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General-Anzeiget
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 200
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Ferusi ;nnschlich Nr. 605
Freitag den 27. August
Fernsprechanschltttz Nr. 605
1909
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Der Schuhmacher Joseph Reifert in Großkrotzen- Surg ist zum Hilfsfeldschützen bestellt und als solcher verpflichtet worden.
Kreissparkaffe zu Hanau.
Die Kreissparkasse verzinst Spareinlagen mit 33/< o/o-
Die in den ersten drei Tagen eines Monats bewirkten Einlagen werden vom 1. des betr. Monats ab verzinst und Einlagebücher kostenfrei ausgestellt.
,Der Vorstand. 9 Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 dunkelgrüner Sammet-Pompadour, 1 Ohrhörer.
Stehen geblieben bei Wirt Sührer, v. d. Kanal- rvr 10: 1 schwarzer Damenschirm mit Ueberzug. Empfang- «ahme daselbst.
Verloren: 1 Pfandschein Nr. 12759, 1 goldene Damenuhr.
Z u g efl o g en: 1 blaue Taube.
Hanau den 27. August 1909.
Politische Rundschau.
An einem Aussatz über Schiffahrtsabgaben in den „Hamburger Beiträgen" erklärt Generaldirektor Ballin, daß man der Binnenschiffahrt nicht zumuten könne, einer Maßnahme zuzustimmen, die die Grundlage ihrer ganzen Entwickelung umstürzen könne. Mit dem jetzt vorliegenden Projekt der Ab.gabenerhebung würde er sich niemals auch nicht unter irgendwelchem Vorbehalt einverstanden erklären können, weil der Entwurf die gesamten Kosten der Strombauverwaltung und auch solche Flußregulierungen durch Abgaben decken will, die der Schiffahrt keinen Nutzen bringen, zweitens, weil er keine Sicherheit gegen eine übermäßige Steigerung der Abgaben und ihre Bemessung nach anderen als verkehrstechnischen Gesichtspunkten bietet und drittens keine genügende Mitwirkung der Interessenten bei der Durchführung des Gesetzes zu erwarten ist.
Spanien und Marokko. Eine Abordnung der Kebdanakabylen kam gestern nach Melilla, um mit General Marina zu beraten, der sie vor die Zwangswahl stellte: Entweder bedingungslos für Spanien oder gegen Spanien mit allen Folgen. Die Kebdana versicherten ihn ihrer Freundschaft für Spanien. AIs die Truppen aber das Sokko el Arba erreichten und die nächstliegendin Dörfer erkundeten, fanden sie diese völlig verlassen, wodurch Zweifel über die wahren Absichten der Bevölkerung dieser Gegend austauchten. Durch Hamet el Hadsch wurde Nator von neuem beschossen. Heute sollen auf den Märkten im Innern Briefe des Sultans, die zum Frieden mahnen, verlesen werden. Eine'Anzahl Feinde versuchte in einer der letzten Nächte das Lager von Atalayon zu überrumpeln, wurde aber mit Verlust zurück- geschlagen.
Die britische ReichSverteibigirng.
Berlin, 26. Aug. In der heutigen Sitzung des Unterhauses machte Premierminister Asquith Mitteilung von den Ergebnissen der ReichSverteidigungSkonferenz. Er nannte das Ergebnis der Beratungen einen Plan, die Kräfte der Krone so zu organisieren, daß sie schnellstens in eine einzige homogene Reichsarmee zusammengezogen werden könntest, wenn sie den Wunsch hätten, zu der Verteidigung des Reiches in einer wirklichen Notlage beizutragen. Hinsichtlich der Verteidigung zur See bekannte sich Neuseeland zu der gegenwärtigen Politik der Beitragsleistung zu den Kosten einer gemeinschaftlichen Seemacht, während Kanada und Australien eigene Flotten zu gründen wünschten. Die Umwandlung . der Geschwader in den Gewässern des fernen Ostens sei in Erwägung gezogen auf der Basis der Errichtung einer pacisischen Flotte, bestehend aus drei Einheiten für die ostindischen, australischen und chinesischen Gewässer. Jede von diesen Einheiten soll bestehen aus einem Panzerkreuzer vom neuen Jndomitable-Typ, drei Kreuzern zweiter Klaffe, sechs Torpedobootszerstörern und sechs Unterseeboten. DaS Angebot von Neuseeland und Australien, Schlachtschiffe zu stellen, ist angenommen worden mit der Modifikation, daß statt Schlachtschiffe, Kreuzer von Jndo- mitable-Typ gestellt werden sollen. Einer von diesen Kreuzern würde der chinesischen und ein anderer der australischen Station zugeteilt. Asquith teilte zum Schluß ein von Australien vorgeschlagenes Arrangement mit, wonach die Regierung des Commonwealth mit zeitweiliger Beihilfe von Freunden des Reichsgedankens eine australische Einheit der
pacifischen Flotte schaffen wolle, während die Beisteuer Neuseelands zum Unterhalt der chinefischrn Einheit verwendet werden solle. Ferner ist vorgeschlagen worden, daß Kanada den Anfang machen solle, mit den Kreuzern zweiter Klasse und den Torpedobootszerstörern, die teils im Atlantischen, teils im Stillen Ozean stationiert würden.
Hus aller Welt.
Kirchenraub. In Zell am Main wurde ein Kirchenraub verübt. Die Monstranz und die Kelche sind geraubt, die Hostien umhergestreut und die Opferstöcke erbrochen.
ÄuS Liebeskummer hat sich in Fürth ein 18jähriges Bureaumädchen dreimal mit seiner Hutnadel inS Herz gestochen. Die Unglückliche wurde sterbend aufgefunden.
Verhängnisvoller Ulk. In Pürkwang in Niederbayern mengten zechende Bauernburschen einem bereits betrunkenen Kameraden noch Schnaps unter sein Bier und brachten ihn schließlich toll und voll zu Bett. Am anderen Morgen ward er von seinen Eltern tot aufgefunden.
Von einem Wespenschtvarm getötet. Jn Gschwend bei Schwäbisch-Gmünd fiel ein unbeaufsichtigtes Kind aus seinem Wagen und kollerte einen Abhanq hinunter in einen Wespenschwarm hinein. Die wütenden Insekten stachen das Kind tot.
Einen Rausch mit dem Leben bezahlt. Bei Erlangen hat sich der von einer Kirchweih heimkehrende ledige Gattner Batz im Rausch auf daS Eisenbahngelrise gelegt, wo er mit abgefahrenem Kopf am andern Morgen gefunden wurde.
Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht Leitmeritz verurteilte den Landwirt Spatzek, der in Kamaik seine Gattin in Gegenwart seiner 4 Kinder in brutalster Weise ermordete, zum Tode durch den Strang.
In die Futztapfen des „Köpenicker Schusters" ist der Berliner Metzgergeselle Franz Hoffmann getreten; jetzt muß er für Betätigung seines Nachahmungstriebs büßen. Als falscher Graf und Offizier wurde er von der Berliner Strafkammer zu 2'/- Jahren Zuchthaus verurteilt. Sein „Fall" war folgender: Am 23. Juni hatte eine Frau Lombke auf kurze Zeit ihre Wohnung verlassen, um Einkäufe zu machen. Als sie. zurückkehrte, wunderte sie sich nicht wenig darüber, daß die Korridortür, die sie vorher verschlossen hatte, nur noch eingeklingt war. Kaum hatte sie die Wohnung betreten, als ein fremder Kerl auf sie zusprang. Auf die Hilferufe der Frau nahmen Soldaten, die von der in der Nähe befindlichen neuen Garnisonkirche kamen, die Verfolgung des Einbrechers auf. Dieser war über die Mauer der Garnisonkirche hinweggeklettert, wurde aber von den Soldaten hinter einem Strauche entdeckt und festgehalten. Der Einbrecher versuchte nun, Lla Hauptmann von Köpenick, die Soldaten einzuschüchtern. In schnarrendem Leutnantston herrschte er die Soldaten an, sie sollten ihn schleunigst loslassen, da er das Opfer einer Personenverwechslung geworden sei. Er machte ihnen ernste Vorhaltungen und gab ihnen zu bedenken, daß die Sache für sie sehr böse Folgen haben könnte, da er der Leutnant Graf von der Rothenburg sei. Die Köpenicker Affära mußte wohl etwas aufklärend auf die beiden Musketiere gewirkt haben, denn sie ließen sich nicht irreführen, sondern brachten den „Herrn Grafen" trotz seines lebhaften Protestes zur Polizei. Durch den Erkennungsdienst der Berliner Kriminalpolizei stellte man fest, daß der angebliche Graf und Offizier der schon mehrfach, darunter längere Zeit mit Zuchthaus vorbestrafte jetzige Angeklagte Hoffmann war.
EuftTport z in.
Friedrichshafen, 26. August. Die Abfahrt des Luftschiffes „Z in" nach Berlin ist für heute nackt 3 Uhr festgesetzt und zwar in der Richtung Nürnberg, Plauen, Bitterfeld. Eine genauere Fahrtrichtung anzugeben, ist nicht möglich.
Berlin, 26. August. Das Luftschifferbataillon in Tegel hat bereits weitgehende Vorbereitungen für die Landung des „Z in“ getroffen. Gestern langten in Tegel vier Rollwagen mit Gas an, um im Bedarfsfalls nachzufüllen. Für den Fall, daß „Z III" durch unvorhergesehene Zwischenfälle erst abends oder nachts eintreffen sollte, so hat sich daS Lustschifferbataillon mit 3 großen Scheinwerfern ausgerüstet.
Berlin, 26. August. Wie vorauszusehen war, ist der Andrang von Fremden, zu den Zeppelin-Tagen schon jetzt sehr stark. In den großen Hotels ist die Nachfrage nach Zimmern derart, daß es unmöglich war, allen Wünschen gerecht zu werden. Die Absagen, die erteilt werden müssen, zählen täglich nach Hunderten. Unter den Fremden befinden sich auch eine ganze Anzahl von Ausländern aus aller Herren Länder. Aus dem Deutschen Reiche kommen vornehmlich Reisende aus dem Nordwesten und Osten. Dies erklärt sich daraus, daß man dort bis jetzt nur wenig lenkbare Luftschiffe zu sehen bekam. Ganze Familien sind bereits in Berlin eingetroffen oder haben sich doch wenigstens Zimmer bestellt.
Aviatische Schauspi«l« in Sicht.
Die Ausstellungsltitung schreibt unS: Den Besuchern der Ila werden demnächst interessante aviatische Schauspiele geboten, nachdem mit Baron de CaterS «in so schöner und erfolgreicher Anfang gemacht worden ist. ES ist nicht ausgeschlossen, daß einer der hervorragendsten Vertreter der Aviatik, ein Amerikaner, dessen Name gegenwärtig viel genannt wird, nach Frankfutt kommt. Seit längerer Zeit schweben ferner Verhandlungen mit den bekanntesten ausländischen und auch mit den deutschen Fliegern. * Diese Abmachungen werden nun bald zu einem Resultat führen. Die Herren Dr. Joseph und Major Tschudi haben sich im Auftrage deS Jla-Vorstandes nach Reim» begeben, um dort persönlich die großartigen Flugversuch« kennen zu lernen und di« Verhandlungen mit den Aviatik«rn zum Abschluß zu bringen.
International« Ballonaufstiegr.
Für di« internationalen Ballonwettflüg» vom 29. August bis I. September ist folgendes Programm aufgestellt worden: Sonntag, 29. August, abends 8 Uhr, zwanglose« Zusammen- sein mit den fremden Gästen im Epeiserrstaurant der Ila. — Montag, SO. August, von vormittag« 12 Uhr ab, Srart zu einer Ballonfuchsjagd. Es finden drei Rennen statt, an denen je 9 Ballons mit 3 verschitdenen Fuchsballon« teil* nehmen. Die drei Rennen werden in Pausen von je einer Stund« angetreten. Für jede Gruppe find besondere Preis« ausgesetzt. Abends 6—7 Uhr Vortrag von Professor Süring über Schichtenbildung in der Atmosphäre im großen Hörfaal des Physikalischen Verein»; abend» 8»/, Uhr Festessen mit Damen im Weinrestaurant. — Dienstag, 81. August, nachmittag» 8 Uhr, Beginn de» Statt» zur Zielfahrt. Diese wird in zwei Reimen mit je nrun Ballons abgehalten. Das Ziel für jede Gruppe kann bei beiden Rennen das gleiche sein. Nachmittags 5—6 Uhr Vortrag von Oberst Scharck- Bern im großen Hörlaal de» Physikalischen Vereins über da» Fahren mit Freiballon». Abends 7 Uhr Festvorstellung im Jlathearer. — Mittwoch, 1. September, abend» 6 Uhr, Beginn des Start» zu einer Dauerfahrt in Zwisch«nrâumen von 2 bi» 3 Minuten. Es werden etwa dreißig Ballon» gestattet.
Hus Banau Stadt und Eand.
Sarrail, 27. August.
Lcßeitlitzc Atzung in MtumMeta-VllslimlN»
vom 26. August 1909.
Anwesend: Vorsteher * Stellvertreter Schroeter, Dryer, BerngeS, Bonn, Brüning, Deines, Fischer, Förster, Franz, Holm, Dr. Hoffmann, Hansen, Kehl, Loßberger, Müller, Ohl, Peterle, Rousselle, Salomon, Sommer, Stephan, Spatz, Voltz, Wild, Wohlfarth und Wolff, vom Magistrat: Ober- bürgermeister Dr. Gebeschus, Bürgermeister Hild.
Als 1. Punkt der gestrigen Tagrsordnung wurde di«
Neuregelung der Besoldungen der Leiter, Lehrer und Lehrerinnru der städtischen Schulen
zum Abschluß gebracht.
Mit der Annahme dieser Vorlage, deren «uSarbettung der damit beauftragten Kommission viel Mühe und ZeU kostete, hat die Stadt Aufwendungen an Gehältrrn tm Gesamtbeträge von 639 826 Mk. aufzubringen, mehr geg» früher 69 281 Mk. Hiervon entfallen auf die Oberreal- schule 131 670 Mk. (mehr gegen früh«r 18 350 Mk.), Höhere Mädchenschule 59 630 Mk. (mehr gegen früher 9888 Mark), Mittel- und Volksschulen 375 442 Mk. (mehr gegn, früher 34 552 Mk.), Kaufmännische Fortbildungsschule 16500 Mark (mehr gegen früher 1600 Mk.), Gewerbliche Fortbildungsschule 56 084 Mk. (mehr gegen früher 4924 Mk.). — Die von der Kommission in 3 Sitzungen aufgrstellt« Lein ätze lauten unter Berücksichtigung der in gestriger Sitzung voraenommenen Abänderungen wi« folgt: