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Gcaeral-Ailzeiger

Amtliches Organ für Stolt- unL Landkreis Sanin.

Erscheint täglich mit Ausnahme der S«m- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 221 F-rnsprechanschlüß Nr. 605.

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Dienstag den 21. September

FernsPrechanschlutz Rr. 605. 1909

Amtliches.

Stadtkreis I>anau.

Verdingung.

Die betriesfertige Lieferung einer neuen ^itfyttottfâ8 Wage mit 10 000 kg Tragkraft, 2,0 x 5,0 m Gußplatten­größe, den neuesten Eichvorschriften entsprechend, in ver­stärktem schmiedeeisernen oder Gußbett, einschließlich der nötigen Fundamentierung und Beipflasterung, anstelle der jetzigen Wage am Heumarkt Nr. 6, soll unter Zugrunde­legung der „Allgemeinen Bestimmungen für die Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferungen" öffentlich verdungen werden.

Weitere Auskunft wird im Stadtbauamt, Zimmer Nr. 18, während der Sprechstunden vormittags 10—12*/, Uhr erteilt.

Verichlossene und mit der Aufschrift „Fuhrwerkswage" versehene Angebote sind bis Donnerstag den 30. d. M, vormittags 11 Uhr, bei der vorbezeichneten Dienststelle einzureichen, woselbst um diese Zeit die Eröffnung der An­gebote im Beisein etwa erschienener Bewerber stattfindet.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Hanau den 17. September 1909.

Der Magistrat.

___ Dr. Gebeschus. 21075

Grundstück-Verpachtung.

Die der Gemeinde Bruchköbel gehörigen, in der Ge­markung Hanau gelegenen Wiesengrundstücks in einer Fläche von ca. 17 ha, das sogenannte Bärenloch sollen am d. Mts., nachmittags von 2 Uhr an, in 67 Parzellen an Ort und Stelle und bei ungünstiger Witterung in der B a u m a n nsschen Wirtschaft zu Bruchköbel auf 9 Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.

Bruchköbel den 17. September 1909.

Der Bürgermeister.

Baumann. 20913

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 schwarzer Damengürtel mit viereckiger schwarzer Schnalle, 1 Schlüsselring mit 6 kleinen Schlöffeln, 1 Portemonnaie mit 1.06 Mark und einem goldenen Ring, 1 Fahrrad mit Nr. O. 3359.

Verloren: 1 Paar schwarze Plüschpantoffeln, ein Zwanzigmarkstück.

Zugelaufen: 1 Schäferhund.

Entlausen: 1 Pinscher, pfeffer- und salzfarbig, w. Geschl.

Hanau den 20. September 1909.

Politische Rundschau.

Gefängnisarbeit. In der „Nationalzeitung" vom 1. September d. Js. ist unter der Ueberschrift „Einschränkung der Gefängnisarbeit" mitgeteilt, daß die Strafanstalten und Gefängnisse das Recht hätten, sich an Submissionen zu be­teiligen; sie seien sogar bei Vergebung öffentlicher Arbeiten bevorzugt. Dadurch seien sie in die Lage versetzt, die Waren billiger zu liefern als die Gewerbetreibenden, was wieder einen Druck auf die Arbeitslöhne zur Folge gehabt hätte. In Zukunft sollten daher die genannten Anstalten nicht nur nicht bevorzugt werden, es müsse ihnen auch untersagt sein, Gebote unter dem wirklichen Preise abzugeben. Diese Mit­teilung bedarf der Richtigstellung. Nach den vom Bundesrat ausgestellten Grundsätzen, über den Vollzug gerichtlich er­kannter Freiheitsstrafen ist die Verdingung der Arbeitskraft der Gefangenen an Arbeitgeber tunlichst einzuschränken, der -Urbeusbetrieb auf zahlreiche Geschäftszweige zu verteilen und auf Lieferungen für die Staatsverwaltung zu erstrecken, "âr allen Umständen aber eine Unterbietung der freien Arbeit zu vermeiden. Hiernach wird denn auch in der Ge-- sängnisverwaltung des Ministeriums des Innern verfahren' ^.le Beteiligung an Submissionen ist verboten; Arbeiten für Staats- und Reichsbehörden werden ausgeführt, ohne daß dabei der Preis berücksichtigt wird, lediglich um die Arbeitskraft der Gefangenen für öffentliche Zwecke zu ver­werten; besonders aber werden Gefangene zu Landeskultur­arbeiten verwendet.

Die Rede des Präsidenten Taft. In seiner Rede in Desmoines betonte Präsident Taft, daß die Gesetzgebung die Kommission für den zwischenstaatlichen Handel ermächtigen sollte, nicht nur die Eisenbahnraten an sich festzusetzen, son­dern aucb die ungerecht« Klassifuierung der Frachtgüter zu

revidieren, und sprach sich noch energischer für die Regelung der Eisenbahntarife aus. Die Kommission sollte beauftragt werden, die Vorschriften, durch die den Absendern ungerecht­fertigte Lasten auferlegt würden, zu revidieren und die mit­einander in Verbindung stehenden Linien zu zwingen, durch- gehende Routen einzurichten und einen Satz für durchgehende Frachten festzusetzen. Ferner empfahl der Präsident die Ab­schaffung der Klausel des Antitrustgesetzes, durch welche Tarifvereinbarungen zwischen Eisenbahnenverboten sind; doch sollten solche Abmachungen der Genehmigung der Kommission unterliegen. Auch kündigte der Präsident an, er werde für die Bildung eines Gerichtshofs für den zwischenstaatlichen Handel eintreten, der Berufungen, die man gegen die von der Kommission bestimmten Raten erheben würde, zu prüfen hätte. Schließlich brachte er in Vorschlag, daß die Gesetz­gebung verhindern sollte, daß irgend eine zwischenstaatliche Eisenbahn Aktien von konkurrierenden Linien besitze, indem sie die Eisenbahnen, die dergleichen Aktien im Besitz haben, zwinge, diese in einer gegebenen Zeit zu verkaufen. Aktien und Schuldverschreibungen sollten ferner nur mit Erlaubnis der zwischenstaatlichen Handelskommission ausgegeben werden.

Der Kaiser i« Sachse«.

Hainichen, 20. Septbr. Der Kaiser, König Friedrich August sowie die übrigen Fürstlichkeiten verblieben mit ihren Umgebungen eine Stunde über die geplante Zeit hinaus, bis 5 Uhr, auf dem Manöverfelde und begaben sich dann in Automobilen nach Freiberg und fuhren von dort um 5 Uhr 20 Min. mittels Sonderzuges nach Meißen.

Meißen, 20. Septbr. Nachdem der Kaiser und der König von Sachsen den ganzen Tag im ManövergeländO der beiden sächsischen Armeekorps zugebracht hatten, trafen gegen 7 Uhr, zuerst der König mit den Prinzensöhnen in seinem Sonderzug und gleich darauf der Kaiser in dem seinigen an. Die so malerisch an der Elbe und an der ge­waltigen Albrechtsburg aufgebaute schöne Stadt ist reich mit Fahnen und Grün geschmückt. Das Wetter ist schön. Viele Tausende, die aus der Umgegend herbeigeeilt sind, füllten schon seit nachmittags Kopf an Kopf Straßen und Plätze und lagerten auf Bergabhängen, da man die Ankunft der Majestäten früher erwartet hatte. Der König empfing den Kaiser, welcher die königlichen Prinzen besonders herzlich begrüßte. Auf dem Bahnsteige waren die Spitzen der kaiserlichen und königlichen Behörden, die Minister und Hofchargen versammelt. Auf dem Bahnhofsvorplätze standen Oberbeamte der in Meißen vertretenen Behörden, sowie die städtischen Kollegien. Bürgermeister Dr. Ay begrüßte den Kaiser mit einer Ansprache, in der er Meißens deutsche Ver­gangenheit hervorhob und den Kaiser als Mehrer der Seg­nungen des Friedens pries. Der Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, in das die tausendköpfige Menge jubelnd einstimmte. Der Kaiser antwortete mit freund­lichen Worten des Dankes, schritt darauf mit dem König die Fronten der auf dem Vorplatz in offenem Viereck aufge­stellten Militärvereine ab und begrüßte die alten Krieger. Sodann wurden die Wagen bestiegen und die Fahrt zur Albrechtsburg angetreten. Im ersten offenen Wagen saßen der Kaiser und der König, in dem weiteren der Kronprinz von Sachsen, die Prinzen Johann Georg, Friedrich Christian und Ernst Heinrich. Unter den Herren der Umgebung des Kaisers befindet sich auch der Chef des Generalstabs von Moltke. Auf dem Wege zur Burg bildeten Schulen, Innungen, Sänger, Turner, Schützen, vaterländische Ar­beitervereine, Gewerbevereine und andere Vereine, sowie die Feuerwehr Spalier. Die Glocken läuteten. Die Menge brachte den Majestäten stürmische Kundgebungen dar. Im Schloßhof erwies die 11. Kompanie des 2. kgl. sächsischen Grenadier-Regiments 101 (Kaiser Wilhelm II.) die mili­tärischen Ehren. Der Kaiser trug die Uniform dieses Re­giments, der König die seines preußischen Manen-Regiments. Der Kaiser nahm in der Albrechtsburg Wohnung.

Meißen, 20. Sept. Die alte prachtvolle AlbrechtS- burg ist seit ihrer Renovation zum erstenmale wohnlich ein­gerichtet. Die Zimmer des Kaisers sind bei den Kurfürsten­zimmern mit dem Ausblick auf das Elbtal und den schönen Wandgemälden aus der Geschichte des Herzogs Albrecht. Um 7 Uhr 30 Min. begann die Manövertafel. Der Kaiser saß rechts von dem Könige, zu beiden Seiten die sächsischen Prinzen, gegenüber der sächsische Kriegsminister Frhr. von Hausen, zwischen dem Gesandten Prinz Hohenlohe-Oehringen und dem Fürsten Schönburg-Waldenburg. Nach der Tafel erfolgte Cercle im hohen gothischen Kirchensaal. Während der Tafel konzertierte die Kapelle des Grenadier-Regiments 101 und die Meißener Stadtkapelle. Die Gruppe Meißen-Elb- gau-Sângerbund brachte eine Serenade dar, wobei besonders Volkslieder zum Vortrag kamen. /

Der Besuch des Reichskanzlers in Wien.

Wien, 20. Septbr. Um 4 Uhr nachmittags begab sich der Reichskanzler in daS Auswärtige Amt, wo er mit dem Minister des Aeußern Grafen Aehrenthal eine lange Konferenz hatte. Um 5 Uhr kehrte der Reichskanzler in sein Absteige­quartier zurück. In dem Hotel gaben zahlreiche Persönlich­keiten ihre Karten für den Reichskanzler ab, darunter Erz­herzog Rainer, die Ministerpräsidenten Wekerle und der Kriegsminister Schönaich.

Wie«, 20. Septbr. Der Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg stattete dem Minister des Aeußern Grafen Aehrea- thal, dem Oberhofmeister Fürsten von Montenuovo und den in Wien anwesenden Mitgliedern des Kaiserhauses Besuche ab. Abend» fand beim Kaiser in der kleinen Galerie zu Schönbrunn Hoftafel statt, zu der erschienen waren: v. Beth» mann-Hollweg, Gesandter v. Flotow, Adjutant Hauptmann v. Schwartzkoppen, Botschafter v. Tschirschky mit den Herren der Botschaft, der bayerische Gesandte Frhr. v. Tücher, der sächsische Geschäftsttäger Legationsfekrelâr Frhr. v. Bieder- mann, der Minister des Aeußern Graf Aehrenthal, der österreichische und der ungarische Ministerpräsident, der Reichs- kriegsminister, der Reichsfinanzminister, der Marm^ kommandant, die obersten Hofchargen usw. Der Kaiser saß in der Mitte der Hoftafel, zur rechten des Kaisers der Reichs- kanzler, zur Linken v. Tschirschky.

CuftTport „z Dl- Glückliche Landung.

