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Erstes Blatt.

BW*W*M 1,80 RL, »MaÄch 80 pfg., ffc «*> -»ärttge Absn«mt«n mit bem bMefsmdm Poßauffchla», DK toydt* Stammet faßet 10 Pf».

kaMaulbxwf ueb ©erlag btr Buchdrâs bei »Mi» w, Btifa^ottfel in H«m».

General-Anzeiger

KUtliches Organ Ar Stadt- and Landkreis Dana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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meutewca. Mbettomt. Schrecker A HM««.

Nr. 219 Fernsprechanschlntz Nr. 605

Samstag den 18. September

Fernfprechanfchlntz Nr. 605

1909

Sie heutige Ammer umfaßt außer ß.lluttthaltuugSilsü

14 Seiten.

Amtliches Stadtkreis F)anau.

Der vereidigte Versteigerer für Immobilien Friedrich Rauscher hier ist zum Schätzer für Mobilien im Stadt­kreise Hanau auf jederzeitigen Widerruf bestellt und ver- »fiichtet worden.

Hanau den 17. September 1909.

Königliche Polizei-Direktion.

P 10449 I. A.: Dr. v. Waldow, Reg.-Assessor.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 14. bis 17. September 1909 :

1 Ausläufer, 1 Cigarrenmacherin, 1 Eisen­dreher, 2 Kausburschen, 1 landwirtsch. Ar­beiter, 1 Metallarbeiter, 1 Schneider, 2 Taglöhner.

Hanau den 18. September 1909. 209 7 7

Städtische Arbeitsvernttttelungsstelle.

wes»" _ ...........' ........ II

Bam Kaiser-Manöver.

Endlich eine Schlacht. Der Ehrentag der Badener. Das ganze Halt.

Mergentheim, 17. Sept. Die große Schlacht, die unsere Leser gewiß schon seit einigen Tagen mit Spannung erwartet haben, ist endlich geschlagen worden. Es ist ja eine fast überall bekannte Tatsache, daß bei den großen Ma­növern tagelang die bekannteLeere des Schlachtfeldes" zu konstatieren ist und daß ebenso das für den Schlachten­bummler so notwendige Schlachtengetöse nur dann einsetzt, wenn es wirklich auch taktisch geboten ist. Der Zuschauer kommt in der modernen Schlacht schlecht auf seine Kosten. Die aufmarschierten Soutiens von Anno Toback, die mit schlagenden Tambours hundert Meter hinter der Schützen­linie folgten, die tapferen Batterien, die den vorwärts» schreitenden Jnfanterieangriff begleiteten, und gar die mit dem Hohenfriedberger einsetzenden Regimentskapellen gehören nun einmal der Geschichte an. Sie werden auch niemals wiederkehren. Dagegen ist ein Instrument zu nie geahnten Ehren gekommen, welches früher eigentlich nur als eine über­flüssige Last empfunden wurde und welches höchstens im Biwak beachtet wurde, wenn es galt, die Kochlöcher zu graben. Das ist der Spaten, dessen ausgiebige Benutzung den Japanern ihre Erfolge vorbereitete.

Nun, das kleine Instrument, das jetzt sogar am Sattel so manchen frischen Reitersmannes angebracht ist und wo es dem militärischen Romantiker gewiß äußerst deplaziert er­scheint, hat in der letzten Nacht des Manövers wieder eine große Rolle gespielt. Die Blauen gruben sich zur Verteidi­gung damit ein und die Roten gruben sich zum Angriff da­mit heran. Wie bekannt, war die blaue Armee, gedrängt von den auf einmal übermächtig gewordenen Roten, am Abend des 16. grellend über die vierundzwanzig Stunden zuvor überschrittene Tauber wieder zurückgewichen. Sie hatten eine Stellung besetzt, die von Hochhausen im Norden bis nach Königshofen im Süden reichte. Das Kavallerie­korps schweifte südwestlich von Mergentheim herum. Es wollte den Badenern an der Kling« bleiben, die mit unheimlicher Geschwindigkeit den Odenwald durchschritten hatten und die sich bei der 27. Division am 16. ungestüm zur Stelle gemeldet hatten. Die Vortruppen blieben zuletzt noch am linken Tauberufer. Ein etwas sagenhaftesOstreich" nicht zu verwechseln mit Oesterreich hatte dem Führer der Blauen auf die MittagS- ^it des 17. ausgiebige Verstärkung zugesagt. Für die Blauen kam es also darauf an, sich am rechten Tauberufer bis gegen Mittag zu halten, während die Roten die sehr einfach aussehende Aufgabe hatten, die Blauen aus ihren schönen Stellungen zu werfen. Die Blauen, in der Er­wägung, daß das Kavalleriekorps einem ernsthaften Jn­fanterieangriff startet Kräfte schwerlich Stand halten würde, bogen also ihre Flanke im Süden zurück. Wenige Kilo­meter hinter dem Scheitelpunkt der Stellung zwischen Ger­lachsheim und Grünsfeld wurde der blauen schweren Artillerie eine schöne befestigte Stellung bereitet. Zwei schwere Hanbitz­batterien behielten die Front nach Westen, um die Roten beim Betreten des Taubergrundes zu bewillkommnen.

Es kam, wie es notgedrungen kommen mußte. Die am rechten Flügel der Roten beßndlichen beiden Divisionen bei

14. Armeekorps nahmen, begleitet von ihrer Kavallerie­division, bei nachtschlafender Zeit noch einmal die Berne tüchtig in die Hand und drückten das zehn Regimenter starke blaue Kavalleriekorps bis weit nordöstlich Mergentheims zu­rück. Das 3. bayerische und das 20. Armeekorps der roten Armee warfen auch die schwachen Detachements der Blauen noch am Abend des 16. zum größten Teil über die Tauber zurück, bei welcher Gelegenheit leider ein Hauptmann und drei Mann ertranken Als es endlich Tag wurde, stand die 28. und 29. Division bei Edelfingen, Königshofen und Lauda zum Ueberschreiten der Tauber bereit. Die Blauen hatten die 27. Division, zur Deckung weit auseinander­gezogen, an den Hängen der gegenüberliegenden Berge postiert. Unterstützt von 2 Maschinengewehren überschritten die 112er und 142er die Bahnlinie, notabene kriegsgemäß über den Bahnkörper hinweg. Zwei Bataillone sprangen kurz entschlossen ihren Führern nach in die Tauber, obgleich das Wasser weit bis über den Gürtel reichte. Mit leb­haftem Feuer gingen sie auf btt der Kuppe 353 vorgelagerte Höhe südlich Gerlachsheim vor. An Steil­heit dem Spicherer Berg nichts nachgebend, wäre dieser Stützpunkt uneinnehmbar gewesen, wenn die Oberleitung der Blauen auf seinen Besitz Wert gelegt hätte. So wurden die paar Kompanien 127er geopfert. Die 59. Infanterie- Brigade schritt tapfer vorwärts und nahm auch, nachdem das Gepäck abgelegt worden war, die Kuppe 353 im Sturm. Hinter den Bataillonen folgten Maultiere, die auf Packsätteln Erfatzpatronen mitführten. Durch das Versehen eines Hornisten, der irrtümlich das Signal das Ganze halt blies, was natürlich alle Hornisten mit Entzücken nachbliesen, kam hier der Angriff auf einige Minuten ins Stocken. Der Irr­tum wurde aber bald aufgeklärt. Die schweren Haubitzen gingen unter großen Anstrengungen zwischen Mcffelhausen und Kützbrunck" in Stellung, kamen jedoch nicht mehr zum Feuern. Im Zentrum war inzwischen die 4. bayerische und die 39. Division vorgegangen. Diese Divisionen stießen auf beträchtliche Kräfte der Blauen, die mit Maschinengewehren und schwerer und Feldartillerie tüchtig feuerten. Auf dem nördlichen Teile des Gefechtsfeldes wurde erheblich schwächer gefochten wie im Zentrum nnd auf dem südlichen Teile. Die Stelle, wo die Wittig in die Tauber mündet und dir rechten Uferhöhen beider Wafferläufe blieben in den Händen der Blauen. Südlich der Wittig konnten die Blauen keine Stellung behalten, was wohl auch kaum in ihrer Absicht lag. DaS blaue Reiterkorps begann gegen Mittag nochmals auf dem linken blauen Flügel vorzustoßen. Die 28. Division und die rote Kavallerie-Division wurde durch diesen Versuch tüchtig im Atem gehalten. Kurz vor 12 Uhr ließ der Kaiser auf der Anhöhe von Kützbrunn das Schlußsignal geben. Die sehr eingehende Besprechung seitens des Kaisers und der Manöverleitung dauerte weit über eine Stunde.

Alle Fußtruppen gingen in Ruhe über. Reiter und Artillerie setzten sich in Marsch nach den Quartieren. Bei den badischen Regimentern waren die Suppenwagen bataillonsweise vereinigt, unter Führung von Offizieren, den Bataillonen gefolgt. Die hart mitgenommenen Truppen konnten somit wenigstens essen. Bei Abmarsch wurde man erst das Völkergemisch gewahr, welches bei einem Kaiset- Manöver heutigen Tages zusammengebraust wird. In dem Zeiträume einer halben Stunde sahen wir an uns vorüber­ziehen Bayern, Württemberger, Badener und Preußen von allen Waffengattungen. Ferner bemerkten wir hessen-darm- städtische Dragoner, braunschweigische Jäger und sächsische Telegraphenabteilungen. Die preußischen Regimenter rekru­tierten aus Brandenburg, Schleswig-Holstein, Rheinland, Thüringen, Pommern, Hohenzollern, Westfalen, Elsaß und Lothringen.

Eins war ihnen allen eigen, neben der überall erkenn­baren Disziplin und steten Dienstbereitschaft, die unserem Manne anerzogen sind. Dies war die große Ruhe, der un­verdrossene Mut, dabei eine dienstbereite Achtung vor der Zivilbevölkerung. Hierin waren Offiziere und Mannschaften sich gleich. Ein jede Frage, die oft sogar der unerfahrene Landmann an hohe Offiziere stellte fand freundliche, verständ­liche Beantwortung. Nirgends bemerkten wir das sonst oft übliche schroffe Zurückweisen. Das liebenswürdige Tempe­rament der Süddeutschen, die die weitaus größte Masse des Heeres bildeten, zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Leute hatten gewiß daS menschenmöglichste geleistet. Die Badener marschierten in vier Märschen von Darmstadt an die Tauber, trotzdem standen die Kompanien mit voller Rotten­zahl im Gefecht. Dem Kenner sagt dies Alles.

Von den Errungenschaften der Neuzeit standen die lenk­baren Luftschiffe natürlich im Vordergründe der Neugier. Groß", der scheinbar am 16. einen Rasttag hatte, erschien am Freitag in den Wolke». Der roten Arme« war VZ III"

zugeteilt. Das Luftschiff soll auch auf dem nördlichen Teil des 15 Kilometer langen Schlachtfeldes gesehen worden sei«. Die sehr starke Wolkenbildung verhinderte jeden weitere« Ausblick und so werden die Luftschiffe ihren Parteien schwer­lich viel genützt haben. Der Eisenbahn harrt jetzt die ernst« Aufgabe in 112 Militärzügen, innerhalb zweier Tage, bi* 130 000 Mann, nebst 28 000 Pferden und 2700 Geschütz« und Munitionswagen wieder nach den Standorten zu schaffe«. Auch diese Transporte verlaufen kriegsgemäß, da der aufge* stellte Fahrplan, durch das rasche Vorschreiten der Roten am 16. mittags umgestoßen werden mußte. Wir find indeß sicher, daß auch die Eisenbahner ihrer Auf^ab^gewachsen find

Mergentheim, 17. Septbr. Der Kaiser stieg heul« morgen bei Kützbrunn zu Pferde und ritt zum Standpunkt der Manöverleitung auf der Höhr 353 östlich von Lauda auf dem rechten Tauberufer und verfolgte von hier auS den im dichten Nebel erfolgend« Angriff von Rot; insbesondere die Erstürmung der Höhen südlich von Gerlachsheim durch die Brigade des Generalmajors v. Deimling. Sodann ritt der Kaiser in das Gelände zwischen Hofstetten und Meisel« hausen und begleitete hier den Angriff des 14. bayerische« Armeekorps gegen die Württemberger. Nachdem das 14. Korps die bewaldeten Höhen von Kützbrunn mit Sturm genommen hatte, ließ der KaiserDaS Ganze halt" blasen. Er ritt auf die Hohe 353 zurück und verabschiedete sich hier von den fremdherrlichen Offizieren. Er hielt eine Be­sprechung des gesamten Kaisermanövers ab. Prinz Ludwig von Bayern verlas hier die Order des Prinzregenten, derzu- folge die Büste des Generalfeldmarschalls Grafen v. Moltke in der Walhalla aufgestellt werden soll. Der Kaiser kehrte um 2x/e Uhr nach Mergentheim zurück.Groß II" und Zeppelin III" gaben ihm bei der Heimfahrt gleichsam Geleit. Um 4s/< Uhr reiste der Erzherzog-Thronfolger vom Bahnhof Karlsbad-Mergentheim ab, der Kaiser mit dem gesamten militärischen Gefolge und Prinz OSkar gaben ihm das Geleit zum Bahnsteige. Der Kaiser verabschiedete sich hier auf daS herzlichste vom Thronfolger. Die Abreise deS Kaisers er­folgt heute abend 9 Uhr 45 Min. nach München. Die Ankunft in München erfolgt morgen früh 8 Uhr 45 Min. Das Gefolge für München besteht aus dem Oberhofmarschall Grafen zu Eulenburg, dem Adjutanten Generaloberst von Plessen, dem Flügiladjutanten Oberstleutnant ä. Friedeburg, Frhrn. v. Senden, Leibarzt Dr. Niedner, dem Chef bei Zivilkabineits v. Valentini, dem Chef des Militärkabinetts General der Infanterie Frhrn. v. Lyncker. Die Trupp« legten im Manöver durchschnittlich 50 Kilometer, einzeln« über 60 Kilometer zurück. Viele Truppenteile hatten 50 Prozent Reservisten. Das freiwillige AutomobilkorpS be­teiligte sich an bett Manövern mit etwa 400 Wagen; 150 fahrbare Feldküchen warm im Betrieb. Der Plan für d« Heimtransport der Truppen mit der Eisenbahn, der genau ausgearbeitet war, wurde, um die Führer nicht in ihren Entschlüssen zu beeinflussen, umgestoßen. Morgen und Montag werden in 165 Zügen 107 000 Mann, 7800 Pferd«," 1300 Fahrzeuge und 632 000 Kilogramm Gepäck zurücktransportiert. Am Dienstag und Mittwoch folgen weitere Truppen. Die Funkentelegraphie am LuftschiffGroß II funktionierte gut.

Mergentheim, 17. Sept. Nach vier Tagen UN- unterbrochener Anstrengung und fast ohne Nachtruhe ftandc« heute alle Streitkräfte der beiden Parteien einander gegen- über. Blau stand auf dem rechten Tauberufer, Front gegen Westen mit Vorposten auf dem linken Ufer, daS bayerisch« 1. Korps, die 1. und 2. Division als rechter nördlich«, Flügel bei Tauberbischofsheim, anschließend daS 13 Sforpi, die 26. und 27. Division ; auf dem anderen Ufer stand ein Kavalleriekorvs zwischen Mergentheim und Boxberg. Rot stand geschlossen mit der Front gegen Osten dem Fnnd« gegenüber, auf dem linken nördlichen Flügel bet Külsheim, das 3. Korps, die 5. und 6. Division, im Zentrum daS 20. Korps und die 4. und 39. Division, auf dem recht« Flügel das 14. KorpS, die 28. und 29. Division und bk Kavalleriedivision A in der Gegend von Dozberg. Die blau« Armee erwartete östlich der Tauber das Eintreffen ihrer an­genommenen Verstärkungen. Die Rote griff bei Tagesanbruch ihren Gegner in der Front und der linken Flanke an. Dichter Nebel zog sich bis in die Täler hinein. Der rechte Flügel von Not ging über die Tauber und versuchte, den link« Flügel von Blau aufzurollen. Die 27. Division von Blau machte den Gegenvorstoß, wobei sich ein sehr heftiges Gefecht entspann. Auf der roten Seite wurden bedeutende Truppen­mengen außer Gefecht gesetzt.

Mergentheim, 17. Septbr. Der Kaiser und Erz­herzog Franz Ferdinand verließen um 5 Ufa 45 MimM»