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Lierieijährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für m* «artige Wounenten mit dem büresfenden Postaufschlag.

Die einzeln« Nummer kostet 10 Pfg.

fioiailMSbtucf imb Setlag der Buchdrucker« der vaâ,

Gtutral-Aozeiger

Amtliches OkW für Stadt- und FMreis Kiwi«

Die fünfgesvalt«« Petitzeiie oder deren Raum 20 Kg. im Reklamen teil die Zeile 45 Pfg.

«. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

P-ranuvertl. Redakteur: «. Schrecker * Han«.

Nr. 234 F-rnsv-tchaE«, Nr. 605.

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Mittwoch den 6. Oktober

Fernsprechauschlittz Nr. 605» 1909

Amtliches.

Eandkrei s Ranau.

Die Herren Bürgermeister wollen mir binnen 8 Tagen vnzeigen, welcher Erlös für Gemeindcobst im Zahre 1909 erzielt worden ist.

Hanau den 4. Oktober 1909.

Der Königliche Landrat.

V 5473 Frhr. v. Laur.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden hiermit an die Erledigung meiner Rundverfügung vom 30. März 1899 — V 3243 — betreffend Ausräumung der Flut-, EntwäffrrungS» und Abzugsgräben mit einer Frist von 8 Tagen erinnert.

Hanau den 4. Oktober 1909.

Der Königliche Landrat.

V 5474 Frhr. v. Laur.

Unter den Schweinen in Windecken und Ostheim ist die Schweinrseuche erloschen.

Hanau den 5, Oktober 1909.

Der Königliche Landrat.

V 5503__________Frhr. v. Laur.

Bekanntmachung.

Die König!. Verwaltung der Armee-Konservenfabrik zu Mainz hat den Ankauf von Viktoriaerbsen, weißen Speise- bohnen und Linsen ausgenommen.

Angebote sind entweder an das nächstgelegene Proviant- amt oder direkt an die Fabrik zu richten. &

■ Den Angeboten sind stets Kochproben von Mindestens Liter beizufügen.

Die Preissorderung ist entweder a) „frei Waggon Ver­ladestation" oder b) „frei Fabrik Mainz" zu stellen.

Beim Verkauf „frei Waggon Verladestation" wird die Mitwirkung des nächstgelegenen Proviantamts in Anspruch genommen. Es muß sich dabei aber um die Abnahme von mindestens 10 Tonnen (200 Ztr.) handeln, welche beim Eintreffen des abnehmenden Beamten so bereitgestellt sein müssen, daß sie unverzüglich übernommen und verladen werden können. Soll die Abnahme auf besonderen Wunsch des Verkäufers an einem nicht mit Bahnstation versehenen Lagerorte erfolgen, so kann auch dies geschehen, der Ver­käufer muß aber dann die Gefahr der Verschlechterung, des Untergangs u. s. w. der Frucht bis zur Verladestation in den Waggon tragen.

Beim Verkauf „frei Fabrik Mainz" ist zu beachten, daß die Kosten für die Abfuhr der Frucht vom Bahnhof dortselbst

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Gcmiilde-Ausstcllung.

Zn Albertis Hofbuchhandlung ist eine Gemäldekollektion bei hiesigen Kunstmalers Wilh. Vick ausgestellt, die reges Interesse verdient. — Nächst seinen ernsten, stimmungsvollen Heidebildern fällt eine leuchtende Schneelandschaft auf, die in ihrer einfachen, aber raffinierten Komposition und freudigen Farbrnstimmung uns einen heiteren, frohmachenden Winter­tag vorzaubert. Eine Reproduktion dieses Werkes befand sich übrigens in dem Hanauer Heft der „Hessischen Kunst". Ein gut ausgeschnittener, und in großen Farbtönen zusamnien- gehaltener Blick auf Heigenbrücken, eine flottgemalte Vor- frü^lingSfiimmmig am Franzosenloch, das reizende Bildchen mit der Bank im Schnee unter den Kastanien an der krummen Kinzig, dir sonnenüberflutete Lamboystraße zeigen, daß sich der Künstler mit dem Charakter seiner neuen Heimat ^re'ts gut vertraut gemacht hat. Weihnachtsstimmung atmet das kleine Interieur aus seiner eigenen Wohnung. Sehr pikant steht der silberglänzende Christbaum zu den violetten und braunen Farben der Einrichtung, welcher Kontrast wohl ?èaler zu dieser Arbeit angeregt hat. Wie ein ^carchenwald erscheint die doch naturwahr gemalte Baum- b^onberc Beachtung verdienen die duftigen Blumenstuckr Originell im Aufbau und vornehm in der geschloffenen Farbenstimmung haben sie eine start de.orative Wirkung. Diese ist erzielt durch an- schemende Vermeidung jedes Details. Nur auf die große Licht- und Farbenwirkung hin gemalt, hat man zunächst nur emen impressionistischen Eindruck von der Gesamt-Blumen- maffe, wie ihn uns ein kurzer Blick auf einen beleuchteten Gegenstand hervorruft. Bei längerem Hinschauen aber läßt uns die mtereffante Technik aus den vielen Farbenfleckchen m Herein Auge selbst bestimmte Formen und Details er- - n. Man sieht schließlich die einzelne Blume. Der Vor-

4 dreier ünvrelüoniülickeu Malweiie beruht in der größeren

nach der Fabrik 8 Pfg. für 100 kg betragen und vom Ver­käufer zu entrichten sind. Ebenso hat derselbe die an die Stadt Mainz zu zahlende Einfuhrgebühr (Oktroi) mit 60 Pfg. auf 100 kg zu entrichten. Fracht-, Abfuhr- und Einfuhrkosten werden diesseits ausgelegt und bei der Ab­rechnung gekürzt.

Endlich werden den Landwirten auf Wunsch die Säcke für den Transport der Früchte auf ihre Kosten übersandt, vorausgesetzt, daß dieselben bereit sind, für etwaige Be­schädigungen und Verluste aufzukommen.

Kgl. Verwaltung der Armee-Konservenfabrik Mainz.

Kurse Chronik,

Der Kaiser hat den österreichischen Thronfolger Erz­herzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin nach Berlin eingeladen.

Die deutsche Regierung hat unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundesrats und des Reichstags der türkischen Regierung ihre prinzipielle Zustimmung zu der geplanten Erhöhung des Einfuhrzolls um4Proz. mitgeteilt.

Präsidium und Direktorium des Hansa-Bundes haben umfassende Richtlinien für die nächste Tätigkeit des Bundes beschloffen.

In ganz Marokko wird nach Meldungen von Ein­geborenen im Namen MuIay Hafids der heilige Krieg gegen alle Christen gepredigt.

Der bekannte Berliner Operndirektor Heinrich Mor - w i tz ist, 72 Jahre alt, in Berlin gestorben.

Tschang Tschitung ist gestern abend in Peking g, st o r b e n.

Die freisinnige Einigung. Ein in Nürnberg abgehaltener Freisinniger Parteitag für Nordbayern, dem die Reichstagsabgeordneten Dr. Goller, Manz und Dr. Müller (Meiningen) beiwohnten, hat zur Frage der Verschmelzung der drei linksliberalen Parteien eine Resolution angenommen, in der er diese Verschmelzung für sehr wünschenswert er­klärt, aber glaubt, daß nur eine in programmatischer, organisatorischer und taktischer Richtung sorgfältig vorbereitete Verständigung rin dauerndes gedeihliches Zusammenarbeiten gewährleiste.

