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Taue mußten sie sich um den Leib schlingen, damit sie mit aller straft den Ballon halten konnten. An anderen Tauen waren seitliche Holzstreben angebracht die gleichfalls von Mannschaften festgehalten wurden. In der hinteren Gondel saßen 30 Mann und etwa 3040 Mann hielten sie her­nieder. Trotzdem ereignete es sich, daß diese Mannschaften oft mehrere Meter in der Luft hingen. War die Gefahr einerseits darin zu sehen, daß das Schiff weggetrieben wer­den konnte, so bestand anderseits eine erhebliche Gefährdung auch darin, daß die Böen den Ballon zeitweilig zur Erde niederdrückten und nun die Gondel und Verstängung zu ver­biegen oder zu zerbrechen drohten. Um dies zu verhindern, wurden unter die vordere Gondel, die in dieser Hinsicht am meisten zu leiden hatte, etwa 30 Mann beordert, auf deren breiten Rücken die Gondel ruhte. Sie hatte auf diese Weise sozusageu eine lebende Federung und wurde vor einem Un­fall durch Ausstößen auf den Boden behütet. Die Halte­mannschaft mußte stündlich abgelöst werden. Die Abgelösten krochen dann frierend in die Zelte, um nach einer Stunde wieder herausgeruien zu werden. Es war bitter kalt. Die Ingenieure und Monteur« arbeiteten bis gegen 12 Uhr. AIs dann der Sturm einsetzte, mußt« mit der Arbeit innege­halten werden. Di« Leut« gönnten sich etwas Ruhe und legten sich in der-Nähe des Ballons auf Holzwolle, in welche die Ersatzteile eingepackt gewesen waren, zum Schlafen nieder. Kaum aber stieg daS Frührot im Osten herauf, als auch die Arbeit wieder ausgenommen wurde.

Die Rückfahrt deS LuftschiffesZ IH".

La»rdtingsstelle desZ HI bei Bülzig, L Sept. 6 Uhr abends. Das Luftschiff ist fahrtbereit; es wird ab­fahren, sobald es das Wetter gestattet. Um 5 Uhr setzte eine heftige Gewitterboe ein, die es notwendig machte, daß die Bewachungsmannschaften und auch die gerade anwesenden Annaburger Unteroffizierschüler zur Hilfe herangezogen werden mußten. Das Luftschiff bestand auch diese Probe gut. Im Laufe des Nachmittags wurde eine leichte GasMung vor­genommen. Man hofft, daß der Aufstieg heute abend 10 U§r stattfinden kann. Major Sperling weilt auf dem Landungsplatz.

Landuitgsstelle desZIII bei Bülzig, 1. Sept. Z III ist um 10 Uhr 58 Min. unter dem Hurrarufen des Publikums und den Klängen der Musikkapelle zur Fahrt nach Friedrichshafen aufgestiegen.

Landungsstelle desZIII" bei Bülzig, 1. Sept.

Um 10 Uhr hatte sich die Besatzung eingefunden. Um */411 U^r . wurden die Mstore ausgeprobt und erwiesen, daß sie gut funktionieren. Um !/*ll Uhr erfolgte das Kommando: Aulusten 1" und der Befehl:Auswiegen!* Nach etwa 10 Minuten kam die Antwort:Luftschiff ist ausgewiegt !" Die elektrische Signalglocke setzte sich in Bewegung und der Graf in der vorderen Gondel schwenkte die weiße Flagge. Im Augenblicke der Abfahrt intonierte die Kapelle des 20. Infanterie-RegimentsDeutschland, Deutschland, über alles!", in das alles einstimmte. Die letzte Windmessung aus Bülzig berichtet 9 Meter bis zu einer Höhe von 500 Metern bei Südwestwind, 15 Meter bis zu einer Höhe von 1000 Metern bei West-Südwest-Wind. Zurzeit herrscht am Landungsplätze Westwind. Der Laudungsapparat für die Heimfahrt ist vor­handen in Nürnberg, Leipzig und Bitterfeld. Die erfolgte Abfahrt vom Landungsplatz« wurde dem Kronprinzen und dem Grafen Zeppelin telegraphisch mitgeteilt

Hus aller Mell.

Radiuurfuude. In der Nähe von Marienbad wurden reiche Lager von Uranerzen entdeckt, aus denen bekanntlich das Radium gewonnen wird.

Bankraub in Trient» In Trient wurde in der Banca Cooperativa während der Mittagspause von unbekannten Tätern ein Einbruch verübt. Die Dieb« öffneten die Kasse mit Nachschlüsseln und stahlen ea. 100000 Kronen. Die Polizei hat drei Kassierer und einen Lehrling verhaftet.

Eine schwere Vernachlässigung haben sich Kleinbauers­leute in Kirchdorf in Oberbayern gegen ihr eigenes 2jähriges Kind zu Schulden kommen lassen. Dieses hatte sich mit wechselt hatte und jemanden um sich hatte, der ihm nicht ganz fremd war.

Die alte Reinach so hieß Ottos Wittin ent­wickelte plötzlich eine ungeahnt« Tugend. Sie pflegte den Kranken mit größter Sorgfalt und rührender Geduld. An die Uneigennützigkeit der Alten glaubte Otto indessen nicht, sondern lächelte über diese sichtbare Aufopferung und dachte bei sich :Auf die nächste Monatsrechnung bin ich gespannt."

Am andern Tage war es mit dem Denken allerdings vorbei, denn Otto lag im heftigen Fieber, und der Arzt befürchtete das Schlimmste. Lungenentzündung lautete die Diagnose.

Nun kamen böse Tage, böse Wochen, und wäre die alte Reinach nicht gewesen, so hätte Otto in der Blüte seiner Jahre von der Welt Abschied nehmen müssen. Die liebe­vollste Mutter kann ihr Kind nicht sorgsamer pflegen, als die alte Reinach ihren kranken Chambregarnisten.

Freunde, die Otto besuchen kamen und die Alte kannten, meinten allerdings:Die setzt alle Hebel in Bewegung, um sich diesen Zimmerherrn am Leben zu erhalten, denn ein so dummes, gutmütiges Schaf fängt sie zum zweiten Male nicht ein."

Ob sie wohl recht hatten?

Wir wollen der Sache nicht auf den Grund gehen, nicht nach den Beweggründen fragen, sondern nur die unleugbaren Tatsachen feststellen, und diese sprachen entschieden zugunsten der Alten.

Daß Otto wieder gesund wurde, verdankte er einzig unb allein der rührenden Pflege seiner Wirtin, und er war nicht undankbar, sondern gelobte feierlich, bei der alten Reinach wohnen zu bleiben, bis diese ihm selbst die Wohnung kün­digen würde. Keine ihrer berüchtigten Monatsrechnungen wollte er in Zukunft einer Nachprüfung unterziehen und auf alle ihr« Betteleien mit rührender Sanftmut eingehen.

In der nächsten Zeit", so dachte Otto allerdings weiter, dürfte die Alte damit zwar wenig Glück haben. Eine schwere, anhaltende Krankheit kostet weit mehr, als die Krankenkaffe verpflichtet ist zu zahlen, und ich muß bei meinem Prinzipal eine größere Anleihe machen als sonst, um das Defizit nur einigermaßen zu decken."

Donnerstag siedendheißer Milch übergossen. Trotzdem unterließen es die Eltern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, so daß das Kind starb. Der Leichenschauer hat gegen die gewissenlosen Eltern Anzeige erstattet.

Barfuss âuf die Zugspitze. Der Badbesitzer Steinhäuser aus München, ein Mann in den 50er Jahren hat die Zug­spitze, mit 2966 Metern der höchste Gipfel des Deutschen Reiches, vom Eibsee aus über die Wiener Neustadtspitze in der erstaunlich kurzen Zeit von 3'/« Stunden barfuß er­klommen und nur mit einem kleinen Frühstück aus Milch und Brot im Magen. Der Barfüßer-Alpinist macht öfters solche Pattien. Zum Abstieg von der Zugspitze hatte er Sandalen angelegt.

Mit 30 000 Mark verduftet. Der 33fährige Reisende Walther Sievers in Hamburg hat seinem Prinzipal durch einen gefälschten Banküberweisungszettel 30 000 Mark unter­schlagen und ist flüchtig.

Die Cholera in Rotterdam. Nach amtlicher Mit­teilung des Bürgermeisters von Rotterdam befinden sich in den Baracken 18 Cholerakranke und 1 Choleraverdächtiger, deren Befinden jedoch befriedigend ist. 84 Personen befinden sich unter Beobachtung. Neue Todesfälle sind nicht zu ver­zeichnen.

Schwerer Automobilunfall. Der 25jährige Lord Clifford hatte gestern in her Nähe von Brighton einen Automobilunfall, durch den er das Leben einbüßte.

Selbstmord. Aus bisher unbekannten Gründen ver­übte in Berlin in der vergangenen Nacht der 17jährig« Gymnasiast Kurt Skalla, der Sohn eines Kaufmanns, in der elterlichen Wohnung Selbstmord. Er wurde heute früh von den Angehörigen erhängt aufgefunden. Skalla besuchte das Charlottenburger Realgymnasium und gehörte der Unter­prima an.

Ein schwerer Eisenbahn-Unfall ereignete sich auf der Station Starkotsch bei Nachod. Eine rangierende Lokomo­tive fuhr in einen einsahrenden Personenzug. Der Zug war dicht besetzt. Schwer verletzt wurde der Reisend« Ludwig Habbath aus Wien; zwölf andere Passagiere erlitten leichtere Verletzungen. Der Materialschaden ist beträchtlich.

Die Affäre deS BallonsTschuvi". Die Herren Dr. Brinkmann und Oskar Meßter, die Insassen des BallonS Tschudi", der an her preußischen Grenze von russischen Soldaten beschossen wurde, veröffentlichen folgende Erklärung: Gegenüber dem mitgeteilten resultatlosen Ergebnis der Konferenz an der russischen Grenze müssen wir mit aller Be­stimmtheit unsere Behauptung, daß schon über preußischem Boden scharfe Schüsse abgegeben worden sind, aufrecht erhalten. Drei Offiziere, deren Namen dem Auswärtigen Amt auch mitge­teilt sind, haben bei der ersten Fahrt, dieTschudi" nach seiner Rückkehr aus Rußland gemacht hat, einwandfrei fest­gestellt, daß sich außer der Schußöffnung in der Hülle noch zwei Schußkanäle im Geflecht des Korbes befinden. Die Kugeln sind etwa 90 Zentimeter über dem Boden des Korbes eingedrungen, haben das Geflecht glatt durchschlagen und müssen zwischen uns durchgeflogen sein. Die Schußlöcher im Korbe sind 60 Zentimeter voneinander entfernt und liegen ebenso wie die Eintritts Öffnung des Schusses in der Ballon­hülle aus der Seite des Ballons, mit der wir über deutschem Gebiet voranflogen. Da der Ballon sich erst auf russischem Gebiete nach Aufsehen des Schlepptaues gedreht hat, so ist der Beweis erbracht, daß alle drei Treffer über preußischem Boden einschlugen."

Hus Hab und fern,

O Aus dem Freigericht, 2. Sept. Nächsten Sonntag und Montag den 5. und 6. September wird das Freigerichter Kirchweihfest gefeiert. Alle lieben Freunde und Gönner des lieblichen Freigerichts aus. Hanau Stadt und Land werden nach Neuses und Somborn freundlichst eingeladen.

Caffel, 1. Sept. Die Typhusepidemie ist in Cassel und Vororten noch immer in der Zunahme begriffen. Jeder Tag bringt eine Anzahl Neuerkrankungen. Bis heute nach­mittag sind 130 ernste Erkrankungen an Unterleibstyphus ge­meldet. Dazu kommen zahlreiche leichtere Erkrankungen und typhusverdächtige Fälle. Die Krankenhäuser sind infolge­dessen bereits vollständig gefüllt, so daß wahrscheinlich in

Da die alte Reinach alle Kosten hatte auslegen müssen, so erwartete Otto mit berechtigtem Bangen die Abrechnung. Als er sie endlich in Händen hielt, traute er seinen Augen kaum, und er ttß den Mund weit auf.

Das kann doch unmöglich stimmen", rief er nach der Pause starrer Verwunderung.

Glauben Sie schon wieder, daß ich Sie betrogen habe?" entgegnete Frau Reinach ziemlich gereizt.

Nein", erwiderte Otto, die Alte beruhigend,das scheint mir zu wenig."

Ich werde Ihnen nichts schenken!" rief die Alte und verließ mit hochrotem Gesicht das Zimmer.

DaS stimmt nicht! Das stimmt nicht!" sprach Otto mehrmals vor sich hin.Das kann das kann nicht stimmen 1" Doch schließlich* dachte er:Mag sie sich ver­rechnet haben wie sie will, so kann ich das ruhig auf mein Genügen nehmen. Sie hat mich schon um manche Mark ge­prellt und wird eS auch in Zukunft wieder tun. Die Alte sieht schon, wo sie bleibt."

Stillschweigend zahlte er die Rechnung, und als er von seinem ersten Ausgange zurückkam, brachte er seiner treuen Pflegerin sogar noch Stoff zu einem neuen Kleide mit.

Sie haben wohl zu viel Geld und fürchten, daß sie eS nicht los werden?" zankte die Alte, indem sie daS Gewebe musterte.Die jungen Leute! Die jungen Leute! Das lebt in den Tag hinein und denkt nicht an das Alter."

Aber Frau Reinach, ich dachte, Ihnen eine Freude zu machen und wollte Ihnen damit auch gleichzeitig meine Dankbarkeit beweisen."

Ach wasDankbarkeit!" zeterte die Alte weiter.Habe ich Dank verlangt? Wenn ich das getan hätte, dann stände er mit auf der Rechnung. Was haben Sie denn da für daS Meter, bezahlt?"

5 Mark", antwortete Otto.

5 Mark!" schrie die Alte entsetzt.

Das ist durchaus nicht teuer, denn darauf verstehe ich mich das ist ja meine Branche. 6 Mark ist der Stoff reell wert."

DaS glaube ich," zeterte die Alte weiter,aber ich bin den Stoff nicht wert. Wollen Sie mich damit auf den Hof-

r. Septemver

den nächsten Tagen die von der Stadt für den Fall des Ausbruches epidemischer Krankheiten errichteten Isolier­baracken in Anspruch genommen werden müssen. Besonders heftig tritt der Typhus im Stadtteil Welheiden auf. In der dort gelegenen Kohlenstraße gibt es fast kein Haus, in dem nicht eine oder mehrere Erkrankungen vorgekommen sind. In den Schulen dieses Stadtteiles fehlen in einzelnen Klassen bis zu 20 Kinder. Die Schließung der Schulen bis auf einstweilen vier Wochen ist für den kommenden Sonntag in Aussicht genommen. Bei der Untersuchung der Ursache der Epidemie hat sich herausgcstrllt, daß in der nunmehr polizeilich geschlossenen Sanitätsmolkerei zwei typhuskranke Melkerinnen und ein kranker Stallschweizer beschäftigt waren. Diese haben ohne Zweifel die Kühe der Molkerei infiziert, deren Milch das ganze Unheil angerichtet hat.

Sontra, 1. Sept. In der unweit der Stadt vor dem Tore gelegenen Lehmgrube hat sich ein schwerer Unglücköfall heute zugetragen. Mehrere Personen waren vor einer zwei Meter hohen Lehmwand stehend, mit Loshacken von Lehm beschäftigt, als die infolge eines niedergehenden starken Regen* gusses gelockerte, etwas überhängende Lehmwand plötzlich einstürzte und zwei Personen verschüttete. Zum Glück war Hilfe sofort zur Stelle, doch konnte der Bäckerlehrling Hein­rich Schneider, der einzige Sohn einer Witwe, nur als Leiche herausgeschaufelt werden, während der Landwirt Karl Krause zwar lebend, aber an Kopf und Beinen verletzt zutage gefördert wurde.

Hsrsfeld, 31. Aug. Vergangene nacht starb hier nach längeren Leiden der frühere Bürgermeister unserer Stadt, Herr Rentier Georg Braun, im Alter von 75 Jahren. Der Verstorbene, der früher schon viele Jahre den städtischen Körperschaften angehörte, bekleidete von 1880 bis 1896 den Bürgermeisterposten und hat während seiner Amtszeit stets ein warmes Herz für die Entwickelung unserer Stadt gehabt. Er gehört« auch lange Zeit dem Kreistag und dem KreiS- ausschuß an und hat in seiner Eigenschaft als Kreisdepu­tierter dem Kreis viele Jahre hindurch schätzeuswette Dienste geleistet, wie er überhaupt für die Kreisangelegenheiten stets großes Interesse an den Tag gelegt hat. Herr Braun war auch lange Zeit Mitglied des Kommunallandtages, welches Amt er vor etwa zwei Jahren infolge vorgeschrittenen Alters mederlegte.

Witzeuhaufeu, 1. Sept. Dem Fräulein Erna Schulz, Tochter des Kaufmanns Hugo Schulz hier, wurde vom Könige die Rettungsmedaille verliehen. Frl. Schulz hatte im letzten Winter ein Kind, das beim Schlittschuhlaufen in das Eis der Werra eingebrochen war, aus dem Wasser gerettet.

Offenbach a. M., L Sept. Heute früh machte sich die am 20. Juni 1878 geborene Ehefrau des Schuhmachers Gottlieb Wörner, Mittelseestraße 9 wohnhaft, an dem bren­nenden Küchenherd zu schaffen. Auf bisher noch unaufge­klärte Weise fingen ihre Kleider plötzlich Feuer und im Augenblick stand die Frau in hellen Flammen. Durch die Aufregung wußte die Frau gar nicht, was sie" tat.

rufend sprang sie aus dem im dritten Stock befindlichen Küchenfenster in den asphaltierten Hof, wo sie bewußtlos liegen blieb. Die brennenden Kleider wurden rasch durch hinzutilende Hausbewohner gelöscht. Die Frau, eine ge­borene Funk aus Dudenhofen, hat auf der rechten Körper- seite schwere Brandwunden und durch den Sprung aus dem Fenster innere Verletzungen davongetragen, so daß ihr Zu­stand hoffnungslos ist. Sie wurde in das städtische Kranken­haus verbracht. (Off. Atg.")

m. Affeitheim, 1. Sept. Bei dem gestrigen Gewitter wurden von 4 heimkehrenden Damen zwei durch einen Blitz­schlag betäubt, sie erholten sich jedoch bald wieder. Die bei­den anderen Damen kamen mit dem Schrecken davon.

h. Mainz, 1. Sevt. Der 25jährige Opperman schoß heut« nachmittag seine 23jährige Geliebte Wittmann in die rechte Brustseite; hierauf schoß er sich selbst eine Kugel in den Mund und verletzte sich lebensgefährlich. Das Motto der Tat ist verschmähte Liebe.

ball schicken? Halbwolle, das Meter zu Mk. 1.50 wäre für mich alte Frau gut genug gewesen! Nein, solch ein Leicht­sinn !"

Hierauf nahm sie den Stoff, wickelte ihn wieder ein und trug ihn auf ihr Zimmer.

Kopfschüttelnd sah ihr Otto nach.

Eine alte, merkwürdige Schraube! Mag der Henker aus ihr klug werden! Meine Psychologie reicht hierzu nicht aus 1"

Ein Jahr war wieder seit Ottos Krankheit inS Land ge­gangen und nichts hatte sich in seinem Leben verändert. Lustig und frohgemut lebte er in den Tag hinein, sowe^ seine Kasse und seine alte Wirtin es ihm gestatteten.

Da pliötzlich trat ein so überraschender Fall ein, daß daS Leben des jungen Mannes eine ganz andere Richtung nahm. Ottos Onkel war gestorben, ein widerlicher Junggeselle, der seines Geizes wegen von der ganzen Familie gemieden war. Daß er Vermögen besaß, das wußt« man wohl, aber man schätzte eS nicht sehr hoch.

Nach seinem Tode stellte eS sich nun heraus, daß bei elende Geizhals selbst die Steuerbehörde hinterS Licht ge­führt und ein namhaftes Vermögen durch gemeinen Wucher erbeutet hatte.

Auf Ottos Anteil fiel ttotz der Erbschaftssteuer und Nachzahlung hintertriebener Steuer die Summe von 150000

Als Otto die notarielle Abrechnung erhielt Frau Reinach war gerade in seinem Zimmer und machte daS Bett, da fing er laut an zu lachen und konnte sich gar nicht beruhigen.

Was ich habe? 150 000 Mark hab« ich! Ich bin ein Krösus geworden 1"

Die Alte blickte in daS Papier und fiel dann «rschrocken in einen Stuhl.

Ach, daS Unglück! DaS Unglück!" jammerte si« und rang die Hände.150000 Markl Sie daS ist ja ihr Tod l"

Nein, daS ist mein Leben l* jubelte Otto und sprang im Zimmer umher.

Ja leider, leider!" jammerte di« Alt« weiter.Per.