Essen a. d. Ruhr, 20. Sept. Das Luftschiff „7 in* wurde um 2 Uhr 50 Min. hier gesichtet. Die auf den Krimp- schen Werken aufgestellten Kanonen feuerten Salut. Die Dampfstrenen alarmierten mit ihrem Gepfeife die ganze Stadt. Unter Glockengeläute manövrierte das Luftschiff wohl eine Stunde über der Stadt, von der Menschenmenge, di« die Straßen, die öffentlichen Plätze und Gebäude besetzt hielt, jubelnd begrüßt. Gegen 3 Uhr 35 Min. nahm das Luft­schiff bie Richtung nach dem Landungsplätze in Esscn-Rül- tenscheid. Langsam kämpfte eS gegen den heftiger werdenden Wind an, nur mit einem Propeller arbeitend. Um 3 Uhr 45 Min. erschien es über dem Landungsplätze, wo dann die Landung glatt erfolgte. Der vorderen Gondel entstieg Ober- ingenieur Dürr, während Direktor Colsmann und Graf Zeppelin jun. bereits eine Stunde vorher mit dem Automobil hier eingetroffen waren. Oberbürgermeister Holl« begrüßt« die Erschienenen und brachte auf den Grafen Zeppelin em Hoch aus, worauf bie Musik „Deutschland, Deutschland über alles" spielt«. Um 4 Uhr nachmittags versammelten sich dl« Teilnehmer zu dem von der Stadt gegebenen Imbiß, andern die Stadtverordneten, an ihrer Spitze Oberbürgermeisten Holle, teilnahmen. DaS Wetter hatte sich inzwischen verschlechtert; leichter Regen fiel, und eS fing an, dunstig und neblig zu werden. Wie Direktor Colsmann mitteilte, wird das Luft­schiff ohne weiteren Aufenthalt im Industrie-Revier und ohn« die beabsichtigte zweit« Landung in Essen vorzunehmen, nach Düsseldorf zurückkehren. Grund hierzu bildet daS schlecht« Wetter und der starke Wind. Teilnehmer an der Rückfahrt sind: Polizeipräsident Gerstein, Oberbürgermeister Holle un Berqrat Klein«. . ~ „

Esse« a. d. Ruhr, 20. Septbr. In der Festvecsarnm- lung wurde folgendes, von Oberbürgermeister Holle vorg « schlagenes Telegramm an den Grafen Zeppelm abgeiano . Grafen Zeppelin Friedrichshafen. Ueberwaltigt von dem erhebenden Anblick des Luftschiffes, begeistert von der ge- malen Schöpfertat, die es erstehen ließ, huidlgen dem^ Be­zwinger der Lüft« die Hunderttausend«, dukauf Essens Fluren des kühnen Seglers Flug und glücklich« Landung mit «n- endlichem Jubel begrüßen. Ein tausendfaches „Glück auf zu Eurer ExzellenS weiterem Schaffen, em tausendfache» „Glück aus" dem Schiff« zu stets glücklicher Fahrt, zu Deutsch lands Ruhm und Ehre. Oberbürgermeister Holl«.

Rückfahrt «ach Düsseldorf.

Essen a. d. Ruhr, 20. Septbr. „2 M" ist um 5 Uhr 25 Min. unter dem Donner der Boller, dem Smel b« Musikkapellen und dem begeisterten Jubel der Menschen­menge wieder aufgestiegen. Direktor Colsmann und Graf Zeppelin jun. nahmen nicht an der Fahrt teil, dagegen außer den bereits Genannten noch bie Herren Kommerzien­rat Müller und Direktor EhrenSberger von der Firma Krupp. Das Luftschiff schlug die Richtung über Werden nach Düssel­dorf ein; das Wetter ist regnerisch.

Düsseldorf, 20. Septbr. Das Luftschiff ist um 6 Uhr 27 Min. hier glatt gelandet.

Die Rückreise des „L in« «ach Friedrichshafen.

Düsseldorf, 20. September. Die Luftschiffbau - G«. sellschaft Zeppelin gibt folgendes bekannt: Wir bedauern es aufs lebhafteste, daß es uns nicht möglich ge­wesen ist, das Kohlenrevier zu berühren und Düren und Aachen zu besuchen. Wenn das Wetter günstiger ge­wesen wäre, . hätt« das beabsichtigt« Programm mts