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MMtitnSdntck und Verlag der Buchdrucker« de» serem. n, Waisenhauses i« Hanau.
Gkiteral-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Faudkrets Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 273 F-rnsprechanschlutz Nr. 605
Montag den 22. November
F-rnsprechanschlutz Nr. 605. 1909
^Amtliches.
Eandkreis F)anau.
Der Ortsdiener Friedrich August Schäfer von Ravolzhausen ist zum Fleischbeschauer und Trichinenschauer der Gemeinde Ravolzhausen, sowie zum stellvertretenden Fleischbeschauer und Trichinenschauer der Gemeinde Rüdigheim und der Landwirt Johannes Neidhardt von Oberdorfelden zum Fleischbeschauer und Trichinenschauer der Gemeinde Oberdorfelden, sowie zum stellvertretenden Fleisch- beschauer und Trichinenschauer der Gemeinde Kilianstädten auf jederzeitigen Widerruf bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 18. November 1909.
Der Königliche Landrat.
V 6330 Frhr. L aur.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Das Lattb auf bett Wegen und beiderseits deS Eisenbahnkörpers in der Stadtwaldung (Keffelstadt) . soll am Mittwoch den 24. November 1909, nachmittags 2 Uhr, öffentlich meistbietend an Ort und Stelle versteigert werden.
Zusammenkunft am Schießplatz in der Durgallee.
Hanau den 19. November 1909.
Der Magistrat.
Hild. 26349
Politische Rundschau.
^er Nachtragsetat für 1909 wird sich nicht, wie bisher immer mitgeteilt wurde, auf 542 Millionen Mark, sondern, wie die „Berliner Politischen Nachrichten" erfahren, nur auf 522 Millionen Mark belaufen. Die Einnahmen aus den neuen Zöllen und Steuern, die im Nachtragsetat mit 65 Millionen veranschlagt waren, haben ein Plus ergeben, so daß man diese Einnahmen aus den neuen Zöllen mit 85 Millionen Mark in den Nachtragsetat einsetzen kann. Daher die Minderung.
Krätke bleibt. Die „Germania" hatte mitgeteilt, daß der Siaatssekretär des Reichspostamtes Krätke seinen Abschied eingereicht habe. Der „Lokalanzeiger" erklärt dazu: Wir sind ermächtigt mitzuteilen, daß diese Meldung vollständig aus der Luft gegriffen ist.
Stapellauf eines Panzerschiffes. Der Herzog and die Herzogin von Sachsen-Altenburg werden am 27. November dem in Bremen stattfindenden Stapellauf des !
Stadttbcaler in Sonnn.
= Hanan, 21. Novbr.
„Die Ahnfrau",
Trauerspiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer.
„Die Ahnfrau" wurde zum ersten Male im „Theater an der Wien" am 31. Januar 1817 aufgeführt und machte Grillparzer mit einem Schlage zum gefeierten Dichter. Di« Kritiker aber waren gleich bei der Hand, ihn irgendwo „unterzubringen". Und ihr genialer Spürsinn fands denn auch bald heraus, wo er einzuschachteln sei. Er wurde in die Reihe jener Dichter rubriziert, die die Schicksalstragödie vertraten, also: der Zacharias Werne r, l„Der vierundzwanzigste Februar"), Adolf Müllner („Der neunundzwanzigste Februar") und Houwald („DaS Bild"). Man hatte herausspintisiert, daß die Geschicke seiner Menschen, die er da aufstellt, nicht ihrer inneren Charakteranlage entsprängen, sondern daß ihnen der Lebensweg insofern vorgezeichnet wäre, als sie sich solange in Schuld verstricken müßten, bis die Ahnfrau erlöst sei, daß also hier die Freiheit des Willens infolge Eingreifens sicherer Mächte aufgehoben wäre. Nun muß allerdings zugegeben werden, daß von -diesen Gestalten etwas von den Schauern des Unbegreiflichen ausgeht. A b e r — es ist da« ganz gewiß nicht die Emanation eines blinden Schicksals, wie bei den Griechen, auch nicht die mitleidlose Gerechtigkeit eines zürnenden, eifernden supra-naturalen Gottes, wie bei Macbeth etwa oder in Tolstois „Macht der Finsternis", sondern einerseits die Macht Gottes in der Menschenseele selber, das, was rätselhaft und geheimnisvoll in jedem Menschenleben wirkt, und andererseits das furchtbare, allerdings bestreitbare Mysterium der Vererbung, worin Grillparzer sich mit Ibsen in seinen „Gespenstern" berührt. Ganz und gar nicht hat sein Drama Verwandtschaft mit den oben erwähnten Hyperromantikern. deren Schicksal-idee etwas ganz anderes ist,
Panzerschiffes „Ersatz Beowulf" beiwohnen. Die Herzogin wird die Taufe vollziehen.
In einem Teile der ausländischen Preffe wird nach wie vor versucht, gegen Deutschland Stimmung zu machen. Unter der bereits recht abgedroschenen Spitzmarkr: „Die deutsche Gefahr" wird unsere auswärtige Politik immer wieder von neuem verdächtigt. Eine Reihe russischer Blätter tut sich in dieser Beziehung besonders gern hervor. Den Rekord schlug aber kürzlich die „PetersburgSkija Wjedomosti", ein dem Fürsten Uchtomski gehöriges kleines Blatt, das einige Artikel aus der Feder eines gänzlich unbekannten Fürsten Siviatopolk-Mirski brachte, in denen die „Zertrümmerung Deutschlands" gepredigt wird. DaS einzige Abwehrmittel gegen die angebliche „deutsche Gefahr" sei di« gänzliche Niederwerfung und die dadurch erst ermöglichte Zerstückelung deS Deutschen Reiches seitens Rußlands. Es ist bedauerlich, daß diesem Wahnsinnsausbruch eines diplomatischen Outsiders in der ausländischen Preffe eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die russische Regierung, der solche Fieberphantasien russischer Durchlauchten begreiflicherweise nicht genehm sein können, hat Anlaß genommen, durch den offiziösen Mund der Petersburger Telegraphen- Agentur zu erklären, daß diese Artikel sowohl im Ministerium des Aeußern wie überhaupt in den Kreisen der Regierung aufs entschiedenste gerügt würden. In den leitenden deutschen Kreisen dürfte man von dieser Erklärung deS Herm Iswolski mit Befriedigung Kenntnis genommen haben.
Tief blicken auf das studentische Leben lasten Vorkommnisse auS Bonn. Das Korps Borussia in Bonn ist vom Senat der Universität wegen verschiedener Aufreizungen, die sich Mitglieder des KorpS in Bonn und in Mehlem zuschulden kommen ließen, für ein,geniester ausgehoben worden. — Hierzu wird noch berichtet: Die Suspendierung des Korps Borussia ist auf weitere Vorkommnisse, die sich in diesem Sommersemester ereignet haben, zurückzuführen. Nachdem bereits am 24. Juni das Korps wegen arger Ausschreitungen, die sich ein Angehöriger des Korps einem Schutzmann gegenüber zuschulden kommen ließ, verwarnt worden war und die Suspendierung in Aussicht gestellt wurde, erfolgten zwei Tage später viel ärgere Ausschreitungen. Boruffen und Einjährige deS Bonner Husarenregiments drangen gewaltsam nachts in die Wohnung eines Unteroffiziers ein und mißhandelten ihn. Wegen des letzteren Falles wäre das Korps als solches zwar nicht bestraft worden, die Suspendierung erfolgte aber im Hinblick auf die Tatsache, daß der Vorfall sich unmittelbar darauf ereignete, nachdem die Suspendierung angedroht worden war. — Das Kriegsgericht hatte übrigens die Einjährigen wegen der Mißhandlung des Unteroffiziers freigesprochen, ein Urteilsspruch, der vielfach Befremden erregte.
nämlich: Aufhebung aller Gesetze von Ursache und Wirkung. So etwas gibis natürlich nicht, und Grillparzer ist eS auch niemals eingefallen, ein neue- System deS Fatalismus aufstellen zu wollen — wie er übrigens im Vorbericht zur ersten Auflage (Grillparzers sämtliche Werke, herauSgegeben von A. Sauer, Stuttgart) selbst nachdrücklich betont. „Der Verfasser hofft", sagt er da, „daß diese Mißverständnisse von selbst verschwinden werden, wenn man sich Mühr geben will, sein Stück zu lesen." Das Einwirken der Ahnfrau ist auch tatsächlich nicht so bestimmend, es bildet, wie der R i n g d e s G y g e s bei Hebbel nur den Regenbogen, der über das Bild gespannt ist und der ihm jenen feinen Duft des Metaphysischen geben, aber nie und nimmer dem Schicksal als Brücke dienen soll. „Denn dieses entsteigt einzig der menschlichen Brust." Und Dr. Emil Reich sagt ganz recht, daß das Dazwischentreten der Ahnfrau an sich entbehrlich sei, um das Stück dennoch fast in derselben Szenenfolge abrollen zu lassen. Nur müßte dann am Schluß Jaromir in der Grabkapelle den Leichnam Berthas finden, die Verfolger hinter sich hören und in Verzweiflung freiwillig dieses nicht der Verteidigung werte Leben abschütteln. Die Gespenstererscheinung fiele dann ganz weg und wir hätten eine Familientiagödie wie in der „Braut von Messina", von der Grillparzer wohl für das immerhin bedenkliche Motiv der Geschwisterliebe die Anregung empfing, die dann unter dem Einfluß von Calderons „Andacht zum Kreuz" (La exaltacion de la cruz) weiter ausgebildet wurde. . . Daß Grillparzer nun aber doch die Geisterwelt mit hincinbezog, schadet dem Stück ebensowenig wie die Geistern scheinungen in „Hamlet", „Macbeth" oder „Faust" diesen Werken. Er selbst sagt in jenem schon erwähnten Vorbericbt, daß Shakespeare und Calderon den abergläubigen Wahn finsterer Zeiten mit ungleich größerer Kühnheit zu poetischen Zwecken benutzt, als es in der „Ahnfrau" geschehen ist, ohn« daß man sie deshalb verketzert hätte. „Der verstärkte Antrieb zum Bösen, d«r in dem angeerbten Blut« liegen
Finanzielles aus der Türkei. Der „Tanin" in Konstantinopel beschäftigt sich in einem Leitartikel mit der Frage der 4proz. Zollerhöhung, die entgegen der Meldungen einiger Blätter noch keineswegs geregelt sei. Die Zeitung sagt, dir Frage sei für die Türkei von größter Bedeutung, da die Regierung mit den sich aus der Zollerhöhung ergebenden Mehreinnahmen das Defizit des Budgets teilweise decken und eine Anleihe von 30 Millionen Francs zur Ausführung öffentlicher Arbeiten aufnehmen könnte und möchte. Diejenigen, die dieser Frage gegenüber eine ablehnende Haltung «innahmen, könnten es daher unmöglich mit der Reformierung der Türkei ehrlich meinen; dennoch hätten bisher nur Deutschland und Oesterreich-Ungarn zugestimmt; die anderen Mächte dagegen stellten Bedingungen, über die ein« Einigung noch nicht erzielt sei. Ueber die Haltung Englands heißt es in dem Artikel: Die englische Regierung wünsche, daß die aus der Zollerhöhung erwachsenden Mehr- einnahmen nicht als Garantie« für dm Bau der Bagdadbahn verwandt würden. Nur in diesem Falle wolle England seine Einwilligung zu der Zollerhöhung geben. Das Blatt schreibt sodann weiter, eS wolle nicht untersuchen, warum eigentlich die englische Regierung die Weiterführung der anatolischen Bahn nicht wünsche. — Aber, nachdem England diese Forderung gestellt habe, werde die Angelegenheit zu einer Frage deS türkischen Selbstgefühls, und falls die Türkei bei den MSckten keine Unterstützung finde, dürfe Europa nicht die türkische Regierung anklagen, wenn die Reformierung der Türkei Verzögerungen erleiden würde.
Zwischen den Bereinigten Staaten und Chile ist es auS folgender Ursache zu einer Meinungsverschiedenheit gekommen. Die amerikanische Firma Alsop hatte von einem anderen Hause, dem von Bolivien gewisse Konzessionen gewährt worden waren, eine Anzahl Minengerechtigkeiten erworben. Die in Frage kommenden BergwerkSgebiete liegen aber auf einem Terrain, an das Chile zurzeit Eigentumsrechte geltend macht. Chile verweigerte der Firma infolge dessen die Ausübung der von ihr gekauften Konzessionen. Alsop unterbreitete seine Angelegenheit zunächst dem Schirds- gerichtshof« in Washington, wurde aber von dort an die chilenischen Gerichte verwiesen. Die zurzeit zwischen den Vereinigten Staaten und Chil« schwebenden Verhandlungen betr. die Höhe der von Chile zu zahlenden Entschädigungssumme bezw. die Frage, in welcher Form die Angelegenheit dem Schiedsgericht-Hof« im Haag unterbreitet werden tonnte. Chile hinterlegte bereits als Bürgschaft eine Million Dollars bei der Bank von England; die endgültige Lösung ist jedoch noch nicht erfolgt, da die Vereinigten Staaten den Wunsch ausgesprochen haben, Chile solle darauf verzichten, die Sach« vor das Haager Tribunal zu bringen; anderenfalls drohen sie, ihren Vertreter in Valparaiso abzuberufen.
kann, hebt die Willensfreiheit und die moralische Zurechnung nicht auf." Auf Macbeth verweist er übrigen- selbst einmal: „Wenn ihr mir sagt, diese Hexen seien der eigene Ehrgeiz des Helden, so antworte ich euch: Tut die Augen auf, das sind Hexen und nicht der Ehrgeiz".
Wenn Maeterlinck einmal sagt, daß Porst« keinen anderen Zweck habe als den, die großen Straßen, die vom Sichtbaren zum Unsichtbare» führen, offenzuhalten, so sagt er unbewußt zugleich damit, „daß ein Ereignis ein Seelenvorgang erst dann die tragisch« Stimmung vermittelt, wenn aus ihm das unendliche Sein hervorleuchtet" (Ludwig Coellen, Neuromantik, Jena). Und au- der „Ahnfrau" leuchtet ganz bestimmt etwas von dem Geheimnis de- Lebens heraus, spürest wir unleugbar etwas von dem Unbewußten, mit dem unser Sein unlöslich verknüpft ist, und das „richtend im Verborgenen wacht". Und wenn schon eingangs gesagt wurde, daß Grillparzer mit seiner * „Ahnfrau" auf Ibsen hinwiese, so muß nun hinzugefügt werden, daß er — gerade in diesem Jugendwerk — durch die Berührung des Tiefsten in unserer Seele Vorgefichte gehabt hat, bie auf einen unserer Neuesten hindeuten: auf Maeterlinck. Schade nur, daß Maeterlinck nicht di« dramatische Span» nungskraft besitzt wie Grillparzer. Die kräftige Führung der Handlung in der „Ahnfrau" ist staunenswert, der Verlauf ununterbrochen spannend, die Steigerung natürlich und g«- schickt, die Sprache bilderreich und einzelne Situationen von prachtvollster Stimmung. Neben Schillers Erstlingswerk „Die Räuber" und neben Hebbels Erstling „Judith" steht es, meiner Meinung nach, als das gewaltigste und z u - g l e i ch t i e f st e und innerlichste da , wenngleich ichs lieber in Prosa sähe, als in dem uns nicht recht zusagenden monotonen Trochäus-Schritt der großen Spanier.
Der ersten Aufführung wohnte Grillparzer mit seiner Muller und seinem Bruder Adolf selber bei. Aber feine nervöse Natur, erzählt Sittenbergee (Grillparzer, fein Leben und Wirk««. Berliv 19041 litt entsetzlich unter bte