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Erstes Blatt.

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vieMhährNch 1,80 Mk.. monatlich 60 Pfq., für ««8» »artig« Adonuemen mit dem betressenden Postaufschlag.

Die eiuzelne Nummer kostet 10 Pfg.

EinrLikuugsgtbüh»:

NoiationSdruck und Verlag der Buchdrucker« des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.

GencrÄ-Anzeigtr

Amtliches Organ für Stadt- aad KaadKreis Kauaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die fünf gesparte«« Peatzeite »der deren Stemm 90 Utz. im Reklameateil die Zeile 4b Ps^

«erautioorü. Redakteur:. Schrecker i» ^M*

$t. 238 Zy-rnsprechanschlntz Str. 605.

Montag den 11. Oktober

F-rnIprech-xIchlutz Rr. 605. 1909

Lie delltigeRmmer msaßt sHer h.MrhkltsWiM

14 Seiten.

Amtliches.

Landkreis Ranau.

Bezugnehmend auf meine Bekanntmachung vom 24. Mai b. Js. A 2539 (Hanauer Anzeiger" Nr. 124 vom 29. Mai 1909) setze ich gemäß Artikel 1 Nr. 6 der In­struktion für das Verfahren bei der Wahl der Kreistags- abgeordneten den Termin für die Wahlmännerwahlen im Wahlverband der Landgemeinden und zwar für die Wahlbezirke:

II. Bergen,

IV. Langenselbold,

V. Hüttengesäß Neuwiedermuß Ravolzhausen Langendiebach,

VII. Marköbel Rüdigheim Oberissigheim,

VIII. Eichen Erbstadt Ostheim,

XIU. Großkrotzenburg, aus denen die ausscheidenden Kreistagsabgeordneten gewählt «aren, auf

Freitag den SS. Oktober 1909 hiermit fest.

Den Herren Bürgermeistern, deren Gemeinden die dies­jährigen Ergänzungswahlen vorzunehmen haben, geht be­sondere Verfügung mit den erforderlichen Wahlformularen zu.

Hanau den 8. Oktober 1909.

Der Königliche Landrat.

Mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 15. Sep­tember d. Js. in Nr. 220 desHanauer Anzeiger", Ab­änderung der Einkommensteuer-Formulare betr., mache ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Veran­lagungsbezirks darauf aufmerksam, daß die ihnen von hieraus bereits übersandten bezw. noch zugehenden älteren Karten- blâtter in Spalte 20 und 21 mit dem von der Wailenhaus-Buchdruckerei zugesandten Deckblatt daselbst zn überkleben sind.

Bei den neu gedruckten Kartenblattformularen ist diese Abänderung der Spalten 20 und 21 bereit- von der ge­nannten Buchdruckerei vorgenommen.

Hanau den 8. Oktober 1909.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St. 2900 J. V.: Dr. v. Waldow, Reg.-Affeffor.

Stadttdeater in Hanau.

Sonntag den 10. d. Mts., nachmittags:

Wohltäter der Menschheit." Schauspiel in 3 Auszügen von Felix Philippi.

Felix Philippis dreiaktiges SchauspielW o h l t â t e r d er M e n s ch h eit" erlebte gestern nachmittag eine Wieder­aufführung.Wohltäter der Menschheit" nennt Philippi die Aerzte, und zwar gebraucht er diese Bezeichnung nicht ohne Ironie, denn der Konflikt des Stückes beruht gerade darauf, daß ein alter und berühmter Arzt sich nicht als ein solcher Wohltäter erweist, sondern auö Eitelkeit, um nicht einen Irrtum am Krankenbette eingestehen zu müssen, ein Menschenleben preisgibt. Das Opfer ist der regierende Fürst nnes deutschen Landes. Der erste und zweite Akt des Stückes, in welchen die Handlung bis zum Tode des Fürsten (Herzogs) geführt wird, sind vortrefflich gearbeitet und ent- halten äußerst wirksame dramatische Effekte, der dritte Akt scheint uns dagegen weniger gelungen. Aber selbst mit dieser Einschränkung muß das Schauspiel Philippis als ein durchaus sehenswertes, anregendes Stück bezeichnet werden, das den Beifall, den es auch gestern hier wiederum fand, wohl verdient. Gespielt wurde unter der Regie des Herrn Johannes Burau recht gut. Den herzoglichen Leibarzt Geheimrat von Fortenbach charakterisierte Herr Burau in glücklicher Weise und legte dabei Proben seines Talentes ab. Mit der Rolle des burschikosen Dr. Martius, der einen un­bequemen Bekenner der Wahrheit in einer Welt des Scheines darstellt, einen in seinen Manieren rauhen, ja groben jungen Arzt, errang Herr Feigel einen großen unbestrittenen Er­folg. Wenn wir auch im ersten Akte ein etwas zu starkes Aufträgen der Farbe zu bemängeln hatten, so entschädigte dafür das Spiel im zweiten Akte. Herr Feigel stellte hier eine Gestalt aus einem Guß von vollendeter Natur seit und Selbstverständlichkeit auf di« Bretter und leigte, daß er

Proviantamt Hanau

kauft fortgesetzt Hafer, Heu und Roggenstroh. 22879

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Politische Rundschau.

