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Erstes Blatt.

VqWSpeM, »*W»<$ 1,80 Mk., monatlich 60 Pfz., für 6* âtee Ar»»n«ü«r mit brm betreffenden PestauffPeg, Die «inM« Rn»«« festet 10 Psg.

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General-Anzeiger

Amtliches Grga« str Stadt- and Landkreis Kanan.

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Mt Waifenhaus« ix Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 195 F-rnsprechanschlutz Nr. 605.

Samstag den 2L August

Fernspr-chanschltttz Nr. 605. 1909

Die lelltigeNamer mfaßt cher S.Werhaltm-rilaü

14 Seiten.

Amtliches.

Landkreis Hanau.

Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg von Ostheim nach Eichen für die Zeit vom 26. bis 31. August -. Js. für Kraftfahrzeuge jeglicher Art und für Fuhrwerke über 20 Ztr. Ladegewicht polizei­lich gesperrt.

Diese Fuhrwerke können die Verbindung über Windecken benutzen.

Hanan den 20. August 1909.

Der Königliche Landrat.

V 4647 I. A.: Hartmann, Kreis sekretâr.

An die Herren Bürgermeister des Kreises (mit Ausnahme von Fechenheim).

Gemäß dem Gesetze vom 26. Mai 1909 §§ 43, 45, 56 sind die zu dem Tiensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen in den Schulverbänden mit 25 oder weniger Schulstellen ans der Staatskasse zu leistenden jährlichen Beiträge vom 1. April 1908 ab anderweit geregelt worden.

Die Königliche Kreiskasse hier ist von Königlicher Re­gierung ^angewiesen worden, für das Rechnungsjahr 1908 die Mehrbeträge, welche sich gegenüber den für 1908 bereits ge­leisteten StaatsbeiträLen ergeben, an die Schulverbände gegen Quittung alsbald zu ' zahlen; etwaige Minderbeträge werden wièder eingezogen.

Für das Rechnungsjahr 1909 werden die Staatsbeiträge bis auf weitere Verfügung in den Büchern der Königlichen Kre'skasse zum Soll gestellt und unter Anrechnung der für 1909 bereits geleisteten Beträge in Vierteljahresteilen voraus an die Schulverbände gezahlt.

Hanau den 20. August 1909.

Der Königliche Landrat.

V 4636. J. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Stadtkreis fjanau. Bekanntmachung.

Durch Beschluß der städtischen Körperschaften ist das Schulgeld der Mittelschulen nach dem Einkommen der Eltern der Schüler festgesetzt worden und zwar sind die Schulgeldsätze wie folgt abgestuft:

Du driggst de Paun weg!"

Ein ergötzliches Kapitel vom Wetten.

Von Josef Kuhnigk.

(Nachdruck verboten.)

Fritz Reuters lustiges Gedicht von dem jungen Schusters­ehepaar, das sich anPannekauken" weidlich delektiert hat und dann darüber in Streit gerät, wer diePann" der Nach­barin zurücktragen soll, bis schließlich eine Wette die schwierige Frage lösen muß, hat mit seiner zwingenden Situations­komik gewiß noch nie seine Wirkung verfehlt. Die Ruhe nach dem Sturm, das lauernde Behagen, wer wohl zuerst den Mund austue und die Wette verlieren wird, sie halten mit ihrem Erwartungskitzel unser Lachen in Bereitschaft. Und wie dann der Fremde eintritt, um sich die Stiefel be­sohlen zu lassen, und von den pfeifenden und singenden Schusterslenten kein Wort herausbringen kann, und wie er dann die fidele Situation beim Schopf und die schmucke hinge Frau um die Taille fassend zu des Ehemanns Pfeife über die Diele tanzt, und wie darob des Schusters Eifersucht schwillt und schwillt und der Wirbel des Scherzes immer höher steigt, bis ein Kuß auf den Mund der jungen Frau die zorngefüllte Galle des Ehemanns zum Platzen bringt und er wetternd dazwischen führt, und wie dann im Triumph der gewonnenen Wette des jungen Weibes Augen blitzen: Un du dröggst de Pann weg das ist ein lustiges Stücklein, voll köstlicher Komik.

Fast möchte man meinen, das Leben könne solch launige Welten gar nicht schaffen. ' Und doch ist ja gerade des Lebens Geselligkeit die Quelle, der sie entspringen, der Stammtisch, die Klubs und wo immer in fröhlicher Gemein­schaft Rede und Gegenrede zum Widerspruch reizen. Diele solcher Wetten haben von da den Weg in die Oeffentlichkeit gesunden.

So erschien eines Tages in einer Zeitung ein Inserat, bas gegen Einsendung von 20 Mark ein Pulver zur Ver­feinerung der Schafwolle verhieß. Das Pulver sollte den Schafen eingegeben werden. Ein Gutsbesitzer, der wohl

Einkommen bis 1200 Mk. für das Kind 30 Mk.

