Erstes Blatt.
Bezugspreis:
DierkIsähriich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- «ärtige Abonnenten mit dem betresienden Poftaasschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker« bei verein. ct. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeigkr
Amtliches Organ für AM- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
SisrLlkugszebS^r ,
Die füafgespavrue Petitzeile oder deren Ätmm Ä Wz. im Aeklameatâl bk Zeit« 45 #>
8«awt»6rtL R«dâa: O. Schrecker W Hon«.
Mk. 255 J-rnsprechanschlits; Nr. 605»
Samstag den 30. Oktober
Fernsprechanschlutz Nr. 605, 190 9
Lie beulige Nummer Mftht außer -.lluterhultMS-M
18 Seiten.
Amtliches.
Eandhreis Ran au.
An die Schulverbände des KreiseS.
Die Schulverbände mache ich auf den als Beilage zum Regierungs-Amtsblatt. Nr. 39 vom 29. September d. Js. veröffentlichten „Berteilungsplan des Bedarfs der Alterszttlagekafse für die Lehrer «nd Lehrerinnen an den öffentliä en Volkssck'nlen des Neniernngs- bezirks Cassel für das Rechnungsjahr 1909" hierdurch aulmerksam.
Die nach dem 1. April d. I. eingetretenen Veränderungen infolge Errichlung neuer Schnlstellen, Auflösung oder Umwandlung bestehender Schulstellen werden im Laufe des Rechnungsjahres durch besondere Verfügungen geregelt werden.
Hanau den 28. Oktober 1909.
Der Königliche Landrat.
V 5912 Frhr. Laur.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Von den in den Gemarkungen Hanau-Kesselstadt und GrMauheim gelegenen städtischen Grundstücken ist eine Anzahl Parzellen pachtfrei geworden.
Termin zur Verpachiung derselben findet am Mittwoch den 3. November d. Js., nackm. 3 Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Kaffe (Neust. Rathaus, 1. Obergeschoß, Zimmer Nr. 4) statt.
Pachtliebhaber werden zu diesem Termin eingeladen. Hanau den 25. Oktober 1909.
Stadthauptkasse. 24117
Bekanntmachung
Nach Beschluß des Landesausschuffcs vom 21. September d. Js. soll für das Jahr 1910 die Erhebung einer dreifachen Viehseuchen-Abgabe für Rindvieh — 15 Pfg. für jedes Stück — stattfinden. Von der Erhebung einer Abgabe für Pferde, Fohlen, Esel usw. ist mit Rückficht auf die Höhe des Reservefonds in diesem Abschnitt Abstand genommen worden. Zur Feststellung der Abgaben sowie zu statistischen Zwecken ist eine Zählung des Viehbestandes er-
1. AlmntimtQnjttt des WcksWn EtsiMninS.
Dem ersten diesjährigenAbonnementskonzertdesWeins'schen Gesangvereins, welches am vorgestrigen Abend eine große Anzahl musikliebender Zuhörer in dem Centralhallensaal versammelte, lag ein umfangreiches Programm zu Grunde. An der Ausführung desselben war der konzertgebende Verein mit sieben Männerchören beteiligt, ferner die Sopranistin Frau M. Lauprecht-van Lammen aus Hannover mit acht Gesängen und der Cellist Herr Hugo Schlemüller aus Frankfurt mit fünf Cellosoli.
Der erste Chor „Nachtzauber" von A. M. S t o r ch greift in seiner Komposition etwas weit zurück, etwa in die Zeit der ersten Blüteperiode des deutschen Liedertaselgesanges, welche durch Franz Abt ihren Stempel aufgedrucki bekommen hat. Für diese dem Ohre des heutigen Konzert- besuchers zumeist etwas weitab liegende gesangshistorische Vergangenheit erzeugte ein Stück fesselnden Interesses die vorgestrige Darbietung genannten Chores. Besonders war es der zweite Baß, welcher seine vom Komponisten hervorgehobknen Stellen in musterhafter Abtönung und wie aus einem Guß sang, während die übrigen Stimmen den harmonischen Unterlagen eine eindrucksvolle und tonrrine Gestaltung verliehen. Die charakteristische Tonmalerei, welche in dem Chore „Ave maria" dessen Komponist Vincenz L a chner mit dem sehr einfachen Mittel einer auf benachbarten Tonhöhen konsequent durchgeführten Synkope im zweiten Tenor vortrefflich gelungen ist, kam in sicherem Rhythmus und bei guter Schattierung zu schönster Geltung. Auch hier rohste der Gesamtchor durch frischen Klang und reine Harmonien. Allerdings geschah der Eintritt der letzten Strophe nicht ganz in derjenigen Tonentfernung vom Nonucn- chor, wie sie der Komponist in seiner Partitur vorgesehen. Von hier an waltete über den weiteren Chorgesängen in Bezug auf scharfe Tonreinheit der Harmonien im allgemeinen
forderlich und es wird eine solche am 2. November d. I. bewirkt werden.
Das Verzeichnis über den Viehbestand ist zur Einsicht der Beteiligten vom 6. bis einschließlich 19. November d. J. im Stadtsekretariat, Rathaus Zimmer Nr. 12, aufgelegt. Anträge auf Berichtigung sind bis zum 18. November d. J. bei der unterzeichneten Behörde, etwaige Reklamationen gegen deren Entscheidungen bis einschl. 29. November d. I. bei dem Herrn Regierungs-Präsidenten zu Caffel anzubringen.
Hanau den 28. Oktober 1909.
Der Magistrat.
Hild. 24493
Bekanntmachung.
Der Entwurf zu dem Haushaltsplan der SttstUttsten und Nebenfonds für das NechnnnqSjabr 1910 liegt vom 1« November d. I. an 8 Tage lang im Stadtsekretariat, Rathaus Zimmer Nr. 11, zur Einsicht der Gemeindeangehörigen offen.
Hanau den 26. Oktober 1909.
Der Oberbürgermeister.
I. D: Hild. 24491
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 23. bis 29. Oktober 1909:
1 Banschloffer, 3 Aahrburfchen, i Cigarren» Macherin, 1 Knecht, 1 Schneider, 1 Weitz- binder, 7 Taglöhner.
Hanau den 80. Oktober 1909. 24489
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
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Diciistnachrichten aus dem Kreise.
Der Fabrikarbeiter Friedrich August Schäfer in, Ravolzhausen ist zum Ortspolizeidiener dieser Gemeinde bestellt und verpflichtet worden.
Handelsregister.
Finna M. Canthal Wwe.
Der Kaufmann Marc Canthal zu Hanau ist in das Handelsgeschäft als persönlich hastender Gesellschafter eingetreten.
Die aus
dem Kommerzienrat Fritz Canthal und Kaufmann Marc Canthal,
beide zu Hanau,
kein günstiges Geschick mehr. Vielleicht, daß der fabelhast schwierige Schuben'sche Chor „Ruhe, schönstes Glück d e r E r d e" das Mißgeschick heraufbeschworen hat! Die schwere Last dieses Chores ruhte auf verhältnismäßig wenigen Schultern, manche waren des Tragens solcher Last ungeübt. Darin liegt eine Schuld. Mögen die Betroffenen sich diese Schuld selbst eingestellt und ihren hochbegabten, hochgeachteten und für bo8 musikalische Leben eines großen Teiles von Süd- und West- deuischland bedeutenden Dirigenten nicht derart in Stich setzen, daß er — wie vorgestern an verschiedenen Stellen dieses Chores — schließlich in intensivster Weise selbst tätig in den Chorgesang eingreifen muß. Ein Chor, wie der in Rede stehende, will in gemeinsamer, ausdauernder, treuer Arbeit vorbereitet sein. Die Schwieiigkeiten kennt der Sachverständige, der Laie sehr oft nicht, und ein verantwortungsloses Urteil ist schnell gefällt. Wenn ein Chorsatz in dem kleinen Raum von v i e r- z e h n T a k t e n von C-dur über d-moll, B-dur, A-dur, Cis-dur nach As-dur übergeht und derartige Modulationen fortgesetzt we^terspinnt, dann braucht nur die allergeringste Anfälligkeit einzutreffen, um auch die größie Sicherheit ins Wanken zu bringen. — Der Chor „Widerspruch" von Schubert kam unter der Assistenz der Altvater' schen Klavierbegleitung zu entsprechender Geltung. „Mei B u a" will mit seiner einen Reihe Uebergang in das Koichat'sche „Verlassen" die Unmittelbarkeit der Empfindung ablenken ; es erfuhr jedoch dieser Chor durch eine geschickte deklamatorische Behandlung des Textes eine Wiedergabe, welche jener Ablenkung die Bahn nicht frei machte und ihr keinen Raum gab. Das italienische Volkslied „Tike tike I t o k" hat in dem Wortlaute seiner deutschen Uebersetzung etwas gezwungen Naives. Dessen ungeachtet gelang die Wiedergabe seines musikalischen Empsindungsgehaltes bestens. Auch der K r e m ser' sche Chor „Im Winter" erfuhr eine gute musik-deklamatorische Ausbeute.
bestehende offene Handelsgesellschaft hat am 1. Juli 1909 begonnen und wird unter unveränderter Firma mit dem Sitze in Hanau betrieben.
Die dem Markus Canthal in Hanau erteilte Prokura ist erloschen.
Die dem Kaufmann Ernst Hartenbach erteilte Prokura besteht fort.
Eingetragen am 20. Oktober 1909.
