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Viertchährlich 1,80 M nronatlich 60 Pfg., für aus- Gärtire Abonnenten mit dem betreffenden Postaufjchlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei d«S verein, ö. Waisenhauses in Hanau.

Amtlilhts Wigan für Stadt- and FaadKreis Ham«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

BeraMivoeü. Steaftaa: S. Schrecker « (m

Nr. 235

Fernsprechanschlrttz Nr. 605.

Donnerstag den 7. Oktober

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1909

AeiMeAMer mW cher -.UMaltssBlst!

14 Seiten.

Amtliches.

Eandhrds Ranati.

Da die Kleinpflasterarbeiten auf der Offenbach- Mlbelerstratze bis zum 9. d. Mts. nicht fertiggestellt werden können, so wird die am 13. September d. Js. V 5070 in Nr. 214 des diesjährigenHanauer Anzeigers", über diese Straße verhängte Sperre hiermit von Station lfl-L-50 bis 1,4 bis zum 23. d. Mts. ausgedehnt.

Der Verkehr kann, wie seither, seinen Weg durch die Nebenstraßen nehmen.

Hanau den 7. Oktober 1909.

Der Königliche Landrat.

V 5542 Frhr. v. Laur.

Stadtkreis Hana«. Bekanntmachung.

Die im 2. Obergeschoß des Hinterhauses Langstraße 45 befindliche Wohnung ist sofort zu vermieten.

Angebote find an uns zu richtm.

Hanau den 5. Oktober 1909.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 22535

Ä^S<ınndet am Samstag hen 23. Oktober 1909, vorne. 11 Uhr, statt.

Anschließend baran ein gemeinsames Essen.

Anmeldungen über Teilnahme am Festesten werden bis 20. Oktober d. I. an das Landgestüt Dillenburg erbeten. V 5513 Königliche Gestüt-Direktton.

Gefundene ob verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 gestrickter Tabaksbeutel, 1 Brennabor- Fahrrad ohne Kette, 1 0,5 Litermaß, 1 kleine Puppe und 1 Schlüssel (im Bangert), 1 kleines graues Handtäschchen mit Taschentuch.

In einer Wirtschaft liegen gelassen: 1 alter brauner Ueberzieher, ferner in einem schwarzen Wachstuch £ weißleinene Hemden und einige Taschentücher.

Verloren: 5 Pfandscheine, 1 Fünfmarkstück.

Zugelaufen: 1 Wolfshund m. Geschll, 1 schwarz- brauner Kriegshund w. Geschl.

Hanau den 7. Oktober 1909.

WBBBW inI«anur»« n.

Konzert des GesangvereinsEintracht".

Hanau, 6. Oktober.

Wie wir die kommenden längeren Abende verbringen werden, darüber brauchen wir nicht in Sorge zu geraten. Stärker als sonst ist die Tafel für künstlerische Konzertgenüsse gedeckt, wir haben die Wahl und brauchen nur zuzugreifen. Nicht so erfreulich ist die Lage für die Veranstalter, die vor keinem Opfer scheuen dürfen, um da« Interesse wachzuhalten, für die reich gedeckte Tafel auch genügende Teilnehmer heran­zuziehen. Den Anfang machte in diesem Herbst der Gesang­vereinEintracht", für den allerdings ein Grund, mit Zagen an eine Aufgabe heranzutreten, nicht vorhanden ist. Durch zielbewußte Arbeit hat er er verstanden, sich einen ersten P>atz in der stattlichen Reihe unserer Männergesangvereine zu erobern und zu behaupten, sodaß er auch bei einer Hoch- ronzertlicher und anderer Genüsse auf regen Zuspruch rechnen kann. Er sah sich nicht getäuscht. Der Konzertsaal oerOentralhalle" war an seinem gestrigen ersten Konzert aus den letzten Platz besetzt, ein ehrende- Zeugnis für den Veranstalter, wie auch für den stark ausgeprägten künst- lenzen 'smn unserer Einwohnerschaft. Unter der Leitung seines bewahrten und unermüdlichen Dirigenten Herrn Wilh. Hamburger bot der konzertgebende Verein eine Auslese prächtiger Kompositionen, von ihm in diesem Konzert zum ersten Male gesungen. Eingeleitet wurde das Konzert mit dem ernsten in Motettenform gehaltenenGraduale" (gnädig und barmherzig) von Aug. Ed. Grell. für achtstimmigen Männerchor gesetzt von Ferd. Schulz. Hieran reihten sich eine Komposition von Robert SchumannDie Lotosblume", Chöre mit SopransoloIn der Mondnacht" von E. Schultz undGlockentürmers Töchterlein" von Carl Reinthaler, weiter der mit Spannung erwartete fünfstimmige Chor Franz «chuberis .Stur wer die Sehnsucht tarnt weiß was ich

PotitiTcbe Rundschau.

Zur Finanzlage deS Grotzherzogtums Hessen sind derDarmstädter Zeitung" zufolge in der heutigen Sitzung des Finanzausschusses der Zweiten Kammer regie­rungsseitig folgende Mitteilungen gemacht worden: Schon in der Sitzung der Zweiten Kammer der Landstände vom 4. Januar d. I. habe der Finanzminister ausgeführt, daß es zur Erhaltung des Gleichgewichts der laufenden Ein­nahmen mit den steigenden laufenden Ausgaben zur stärkeren Verminderung der Staatsschuld und zur Befriedigung be­gründeter Ansprüche aus den Kreisen der Beamten, Lehrer und Hinterbliebenen von solchen auf Verbesserung ihrer Be­züge einer Erhöhung des Ertrages der direkten Steuern um 25 bis 30 Prozent bedürfe. Dabei sei vorausgesetzt gewesen, daß die Reichsfinanzreform auch für die Finanzen der Bundesstaaten zu der erwünschten Lösung gebracht und die Rechnung des Jahres 1908 für Hessen noch ohne Fehlbetrag abschließen werde. Beide Voraussetzungen hätten sich nicht bewahrheitet. Die Reichsfinanzreform habe auf der einen Seite die Matrikularbeiträge verdoppelt und den Anteil der Bundesstaaten an der ReichserbschaftSsteuer von einem Drittel auf ein Viertel herabgesetzt, auf der anderen Seite aber durch Ablehnung der Vorlagen auf eine weitergehende Be­steuerung der Erbschaften, samt der Einführung von Wehr­steuer und Erbrecht des Fiskus den Bundesstaaten die Möglichkeit genommen, jene Mehrbelastung annähernd wieder zu decken, außer ihrem Anteil an der weiteren Heranziehung der Erbschaften. Die nunmehr abgeschlossene Rechnung des Staatshaushaltes für 1908 aber schloß mit einem im Jahre 1910 zu deckenden Fehlbeteage von 500 000 Mark. Unter diesen Umständen werden im Hauxivoranschlage Hr 1910 allein schon die Herstellung des Gleichgewichts und die Sicherstellung einer besseren Schuldentilgung zu einer Er­höhung der direkten Steuern zwingen, die hinter dem im Januar d. I. geschätzten Betrage keinesfalls zurückbleiben, die Anforderung weiterer Mittel aber zur Aufbesserung der Beamten usw. voraussichtlich nicht gestatten wird.

Der Ausfall der Landtagswahlen im Herzog­tum Sachsen-Meiningen ist in mehr als einer Be­ziehung bemerkenswert. Das vorläufige Resultat, 4 Libe­rale, 9 Sozialdemokraten und 3 Stichwahlen, besagt genügend, und es ist nicht weiter verwunderlich, wenn die liberale Sonneberger Zeitung" von einemroten Herzogtum" spricht. In den Stichwahlen steht je ein Sozialdemokrat einem Liberalen bezw. einem Mitgliede deS Bundes der Landwirte gegenüber und ein Liberaler einem Bündler. In bürger­lichen Kreisen zeigte sich eine große Zersplitterung. Be­merkenswert ist das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen im ganzen Lande. So erhielten in der Residenz Meiningen, in der früher nur wenige sozialistische Stimmen

leide", drei Liebeslieder aus dem auf Veranlassung deS Kaisers herauSgegebenen Volksliederbuch für Männerchöre, nämlichBeim Holderstrauch" von Herm. Kirchner,Ich halte ihr die Augen zu" von Rob. Volkmann undStänd­chen" von Ph. Wolfrum. Zum Schluß wurde der Stunden­chor für den 3. Wettstreit deutscher Mânnergesangvereine Jung Volker" von Julius Röntgen geboten. Wir sehen, daß der Dirigent ein interessantes Programm aufgestellt, daß er aber auch der Einstudierung mit Liebe und Sorgfalt ab­gelegen hatte, dafür erbrachte das Konzert den Beweis. Es wurde sauber und geschmackvoll vorgetragen, die musikalischen Schönheiten der einzelnen Chöre waren wirkungsvoll heraus­gearbeitet. Daß in zwei Chören sich eine Mattigkeit und demgemäß auch eine Unsicherheit für den Kenner bemerkbar machte, lag wohl vor allem daran, daß die draußen herrschende Gewitterschwüle auch dem Konzersaale eine kaum erträgliche Temperatur überliefert hatte, unter der Sänger wie Zuhörer zu leiden hatten.

Das Konzert derEintracht" gewann noch besonderer Interesse durch die Mitwirkung zweier Solisten: Frl. Dora Moran, Großh. Oldenburgische Kammersängerin aus Berlin, und Frl. Erika Besserer aus Berlin (Violine). Stetere spang noch in letzter Stunde für die plötzlich erkrankte Mme. Renee Chemet-Decreus-Paris ein. In Frl. Besserer hatte der VereinEintracht" vollständigen Ersatz geschaffen. Sie ist eine Schülerin Joachims und eine Geigerin von hervor­ragender Begabung. Der Ton ist voll und edel, marin und tiefempfunden, die Technik glänzend entwickelt. Die virtuose Meisterschaft bekundete Fräul. Besserer in der Ballade et Polonaise von Henry Vieuxtemps, op. 38, den ergreifenden bestrickenden Klang der Kantilene in dem Max Bruch'schen Adagio" aus dem Violinkonzert in G-moll, op. 26 und in Träumerei" von B. Namtos. DasPerpetuum mobile" von F. Ries war eine mit Schwung und Temperament vor­getragene Leistung, in dem die brillante Technik wiederum in bellem Lichte hervortrat. Die Darbietungen wurde« mit

abgegeben wurden, die Sozialisten 844 Stimmen, in der freisinnigen Hochburg Lauscha, die früher überhaupt keine Sozialdemokraten hatte, 501 Stimmen.

Gedenktag. DieRordd. Allgem. Ztg." sagt in einem Ein Gedenktag" überschriebenen Artikel: Am heutigen Donnerstag jährt sich zum dreißigsten Male der Tag, an dem das Bündnis zwischen Deutschland und Oesterreich- Ungarn unterzeichnet worden ist. Dreißig Jahre hindurch hat das Bündnis seine voll« Wirksamkeit geübt. Durch den Zutritt Italiens hat es sich zum Dreibund erweitert. ES hat dem europäischen Frieden unschätzbare Dienste geleistet. Allen gegnerischen Unterstellungen zum Trotz hat die BundeS- genossenschaft zu keiner Zeit die Grundlage einer angreifenbtn, auf Beeinträchtigung der Recht« dritter abzirlenden Politik gebildet; sie war ein festes Bollwerk des Friedens, hinter dem die verbündeten Mächte ungestört der Pflege ihr«« eigenen Angelegenheiten sich widmen konnten. Seinem fried­lichen Charakter gemäß hat das Bündnis die Herstellung freundschaftlicher Verhältnisse zu dm außenstehenden Staaten nicht nur gefördert, sondern es ist geradezu zum frucht­bringenden Erdreich geworden, aus dem der FriedenSgedank neue Nahrung gezogen hat. Der Abschluß des BündnisseS zählt zu dm bedeutendsten politischen Taten deS großen erster Kanzlers des Deutschen Reiches. Von seinen verdienstvolle» Mitarbeitern weilt unter uns nur noch der jetzt im Ruhe- stand lebende Botschafter v. Radowitz, daS groß« Werk des Bündnisses aber lebt und wirkt fort

England. DieDaily Mail' läßt sich auS Bombay melden, daß in nächster Zukunft schon ein Krieg zwischen England und Afghanistan bevorstrhe. In offiziellen Kreisen gebe man allerdings nicht zu, daß die Lage so ernst sei; aber sie können auch nicht leugnen, daß an der Grenze große Unruhe herrscht. Seit dem Abschluß des britisch-russischen Abkommen für Afghanistan, sei der Emir bemüht, sein ganze- Volk unter Waffen zu stellen, weil er seit dieser Zeit den Verdacht nicht los werden kann, daß die beiden Großmächte die Aufteilung Afghanistans beschlossen haben und nur eine« günstigen Moment zur Ausführung dieser Absicht abwarte» wollen. Käme der Krieg, so könne er in Indien ein über­raschendes Echo wecken, das den Regierenden an der Themse nicht gerade lieblich in den Ohren klingen würde.

Ein Zwischenfall. Die Peter-b. Telegr.-Agentur erfährt vom Ministerium deS Aeußrrn: D«r russisch« Ge- neraltonful in Charbin hat sich mit dem aus Mukden ein» getroffenen deutschen Konsul verständigt und als Antwort auf den eingereichten Protest wegen der Handlungsweise der deutschen Teilhaber der BierbrauereiCharbin" gestern einen Brief vom deutschen Konsul in Charbin erhalten, in dem dieser erklärt, er erkenne nach Prüfung der Angelegenheit der Brauereigesellschaft keinen Anspruch auf deutschen Schutz zu, weshalb auf seinen Befehl die deutsche Flagge von dem

großem Beifall entgegengenommen und bit Künstlerin mußte noch eine Zugabe spenden.

Den gesanglich-solistischen Tell vertrat Fräul. Dorr. Mora n-Berlin. Auch in der Wahl dieser Künstlerin hatte dieEintracht" einen guten Griff getan. Frl. Moran zeigt« sich zunächst als gewandte Koloratursängerin. Ihre Vor­träge stellten sich nach dieser Seite hin als das Resultat eines eingehenden, eindringlichen Studium- bar.Rezitativ und Arie für Sopran mit obligater Flöte" von Georg Friedrich Händel war eine prächtige Leistung von packender Wirkung. Durch den Vortrag von Liedern von Brahm-, Pfitzner, M. Reger, H. van Eyken fand Frl. Moran sowohl für die ernsten, wie auch für die anmutigen und heißen Gesänge den jeweilig treffendsten Ausdruck. Auch di« Soli in den herrlichen ChörenIn der Mondnacht" von Edwin Schultz undGlockentürmers Töchterlein" von Karl Reinthaler verdienen lobende Anerkennung. Die treffliche Künstlerin sah sich denn auch mit wachsendem Beifall belohnt und dankte in liebenswürdiger Weise durch eine Zugabe. Die Flötenbegleitung in Händels Arie für Sopran besorgte Herr Alb. Leon von hier ganz vortrefflich, indem er sich in äußerst geschickter Weise dem Gesang anpaßte.

Am Klavier wirkte Herr G. Altvater von hier, btt sich wiederum als trefflicher feinfühliger Begleiter brwährte.

Im ganzen genommen bot das Konzert eine wohl­gelungene und vielverheißende Einleitung der dieswinterlich«» Konzertsaison, die vorausgegangenen Mühen haben ent» sprechende Erfolge gezeitigt, auf die Dirigent und Sänger­schar stolz sein können.

Der in dem Konzert zur Verwindung gekommen« Konzertflügel (Steinweg) stammte aus dem Lager des Hof­lieferanten Herrn August Kraushaar, Französisch« Allee 2, dahier.