General d'Arnade erklärt einem Redakteur des Matin": Es ist wahr, ich habe mich gegen die Disziplin vergangen, aber ich habe eine Entschuldigung: ich dachte nur an das Interesse meines Landes, ich glaubte, ja selbst der Sache des internationalen Friedens zu nützen. Ich dachte, daß ich da eine Pflicht zu erfüllen hätte und diese Pflicht erschien mir stärker al» die Pflicht des Schweigens. Ich werde meine Fehler ohne Murren büßen; ich werde still­schweigend und in ruhiger Stimmung die Stunde abwarten, wo ich Frankreich wieder dienen kann. Die meisten Blätter billigen rückhaltlos die Entscheidung der Regierung, welche im Interesse der Disziplin unabweislich gewesen sei, geben aber gleichzeitig der Erwartung Ausdruck, daß General d'Amade bald wieder in den aktiven Dienst zurückgerufen werde. Jaurès erklärt in seinerHumanitè" : Das Vor­gehen d'Amade war tadelnswert, aber im Grunde genommen, hat der General uns einen Dienst erwiesen, indem er das marokkanische Komplott, welches von neuem im Dunkeln an­gezettelt worden war, an den Tag brachte. Die französische Expedition hatte spanische Kolonialpolitiker aufgeregt und die spanische Expedition dir Wünsche der französischen Kolonial­politiker wieder belebt: eine wunderbare Wechselwirkung von unsinnigen Bestrebungen.

Der Papst hat gestern 200 Pilger aus Köln empfangen. Der Führer der Pilgerschaft, Marchand, verlas eine Ergeben­heitsadresse. , In seiner Antwort äußerte sich der Papst sehr b^edigend über d-n Beweis treuer GâyML ,unb dankte gleichzeitig für die Segenswünsche zu seinem Jubiläum. Der Papst streifte sodann den eucharistischen Kongreß in Köln, der ein neues Zeugnis ablege von der siegreichen Kraft des katholischen Glaubens. Zum Schluffe ermahnte der Papst die Pilger, die Lehren der Kirche treu zu befolgen und erteilte ihnen den Segen. Der Bischof von Straßburg und mehrere Prälaten wohnten dem Empfange bei.

Die Lage in Griechenland. Am 9. Oktober nach­mittags hielt der Ministerrat unter dem Vorsitz deS Königs in Athen eine Sitzung ab, worin Gesetzentwürfe beraten wurden, die die Regierung der Kammer zugehen lassen wird. Der König hatte seit langer Zeit nicht den Vorsitz im Mlnisterrat geführt. Die Lage gilt als gebessert. Man ist der Ansicht, daß die Kammer das Programm der Regierung unterstützen und billigen wird.

Die türkische Sovdergesandtschaft verließ Jalta, um nachKonstantinopel zurückzukehren. Der türkische Minister des Aeußern und General Nazim Pascha konnten sich durch den in der Fähigkeit des Charakterisierens außerordentliche Fort­schritte gemacht hat. Frl. H a u s s i g gab die Gattin des Dr. Martius und führte diese unerquickliche Rolle einer Frau, di« ihren Mann verlassen will, weil er seiner Ueber­zeugung treu bleibt, mit Opfermut durch. Ihr Spiel im brüten Akte war ergreifend und überzeugungsvoll. Anmutig gab Frl. Linda Groß die jüngere Tochter (Paula) deS Geheimrats v. Fortenbachs, die sich im Laufe der Handlung mit einem Assistenzarte ihres Vaters (Herr M. Herbst) verlobt. Den Kammerherrn v. Brock gab Herr Meyer lobenswert, ebenso befriedigte Frl. N a t h u s i u s in der kleineren Rolle der Hofdame von Rudolfi. Herrn Heinz Frischmann war die Rolle deS Adjutanten Gustav v. Fortenbach anvertraut, über deren Wiedergabe wir, um den guten Gesamteindruck der Vorstellung nicht zu beein­trächtigen, uns der Abgabe eines Urteils enthalten wollen und können. In der kleinen Rolle desErbprinzen" trat ein Herr Hermann v. K r e u tz i g e r als Gast a u f Engagement auf. Wenn auch in diesem Falle das kurze Auftreten und Spiel vollkommen genügte, um sich ein Urteil bilden zu können, möchten wir doch dem Wunsch« Ausdruck geben, in Zukunft für Gäste mit Engagements- abstchten Rollen zu wählen, die ein mehr als einmaliges Auftreten in sich schließen und dadurch die Möglichkeit ge- währen, in eine abgeschlossene Prüfung einzutreten. Zu bemängeln ist noch über die Aufführung, daß sich bei einigen Mitwirkenden eine Unsicherheit in der Beherrschung des Trxtes bemerkbar machte.

Sonntag ben. 10. Oktober, Abendvorstellung: Im weißen Rößt".

Das am Freitag so beifällig aufgenommene Lustspiel Im weißen R ö ß l" wurde am Sonntag abend im Abonnement B wiederholt und fand dir gleiche warme Auf­nahme wie am Freitag. Die Aufführung zeitigte insofern erböbtes Interesse. al» di« Rolle des .Klärchen" Frl. SUUy

gnädigen Empfang, den sie beim Kaiser von Rußland ge­funden haben, von den Gefühlen der Freundschaft des Kaiser- für den Sultan und von seinen aufrichtigen Wünschen für das Wohlergehen der Türkei überzeugen. Im Laufe der Unterredungen zwischen Rifaat Pascha und Iswolski wurden festgestellt, daß die beiden Reiche in gleicher Weise an der Aufrechterhaltung und Förderung der Freundschaft, de» Ver­trauens und gut:: Nachbarschaft interessiert seien. Die» gilt nicht nur für ihre politischen Beziehungen, sondern auch für die bedeutenden wirtschaftlichen Interessen, die ihnen gemein­sam sind. Erreicht werden kann da» nur unter der Be­dingung, daß der Frieden aufrecht erhalten werd« und nur in diesem Sinne müssen sich die beiden Regierungen bemühen. Wie in der Vergangenheit, so bot die kourtoifirvolle Mission Rifaat Paschas und Nazim Pascha», den beiden Regierungen Gelegenheit, noch einmal die Gefühle de» guten Willen» zu kräftigen, wovon sie gegenseitig beseelt sind.

WeiterePolitische ÄttnDfdmn" tat zweiten Blatt.

Hus aller Mell.

DaS große LoS in ver Lotterie zugunsten eine» Zoo- logischen Wartens in München ist mit 50000 Mk. einem jnngen Handwerkerpaars zuaefallen.

Die KinderlähmungS-Epidemie in Westdeutsch- land nimmt einen außerordentlichen Umfang besonders im Regierungsbezirk ArnSberg an. Bis jetzt sind 450 Erkran­kungen und 70 Todesfälle gemeldet. Das ReichsgesundheitS» amt beabsichtigt mehrere Aerzte zur Unterstützung Professor Krauses aus Bonn in den Bezirk zu entsenden und größere Mittel zur Verfügung zu stellen.

Die Bombe im Postpaket. Der Direktor deS Schwe­dischen ExportvereinS, Jon Hammar in Stockholm erhielt SamStag vormittag ein Postpaker, in dem sich eine Bomb« befand, die beim Oeffnen deS Pakets mit lautem Knall ex­plodierte. Dem Empfänger wurden Daumen und Zeigefinger der rechten Hand abgerissen; ferner erlitt er noch einige andere leichtere Verletzungen. Mit dem Paket war einI. Asker" unterzeichneter Brief eingetroffen, in dem mitgeteilt wurde, daß an den Direktor ein Paket mit sehr wertvollem Inhalt abgesandt worden sei. Die Bombe war in eine Nummer des jungsozialistischen Blattes Brand eingewickelt.

Dreifacher Mord unD Selbstmord. Der in den 50er Jahren stehende Bahnmeister Preßler in Kirchenlaibach (Oberpfalz) hat vorige Nacht, anscheinend in einem Wahn­sinnsanfalle, seine Frau und feine beiden Töchter im Alter von 8 und 10 Jahren mit einem Säbel umgebracht und sich dann selbst erhängt. Als gestern früh niemand von der Familie erschien, wurde die Tür mit Gewalt aufgebrochen. Man fand Sie drei weiblichen Mitglieder der Familie in ihrem Blute schwimmend tot auf dem Fußboden liegen.

Eine dunkle Sache. In Spandau haben zwei junge Mädchen einer Abschiedsfeier von Einjahrig-Freiwilligen bet-

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Wallicht spielte, die auf Engagement gastiert«. Die jung« Dame zeigt« beachtenswerte Prob«n ihrrS Talente» und Könnens, doch erscheint ein weitere# Gastspiel vor Abschluß eine# Engagement» wünschenswert.

Humoristisches«

Kalauer. A.:In Schaffhausen hab' ich weine jetzig« Frau kennen gelernt; wäre ich doch niemals in jene Gegend gekommen!" B.:Ah, verstehe, Reinfall bei Schaff­hausen."

Scherzfrage. Was ist der Unterschied zwischen einer Aktie und einer Banknote. Antwort:Die Aktie ist ein Geldpapier und die Banknote ist Papiergeld."

Albumblâtter.

Ein weiblich Herz

Voll treuer Neigung bietet sich nicht an.

Erraten will e» sein und aller nur

Der unbestoch'nen Wahl der Liebe danken.

Emanuel Geibel.

Nur die feinen Geister verstehen die Scham bet Übeln, der sein Höchstes und Bestes in schlichter Umhüllung ver­birgt. Friedrich Nietzsche.

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Zu unsers Leben« oft getrübten Tagen

Gab uns ein Gott Ersatz für alle Plagen,

Daß unser Blick sich himmelwärts gewöhne,

De» Sonnenschein, die Tugend und da» Schön«.

e , Goethe.

Im Gebirge der Wahrheit kletterst Du nie umsonst; ent­weder Du kommst schon heute weiter hinauf, oder Du übst Deine Kräfte! um morsen böhrr steigen zu können.