sie in Marokko die Ach­tung vor den Interessen Frankreichs und der Ausführung der Uebereinfommen und Verträge wahren werde, welche di« Beziehungen Frankreichs zur marokkanischen Regierung regeln, wurde mit 433 gegen 67 Stimmen angenommen. Das Hau» nahm sodann mit 460 gegen 72 Stimmen den einzigen Artikel des Gesetzentwurfes an, der einen ErgänzungSkredit in Höhe von 12 Millionen für die Operationen in Marokko verlangt. Darauf wurde die Sitzung geschlossen.

Hus aller Mett.

3« dem Lustmord in Dallmin bei Potsdam erfährt man noch folgendes: Der Daliminer Mörder ist der 16jährig« Walter Poehling, der Sohn eines Arztes auS dem Ruhrge­biet. Der Junge war seit einem halben Jahre auf Dallmin untergebracht, um dort die Gärtnerei zu erlernen. Der 16- jährige Bursche lauerte der kleinen Margarethe Jost, der Tochter seines Prinzipais, auf dem Schulwege auf, lockte das Kind in eine Schonung und würgte eS so lange, btl es besinnungslos am Boden lag. Dann tötete der Mensch das Kind durch drei Messerstiche in den HalS und versuchte noch die Leiche zu schünden. Di, Berliner Polizeihunde Bolko und Prinz I stellten nicht nur den jugendlichen Mordbuben, sondern fanden auch daS blutbesudelte Messer, mit dem Poehling, der anfänglich leugnete, die Tat auSgeführt hat.

Der gastliche Zöllner. Bei der unter schwierigen Um- ständen erfolgten Verhaftung eines TabakschmugglerS in Marburg entdeckte die Zollbehörde, daß der Pascher, der durch einen kühnen Fluchtversuch über die Dächer den Häschern wieder entronnen war, in Geschäftsverbindung mit einem Zollbeamten stand. Eine Haussuchung in dessen Wohnung förderte tiberzeugende Beweise zutage. Man fand nämlich den entflohenen Schmuggler am Tische deS Zollbeamten. Eine Doppelverhaftung machte dem idyllischen. Iete*a»tet« ein jähes Ende.

Der Diebstahl auf vem fiskalische« Möllerschacht, DasB. T." meldet aus Gladbeck: Die weiteren Unter­suchungen über den Riesendiebstahl auf dem fiSkalffchen Möllerschachle, bei dem den Dieben, wie wir seinerzeit meldeten, 293 000 Mark in barem Gelde und Wertpapieren in die Hände fielen, hat nunmehr eine neue Wendung ge­nommen. DaS Geld ist zwar nicht, wie gerüchtweise Der» lautete, im Schornstein des DirektionSgebäudeS gefunden worden, daaegekt kann als sicher angenommen werden, da-