_ 1500 _ _ , 36 ff , 1800 , . 40 3000 für daS erste

ff

und zweite Kind 48

für das dritte und mehr Kinder 36 Einkommen über 3000 Mk. für das Kind 48 Für diejenigen Kinder, welche am 25. Juni er. bereit«

in

der Mittelschule waren und deren Eltern ein Einkommen

von nicht mehr als 1200 Mk. haben, beträgt der Schulgeld­satz für die Folge 24 Mk.

Einsprüche gegen die Veranlagung zum Mittelschulgeld für 1909, sowie Ermäßigung«- und Stundungsanträge sind bis 1- Septembev ev. in Zimmer 14 des Rathauses, vormittags von 1012Vj Uhr, anzubringen. Später eingehende Anträge finden keine Berücksichtigung mehr.

Hanau den 20. August 1909.

Der Oberbürgermeister.

Z. D.: Hild. 19033

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 14. bis 20. August 1909:

1 Bäcker, 1 Knecht, 1 Schuhmacher 4 Tag- l-hner.

Gesucht: 1 Dienstmädchen, 1 Dau- und Möbclschreiner, 1 junger Küfer.

Hanau den 21. August 1909. 19031

Städtische ArbeitsvermittelungSftrlle.

MiW Umen-MM« §1111011.

Die Tischlerarbeiten für das Stabsgebâude und das Kammergebäude des Eisenbahn - Regiments Nr. 3 sollen in öffentlicher Ausschreibung in zwei Losen vergeb« werden und zwar

Los I Stabsgebäude, Los II Kammergtbäude.

Die Angebote sind versiegelt und mit kennzeichnender Aufschrift versehen, bis zur Eröffnung derselben am Mittwoch den 8. September 1909, vormittags 10 Uhr, an die Bauleitung der städtischen Kasernen-Neubauten in Hanau, Lamboystraße 56, einzureichen.

Die Zeichnungen, Verdingungsunterlagen und Ver­dingungsanschläge liegen dortselbst zur Einsichtnahme aus; letztere können, so lange der Vorrat reicht, gegen postfreie Einsendung von 3 Mk. für ein Los, von dort bezogen werden.

meinte: hilft es nicht, so kann es doch nicht schaden, sandle getreulich den Betrag ein und bat um Uebersendung des Rezepts. Statt dessen aber erhielt er das Geld zurück und einen Brief dazu folgenden Inhalts:Sehr geehrter Herr! In einer Gesellschaft ist gewettet worden, man könne den größten Blödsinn in die Zeitung setzen, es werden sich immer Esel finden, die daran glauben und Geld dafür aus­geben. Sie sind bereits der Elfte, der sich gemeldet hat. Anbei Ihre 20 Mark zurück. Genehmigen Sie die Ver­sicherung der ausgezeichneten Hochachtung, mit der wir die Ehre haben zu fein usw."

Der so unzart kritisierte Gutsbesitzer wird sich damit haben trösten müssen, daß ein Esel nicht notwendig immer ein Esel zu sein braucht, wofür der berühmte amerikanische Esel Bill ein historisches Beispiel ist, der im Jahre 1844 die reichen Sullivan- und Bunker-Hill-Silberminen entdeckte.

Wir stehen heute zwar nicht mehr im Zeichen des Walzer- traums, aber als ihn noch jedes junge Mädchen allabendlich träumte, hat er einmal für ein scherzhaftes Intermezzo die Kulissen gestellt. In Salzburg war's, als in einer sonntäg­lichen Aufführung des Walzertraums der erste Kapellmeister des Stadttheaters zum Staunen des ausoerkausten Hauses mit einem ungewöhnlich langen und handfesten Taktstock am Dirigcntcnpult erschien und seines Amtes zu walten begann. Auf der Bühne gabs allerlei Schwankungen und unter den Zuschauern ein Kichern und Wispern, denn die Damen hatten es bald heraus, daß der Taktstock so merkwürdige Aehnlichkeit mit einem Besenstiel besaß, aber der Dirigent ließ sich nicht beirren. Er schwang die Keule in seiner Hand fast so graziös wie das Stäbchen aus Ebenholz. In der Pause brachte die Fama des Rätsels Lösung in den Zuschauer- rautn : der Kapellmeister hatte um mehrere Flaschen Sekt ge­wettet, daß er die Operette mit einem abgebrochenen Besen­stiel dirigieren werde. Die heitere Muse wird es ihm wohl verziehen haben, daß er die Wette gewonnen.

Wandern wir nun einmal von Salzburg nach einem kleinen Städtchen der deutsch-böhmischen Grenze. Dort hatte ein Stammtisch beschlossenwieder einmal" ein Fäßchen Pilsener zu schmuggeln, um zur Güte des Bieres den Vor­zug der Billigkeit ^zu fügen. Der anwesende Steuerinspektor

Der Zuschlag wird innerhalb 5 Wochen erteilt un^ bleibt der Unternehmer so lange an sein Gebot gebunden.

Hanau den 20. August 1909.

Der Magistrat. 18997

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Schlüssel und 1 Schlinke an einer Schnur.

