Erstes Blatt.
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Genkral-Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«, mit belletristischer Beilage»
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Nr. 222 F-r«sprecha«schltttz Nr. 605.
Mittwoch den 22. September
Fernsprechanschltttz Nr. 665. 1909
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14 Seiten.
Amtlich,s.
Seitens des hiesigen Magistrats ist behufs Erweiterung des Friedhofes der Antrag auf Enteignung der im Grundbuch der Stadt Hanau Bd. 54 Blatt 3109 für den Oekonom Karl Horst, Ludwigs Sohn, eingetragenen Grundstücke: X 10, Parzellen 12 von 36,09 ar und 12a von 1,15 ar, und die Bd. 32 Bl. 2009 für Jakob- Heinrich Emmerich eingetragenen Grundstücke: X 10, Parzellen 13 von 17,61 ar und 13a von 0,76 ar, gestellt worden.
In Gemäßheit des § 19 des Ges. über die Enteignung von Grundeigentum vom 11. 6. 1874 wird der Plan nebst Beilagen in der Zeit vom 23. d. Mts bis 7. Oktober d Js- im hiesigen Kreishaus im Polizeisekretariat zu jedermanns Einsicht während der Dienststunden von 9—12 Uhr vorm. und von 3—6 nachm. offen ausliegen.
Während dieser Zeit kann jeder Beteiligte im Umfange seines Interesses Einwendungen gegen den Plan erheben. Dieselben sind bei mir schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu geben.
Hanau den 21. September 1909.
Der Königliche Regierungskommissar.
P 11262 0r. v. WaIdo w, Reg.-Assessor.
Handkreis Hanau.
Unter den Schweinen zu Niederrodenbach ist die Schweme- leuche festgcstellt.
Hanau den 20. September 1909.
Der Königliche Landrat.
V 5220 Frhr. v. Laur.
Unter den Schweinen zu Großauheim ist die Schweineseuche festgestellt.
Hanau den 21. September 1909.
Der Königliche Landrat.
V 5196 Frhr. v. Laur.
Gesundem und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Brille mit Futteral.
Verloren: I goldene Damenuhrkette, 1 großes braunledernes Herren-Portemonnaie mit etwa 3—4 Mk. (auf der Kleinbahn Hüttengesäß—Hanau),. 1 braune wasserdichte Pferdedecke, 1 desgl. graue, 1 silberne Dammuhr mit langer goldener Kette mit Perlchen (als Anhänger: kleines Herz mit
Handwerkskunst in Hanan nnd Umgegend.
Manches Stückchen alter guter Handwerkskunst läßt sich i# unserer schönen Heimat finden. Schon aus frühester Zeit, der Karolinger-Periode, sind uns Zeugen in Seligenstadt erhalten. In der Barbarossaburg in Gelnhausen haben wir reinsten romanischen Stil mit einem formenschönen und fast weltbekannten Ornament, an Säulen, Gesimsen und anderen Bauteilen.
Schöne gotische Einzelheiten weist die Kirche in dem sei.ab liegenden Rüdigheim und das dicht dabei liegende ehe- malige Johanniter - Kloster auf. Auch die Reste einer Johanniter-Niederlassung in Roßdorf gehören der gotischen Periode an und bieten allerhand Interessantes.
Diese Zeugen früher und frühster Kultur haben aber späterer Zeit in unserer Gegend würdige Kameraden. Renaissance-Zeit sind uns z. D. in Hanau, Seligen- Ilaot, Groß-Steinheim, Marköbel, Wachenbuchen und vielen anderen Orten, die schönsten Zimmermannsarbeiten erhalten. Diese Orte sind namentlich an Fachwerkshäusernreich, welche neben schöner Fachwerksteilung zugleich durch Dachkonstruktion, reich geschnitzteBalken und Eckpfosten, schöne Profil-Gliederungen dem Forscher interessant werden. Läßt man sich von seiner Heimatsliebe erst einmal zu forschender Tätigkeit antreiben, so entdeckt man noch gar manchen Zeugen vergangener handwerklicher Tüchtigkeit. Eine hervorragende Stellung nehmen z. B. auch die Steinmetz-Arbeiten in unserer Gegend ein. Neben gut steigbaren Steinwendeltreppen — hieran ist die Hanauer Umgegend besonders reich — sind die rein bildhauerisch behandelten Steinmetz • Arbeiten wie Konsolen, Säulen, Wappen, kurz viele architektonische Einzelheiten, dann aber auch Torwege, Türeingänge und Fenstergewände interessant und beachtenswert.
Eine hervorragende Stellung bei den Steinmetz-Arbeiten nehmen die in den umliegenden Ortschaften so oft vor
Brillant und Kreuz), 1 goldener Ohrring mit 2 weißen Steinchen.
Zugeflo gen: 1 Lachtaube.
Hanau dm 22. September 1909.
Politische Rundschau*
Kaiser Wilhelm bei den schweizerischen Manövern? Nach der „Tgl. Rundschau" wird infolge der Aeußerungen des Kaisers, den Manövern des schweizerischen Heeres beiwohnen zu wollen, in Berlin die Anschauung vertreten, daß nunmehr ein bestimmt geäußerter Wunsch des Kaisers vorliegt, dem auf irgend eine Weise Rechnung getragen werden müsse. Der Kaisrr müßte natürlich als Souverän empfangen werden, falls er einer Einladung zu den Manövern Folge leisten würde. Di« schweizerische Presse bespricht die Angelegenheit in durchaus sympathischem Sinne.
Reichskanzler Bethmann-Hollweg über Kaiser Franz Josef. Reichskanzler von Bethmann-Hollweg äußerte sich einem Vertreter des „Neuen Wiener Tageblattes" gegenüber in enthusiastischer Weise über seinen Empfang bei Kaiser Franz Josef und über die Persönlichkeit deS Kaisers. Er sagte: „Ich habe für diese große Erscheinung Europas immer besondere Verehrung gehabt. Er ist nicht nur die würdigste und interessanteste Erscheinung auf dem Thron, Kaiser Franz Josef ist ein lebendiger Ausschnitt aus der Weltgeschichte. Neber seine Unterredung mit dem Grafen Aehrenthal erklärte der Reichskanzler, daß sich während des Gedankenaustauschs eine vollkommene Uebereinstimmung auf der ganzen Linie ergeben habe. Es gebe keinen neuen Kurs. Wir bleiben beim alten Kurs. Einem Vertreter des „Budapester Korrespondent" erklärte der Reichskanzler, er kenne genau die Stellung Ungarns und honoriere diese in hohem Maße. Sein Besuch in Wien habe nicht nur dem Kaiser von Oesterreich, sondern auch dem König von Ungarn gegolten. Er bedauere, daß ihm jetzt nicht Gelegenheit geboten sei, auch nach Ungarn zu kommen. Er kenne Ungarn und schätze die ungarische Nation und die Schönheiten des Landes.
Für die Reichstagserfatzwahl im Kreise Lands- berg-Doldin wurde Amtsgerichtsrat Holtschke als konservativer Kandidat aufgestellt.
Zur ungarischen Krisis. Die gestrige Audienz des ungarischen Ministerpräsidenten Dr. Wekerle beim Kaiser galt abermals der ungarischen Krise. Der Kaiser erteilte dem Ministerpräsidenten die Ermächtigung, seine Aktion fortzusetzen. Aus dem Umstande, daß Wekerle noch nicht die Demission deS Kabinetts eingereicht hat, wird geschlossen, daß sein Entwirrungsplan nicht aussichtslos ist.
Weitere „Politische Rundschau" im zweite« Blatt.
kommenden Monumental-Brunnen ein, sie find gewissermaßen Spezialität unserer Heimat und geben bem Stadt- und Dorfbild ein eigenes Gepräge. Alle diese Brunnen zeigen fast den gleichen Aufbau und ähnliche Maße, sind jedoch bezüglich ihrer Einzelheiten außerordentlich verschieden. Der runde Brunnentrog hat fast überall eine Höhe von 80—100 cm und einen Durchmesser bis zu 160 cm. Die Strinsâulen (Aufrechte) sind meistens an Teile der Trogwandung angearbeitet, quadratisch und rechteckig, seltener rund im Querschnitt, mit einer Höhe bis 2,40 m. Der die Aufrechten verbindende Aufleger hat den ungefähren Trog-Durchmesser zur Länge, die Säulen-Dicke als Breite und eine Höhe von 20—45 cm. Dieser Aufleger ist sehr oft ohne, dann und wann aber auch mit reicher Profilierung, mit Inschriften und Jahreszahl reich verziert.
Ein halbkreisförmiger Aufsatz, meistens mit dem Hanauer Wappen, zwei Kugeln von 15—20 cm Durchmesser oder auch vierseitig profilierte Vasen bilden den bekrönenden Abschluß. Verschiedene der Brunnen haben in Bezug auf Aufbau und Einzelheiten eine solch große Aehnlichkeit, daß man auf eines Meisters Hand schließen möchte.
Der Brunnen in Hochstadt von 1721 hat z. B. mit dem in Rückingen solch große Aehnlichkeit, daß da eine derartige Vermutung gerechtfertigt erscheinen muß. Leider fehlt dem Rückinger Brunnen jede Inschrift oder Jahreszahl als weiterer Stützpunkt für obige Vermutung. Bei den Brunnen in Langenselbold (im Hinserdorf) von 1704 und Langendiebach von 1699 läßt nicht nur der gleiche Aufbau und außerordentlich ähnliche Einzelheiten den Schluß auf eines Meisters Hand zu, auch die Jahreszahl der Erbauung hilft hier mit bestimmen.
Auch bei den Brunnen in Bruchköbel und Dörnigheim besteht hinsichtlich Jahreszahl, Schristcharakter-und sonstiger Einzelheiten eine große Aehnlichkeit.
Die vier schönen Brunnen am Marktplatz in Hanau und der am Altstädter Rathaus ausgestellte, haben noch einen
Spare»!
überschreibt btt „Köln. Ztg/ eine kurz« Besprechung der vorbereitenden Arbeiten zum Etat und führt darin das Folgende aus:
Der Ruf nach Sparen ist auch »ei der ReichSregierung nicht ungehört verhallt, und daS auS guten Gründen. Di« Finanzreform hat ein gähnendes Loch zugestopft, aber sie bietet, ganz abgesehen davon, daß ihre Erträgnisse nicht mit voller Sicherheit feststehen, nur dann eine Bürgschaft für bte Zukunft, wenn in den zukünftigen Etats die AuSgabm mit den Einnahmen in das richtige Verhältnis gebracht werden. Die ganze Entwicklung des modernen StaateS bringt eS mit sich, daß immer neue Bedürfnisse entstehen, deren Befriedigmt- man auf die Dauer unmöglich zurückweise« kann. Bisher hat man etwa- in den Tag hinein gelebt und durch Anleihen oder sogenannt« kleine Mittel, GelegenheitSstemrn, das Gleichgewicht im Staatshaushalt hergestellt, bis dann infolge der wachsenden Finanzmisere die Finanzreform kam, di« allerdings in ihrer buntscheckigen, wahllosen Zusammensetzung den Namen einer „Reform" nicht verdient, immerhin aber dem Staatsschatz Gelder zuführt. Die Schwierigkeiten, denen diese Finanzgesetzgebung begegnet, machen «S so gut wie unmöglich, dem Reichstage ■ in den nächsten Jahren mit neuen Steuern zu kommen. Mehrhnten für sie werden sich im Reichstage kaum finden, und wenn sie sich fänden, so be- ständ« die Gefahr, daß sie nicht zusammenhielten. Zudem hat j«tzt schon die Finanzgesetzgebung eine so gewaltige Summe von Unzufriedenheit im Volke erregt, daß man gar nicht daran denken kann, in den nächsten Jahren, b. h. vor den Reichstagswahlen, neue B«lastungspläne auszuarb«iten und dem Reichstag vorzulegen.
