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MtânSdmck und Verlag der Buchdruck«« d«S va«n. ö, Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtiilhes Organ für Stadt- und Fanddreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fünfzespalt-u« Petüzeile »6« deren Raum SO stlid im Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.
Berantmoeü. Redakteur: S. Schreck«, in Hema»
Nr. 240 Fer«sprechanschL«tz Nr. 605.
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Mittwoch den 13. Oktober
S<rnIVrechanIchl«tz Nr. 605. 1909
31t Mit Statt umfaßt außer ß.Uutnhsltuuriilut!
14 Seiten.
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Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Brosche mit 3 Damenph otographi ew 1 Mitgliedskarte des Sanitätsvereins für Konrad Schäfer.
Verloren: 1 Boa (Steinmarder), 1 schwarzgestreifter Herrenüberzieher mit karriertem Futter, 1 kleiner Katechismus.
Zugelaufen: 1 junger schwarzbrauner Rehpinscher w. Geschl., 1 Kriegshund, schwarz mit braunen Abzeichen.
Hanau den 13. Oktober 1909.
Politische RundTchau.
Verbarrdstag deutscher Krankenpflegeanftalteu vom Roten Kreuz. Der Verband deutscher Kranken- pflegeanstasten vom Roten Kreuz hat für seine diesjährige Tagung die Stadt Quedlinburg gewählt. Am Sonntag fand ein Begrüßungsabend statt und Montag morgen im Saale der Oberrealschule die öffentliche Jahressitzung, die der Vor- sitzende, Landgerichtspräsident Chuchtil (Stendal), eröffnete, und der u. a. der Oberpräsident v. Hegel, sowie die Vorsitzende des Verbandes der Vaterländischen Frauenvereine, Gräfin Jtzenplitz, beiwohnten. Nach den üblichen Begrüßungsreden erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß dem Verband der Krankenpflegeanstalten vom Roten Kreuz 41 Mitglieder mit 3288 ^e^r“ angehören, wozu noch 244 Hilfsschwestern und ”498 Helferinnen kommen. Das Gesamtvermögen des Verbandes an Gebäuden und Inventar beträgt rund 18 Mill. Mark. Darauf berichtete Frau Oberin v. Keudell (Berlin) über ihre Erlebnisse in Messina, wohin ste nach dem Erd- teben gesandt worden war. Prof. Dr. Göbell (Kiel) sprach über die Lagerung der chirurgischen Kranken, Oberprediger Koch, hier behandelte die Gemeindepflege der Verbandsschwestern. Dabei wurde sestgestellt, daß in Quedlinburg die gesamte Schwesternschaft dem Roten Kreuz angehört. Es folgte ein Vortrag von Dr. Richter (Mariendorf) über das Grenzgebiet schwesterlicher und ärztlicher Tätigkeit. Nachmittags wurde das neue städtische Krankenhaus besichtigt.
Tr«ppenver'stärk«ngen an der österreichisch- italienischen Grenze. Aus Südtirol wird berichtet: Angesichts der fortgesetzten Truppenanhäufungen, die der italienische Generalstab an den österreichischen Grenzen durchführen läßt, hat nun auch Oesterreich eine Verstärkung seiner im Grenzgebiete befindlichen Streitkräfte vorgenommen. Die Verstärkung betrifft die Kaiserschützen- (Landesschützen-')
Konzert des Gesangvereins „Germania", t Hana«, 13. Oktbr.