Die Meininger LandtagSwahlen. Bei den all- gemeinen Wahlen zum Meininger Landtage wurden vorgestern 4 bürgerliche und 9 sozialdemokratische Bewerber endgültig gewählt, ein sozialdemokratischer kommt mit einem bürger­lichen in die Stichwahl, während in zwei weitern Wahl­kreisen Stichwahlen zwischen bürgerlichen Bewerbern statt- finden. Bisher haben dem Landtag 7 Sozialdemokraten an»

Lebendigkeit der Form, wie der ganzen Lichterscheinung. Außerdem bleibt ein derart gemaltes Bild dem Beschauer immer interessant, da sein Äuge zur Mitarbeit gezwungen wird. — Ein sehr gutes Beispiel für die lebendige Wirkung in dieser Auffassung und Technik gemalter Objekte bieten die gelben Schlüsselblumen, die in der Zusammenwirkung mit dem Zinkrahmen wohl das eigenartigste und vornehmste der Blumenstücke darstellen. — Leider beeinträchtigt der kleine Raum, auf dem soviel Verschiedenes zusammengedrängt ist und das Schausensterlicht die Wirkung der Bilder. Um zum vollen Genuß der Feinheiten der einzelnen Sachen zu ge­langen, müßte man die Arbeiten von einander getrennt sehen. Eine Erkundigung nach den Preisen der Kunstwerke ergab sehr bescheidene Forderungen. Einzelne der für das moderne Zimmer einen reizenden Schmuck bildenden Blumenstücke, sowie auch viele der kleineren Landschaften sind schon für 30—40 Mk. zu erstehen. Wir können diese Art der Preis- machung nur begrüßen und wäre es wünschenswert, wenn die Künstler im allgemeinen nicht mehr so hohe Forderungen stellen möchten, wie bisher. Die Künstler würden sicher selbst bald den Vorteil einsehen, wenn sie durch niedere Preise auch dem Mittelstand ermöglichten, Original-Kunst­werke zu erwerben. In unserer Zeit der Eigenkleider, Eigen­möbel, des wiedererwachten guten Geschmacks bis in die untersten Klassen unseres Volkes hinein, behagt es dem Ge­bildeten nicht mehr, schlechte Reproduktionen oder selbst gute, deren Besitz er aber mit Vielen teilen muß, in seiner Wohnung zu haben. Er will auch sein eigen Bild, ein echtes Kunst­werk, an dem er seine Freude haben und das er mit Stolz sehen lassen kann. Das modern gewandelte Sprichwort: „Zeige mir, wie Du wohnst, so will ich Dir sagen, wer Du bist" verdient heutzutage Beachtung. Darum sollte jeder, der aus eine geschmackvolle Umgebung Wert legt, sich in den Besitz von Original-Kunstwerken setzen. Es brauchen ja nicht durchaus große, teure Bilder vonTagesgrößen zu sein, kleine, vornehm« Kunstwerke, die dem Käufer selbst gefallen und ■

gehört. Im ganzen besteht er aus 24 Abgeordneten, von denen 16 durch allgemeine Wahlen, 4 durch die Großgrund- besttzer und 4 durch die Höchstbesteuerten zu wählen sind.

Die Steuerdebatte in der bayerischen Abge­ordnetenkammer. Die bayerische Abgeordnetenkammer begann am Dienstag mit einer Abendsitzung die General­debatte über die Steuerreform. Als erster Generalredner seiner Partei und zugleich als einziger des Tages sprach für das Zentrum der Abgeordnete Dr. Heim. Er suchte die Stellung seiner Partei hauptsächlich in zwei Punkten zu rechtfertigen, zunächst gegen den Vorwurf, als wolle das Zentrum dir Vermögenssteuer als einzige Ergänzungssteuer zur reinen Einkommensteuer verwerfen. Das Zentrum sei vielmehr ein warmer Anhänger der Vermögenssteuer, sehe aber zurzeit mangels jeglicher ziffernmäßiger und statistischer Grundlagen keine Möglichkeit, ohne Verzögerung die Steuer­reform vorzunehmen und wolle das Odium nicht auf sich laden, die bisherige Ungerechtigkeit in der bayerischen Steuer­gesetzgebung aufrecht zu erhalten, noch verstärkt durch die not­wendig gewordene Steuererhöhung. Den Vorwurf, den man dem Zentrum macht, es wolle durch die Steuerreform nach seinem Willen die landwirtschaftliche Bevölkerung als Kern- truppe der Zentrumswählerschaft unverhältnismäßig be­günstigen, suchte der Abgeordnete Heim durch das Argument zu rechtfertigen, daß die Landwirtschaft eben bisher» viel zu stark belastet gewesen sei. Das Zentrum werde übrigens angesichts der Finanznöte Bayerns es als patriotische Tat betrachten, die Vorwürfe auf sich zu nehmen, die jede Steuer­erhöhung und jede neue Steuerschaffung mit sich bringe. Aus einer Erklärung des Präsidenten von Orterer über die geschäftliche Behandlung der Materie geht hervor, daß das bayerische Abgeordnetenhaus an einem späteren Termin sich mit der Besprechung der Vorgänge anläßlich der Reichè- finanzreform beschäftigen wird.

Die Sage in Marokko.

Madrid, 5. Oktbr. Ministerpräsident Maura erklärte, daß anstatt der ganzen Division des Generals Ampudia nur eine Brigade nach Melilla abgehen würde; um Ver­stärkungen in dieser Hohe bat übrigens General Marina auch nur.

Paris, 5. Oktbr. Die „Libertè" behauptet in einer aus Madrid datierten Meldung, daß dir spanische Regie- rung eine Note vorbereite, durch welche sie die Mächte ver­ständige, daß die Umstände sie zwingen, ihre Aktion im Ms- gebiet zu „erweitern".

Paris, 5. Oktbr. Angesichts der von der Presse ver­breiteten Gerüchte über weitausgreifende Pläne Spaniens in Marokko erklärte der hiesige spanische Botschafter einem Redakteur des „TempS" u. a. folgendes: Er hab« dem Direktor der politischen Angelegenheiten im Ministerium des

deren Preis seinem Geldbeutel entspricht, erfüllen denselben Zweck. Zn der vorstehend beschriebenen Gemälde-Kollektior finden wir Vornehmheit mit Billigkeit vereint. Die Hanauer Kunstfreunde sollten diese Ausstellung brachten.

Kunst und Eeben.

Panl Fleming, dessen 300jährigen Geburtstag wir gestern feierten (er wurde am 5. Oktober 1609 im Städtchen Hartenstein im sächsischen Erzgebirge geboren und starb bereits am 2. April 1640 in Hamburg), entwickelte sich zum Dichter während seiner Teilnahme an der merkwürdigen Gesandtschaft, die der Herzog Friedrich von Holstein-Gottorp 1633 über Moskau und Astrachan nach Persien schickte. Don Leipzig, wo Fleming Medizin studierte, hatten ihn die Unruhen des Dreißigjährigen Krieges nach Holstein vertrieben. Dre Abenteuer und Erfahrungen jener persischen Reise, die bis 1639 dauerte, spiegeln sich kräftig und mannigfaltig in Flemings Poesie;’ ér besang Schiffbrüche und Kämpfe. die sirenenhaften Verlockungen der „weichen Cirkassinen" und die Sehnsucht nach dem langentbehrten Vaterland«, die Länder, Stöbt* und Sitten fremder Völkerschaften, ohne daß bie orientalische Dichtkunst ihn beeinflußt hätte. Von seinem Zeitgenossen Simon Dach unterscheidet er sich durch größere Kraft und Frische; tapfer dem Schicksal Trotz bietend, feiert er in seinen Liedern alles, was dem Leben Halt und Würd, gibt: Vaterland, Freundschaft, Liebe, Religion. Sein be­rühmtes Scheidelied „In allen meinen Taten" atmet tiefe Frömmigkeit, seine Liebeslieder sind echt und wahr. Mit vollem Rechte hat ihm als dem ersten deutschen Lyriker des ganzen 17. Jahrhunderts feine Vaterstadt ein Denkmal errichtet.

Das Komitee für die Errichtung des Treitschk«. D e n k m a I s teilte mit, daß die feierliche Enthüllung der Denkmals nächsten Samstag in dem Vorgarten der Berlin« Universität stattfindet.