Unter diesen Umständen bleibt gar nichts übrig, als „Sparen", und dieser Erkenntnis verschließt sich ebensowenig der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg wie der neue Schatz- sekretär Wermuth. Die Besorgnis, daß es wieder bei schönen Worten bleiben wird, scheint hinfällig, denn eS ist schon bei den vorbereitenden Arbeiten zum Etat * ein ganz tüchtiger Anfang gemacht worden und auS dem Stöhnen der verschiedenen RessortS kann man entnehmen, daß sämtlich« Arten von Buntstisten in Tätigkeit g«setzt werben und daß das Reichsschatzamt sehr energisch den Versuch macht, neue Ausgaben nach Möglichkeit zu verhindern und alte zu beschneiden. Nach dieser Richtung hin ist das Reichsschatzamt immer eine bei den andern RessortS wenig beliebte Behörde gewesen, man kann aber nur bedauern, daß sie diese Unbe- liebthrit nicht in noch höherem Grade verdient hat. Dann wären wir nicht soweit in. die Tinte gekommrn, wie wir ei jetzt sind. Wie gesagt, da- Reich-schatzamt hat jetzt bereit« ganz wesentliche Abstriche gemacht, und wenn sich auch di« sechsten Kameraden, derselbe steht teilweis« vermauert und verdeckt burdj klein« Anbauten im Hofe de- ehemaligen Konsistoriums ; deS jetzigen Amtsgerichts am Marktplatz.
Der vielen schönen schmiedeeisernen Türbeschlâg« und Fenstergitter, der Wetterfahnen und sonstiger alter Schmiede arbeiten sei heute nur ganz kurz Erwähnung getan.
Wilhelm Brede.
Kunst und Heben.
Björnstjerne BjörnsonS neues Lustspiel „Wenn der neue Wein blüht", wird, wie auS Dresden S^mmoet wird, am Königlichen Schauspielhaus in Dresden zur llrauf» führuna gelangen. „ , a
„Der schlechte Ruf " Oskar Blumenthal hat soeben ein einaktiges Derslustspiel vollendet, daS den Tttel suyrr „Der schlechte Ruf", ein Rokokoscherz, und demnächst durch die Firma Felix Bloch Erben an die Bühnen «Zandt wer. den soll. In Berlin wird daS Werk an einem Privattheater zur Aufführung gelangen. _
Leoncavallo hat zusammen mit Maurice Baucarre ein« Operette „Marlborough" vollendet, die in und zu gleicher Zeit in Berlin, wahrscheinlich am Theater deS Westens, in Szene gehen soll.
Senckenbergische Naturforscher»-- Gesellschaft.
Ein neues Prachtstück ist in den letzten Tagen im Lichthof des Senckenbergischen Museums aufgestellt worden: daS Skelett einer irischen Riesenhirsches mit einem prachtvollen Schaufelgeweih von fast 3 Meter Spannweite. Dunkelbraun, fast schwarz gefärbt von dem Torfmoor, in dem es mit zahl- reichen Resten seiner Genossen Jahrtausende lang gelegen hat, nur den Schmelz der Zähne in Heller Farbe zeigend, so steht das gewaltige Tier vor uns, ein Zeuge jener Zeiten, in der das Mammut und das Nashorn bei uns heimisch waren, in der der Höhlenbär, der auch jetzt im Museum sein Nachbar ist, mit dem Riesenhirsch kämpfte und unsere Vorfahren mit Ur und Wisent im Urwald um den Platz rangen. Der Held des Nibelungenliedes erschlug auf der Jagd auch einen «grimmen Scheich" und nicht wenige vermuten, bat