Die Sommermonate werden von unseren Gesangvereinen eifrig zum Neben benutzt, um an ihren mit der Saison einsetzenden Konzertabenden vor der Oeffentlichkeit mit Ehren zu bestehen. Nachdem am vergangenen DienStag der Gesangverein „Eintracht" den Reigen der Stuhlkonzerte eröffnete, folgte als zweiter mit einer gleichen Veranstaltung am gestrigen Abend in den Sälen der „Centralhalle" der Gesangverein „Germania". Was das Konzert der „Germania" als eine unterstrichene Note in der angesagten überaus reichhaltigen Auswahl von Wintervergnügungen erscheinen läßt, ist der nachhaltige Gesamteindruck, der sich durch die überwältigende Wirkung der gebotenen gesanglichen Leistungen kundgab. Wieviel Mühe, wieviel Arbeit und welch künstlerisches Feilen jeder einzelnen Stimme mag es wohl bedurft haben, bis der Dirigent, Herr Lehrer
W a g n e r, eine solch mustergültige Leistung mit seiner Sangerschar bieten konnte. Gegenüber dieser tiefen Wirkung des Gebotenen empfindet wohl derjenige die Armut des geschriebenen Wortes am ehesten, dem nachträglich die nicht sehr dankbare Aufgabe zufâllt, den empfangenen Eindruck vom gestrigen Abend in Worte kleiden zu müssen. Das Konzert wurde eingeleitet durch die uns von dem bekannten Freiheitskämpfer und Dichter Th. Körner überlieferte Dichtung „Vor der Schlacht", die von J. Schmalholz vertont wurde. In diesem Chor entfaltete die Sängerschar in voller Begeisterung für die Aufgaben, denen sie sich geweiht, ihre ganze Kraft, war doch derselbe mit seinen vielfachen Klippchen und Klippen dazu angetan, die Leistungen der Sänger scharf zu messen. Rein und mit schöner Tongebung wurden die portugiesische Volksweise „An die Heimat" von H. Jüngst und aus dem Volksliederbuch Heim'S „In die Ferne" zum Vortrag g«-
Regimenter. Sämtliche Truppenkörper wurden auf den erhöhten Friedensstand gebracht, d. h. die Kompanie zählt 133 Mann. Trotzdem sind die italienischen Kräfte, die an der Grenze liegen, gegenwärtig genau doppelt so stark, wie die österreichischen; auch rüstet Italien ununterbrochen weiter. Besonders fieberhafte Tätigkeit herrscht auf den Höhen von Asiago, wo alles von Wachmannschaften und halbpermanenten Werken erfüllt ist, als ob man stündlich den Ausbruch der Feindseligkeiten gewärtigte. Hand in Hand mit diesen kriegerischen Vorbereitungen Italiens geht eine unglaubliche Nervosität und eine Spionenfurcht, die ans Lächerliche streift. Sehr arg ist es auch im Tal von Cadore bei Belluno, wo sich die tirolischen Bergführer nicht mehr zeigen dürfen. Auf österreichischer Seite herrscht, abgesehen von den erwähnten Truppenverstärkungen, vollständige Ruhe.
Ei« Denkmal der Bü«dnistre«e. In Wien hat sich, nach einer Meldung deS „Neuen Wiener Tagblattes", ein Komitee gebildet, das die bereits vor einiger Zeit aufgetauchte Idee der Schaffung eines Denkmals zur Erinnerung an die anläßlich der Kriegsgefahr bewährte Nibelungentreue Deutschlands zur Durchführung bringen soll. DaS Denkmal soll die Form eines Obelisken haben; an ihm werden zwei Figuren angebracht, Germania und Austria, die gemeinsam rin mit Eichenlaub umwundenes Schwert halten. Der Entwurf stammt vom Bildhauer Heu, der bereits einen schönen Monumentalbrunnen in Wien geschaffen hat. Dem Komitee gehören hervorragende Industrielle und Gemeindefunktionäre an. Die Kosten in Höhe von 57 000 Kronen sind schon zur Hälfte gedeckt.
Die Rheinische Mission ist durch di« Ermordung ihres Missionars Lett auf Mrntawei von einem schweren Schlage betroffen worden. Missionar Lett hatte im Jahre 1890 seine Arbeit auf der Insel NiaS begonnen, wo er der Mission die Wege nach dem bis dahin noch unbesetzten Westen bahnte und hier auch die Erstlinge taufte. Im Jahre 1894 wegen seiner sehr angegriffenen Gesundheit nach Sumatra versetzt, tat er auch hier wieder in der weiten Steppe zwischen dem Tale Si Lindung und dem Tobasee bedeutsame Pionierarbeit. Schon 1897 mußte er mit ganz gebrochener Gesundheit nach Deutschland zurückkehren, um neue Kräfte für die Arbeit zu sammeln. Im Jahre 1900 ging er als Bahnbrecher der Missinn nach den südwestlich von Sumatra gelegenen Mentawei-Jnseln, wo er seitdem mit rastlosem Eifer unter großen Schwierigkeiten und Gefahren das Evangelium verkündet hat. Besonders hat er der holländischen Regierung durch Vermittlerdienste ihre Aufgabe unter der wilden Bevölkerung sehr erleichtert, manche» Blutvergießen ist durch ihn vermieden worden — und nun hat er bei einem solchen Vermittlerdienste seinen Tod gefunden. Für die Arbeit auf Mentawei und dem südlich davon gebracht. Größere Anforderungen an die Sänger stellte der Brambach'sche Chor „Es muß doch Frühling werden." Durch die sichere Hand des Dirigenten, vereint mit dem guten Willen und der stimmlichen Begabung seiner sich ihm an- vertrauten Schar, wurden die sich besonders durch die Ueber« gänge bietenden Schwierigkeiten überbrückt und der Chor zufriedenstellend durchgeführt. Beifallsfreudig ausgenommen wurde die prächtige Schöpfung Silcher's „Es waren zwei Königskinder", der sich der Kirchl'sche „Abschied" anschloß. Einen würdigen Schluß der gesanglichen Aufführungen bildete der schwungvolle Vortrag „Jung Volker" von I. Röntgen, der dem Verein gut gelang.
Solistisch beteiligte sich an dem Programm die Sängerin Fräulein Elisabeth Ohlhofs, die zu den nicht gerade zahlreichen auswärtigen Sängerinnen gehört, die sich durch ihre Kunst hier ein dankbares Stammpublikum erworben haben. Wir hatten schon des öfteren Gelegenheit, auf die künstlerische Jndivitualitât dieser mit einem trefflich geschulten Sopran ausgestatteten Künstlerin hinzuweisen, deren edle- einfache Vortragsweise sie zu einer Sängerin per excellenze macht. Wir erachten es daher als überflüssig, auf die einzelnen Liebervorträge näher einzugehen, bewies doch der jeder Nummer folgende rauschende Beifall, daß sich die Künstlerin mit ihrem gestrigen Auftreten zu ihren alten Freunden viele neue kunstverständige Bewunderer ersungen hat.
Für den erkrankten Pianisten Carl Friedberg war in letzter Stunde in Frl. Elli Ney- Berlin Ersatz geschaffen worden, die sich als Klaviersolistin hier vortrefflich einführte. Eine liebenswürdige Erscheinung, verstand sie durch den Reiz ihres Spiels, da« sich mit einer eindringlichen Beherrschung des geistigen Gehalts der oft recht schwierigen Werke paarte, das Publikum zu entzücken, sodaß außerordentliche Worte des Lobes am Platze sind.
Den Klavierpart führte in feinsinniger, verständnisvoller Weise Herr G. A l t v a t«r durch. Der Flügel (Kaps)
legenen Enggano kann dieser Todesfall, wie di« Leitung der Rheinischen Mission befürchtet, leicht verhängnisvoll werden.
Die unterbliebene Zarenreife nach Konstantinopel. Nach einer Meldung des Osmanischen Lloyt überbringt die vorgestern aus Livadia zurückgekehrte Gesandtschaft dem Sultan ein Handschreiben des Zaren, worin dieser bedauert, in diesem Jahre nicht nach Konstantinopel kommen zu können. Er hoffe, die Reise im nächsten Jahre unternehmen zu können. AlS Geschenk deS Kaiser» überbringt die Mission dem Sultan zwei Fässer Kaviar.
Die Lage in Marokko. Gegenüber dm Gerüchtm, Spanien habe bei mehreren Signatarmächten der Algeciras« Akte vertraulich wegen der Besetzung von Tetuan angefragt, im Hinblick auf die Antworten aber, die eS erhalten hab«, von der Ausführung d«S Planes abgesehen, wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß di« spanische Regierung, da st« nicht die Absicht gehabt habe, Tetuan zu besetzen, deswegen auch in keinrr Weise an die AlgeciraS-Mâchte h«ran- getreten ist.
Dio b eiben ehemaligen türkischen Priester Scheich Achmed Keschaf und Muhammed Nessimi Effendi, die vor einiger Zeit auS Philippopel nach Deutschland gekommen find, um vom Oktober ab eine Lehrtätigkeit an dem neugegründeten Muhammedanischen Seminar in Potsdam auszuüben, find am Sonntag den 10. Oktober in der Nikolaikirche zu Potsdam getauft worden. Der Taufhandlung, der ein« zahlreiche Gemeinde von MissionSfreunden beiwohnte, vollzog Pastor Johanne» Aweteranian, gleichfalls ein früherer türkischer Priester, seit Jahren im Dienste bei deutschen Orientmission unter den Muhammedanern der Balkan-Halbinsel arbeitend.
Mixs aller Gleit
-Sicht von der Straßenbahn abspringen ! Di« Händlerin Frau Lischka sprang in der Königstraß« in Altona aus einem noch in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen und stürzte mit solcher Wucht auf daS Pflaster, daß sie nach kurzer Zeit starb.
Silberne Hochzeit ««V Kindtanfe an einem Tage feiert in Itzehoe am Montag der Seiler Wilh. Othmer. Der Täufling ist das 21. Kind, das dieser Eh« entstammt. Am Leben sind von dem reichen Kindersegen, der dem Ehepaare beschert wurde, noch zehn Knaben und fünf Mädchen.
Ein „leckeres" Mahl. Aus der Männerkasern« derKlost«r- domäne in Helmstedt erzählt man sich folgende appetitlich« Geschichte: Als die Frau des Aussehers nach den Kochtöpfen sehen wollte, fiel ihr ein schauderhafter Geruch auf, der einem dieser Töpfe entstieg. Der Deckel deS Topfe» war mit Draht befestigt; man entfernte diesen und gewahrte mit Schaud«rn in dem brodelnden Kochtopf einen schwarzen Kater mit Haut und Haaren! Ein russischer Arbeiter hatte sich diesen „Lecker- war aus dem Lager btr Ww«. Hildeb randt hier entnommen.
Der Verein selbst kann mit Befriedigung auf den schön« Verlauf der Konzerts, daS sich eines guten Besuche» erfreut«, zurückblicken.
Das Volkslied.
Bou Heturich Snöfel-Haua«.
Herbsttag am Neckar. — Der Erinnerung Quell« Rinnt wieder mir, die lange war versiegt.
— Ich schließe meine Augen ob der jpeU^
Die über der Landschaft gebreitet liegt.
Es geben heut ein Fest die bunten Farben Wie selten sich es meinen Blicken bot, Vom blassen Golde der gehäuften Garbm Bis zu des RebenlaubeS Flammenrot.
Tiefdunkelgrüne, riesenhafte Tannen Nachtschwarz den fernen Horizont umzieh'u. Und wo des Neckars Wellen leise rannen, Im Tal aufleuchtet Helles Wiesengrün.
Schon umgeackert sind die braunen Felder, Nachlese halt darauf ein Krähenzug, Das Winzervölkchen talwärts schon zur Ketter Di« ersten Frühburgundertrauben trug.
Im Dorf, aus Hallen und aus Gartenlauben Erklingt der Zecher Lieblingsmelodi« — Der Hammerschlag auf Reifen und auf Dauben Als schlüg der Teufel selbst die Trommel hie.
— Ob ich hinunterqeh' und auch probier«, Den ersten Most? Ach nein, ich tu eS nicht. Ich bleibe sitzen, feile und skandiere An meinem neuen, schönen Herbstgedicht.
Da klingt herauf zu mir ein laute» Lachen, Und drunten einer seine Kanne hebt Mir Lust zum neuen Rebensaft zu mach«, Mit schwerer Luns«, di« schon lallt und bebt