__________«»»Iglich-S Amtsgericht 5, 21661
Bekanntmachung.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach $ 81 der Vollzugsordnung zur Gewerbeordnung am Sonntag den 31. d. Mts. in Ortenberg kein Biehmarkt gehalten werden darf.
Wer an diesem Tage beim Viehhandeln betroffen wird, hat Strafanzeige zu gewärtigen.
Büdingen den 27. Oktober 1909.
, Großh. Kreisamt Büdingen.
P 12924 I. D.: Schäfer.
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Rcfomationsfcst.
Die Reformation, bie mit Luthers öffentlichem Auftreten, dem Anschlag der 95 Sätze an der Schloßkirchtürr zu Wittenberg am Abend des 31. Oktober 1517, begann, ist der Anfang einer neuen Zeit in der Weltgeschichte. Alle Kreis« menschlichen Leben« in Kultur, Kunst und Wissrnschaft, wie in Familie, Kirche und Staat, daS wirtschaftliche, wie daS soziale Leben, hat sie befruchtet und zu neuer Blüte gebracht. Wohl bedeutet die Reformation für unS ein reiches Erbe, aber eS gilt auch, dies Erb« treu bewahren. Nicht darum feiern wir Reformationsfest, um unS der Freiheit und der Satzungen, welche die Reformation dem einzelnen Menschen, wie der Gesamtheit gebracht hat, in stolzer Selbsterhebung zu rühmen, sondern um uns darüber klar zu werden, ob wir noch ein Recht haben, unS dieser Güter zu freuen. Wenn irgendwo, so gilt hier daS Wort: „WaS du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb' eS, um eS zu besitzen". Und hier heißt es, sich klar darüber werden, daß rechte Freiheit nicht Zügellosigkeit deS eigenen Ich, des eigenen Fleisches und seines Willens bedeutet, sondern Gebundenheit, Gehorsam gegen GotteS Wort und GotteS Willen. Wie glaubenSmutig konnte Luther einer ganzen Welt gegenüberstehen, weil er in Demut alles von seinem Gott erwartete. Und wenn durch unsere Zeit ein starkes Suchen nach dem, was in Wahrheit festen Bestand hat, geht, so wollen wir nicht vergeffen, daß die Reformation in den Grundsätzen: sola scriptura—sola fides; allein die Schrift, allein der Glaube! die Quelle freigelegt hat, auS der allein wahres Leben für all« Menschen quillt.
Wenden wir unS nun zu den S o l i st e n deS Konzertes!
Frau M. Lauprecht bot bei ihrem zweimaligen Auftreten zwei Gruppen von Gesängen dar. Zuerst sang sie vier Schumannlieder, dann kamen ebensoviel Brahmsnummern an die Reihe. Entsprechend dem guten musikalischen Geschmack, der in dieser Lieder« uS w a hl sich zeigt, war die V o r t r a g S w e i s e der Solistin. Ihr Sopran zählt nicht zu jenen ausgesucht „großen* Stimmen, welche durch besonderen Umfang und Fülle denjenigen, die sie besitzen, von vornherein einen gewaltigen Vorsprung geben auf dem Wege nach dem Beifall der Menge. Frau L a u p r e ch t gehört vielmehr zu den Sängerinnen, welche in deS Wortes weitester und schönster Bedeutung erst „ersingen" müssen, waS sie an Empfindungen und Gefühlen bei ihren Zuhörern auslösen wollen. Allerdings steht hierbei der Solistin deS vorgestrigen Abends eine Mithilfe zur Verfügung, welche in ihrer Einwirkung auf den einzelnen von einer unberechenbarenBedeutung sein kann: die sympathische äußere Erscheinung ihrer Person. Frau L a u p r e ch t findet deshalb für sich stets zwei der Eingangspforten zum Innenleben ihrer Hörer weil geöffnet, daS Ohr und — daS Auge. Sie kennt diesen ihren Vorteil und weiß ihn zu verwenden, nicht ge- sucht und übertrieben, sondern vielmehr am richtigen Platz« und unauffällig. WaS sie in dieser Hinsicht schon gleich 6«i ihrem ersten Liedervortrag, der Schumann'schen „Lotosblume", getan hat, ist gewissermaßen die Ueberschrift gewesen über ihrer gesamten nachbildenden Kunst, mit der sie vorgestern ihre Zuhörer erfaßt hat. Wie auS Erz gegossen stand sie bei diesem Liede da, leicht das Antlitz nach oben gewendet, anfangs fast leblos im Ausdruck, dann aber ein allmähliches Erwachen zum Leben, zum Blühen, zum Zittern, zur Liebe, zur Leidenschaft — und das alles ohne jegliche äußere Bewegung, ohne jegliche Aenderung in der Körper- halnmg - die p e r s o n i f i z i e r t e Lotosblume, w i« fi« der Dichter und der K o m v o n i 8 reschildert hat: