Hanauer K Anzeiger
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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
AMchks Organ fit Stadt- and Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 241 K-rnwr-cha»kchl«tz Nr. 605. Donnerstag den 14. Oktober
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Ferusprechauschlutz Nr. 605» 1909
Amtliches.
Zwangsversteigerung.
Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung des in Hanau belegenen, im Grundbuche von da Band 39 Artikel 2509, in Abteilung I unter Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen:
1. der Ehefrau Elisabeth Fischer geb. Dietrich zu Hanau, zur ideellen Hälfte,
2. a) des Detektivs Konrad Fischer in Frankfurt am Main,
b) des Maschinisten Jakob Fischer in Hanau,
c) der Ehefrau des Zugrevisors Eduard Zahn, Elise Henriette genannt Luise, geb. Fischer, in Fulda
zur anderen ideellen Hälfte als Eigentümer in ungeteilter Erbengemeinschaft
eingetragenen Grundstücks:
Kartenblatt G Parzelle Nr. 35, BrandversicherungS-Nr. 1 der kleinen Sandgasse, Wohnhaus mit Hof- rauni = 57 qm,
— Gebäudesteuerrolle Nr. 1563 lit. a —
— Gebäudesteuernutzungswert: 360 Mk — besteht, soll dieses Grundstück
am 16. Dezember 1909, vormittags IO1/* Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz Nr. 18 — Zimmer Nr. 14 — versteigert werden.
Hanau den 5. Oktober 1909.
Königliches Amtsgericht 2. 23127
Bekanntmachung.
Das Proviantamt kauft Roggen, Hafer, Wiesen- heu und Roggenstroh (Flegeldrusch, gepreßtes und ungepreßtes Maschinenstroh) diesjähriger Ernte zu den gangbaren Tagespreisen. Neben Heu vom ersten Schnitt wird auch Grummet gekauft, falls eS kräftig und tadellos ist.
Die Einlieferung der Naturalien kann ohne vorherige Anfrage und, mit Ausnahme der Samstag-Nachmittage, an jedem Wochentage von 8—12 Uhr vormittags sowie von 2—4 Uhr nachmittags erfolgen.
Hanau den 8. Oktober 1909.
Königliches Proviant-Amt. M 3727
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Marktkorb (in der Steinheimerlandstr.).
Zugelaufen: 1 junger grauer Rehpinscher mit weißer Brust w. Geschl., 1 schwarzbrauner Kriegsbund.
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Fran Anna Kaempfert, Kammersängerin, welche für das am 21. Oktober in der „Centralhallr" stattfindende Tonblüthe-Konzert gewonnen ist, wird, durch die großartigen Erfolge, welche sie durch ganz Deutschland begleiten, sich auch bei unserem Hanauer konzertliebenden Publikum auf das Beste einführen und sich neue Erfolge sichern und werden somit bei gen. Konzerte gesanglich-mufi- kalische Darbietungen ersten Ranges zu erwarten sein. Ueber die hohen künstlerischen Fähigkeiten der Frau Kaempfert lassen wir nachstehend einen ausführlichen Bericht folgen und empfehlen denselben auf das Beste:
Zu den Konzertsängerinnen, die es in überraschend kurzer Zeit verstanden haben, sich durch die Kraft ihrer eigenen starken künstlerischen Persönlichkeit durchzusetzen und einen Ehrenplatz unter den konzertierenden Künstlern zu erringen, gehört die Sopranistin Anna Kaempfert. Ihrer hervorragenden musikalischen Begabung, ihrem vortrefflichen Stimmmaterial und dem außergewöhnlichen Fleiße, mit dem sie an
Ausbildung gearbeitet, hat ste diese bemerkenswerten Erfolge zu verdanken. Es gibt wohl keine bedeutende Kunst- stadt in Deutschland, in der Anna Kaempfert nicht mit großem Erfolge ausgetreten wäre. Sie sang in den beiden letzten Jahren wiederholt in Berlin in den Konzerten des Philharmonischen Chores, dessen Leiter, Siegfried Ochs, Frau Kaempfert geradezu als die berufene Bachsängerin für seine Konzerte betrachtet. Denn ein immenses Stilgefühl, ein Ergebnis ihrer hohen musikalischen Intelligenz, befähigt unsere Künstlerin gerade der nur wenigen Sängern zugänglichen Tonsprache des großen Thomas-KantorS ihre volle Liebe zuzuwenden. So ist denn Frau Kaempfert in den schwierigsten aller Partien, denen der beiden Passionen, der H-moU» Messe, der Kantaten re. geradezu als eine Meisterin vom Publikum und von der Kritik vieler Städte anerkannt worden. Daß sie auch in Oratorien von Händel und Mendelssohn,
Politische RundTAao.
Nationale Stipendien. Im Septemberheft der „Frauen-Rundschau" weist Marie von Helldorf die deutschen Frauen in bemerkenswerter Weise darauf hin, daß auch sie die Pflicht haben, in nationalen Dingen tätigen Willen zu beweisen. Als gegebenes Feld hierfür zeigt sie ihnen die Ostmark. Dort herrscht der Kampf zwischen dem festgeschlossenen und mächtig aufstrebenden Polentum und dem nur langsam vordringenden Deutschtum ganz besonders auch auf dem Gebiete des Bildungswesens. Auf beiden Seiten handelt eS sich darum, in dem nationalen Kampfe geistige Führer zu gewinnen, die die Massen organisier« und einheitlich leiten. Auf polnischer Seite werden durch zahlreiche Stipendienvereine bedeutende Mittel dafür aufgebracht. So hat ihr größter Verein dieser Art, der MarcinkowSki-Verein, im Jahre 1908 nicht weniger als 94 223.50 Mark ausgegeben und damit 523 Stipendien für Studierende der Medizin, Chemie, Jura, Agronomie, Technik und für Gymnasiasten und Realschüler gewährt. Dieser Verein zählt jetzt 6588 Mitglieder und besitzt ein zinsentragendes Vermögen von 1 514 720.83 Mark. AuS den Kreisen seiner Stipendiaten sind zahlreiche nationalpolnische Führer, wie Korfanty, Seyda, Skowronek hervorgegangen. Polnische Mädchen unterstützte im Jahre 1907 ein besonderer Verein in Posen mit 11 718 Mark für Besuch höherer Schulen, Buchführung, Putzmacherei, Kindergärtnerei usw., zusammen 115 Zöglinge. In Schlesien wirkt seit etwa zwei Jahren noch ein anderer Verein, der Verein der Unterrichtshilfe. 1908 zahlte er schon 4529.16 Mark an Stipendien auS. Außer diesen bestehen aber noch Vereine und Stiftungen für Kaufleute, Landwirte und Arbeiterkinder. Diesen gewaltigen Mitteln stehen auf deutscher Seite nur sehr geringe Beträge gegenüber. Nur 5410 Mark konnte der Ostmarkenverein 1908 an 74 Stipendiaten geben. Diese find aber zumeist Handwerker. Der einzige Verein, der vorwiegend Akademiker und höhere Fachschüler (auch Frauen) berücksichtigt, ist der 1906 gegründete „Deutsche Stipendienverein zu Ostrowo" (Vorsitzender Superintendent Harhausen). Seine Mittel find aber noch so gering, daß er nur 8 Stipendien von 100 Mk. im letzten Jahre geben konnte. Naturgemäß kann er nur dann lohnende Erfolge erzielen, wenn er baldigst reichlichen Zuwachs an Mitgliedern (Jahresbeitrag 5 Mark) erhält. Es ist dringend zu wünschen, daß daS Interesse für dieses national wichtige Unternehmen steigt und ihm auch außerhalb der Ostmark viel« Freunde zuführt.
Der Zwischenfall in Charbin. In einem Telegramm der „Köln. Ztg." aus Berlin heißt eS: Der Zwischenfall von Charbin ist zur Zufriedenheit der deutschen und der russischen Regierung beigelegt. Im weiteren erklärt daS Blatt die Nachricht der „Nowoje Wremja" für vom ersten im Requiem von Brahms, im „Paradies und Peri" von Schumann, im Requiem von Mozart und Verdi eine viel- begehrte und immer wieder bewunderte Solistin ist, darf nicht Wunder nehmen. „Frau Kaempfert's lichter, quellfrischer Sopran" — so schreibt eine Aachener Zeitung nach der Elias-Aufführung — „paßt trefflich zu der für manche Szenen erforderlichen, übersinnlichen Färbung. Sieghaft führte die Künstlerin auch die Oberstimme in dem entzückenden Engelterzett." Und ein. anderes Blatt bemerkt hierzu: sie sang alles mit gereifter Meisterschaft und erntete starken Applaus. Die Arie „Höre Israel, gehörte zu den Höhepunkten des Abends". Aber auch in modernen Werken muß man Frau Kaempfert das Zeugnis höchster künstlerischer Reife ausstellen. Dank ihrer musikalischen Zuverlässigkeit ist sie den Dirigenten geradezu unentbehrlich geworden. In Werken wie „Faust'S Verdammnis" von Berlioz, der „Heiligen Elisabeth", „Christus" und der „Graner Messe" von Liszt, dem „Franziskus" von Timel, dem „Kinderkreuz- zug" von Piernä, als Margiana im „Barbier von Bagdad" entfalten sich die Vorzüge ihrer sieghaft schönen Stimme zu vollem Glanz« und führten die Künstlerin von Triumph zu Triumph.
Legt also Frau Kaempfert das Hauptgewicht ihrer künstlerischen Tätigkeit auf den Oratoriengesang, so vernachlässigt sie deshalb durchaus nicht die Pflege des Liedes und der Arie. Als Liedersängerin machte sie sich mit einem Schlage in allen Musikzentren durch die musterhafte Jnterpretion der Lieder von B. Sekles bekannt. Ihre Wiedergabe dieser aparten, fein pointierten Gesänge war derart, daß das Berliner Tageblatt schreiben konnte: „Aufrichtig bedanken darf sich der Komponist bei der Sängerin Frau Kaempfert, die mit feinem musikalischem Verständnis und prächtig geschulten Stimmitteln die lange Reihe der Lieder auswendig zu glücklichstem Vorttag brachte". Erstaunlich ist die Fülle ihres Lieder-RepertoirS. Neben allen klassischen Liedern kultiviert Frau Kaempfert auch die ganze Reihe der moderntu
i bis zum letzten Worte vollständig erfunden, derzufolge im I Frühjahr in Berlin eine Konferenz in der Angelrgenh«it des fernen Ostens stattgefunden habe, in der die Richtlinien für die deutsche Politik in der nördlichen Mandschurei aui< gearbeitet und beschlossen worden sei, überall und wo möglich dem russischen Einfluß positiven Widerstand entgegen» zusetzen, und daß zu dieser Konferenz unter anderen auch der deutsche Kvnsularagent in Wladiwostok, Dattau, berufe» worden sei.
Einen dringenden Aufruf um mehr Arbeiter und die Mittel zu ihrem Unterhalt läßt die Ostafrikanische Mission ausgehen. Ruanda und Urundi, daS neue Arbeitsfeld der Gesellschaft — so heißt es darin — haben rund 4 Millionen Einwohner. Zu einer gründlichen missionarischen Besetzung dieses Gebietes würden, wenn man sich daS blühend« Missionsfeld Uganda zum Muster nehmen wollte, 200 Misstonsarbeiter, Aerzte, Lehrer, Handwerker und zehnmal so viel eingeborene Helfer erforderlich sein l Dringend nötig sind jedenfalls für den Augenblick drei Theolog«, ein Arzt und zwei seminaristisch gebildete Lehrer, einer davon für Usambara, das ältere Arbeitsgebiet der Ostafrikanischen Mission. Die Gefahr deS Islam rückt auch in Ruanda bedrohlich näher. Ungewollt wird jede deutsche Militärs station durch ihre sudanesischen Soldaten, di« natürlich alle Mohammedaner sind, ein Herd mohammedanischer Propaganda.
Die Bewegung gegen die Greuel im Kongo- staute, die auch nach dem Uebergang« drs Landes in dre Verwaltung des belgischen Staates leider kein Ende zu nehmen scheinen, ist in England stark im Wachsen begriffe«. Nach einer Meldung des „Schwäb. Merkur" vom 7. September hat der Erzbischof von Canterbury, der Primas von England, für den 19. November eine Protestversammlung nach Queens Hall einberufen, an der alle englischen Bischöfe teilnehmen werden und deren Beschluß dahin gehen wird, die Regierung zur Gewaltanwendung gegen die Kongokolonie aufzufordern, falls bis zum 1. Januar 1910 nicht alle englischen Forderungen erfüllt sind. Wenn dabei in dem genannten Blatte und in andern ber englischen Kirche und den dortigen MissionSgesellschaften, di« immer wieder gegen die unmenschliche Behandlung der Eingeborenen am Kongo ihre Stimm« erheben, der Vorwurf gemacht wirb, die Kirch« und Mission tue daS nur, um auch an ihrem Teile die Annexion des begehrenswerten KongostaateS vor- zuberrit«, so ist das doch eine Verdächtigung, für di« der Beweis schwerlich erbracht werd« dürfte. Daß viel« Kreis« in England den Kongostaat lieber heut« als morgen annektieren möchten, soll nicht bestritten werden, aber wir hab« kein Recht, mit diesen Kreisen die Kirche und die Mission auf eine Stufe zu stellen. ES find ja auch nicht nur eng» lische Missionare, die von den Greueln im Kongostaat« Literatur und setzte ihre starke künstlerische Eigenart ost und mit vollem Erfolg dank der Eindringlichkeit ihre» VortrageS für Werke von Rich. Strauß, Max Schillings, Weingartner, v. Hausegger n. a. ein. Nach alledem erscheint rs selbstverständlich, daß auch in Konzert- und Opernarien, wie ber großen Beethoven'schen „An Prrfido" und solch« au» Wagner'schen Muflkdramen Frau Kaempfert überall ihr« Vorzüge voll entfalten konnte.
Zu den Städten, in denen die Künstlerin, die auch durch ihre persönlichen Vorzüge überall beliebt ist, als ständigrr Gast immer wiederkehrt, gehören außer Berlin und Wien auch Köln, Aachen, Stuttgart, Dresden, Leipzig, München, Cassel, di« rheinischen Städte und viele ander« mehr, in denen ein reges künstlerisches Leben herrscht.
Der LebenSgang unserer Künstlerin ist von Anfang an einer künstlerischen Entwickelung günstig gewesen. Al» Tochter deS kgl. württemb. HofmustkerS Wilh. Seyboth in Stuttgart geboren, hatte sie frühzeitig Gelegenheit, gute Musik zu hören. Eifrige Studien im Klavierspiel, Theorie und neueren Sprachen legten den Grund zu ihrer vielseitig« allgemeinen Bildung. Als dann der Wert ihrer Stimm, erkannt wurde, wandte sie sich ausschließlich dem Gesänge zu und studierte zuerst in ihrer Vaterstadt bei Hromada, später in München bei der Kammersängerin Bianca Bianchi und schließlich bei dem berühmten Altmeister der Sange»- kunst, bei Professor Julius Stockhausen in Frankfnrt a. M. In der schönen Mainstadt lebt sie seit 10 Jahren als bie Gattin des beliebten und in weitesten Kreisen hochgeschätzt« Kapellmeisters Max Kaempfert.
Albumblâtter.
Ein ungestörtes Glück verlangen, Heißt Mondeslicht mit Netzen fangen. Den Sonnenstrahl mit Ketten fesseln Und Rosen fordern von d«n Nesseln.
O. B. Stirne»