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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei MS verein, «v. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Milius Grgk» fit Stadt- uni Fmâreis Sinan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fünfgespaltene Petitzeil« oder deren Raum 28 Pf», im ReQamenteü die Zeit« 45 Pfg.
Brrantmorü. Redakteur: «. «Wieder m («ml
Nr. 236 Feimsprecha«schl«tz Nr. 605.
Freitag den 8. Oktober
Fer«fprechanfchl«tz Nr. 605. 1909
Die iMMoim «itifaSt cher d.NMHMBl«tt
14 Seiten.
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Amtliches
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Die von den städtischen Körperschaften durch Beschlüsse vom 11. Mai und 17. Juni d. Js. aufgestellten und von ber Polizeibehörde genehmigten Fluchtlinienpläne im Hanau-Kesselstädter Gebiet:
1. für das Gelände zwischen Frankfurt-Hanauer Eisenbahn, Salisweg, Frankfurterlandstraße und Kinzig,
2. für das Gelände zwischen Philippsruher Allee, Hinter- gasse, Salisweg, Frankfurt-Hanauer Eisenbahn und Kinzig,
werden gemäß § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 vom 8. d. Mts. an 4 Wochen lang auf dem städtischen Vermessungsbureau, Rathaus, Zimmer Nr. 21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.
Einwendungen gegen die Pläne sind während dieses Zeitraumes schriftlich oder mündlich bei uns anzubringen.
Hanau den 6. Oktober 1909.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 22639
Dienstillichrichtcu aus dem Kreise.
Der Landwirt Friedrich Jung von Rüdigheimerhof ist zum stellvertretenden Gutsvorsteher dieses Gutsbezirks. bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 6. Oktober 1909.
Handelsregister.
Unter der Firma
Ang. Stroh, Söhne ist mit dem Sitze zu Hanau eine offene Handelsgesellschaft errichtet worden, welche am 1. Juli 1909 begonnen hat.
Persönlich haftende Gesellschafter sind:
1. Silberschmied Heinrich Stroh,
2. Silberschmied Wilhelm Stroh, beide zu Hanau wohnhaft.
Hanau den 4. Oktober 1909.
Königliches Amtsgericht 5. 22663
Handelsregister.
Unter der Firma
Gebr. Nenmann ist mit dem Sitze zu Großauheim eine offene Handelsgesellschaft errichtet worden, welche am 15. September 1909 begonnen hat.
Persönlich haftende Gesellschafter sind:
1. Ciseleur Joseph Neumann,
2. der Silberschmied Lorenz Neumann, beide wohnhaft zu Großauheim.
Hanau den 1. Oktober 1909.
Königliches Amtsgericht 5. 22661
Zwischen der hiesigen Ortsleitung der Vereinigung von Arbeitgebern der deutschen Edelmetall-Industrie und dem hiesigen Geschäftsführer des deutschen Metallarbeiter-Verbandes ist am 6. Oktober folgende Vereinbarung getroffen:
Die mit dem 9. Oktober ablaufende Kündigung der Arbeiter in der hiesigen Edelmetall- Industrie wird aufgehoben und es wird unter Ausschluß einer Kündigungsfrist bis zur Erledigung der schwebenden Vergleichsoerhandlungen weiter gearbeitet.
Karl Glaser.
Karl Craß.
Dr- G ebeschus. 22673
Kur^e Chronik.
Der französische G eneraI d'A m a d e hat in einer gellen Svanien aerichteten Erklärung in einem Pariser Blatte
gefordert, Spanien müsse auf einen weite rett Vormarsch in Marokko verzichten. Jetzt müsse Frankreich intervenieren. Der französische Kriegsmini st e r hat den General d'Amade wegen dieses Artikels um Aufklärung ersucht.
Der französische Schiffsleutnant Lair, von dem man behauptete, daß er nach Frankfurt desertiert sei, ist in Brive verhaftet worden.
Geheimrat Bode hat eine Wachsbüste einer Frau von Lionardo da Vinci erworben.
Die Bank von England hat den Diskont von 21/« auf 3 Prozent erhöht.
Nach amtlichen Nachrichten schlugen die Truppen von Paraguay die Aufständischen in mehreren Gefechten. Die revolutionäre Bewegung wird als beendet angesehen.
Politische Rundschau.
Mecklenburg-Schwerin und die Welfe«. Den „Mecklenburgischen Nachrichten* geht von zuständiger Stelle nachstehende Erklärung zu: „Ein Artikel in der „Rh.-Westf. Ztg.", worin der mecklenburgisch - schwerinische Hof als, ein Element der Begünstigung partikularistischer und welfischer Bestrebungen geschildert wird, hat in einer größeren Anzahl Blätter, u. a. in den „Hamburger Nachrichten* und im „Hannoverschen Courier* Aufnahme gefunden und wird in der Presse teilweise noch weiter in einer gehässigen Weise kommentiert. Es erübrigt sich, auf die Einzelheiten näher einzugehen. Wir wollen nur konstatieren, daß Mecklenburg- Schwerins Fürsten und Regierungen allezeit treu zu Kaiser und Reich gestanden und auch diese Gesinnung stets bestätigt haben. Bestrebungen, wie denjenigen der Rechtspartei, welche übrigens im Lande nur ganz vereinzelt, am Hofe aber niemals geltend gemacht sind, ist stets aufs entschiedenste entgegengetreten worden. Hierin ist auch in neuester Zeit kein Wandel eingetreten. Wir weisen daher alle in diesem Artikel gegen das Fürstenhaus gerichteten Angriffe und die daran geknüpften Folgerungen als gehässige, jeder Begründung entbehrende Verdächtigung zurück."
Bayerischer Landtag. In der gestrigen Landtagssitzung wiederholten bei fortgesetzter Beratung der liberalen und sozialdemokratischen Interpellationen die Redner sämtlicher Parteien ihre Klagen gegen die koalitionSfeindliche Augsburger Maschinenfabrik und forderten die Regierung auf, ihr eventuell die Staatsaufträge zu entziehen. Auf die Klagen sämtlicher Redner wegen Nichtdurchführung der Aufbesserung für die Staatsarbeiter antwortete der Verkehrsminister, diese Beschlüsse beanspruchten so viel, Dutzend Millionen, daß an eine sofortige Ausführung nicht zu denken sei.
Ueber de« gegenwärtigen Stand des Massen- ausstandeS in Schweden teilt die Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände, deren Syndikus Dr. Tänzler während des Generalstreiks persönlich in Schweden weilte, nach in Stockholm eingezogenen Erkundigungen mit: Als am 6. September von der Landesorganisation der Arbeiter der Ausstand auf die Arbeiter beschränkt wurde, die bei Mitgliedern bei Schwedischen Arbeitgeberverbandes beschäftigt waren, war auch dieser Streik kein effektiver mehr; schon am 28. August streikten von den 164 000 Arbeitern des schwedischen Arbeitgeber- verbandes nur noch 114 445, während nach der vorgenommenen Zählung 42 548 Arbeiter in die Arbeit zurückgekehrt waren. Die Angaben über den Rest der Arbeiter fehlten. Am 9. September streikten nach amtlicher Zählung 96 000, am 16. September 82 000, am 24. September 69 000, am 1. Oktober ca. 50 000. Die Zahl der jetzt noch ausständischen Arbeiter dürfte 40 000 nicht überschreiten. Die Rückkehr zur Arbeit war zunächst gegen die Order der Streikleitung erfolgt. Am 28. September zog diese jedoch ihre bisherige Weisung zurück unb erlaubte den Arbeitern, in die Arbeit zurückzukehren, sofern die Wiederaufnahme der Arbeit mit zwei Drittel Mehrheit beschlossen wurde. Einzelne Industrien wurden aber hiervon ausgenommen; soweit bekannt, waren dies die Erzgruben- und die Exportindustrie. Trotzdem haben am 6. Oktober die Arbeiter der Grängesberg- Aktiengesellschaft, die die bedeutendsten Grubenfelder besitzt, die Arbeit zu den bisherigen Bedingungen wieder ausgenommen.
Auf der Pforte wird die Meldung ausivärtkger Blätter, daß bei der Anwesenheit der türkischen Spesial- misston in Livadia auch die Frage der Aufhebung der Meer- engen-Sperre in Betracht gezogen werden soll, mit der Bemerkung dementiert, daß die türkische Regierung derzeit nicht in der Lage sei, dieser Frage näher zu treten, da sie das empfindliche Nationalgefühl der moslemitischen Bevölkerung verletzen würde.
Weitere „Politische Rundschau" im zweiten Blatt.
Gemeinnütziges.
Wie viel Abstinente« gibt es i« Deutschland T Rach den Zählungen, die in der Zeit vom April bis September d. Js. stattgefunden haben, weisen die deutsche« Abstinenzvereinigungen folgenden Mitgliederbestand auf;
1. Erwachsene Mitglieder:
Internationaler Guttemplerorden, Großlog« I (dänisches Sprachgebiet)..... 2800
Internationaler Guttemplerorden, Großloge II (das übrige Deutschland).....40053
Neutraler Unabhängiger Guttemplerorden . 2000 Die übrigen Absplitterungen bei L 0. G. T.
(F. G. T. 0., v. G. T. 0. usw.) . 2500
Blaues Kreuz, Deutscher Hauptverein . . • 35302 Evang. Blaues Kreuz........5500 Freies Blaues Kreuz........ 2404 Katholisches Kreuzbündnis......4100 Verein abstinenter Katholiken ..... 1300 Deutscher Arbeiter-Abstinenteubund . 2040 Deutscher Bund abstinenter Studenten . . 271 98270
2. Kinder- und Halberwachsene: Internationaler Guttemplerorden, Großloge II 12752 Freies Blaues Kreuz........526 Katholisches KrruzbündniS......3200 Germania, Abstinentenbund an deutschen Schulen 362 22829 121108
Wie aus obiger Uebersicht hervorgeht, sind nicht mitgeteilt die Mitglieder des Alkoholgegneröundes, bei Deutschen Bundes abstinenter Frauen, der Abstinenten-Kameradschaft und der abstinenten Fachvereinr, zusammen rund 5000 Personen, da die Mitglieder diese Bereinigungen zum großen Teile doppelt ober mehrfach organisiert zu sein pflegen. Somit ist mit 122 000 bie Zahl der organisierten Abstinenten nicht zu hoch angegeben. Das bedeutet gegen das Vorjahr einen Zuwachs von ruud 22 000 Angehörigen der deutschen Abstinenz- bewegung. Nimmt man noch hinzu dir ebenfalls enthaltsam lebenden Mitglieder der Vrgetariervereine, der Heilsarmee und anderer Reformorganisationen, sowie die große Masse der überhaupt nicht organisierten Abstinenten, so ist bie in sicheren Zahlen allerdings nicht anzugebendr Gesamtsumme der deutschen Abstinenten eine ganz erheblich größere, wohl mindestens noch einmal so groß wie die der organisierten Abstinenten.
Hus Hab und fern.
Frankfurt a. M., 8. Oktbr. Ein gewaltiger Brand wütete Donnerstag abend auf der Neuen Zeil. Kurz nach 61/* Uhr bemerkten Passanten in der AlbuSgasse, daß auS dem Hause AlbuSgasse 16, das bit Hinterfront von Neue Zeil 23 bildet, Flammen emporschlugen. Bald darauf wurde auf der Neuen Zeil der Brand bemerkt. Der oberste Stock des Hauses, wo sich ein Teil des Lagers der Kurz- waren-Engrosfirma M. Stern sen. befindet, die Entresol und drei Stockwerke innehat und bereu Spezialität Spiel- waren sind, stand in hellen Flammen. Bald waren alle Wehren zur Stelle. Dir Polizei sperrte bie AlbuSgasse und die Neue Zeil ab. Eine vieltausendköpfig« Menge stand auf dem Starkeplatz, umgab das Polizeipräsidium und bevölkerte die anliegenden Straßen. Mt 15 Schlauchlinien arbeitete die Wehr von der AlbuSgasse und bet Neuen Zeil ans. Der Brand nahm gewaltige Dimensionen an. Die Menge wich von selbst weit zurück, denn die Glut war so mächtig, daß es nicht möglich war, in der Nähe zu bleiben. AuS beut Feuermeer lösten sich Feuergarben, die hoch zum Himmel emporwirbelten. An der Brandmauer des HauseS Nr. 21 züngelten die Flammen empor und schon mußte man fürchten, daß auch dieses schwer bedrohte Gebäude von dem Brand ergriffen würde. Man schleuderte zunächst von der Straße aus gewaltige Wassermassen nach oben und zwar nach der Seite der Brandmauer und man konnte nach einer angestrengten Arbeit von einer halben Stunde dies« Gefahr als beseitigt betrachten. Kurze Zeit schien eS, als ob das Feuer überhaupt am Verlöschen sei, als ei plötz- lich wieder mächtiger aufflammte und der Giebel zu brennen anfing. Nun griff die Wehr das Feuer vom Balkon des angrenzenden Hauses Nr. 21 und vom Dach« aus an. Mit Donnergepolter stürzte plötzlich der First in die Tiefe. Und gleichzeitig züngelten die Flammen an dem großen Turm empor, der das Haus krönt. Berittene Schutzleute drängten die Menge weit zurück, denn ei lag btt Gefahr nahe, daß beim Zusammenbruch des Turmes bte Trümmer weit weggeschleudert würden. Um 7^ Uhr stürzte der Giebel in sich zusammen. Dann flog di« Wetterfahn« vom Turm. Dieser brannte vollkommen aus und kürzte