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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- »ad Landkreis Kanan.

Die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Namn Ä Otik im Rtüameutcll die Zeile 45 P^

eo. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort. Redakteur: V. Sch,«»«« tat H«kklK

Nr. 250

Ferusprechauschlutz Nr. 605»

Montag den 25. Oktober

Ferusprechauschlutz Nr. 605. 1909

Amtliches.

Oanâkreis ^anau.

An die Ortspolizeibehörden des KreiseS.

Ich mache auf den in Nr. 42 pos. Nr. 625 deS dies­jährigen Regierungs-Amtsblatts veröffentlichten Erlaß des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe aufmerksam. Hiernach haben Ziffer XV, 1 der Anweisung betreffend das Verfahren bei der Ausstellung und dem Umtausche sowie bei der Erneuerung (Ersetzung) und der Berichtigung von Quittungskarten, vom 17. November 1899 (M. Bl. d. i. V. 1900 S. 16) eine andere Fassung und Ziffer XXVIII Absatz 1 einen Zusatz erhalten.

Hanau den 23. Oktober 1909.

Der Königliche Landrat. J 1133 Frhr. Laur.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 altes Portemonnaie mit 2 Konsum­marken, 1 großer Mülleimer ohne Henkel, 1 Ebenholzstock mit Silbergriff, 1 Paket (enthaltend 1 Stuhlsitz, 2 Gürtel­bänder, 2 Schnallen u. a. m.).

Stehen geblieben: 1 kleines Henkelkörbchen bei Schlegel, Marktplatz 15. Empfangnahme daselbst.

Verloren: 1 Damenuhr gez. M. M.

Zugeflogen: 1 Kanarienvogel.

Hanau den 25. Oktober 1909.

Politische Rundschau*

Der Rücktritt des Staatssekretärs Dr. Nieder- ding. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding, dessen Rücktritt schon seit Jahren immer wieder als kurz bevorstehe. . .. ^t ,Mde, .oird jetzt wirklich demnächst aus feinem Amte scheiden. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt offiziös:Wie wir Horen, beabsichtigt der hochver­diente Staatssekretär des Reichsjustizamtes Nieberding mit Rücksicht auf sein vorgerücktes Alter demnächst in den Ruhe­stand zu treten. Seit mehr als 17 Jahren hat Wirkl. Ge­heimer Rat Dr. Nieberding der Reichsjustizverwaltung vor­gestanden. Der verdiente Staatsmann hat sich vor allem Ruhm erworben um den Abschluß des Bürgerlichen Gesetz­buches und damit eine Grundlage moderner Rechtsprechung bargeboten, die allgemein als vorbildlich anerkannt ist. Die Wertschätzung der reichen Lebensarbeit des bisherigen Staats­sekretärs fand aus Anlaß des 70jährigen Geburtstages am 4. Mai 1908 in der gesamten Presse, und besonders in juristischen Kreisen lebhafte Würdigung." Man kann dieser Würdigung des scheidenden Staatssekretärs durch das offi-

Stabtticater in Hanan.

Freitag den 22. Oktober 1909; Der Obersteiger".

Operette in 3 Akten. Musik von Carl Zeller.

Es scheint, als ob die gediegene, melodiöse ältere Ope­rette, die mehr nach der Spieloper hinneigt, die brettlhaft aufgeputzte moderne ein wenig in den Schatten stellen wollte. An dieser Erscheinung seine Freude haben, muß durchaus nicht heißen, behäbiger Rückständigkeit das Wort reden; der Grundzweck des leichteren Genres: Erheiterung und Ab­lenkung wird am Ende durch das Silberglöckchenklingeln unserer lieben allen Operette zum mindesten nicht schlechter erfüllt, als durch die raffinierten koketten Mittel ihrer modernen Schwester. So fand Zellers immer lebendiger Obersteiger" am Freitag bei dichtbesetztem Hause eine äußerst warme Aufnahme, die wohl nicht zum kleinsten Teile auch der durchweg auf recht hohem Niveau stehenden Wieder­gabe zuzuschreiben ist. Herr Heß in der Titelrolle war sehr flott und temperamentvoll im Spiel und hob, gestützt durch gute stimmliche Disposition, seine Leistung weit aus dem Rahmen des Durchschnitts heraus. Das Einlagelied tm zweiten Akt:Sei nicht bös" gelang ihm prächtig. Wir freuen uns, die schönen Qualitäten dieses Künstlers (der die früher hier so gerne geübten Buffoungezogenheiten erfreulicher« n>ei|e verschmäht), einmal in vorteilhaftestem Lichte kennen gelernt zu haben. Nicht minder sympathisch war Herr Behrens als Fürst und Bergwerksvolontär. Seine Stimme erklomm zwar die Höhen nicht immer ganz sieg- reid), sonst aber entledigte er sich des gesanglichen Teiles seiner Partie mit viel Geschick. Frau Voß als Komtesse alias Fräulein Fahnenschwinger sah in beidenLebenslagen" entzückend aus, lieh ihrem Spiel alle die graziöse Anmut, zu deren Entfaltung die Partie so reiche Gelegenheit gibt und war gesanglich ganz auf der Höhe ihrer Aufgabe.

ziöse Blatt uneingeschränkt zustimmen. Freilich war Dr. Nieberding keine markante, in die Augen fallende Erscheinung des politischen Lebens. Mehr eine stille Gelehriennatur, die nur ungern auf das Podium der Oeffentlichkeit trat, umso­mehr aber hinter den Kulissen in reger, nie versagender Ar­beitskraft seine reichen Kenntnisse und seinen Scharfblick für die Bedürfnisse unseres Rechtslebens in den Dienst der All­gemeinheit stelltet Nieberding ist unserem Rechtsleben in der Tat ein Reformator geworden. Vieles ist unter seiner Leitung des Reichsjustizamts geschaffen worden an grund­legenden Aenderungen unserer Justizgesetze, und anderes, das gleichfalls seiner Initiative zu danken ist, ist im Werden be­griffen. Wenn jetzt das Alter, dem er lange genug getrotzt hat, den Wunsch nahelegt, seinen Platz einer jüngeren Kraft einzuräumen, so kann er scheiden mit dem Bewußtsein einer an Arbeit, aber auch an Erfolgen reichen Amtstätigkeit, die wohl ohne Ausnahme von allen Seiten ihm die Anerkennung und den Dank des deutschen Volkes sichert.

Die Stichwahl in Koburg. Nun ist auch Koburg in sozialdemokratischen Besitz übergegangen. Die Stichwahl am Freitag nahm den Ausgang, den man nach allem bisher Erlebten befürchten mußte: Der Sozialdemokrat Zietsch siegte über den Nationalliberalen Dr. Quarck. Nach den genauen Ziffern, die jetzt aus sämtlichen Ortschaften des Wahlkreises vorliegen, ist das Gesamtergebnis folgendes: Quarck 6646, Zietsch 7060 Stimmen. Der Genosse hat also eine Mehr­heit von rund 400 Stimmen und wird künftighin Koburg im Reichstag vertreten. Der neue Wahlsieg ist für die sozialdemokratische Presse ein besonders köstlicher, fetter Bissen und wird als solcher den Genossen kunstrecht serviert. Denn Koburg ist im Reichstag stets liberal vertreten gewesep und es hatte noch im Jahre 1907 das Ansehen eines uneinnehm­baren liberalen Besitzes. Damals brachten die National­liberalen und Freisinnigen zusammen über 8500 Wähler auf, und die Sozialdemokru.en, die «.s 1903 auf 5550 Stimmen gebracht hatten, blieben mit 4780 Stimmen arg im Rückstand. Jetzt bietet die Sozialdemokratie über 7000 Wähler auf, gegen 1903 ein Zuwachs von 1500, gegen 1907 gar einen von 2200 Stimmen. In der Tat Grund genug für die Genossen, von einem großen Erfolg zu sprechen und Grund genug für die bürgerlichen Parteien, die Rück­gewinnung des verlorenen Boden» mit allen Kräften zu be­treiben und sofort ans Werk zu gehen. Der große sozial­demokratische Zuwachs kommt sicher zum allergrößten Teil auf das Konto der Mitläufer die je nach der Beschaffenheit ihrer persönlichen Stimmung bürgerlich Wählen oder der Sozialdemokratie zulaufen. Das Verhalten dieser Ueber-- läufer ist nicht nur verurteilenswert, es ist auch ohne Sinn und Verstand, denn die Sozialdemokratie hat im Ernst im Nichslag noch keinen Finger zur praktischen Mitarbeit ge» Wenn wir sagen:Fräulein Harves spielte die Nelly", so klingt dabei für jeden, der die früheren Leistungen unserer so beliebten Soubrette kennt, ein selbstverständliches, warmes Lob mit. Die sichere Ruhe und Gewandtheit und bie voll­kommene Beherrschung ihres gesanglichen PartS, so auch wieder in der Rolle der munteren Spitzenklöpplerin, berühren immer gleich angenehm. Dem Nefrainwort:Man kann nicht immer wie man will" wird damit eigentlich ein kleiner Stoß versetzt. Herr Schneider schuf mit trefflicher Ge­staltung-kunst in der Figur des Bergdirektors Zwack einen Typ voll echter Komik. Fräulein N a t h u s i u 8 gab dessen liebeverlangende Gemahlin Elfriede mit drastischer Natürlich­keit, war auch in den gesanglichen Stellen recht befriedigend. Für das sehr lustig gezeichnete Bureaukratenpaar waren die Herren Liebert und Schwarz sehr geschickte Vertreter. Die Durchführung des musikalischen Teiles unter der sicheren und temperamentvollen Leitung des Herrn Kapellmeisters Kähler war durchweg einwandfrei. Das oft apathische Verhalten des Chors ist nicht gerade fördernd für die Be­lebung der Szenenbilder; dieser leidige Kontrast gegen das so frische und lebendige Sri l der Solisten müßte doch bei Aufwand von etwas gutem Willen schwinden. Und dann: Tritt in der Kostümierung der Bergknappen dassoziale Elend" nicht gar zu sehr zutage?

Samstag und Sonntag:

Im weißen Rößl".Die Ehre". Die zärtlichen Verwandten".

Im Sladttheaier fand das LustspielIm weißen Rößl" am Samstag eine Wiederholung und ergötzte durch lustige Sprünge nach allen Seiten hin. Sudermanns E h r e" fand am Sonntag nachmittag ein gutbesetztes Haus und ein beifallsfreudiges Publikum. Eitel Freude harschte dann am Sonntag abend bei der Wiederholung des humor­vollen Lustspiel«Die zärtlichen Verwandten".

rührt und wird es nicht tun. Aus Verstimmung für sie eintreten, ist eine ebenso undankbare wie unfruchtbare Demon­stration, an der dem Demonstranten selbst gewöhnlich sehr bald die Freude vergeht. Setzen die bürgerlichen Parteien in diesen Kreisen mit ihrer Aufklärungsarbeit ein, so haben sie alle Aussicht, ihren Besitzstand wieder auf die alte Höhe zu bringen.

th. Nach einer Denkschrift, die Oberbürgermeister Dorscht in München dem Magistrat über die Neuregelung der Lehrerbesoldungen vorlegte, sollen die dortigen Lehrer­gehälter in Zukunft mit 2820 Mk. beginnen und bis zum Höchstsatz von 5520 Mk. steigen. Die Lehrerinnen beginnen mit 1800 Mk. und erreichen 4050 Mk. DaS Gehalt bei Oberlehrer (Rektoren) bewegt sich zwischen 3600 Mk. und 6840 Mk. Schulverwalter beziehen 2040 Mk., Hilfslehrer 1590 Mk., Schulverweserinnen 1590 Mk., Hilfslehrerinnen 1320 Mk. Die Alterszulagen betragen für alle Klassen 300 Mk. und die Pensionen während der ersten 10 Dienst­jahre 50 vom Hundert und steigen von da ab mit jede» Dienstjahr um 1 vom Hundert ohne Beschränkung auf einen Maximalbetrag. Mit dieser Gehaltsordnung auf dem Ge­biete des Volksschulwesens dürfte München nun an der Spitze aller deutschen Städte stehen und vorbildlich wirken.

Die Diamantengewinnung in Deutsch-Süd- weftafrika. Tausende von Interessenten, heißt in einem Bericht des Kolonialwirtschaftlichen Komitees, sind in der Wüst« zusammengeströmt, und immer noch kommen neue hinzu. Eine große Anzahl (über achtzig) Diamantengrwin- nungS-Gesellschaften hat sich gebildet; die Werte von etwa 25 dieser Gesellschaften werden zurzeit an der in der Lüderitz­bucht entstandenen Börse gehandelt. Der anfänglich starke Widerstand gegen die Regie-Gesellschaft hat sich gelegt; dir Streitfragen scheinen zum großen Teil eine glückliche Lösung gefunden zu haben, wenn auch noch einige schwierige Fragen der Erledigung harren. Zur Ausbeutung der staatlichen Diamantfeldcr ist die Diamant-Pachtgesellschaft in Berlin als Kolonialgesellschaft gegründet worden, zur Ausbeutung des Sperrgebietes der Kolonialgesellschaft für Südwestafrika die Deutsche Diamantengesellschaft m. 6. H. Die Abgaben, denen die Diamantengewinnung unterliegt, betragen nahezu 50 Prozent des Wertes der gewonnenen Diamanten. Die Gewinnungskosten bewegen sich je nach den örtlichen Ver­hältnissen zwischen 2 und 10 Mark für daS Karat. Seit Beginn der Tätigkeit der Regiegesellschaft Anfang März sind bis Anfang Oktober im ganzen etwa 273 701 Karat abge­liefert worden, deren Erlös 7 981 312 Mark betrug, wovon dem FiskuS etwa 3 670 000 Mark zugefloffen stab. Di« Preise sind allmählich immer mehr gestiegen und betrugen bei den neun ersten Sendungen für da» Karat im Durch-

Auch diese Vorstellung erbrachte ein auSverkaufteS Haus, ben Darstellern der Hauptrollen reiche Anerkennung, den Zu­schauern einige vergnügte Stunden. Aber auch der kritisch« Beurteiler war in der Lage, mit der Darstellung sich zu­frieden zu geben. Voran zu nennen ist Herr Feig«!, der denOlwald Barnau" recht annehmbar gestaltete. Dann muß sofort Herr H e ß genannt werben, der alsSchummrich" wahre Lachsalven zu entfesseln verstand und für seine Pracht­leistung auch eine Kranzspende entgegennehmen konnte. Herr Siebert, der neuengagierte Charakterliebhaber und Bonvivant, hätte trotz der Zurückhaltung, die ihm sein« Rolle als Dr. Wismar teilweise auferlegte , doch etwas temperamentvoller spielen dürfen. Den jungen Arzt Offenburg gab Herr Herbst zufriedenstellend, womit die Liste der Vertreter der männlichen Hauptrollen er­schöpft ist. Für die Wiedergabe deSDietrich" durch Herm Frischkorn ist eigentlich die Regie, für die Herr Hellmuth zeichnete, auch verantwortlich zu machen, weSh«lb wir mit dem Darsteller selbst nicht zu streng in» Gericht gehen wollen. Die Darstellerinnen dagegen standen ausnahmslos auf der Höhe ihrer Aufgaben, sodaß wir nicht mit einer Teilanerken- nung heranzutreten brauchen, sondern ein Gesamtlob auß* streuen dürfen. ES traten auf Frâul. Linda Groß all Ulrike", Frl. Clara NathusiuS alsIrmgard", Frl. Marg. H a u s s i g alsAdelgunde", Frl. Waldau all ThuSnelde", Fräul. Wallich! alsOttilie", Frl. Mimi Fuchs alsIduna", Frl. R o s ch r r al»Philippine". Wir haben gesehen, daß auch die älteren Lustspiele noch ein» , Zuakraft auszuüben vermögen, wenn die richtig« Wahl p« troffen wird.

Albumblâtter.

Soviel gibt», waS beglücken kann

Und Freud« macht entstehen;

ES kommt auf Herz und Augen an, Daß ste, war Glück ist, setzen Trotz».