Verloren: 1 grüne« Damenportemonnaie mit 53 bi« 54 Mk. (bestehend aus 1 Fünfzigmarkschein, das übrige Silber- und Nickelgeld, vom Westbahnhof bis zur Post), 1 Metzer Dombau-Lotterie-Los Nr. 12688, 1 schwarze« Handtäschchen (mit 1 weißen Taschentuch, gez. M. M. und 1 rotes Portemonnaie mit 10 Zehnpfennigstücken), 1 Crep de chin (seidene? Tuch, 1l1/» m lang).

Entlaufen: 2 rebhuhnfarbige Hühner. Hanan dm 21. August 1909.

Hus Hab und fern.

Schmalkalden, 20. Aug. In der Nacht zum S.nm tag war auf dem Bahnhöfe in Schmalkalden in einem Bureau­raume deS Spediteur« Müller eingebrochen und der Betrag von 126 Mark gestohlen worden. Der Einbrecher hatte die Fensterscheiben mit Seife beschmiert und sie dann eingedrückt. Auf Anordnung der Schmalkaldener Polizeiverwaltung wurde der Polizeisergeant Fey in Erfurt telephonisch gebeten, mit seinem PolizeihundeCleo" sofort nach Schmalkalden zu kommen. An einem Taschentuch, daß der Einbrecher am Tatort verloren und zurückgrlassen hatte, mußteCleo" Witterung nehmen. Der Hund lief darauf einmal um das Gebäude herum, nahm dann seinen Weg über eine Wiese und von hier auf eine vom Tatort ungefähr 500 Meter entfernte Straße. Dann kam er an einen Teich, an dem er plötzlich nach rechts abbog, um auf ein in der Nähe ge­legener Armenhaus zuzueilen.Cleo" lief in das Haus hinein und ging die Treppe hinauf und machte vor einer Stubentür des dritten Stockwerkes Halt. Hier nahm er den vor der Tür liegenbenAbtreter" zwischen die Zähne und trug ihn seinem nachkommenden Herrn entgegen, womit er ihm zu verstehen geben wollte, daß der gesuchte Dieb nun in nächster Nähe sei. Polizeibeamte betraten die vonCleo bezeichnete Stube, in der ein Arbeiter, der wegen schwerer Einbruchsdirbstähle schon mehrfach vorbestraft ist, wohnt. Wenn er auch die Schuld noch leugnet, so ist doch kein Zweifel, daß der Hund den Richtigen gefunden hat, denn das am Tatort gefundene Taschentuch ist mit den Anfangs­buchstaben seines Namens gezeichnet.

bezweifelte die Möglichkeit, wenn er dabei wäre. Dem wurde widersprochen, und es kam schließlich zu einer Wette, wonach der verlierende Teil die Kosten tragen sollte. Die Ausfahrt begann am Nachmittag, und da es Winter war, auf Schlitten. Als dann am Abend die Heimfahrt angetreten wurde und an der Zollstation die Schlitten Halt machten, schärfte heimlich der Inspektor den Beamten eine recht peinliche Kontrolle ein. Das geschah auch, aber es wurde nichts gefunden. Dann wurde der Rest des WegeS zurückgelegt, und dem Steuer­inspektor war es völlig klar, daß seine Stammtischfreunde die Unmöglichkeit des Schmuggelns eingesehen und davon Ab­stand genommen hatten. Aber als sie vor dem heimischen Gasthaus hielten und alles auSgestiegen war, kippten die fidelen Brüder des Inspektors Schlitten um und hakten das geschmuggelte Fäßchen Pilsener ab. Daß der hohe Vorge­setzte selbst unter die Schmuggler gegangen war, das zu denken hatten freilich die kontrollierenden Beamten nicht ge=

Es sei hier auch einer höchst wunderlichen Wette gedacht, die im 18. Jahrhundert unter der Regierung der Kaiserin Maria Theresia zwei vornehme Hofkavaliere, Graf Josef, Czobor und Marchese Tarouca, in der alten Karserstadt an der schönen blauen Donau schlossen. Gegenstand der Wette war: bei der nächsten Festlichkeit am kaiserlichen Hof ein höchst einfaches und dabei doch äußerst kostbares Kostüm zu tragen. Beim Erscheinen des Marchese Tarouca staunte alles, mit welcher Meisterschaft der intelligente Ausländ« die Bedingungen der Wette erfüllt hatte. Schon war jeder­mann bereit, dem triumphierenden Italiener die TiegeS- palme zuzuerkennen, da man es für unmöglich hielt, noch vollkommener den Vorschriften der eingegangenen Wette ge­recht zu werden. Da trat Josef Czobor ein in seinem un­garischen Nationalrack, der einfachen, verschnürten Attila. Man lächelte zuerst, aber das Lächeln verschwand schnell, denn es stellte sich heraus, daß der unscheinbare Schnürrock ein sehr ungewöhnliches, überaus kostbares Futter besaß: die Leinwand eines Gemäldes, eines Meisterwerk« deS großen Guido Reni, des Hauptes der berühmten Bologneser Schule. Der Marchese hatte die Wette verloren, der unga- rüche Magnat aber bezahlte den Gewinn sehr teuer. ®»