Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt.

TiurücknugSgebLhr:

Vezngspreisr

Virrteijährkich 1,80 Mk., monaüich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Vostaustchlsg.

Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.

SkotatisnZdruS und Verlag der Buchdrucker« des verein, er. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die fünf gespaltene Petitzeil« oder deren Raum 20 ^g. im Reklamenteil die Zeile 45 Psg.

Leraniwortl. Redakteur: G. Schrecker» Hanau.

Nl. 242 Fernsprechanschlttsj Nr. «05.

Freitag den 15. Oktober

Ferttsprechattschlittz Nr. 605. 1909

Sie ieutigeNünmer wW außer d.MrhMnBlst!

14 Seiten.

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Ran au.

Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß sämt­liche Geschäftsräume des Kreishauses von jetzt ab jeden Samstag nachmittag für das Publikum geschlossen find.

Hanau den 14. Oktober 1909.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

V 5676 Frhr. L a u r.

Proviantamt Hanau kauft fortgesetzt Hafer, Heit und Roggenstroh. 22879

«L^!M-^>>» ...... >ii "' - I J........... LI... .............j----" --"-

Politische Rundschau.

Der Kaiser kehrt heute vormittag von Hubertusstock nach dem Neuen Palais in Potsdain zurück.

Fürst Bülow ist von Norderney nach Hamburg ab- gereist.

Die Reichstagsstichwahl in Koburg ist auf den 22. Oktober festgesetzt worden.

Großadmiral Köster über den Empfang des deutschen Geschwaders. Aus New-Aork, 14. Oktober, wird berichtet: In einem Dankeswort für die Aufnahme gelegentlich der Hudson-Fulton-Feier sagte Großadmiral o. Köster :Diesen großartigen Empfang, dieses freundliche Entgegenkommen und die überwältigende Gastfreundschaft verdanke ich nicht zum wenigstens der Achtung und dem An­sehen, welches die Amerikaner deutscher Abstammung und meine deutschen Landsleute in Amerika genießen. Ich bin Überzeugt, daß die Feier ein wertvolles Glied in der lang­jährigen Kette der freundschaftlichen, deutsch-amerikanischen Beziehungen bildet. Es war mir eine besondere Freude, daß ich Gelegenheit hatte, mit den Vertretern der anderen Mächte die alte Freundschaft zu erneuern und neue ange­nehme Beziehungen anzuknüpfen."

Zur Vorbildung der Zahnärzte. In bezug auf die Auslegung der Uebergangsbestimmungen in der Prüfungs­ordnung für Zahnärzte vom 15. März 1909 find in Ein- üu eil an die Behörden Zweifel laut geworden, in welchem Umfang nach dem 1. Oktober 1909 die bisher erforderliche Schulbildung für das zahnärztliche Studium noch als aus­reichend gilt. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß die Bestimmung im § 59 Abs. 1 der neuen Prüfungsordnung, wonach Studierende, die vor dem 1. Dezember 1909 ihre zahnärztliche Ausbildung begonnen haben und sich spätestens am 1. Oktober 1913 zur Ablegung der zahnärztlichen Prüfung melden, auf Antrag die Prüfung nach den bis­herigen Vorschriften ablegen dürfen, sich selbstverständlich auch auf die Vorschriften über die schulwissenschäftliche Vor­bildung ß 4 Nr. 1 der Prüfungsordnung vom 5. Juli 1889) begießt. Hiernach haben Studierende der Zahnheil- kunde, die mit dem Reifezeugnis für die Prima eines deutschen Gymnasiums oder Realgymnasiums ihre zahnärzt­liche Ausbildung noch vor dem 1. Dezember 1909 beginnen, bei der späteren Meldung zur zahnärztlichen Prüfung,' sofern diese bis zum 1. Oktober 1913 erfolgt, hinsichtlich der An­erkennung ihrer schulwissenschaftlichen Vorbildung keinerlei Schwierigkeiten zu befürchten.

Der österreichische Ministerrat beschäftigte sich mit der herrschenden Teuerung, die in einer Erhöhung des Wiener Milchpreises um 2 Heller für das Liter, scharf zum Ausdruck gekommen ist; er setzte einen Minister-Ausschuß zum Studium dieser Angelegenheit ein. Nach anderen Mit­teilungen machten im Ministerrat die beiden tschechischen Mitglieder lebhaft ihrem Mißmut Luft über die beiden Anträge, die in den Landtagen für die reindeutschen Kron­länder über Festlegung der deutschen Amts- und Geschäfts­sprache, sowie der ' deutschen Unterrichtssprache in den Realschulen und Lehrerbildungsanstalten eingebracht worden sind, und drohten mit ihrem Rücktritt, da Bienerth diese Anträge in der Beratung am Sonntag mit den christlich- sozialen und deutschfreiheitlichen Parteiführern, obschon nicht ausdrücklich gebilligt, so doch auch nicht abgelehnt hat.

Zur ungarischen Krise Die Abendblätter melden, daß er nunmehr io aut wir gewiß sei, daß das Ministerium

Wekerle auch weiterhin im Amte bleiben wird. Auch die Koalition werde durch den abermaligen Zusammenschluß der Siebenundsechziger und Achtundvierziger Partei, aber mit Ausschluß der radikal-oppositiouellen Zusth-Gruppe wieder aufleben.

Das englische Oberhaus hat dir zweite Lesung des Landeskulturgesetzes angenommen. Die Opposition stimmte ' dem Gesetze zu, stellte aber einige Abänderungsanträge in Aussicht.

Tschechische Schulen in Sachsen. Der Dresdener- tschechische VereinVlastimil" errichtete in Dresden eine tschechische Schule, die bereits 103 Schüler besuchen; auch in anderen Städten Sachsens, darunter auch in Leipzig, sollen tschechische Schulen errichtet werden.

Der griechische Finanzminister legte der Kammer ein Exvosè vor, in dem von den geplanten Ersparnissen, die zehn Millionen Drachmen betragen sollen, die Rede ist. Bei jedem einzelnen Ministerium sind Abstriche vorgesehen; unter den wirtschaftlichen Reformen ist besonders bemerkenswert, daß ausländische Fachleute mit der Reorganisation des Zoll­wesens betraut werden sollen. Verschiedene Steuererhöhungen werden in Vorschlag gebracht; andererseits wird die Herab­minderung einiger Ausgaben erstrebt, die besonders für die Minderbemittelten drückend sind.

Das nächste russische Budget- Der vom russischen Finanzministerium aufgestellte Voranschlag für das Staats­budget des Jahres 1910 beziffert die ordentlichen Einnahmen auf 2535,80 Millionen Rubel, die ordentlichen Ausgaben auf 2510 Millionen Rubel, die außerordentlichen Einnahmen auf 10 Millionen Rubel und die außerordentlichen Ausgaben auf 120 Millionen Rubel. Zn diesem letzten Posten sind 50 Millionen für Ausgaben des Kriegsrefforts und 64,8 Millionen für Eisenbahnbauten enthalten. Die außerordent­lichen Ausgaben werden gedeckt durch den Ueberschuß von 25,8 Millionen der ordentlichen Einnahmen und durch 10 Millionen außerordentliche Einnahmen; der Rest im Betrage von 84,2 Millionen Rubel soll durch Krediloperationeu be­schafft werden. DieserRest" wird wahrscheinlich im Laufe der nächsten Monate noch ganz erheblich anwachsen, denn man spricht bereits von einer ganz beträchtlichen russischen Anleihe.

Eine Revolution in Nicaragua. Nach einem Telegramm aus Managua (Nicaragua) haben die Anhänger des Kriegsministers Juan Estrada, die sich gegtn den Präsi­denten Zelaya erhoben haben, die Stadt Blue Fields ein­geschloffen.

Brasilianische Bestellungen bei der deutschen Industrie. Aus Rio de Janeiro wird der Deutschen Kabeltelegrammgesellschaft gemeldet: Die deutsche Industrie hat bei Nebertragung der Bestellungen für den Badeort Agnas Dirtuosas, im Staate Minas Geraes, einen be­merkenswerten Erfolg errungen. Die Kraftanlage des Bades wurde der Gasmotorenfabrik in Deutz, die Lichtanlage der Firma Siemens, die Lieferung der Wasserleitungsröhren der Firma Mannesmann übertragen.

Protest gegen die Erschießung Ferrers in Barcelona.

Paris, 14. Oktbr. Die Polizei hat heute nachmittag in noch verstärktem Maße Vorkehrungen zum Schutze der hiesigen spanischen Botschaft getroffen, indem sie namentlich die Gartenseite des Botschaftspalais durch' ein starkes Aufgebot berittener Garde beschützt. Ministerpräsident Briand erklärte einem Berichterstatter, daß die gestrigen Straßenkrawalle nur deshalb einen so großen Umfang angenommen Hütten, weil die Ruhestörer massenhaft die Untergrundbahn benutzen konnten, um in die Nähe der spanischen Botschaft zu ge­langen; es heißt, daß heute auch in dieser Hinsicht ent­sprechende Maßnahmen angeordnet wurden. Für heute abend sind im lateinischen Viertel Straßenkundgebungen ge­plant. Ein hiesiges Blatt will wissen, daß die Manifestanten, die heute nacht die an der spanischen Kirche in der Avenue Friedland angebrachte Fahne gestohlen haben, eine in das Fahnentuch gehüllte Strohpuppe hätten verbrennen wollen, die den König Alfons darstellen sollte. Das heute morgen verbreitete Gerücht, daß der hiesige spanische Botschafter gegen verschiedene Pariser Blätter wegen Beleidigung des Königs Alionso Strafantrag gestellt habe, wird offiziös als unrichtig bezeichnet. Der Vorstand des hiesigen Ge­meinderats beschloß, in der nächsten Vollsitzung den Antrag zu stellen, daß eine Straße den Namen Francesco Ferrer erhalte und daß die Stadt Paris die Versorgung und Erziehung der hier lebenden zwei Enkelkinder Ferrers über­nehme.

Rom, 14. Oktbr. Während des Nachmittags waren hier alle Läden geschlossen. Manifestanten durchzogen in Gruppen die Straßen; die Polizei, die fortwährend bemüht war, sie zu zerstreuen, nahm einige Verhaftungen vor, doch sind ernste Zwischenfälle nicht eingetreten. Auch in Mailand und Florenz nahm der Streik an Ausdehnung zu. In Svezia wurde der Generalstreik proklamiert. In Florenz

konnten die Abendblätter nicht erscheinen. In Mailand und Spezia fanden große Protestversammlungen statt.

Triest, 14. Oktbr. Die Setzer der hiesigen Druckereien stellten heute vormittag die Arbeit ein zum Protest gegen die Hinrichtung Ferrers ; die meisten Abendblätter konnten nicht erscheinen.

Triest, 14. Oktbr. Als Protest gegen die Hinrichtung Ferrers verließen die Realschüler die Anstalt; sie versuchten vergeblich, die Schüler anderer Anstalten zum Anschluß zu bewegen. Von den Abendblättern ist nurPiccelo della Sera" erschienen. Der allgemeine Ausstand, der für einen halben Tag proklamiert war, ist nachmittags fast ausnahms. los durchgeführt worden. Auf Aufforderung der demon­strierenden Gruppen sind fast alle Geschäftsläden, die Gast- und Kaffeehäuser abends, und auch die Theater und Ver. gnügungslokale geschlossen. In einigen Teilen der Stadt zertrümmerten die Demonstranten einige Fensterscheiben, die Wache zerstreute die Demonstranten.

Hus Hanau Stadt und Eand. ßanatt/ 15. Oktober.

WMchk Atzung ta AudtnmrtznckMlsmnllung

vom 14. Oktober 1909.

Anwesend die Herren: Vorsteher Justizrat Uth ; Bernges, Bonn, Dasbach, Deines, Döring, Fischer, Förster, Franz, Hock, Dr. Hoffmann, Hansen, Jost, Kempf, Koburger, Loßberger, Lückhardt, Müller, Ohl, Salomon, Sommer, Schroeter, Stephan, Spatz, Schwabe, Voltz, Wolff und Bau­rat Wohlfarth.

Vom Magistrat: Oberbürgermeister Dr. Gebeschus und Bürgermeister Hild.

Entwässerung der Aepfelallee zwischen Lamboy- und Scharnhorststraße.

Gemäß dem Anträge der Anlieger Heintz, Spatz und Lückhardt sollte die Aepfelallee zwischen der Lamboystraße und ihrer südlichen Parallelstraße, der Scharnhorststratze, ausgebaut werden. Ihr Vorhaben, an dem Straßenteil Gebäude zu errichten, haben die beiden zuerst genannten Anlieger bis jetzt nicht ausgeführt, während Lückhardt die westliche Seite der Straße bebaut hat, ebenso an der Scharn­horststraße Gebäude errichtete. Für ihn ist also Voraus­setzung zur Benutzung der von ihm errichteten Gebäude der Einbau des Entwässerungssieles. Er hat die auf ihn ent­fallenden Kanalkostenbeiträge mit 1196 Mk., wie auch di« Straßenausbaukosten an die Stadtbaukaffe bezahlt, verpflichtet sich auch ferner, die Kosten, die über die von ihm gezahlte Summe für die Entwässerung noch entstehen, zu begleichen, Dem Antrag des Kanaleinbaues in den fraglichen Straßen­teil auf Kosten des Lückhardt wird zugestimmt.

Volks- und Schulbad in Hanau-Kessel- st a d t.

Der Magistrat stimmte in seiner Sitzung vom 17. August dem abgeänderten Plan, von der Baukommisfion unter bem 12. August 1909 zur Ausführung empfohlen, zu. Das erste Projekt des Volks- und Schulbades in Kesselstadt sah Fenster nach der Rückseite d. h. dem Nachbargrundstück vor, welche in einer Entfernung von 2,50 Meter von der Grenze angebracht waren. Da, wenn die Entfernung weniger als 5 Meter beträgt, der Nachbar einverstanden sein muß, >o wurde mit diesem verhandelt. Derselbe lehnte aber sein Einverständnis ab, sodaß der Bezirksausschuß angerufen werden mußte. Dieser wollte jedoch den Dispens nur dann erteilen, wenn der Nachbar einverstanden sein würde mit der Entfernung von 2,50 Meter. Da das Einverstandn,» dieses Nachbars (der evangelischen Kirchengemeinde in Kessel- stadt) nicht zu erlangen ist, so wurde daS Bad umprofet- tiert. Das Bad kommt jetzt auf die Nachbargrenze dev Pfarrgrundstücks zu stehen und bleibt nun, statt an der Rückseite, an der Giebelseite von der anderen Nachbargrenz« nur 2,50 Meter entfernt. Dieser Nachbar hat aber bereits vor der Projektierung seine Einwilligung zu dieser Ent­fernung gegeben. Auch gegen das neue Projekt hat der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Einsprache erhoben, jedoch aus Gründen, die in der Baupolizeiverordnung keine Stütze finden, weshalb die Genehmigung des Baugesuches zweifellos sein dürfte. Die Stadtverordnetenversammlung schloß sich dem Beschluß des Magistrats an.

Verlegung von Kabelleitungen.

Den Gesuchen des Silberwarenfabrikanten Josef Höfler und Zimmermeisters Thorn um Verlängerung der elektrischen Kabelleitung bis zu ihren Grundstücken wird zugestimmt ferner dem Gesuch der Firma J. C. Diehl, um Verlegung der elektrischen Kabelleitung bis zu ihren Gârtnerstraße 66 gemieteten Fabrikräumen. Um im Interesse der übrigen «b-