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General-Anzeiger
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iMântdruck unb 8alog Mr Buchdruck«« Mi k«â «, Baifttt^aufea in Harum.
Amtliches Organ fit Stadt- in) Landkreis Sanaa.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssmv- und Feiertage, mit belletristischer Vellage.
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Nl. 194 F-rnsprechattschlutz Nr. 605»
Freitag den 20. August
Fernsprechanschluß Nr. 605. 1909
Amtliches.
Bekanntmachung.
Von der im Kursbureau des Reichs-Postamts neu bearbeiteten Post- und Eisenbahnkarte des Deutschen Reichs ist jetzt das Blatt XII erschienen.
Das Blatt umfaßt den nördlichen Teil von Württemberg und Bayern, den westlichen Teil von Hessen, sowie die Thüringischen Staaten.
Das Blatt kann im Wege des Buchhandels zum Preise von 2 Mk. für das unausgemalte Exemplar und von 2 Mk. 25 Pfg. für das Exemplar mit farbiger Angabe der Grenzen von dem Gea-Verlage (Berliner Lithographisches Institut Julius Moser, Berlins 35, Potsdamerstraße 110) bezogen werden.
Berlin W 66 den 15. August 1909.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
I. A.: Kobelt.
Landkreis Hanau.
Unter den Schweinen auf dem Reußerhof bei Langendiebach ist die Schweineseuche festgestellt.
Hanau den 19. August 1909.
Der Königliche Landrat.
V. 4621 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Politische Rundschau.
Die deutsch-russtscherr Grenzzwischenfälle. In den letzten Tagen fanden an der schlesisch-russischen Grenze mehrere Termine wegen der vorgekommenen Grenzzwischru- fälle statt. Die Termine wurden vom Landrat deS Kreises Kattowitz und dem Bezirkschef von Bendzin geleitet. Letzterer versprach, in Zukunft für größeren Schutz der deutschen Grenznachbarn vor russischen Kugeln Sorge zu tragen. Ein russischer Grenzsoldat, der auf preußisches Gebiet herüber geschossen hat, soll seiner Bestrafung enlgegensehen.
Marokko und Spanien.
Tanger, 19. Aug. Die scherisische Mission aus Fez, die sich ins Rif begibt, ist hier angekommen. Die Deputation aus dem Rif ist wieder heimgekehrt; sie trägt Briefe des Scherifen an 44 Stämme mit, in denen der Sultan den Befehl erteilt, den Kampf bis zur Ankunft der scherifischen Mission einzustellen.
Paris, 19. Aug. Aus Fez wird unter dem 15. Aug. gemeldet: Ein Brief des Gouverneurs von Uezzan teilt mit, daß der Roghi bei dem Beni Messara Zuflucht gesucht habe. Der Gouverneur ersucht um Truppen, um die Verfolgung aufnehmen zu können. Unter den abgeschlagenen Häuptern befinden sich auch die zweier Spanier, die zur Artillerie des Roghi gehörten. Die von dem Feinde erbeuteten Waffen find größtenteils spanischen Ursprungs.
Die Kretafrage.
Kottstantittopel, 19. Aug. Die dem Minister des Aeußern gestern abend überreichte Kollektivnole der Schutzmächte erklärt in entschiedenem Tone, für die Lösung der Kretafrage seien allein die Schutzmächte zuständig. Wie di» Schutzmächte weiter erklären, seien sie entschloffen, den Frieden unbedingt aufrecht zu erhalten; sie würden daher weder das Erscheinen der türkischen Flotte in den kretischen Gewässern, noch irgend eine kriegerische Unternehmung gegen Griechenland zulaffen. Auf der Pforte umlaufenden Gerüchten zufolge, soll die Note ferner den Zusatz enthalten, daß die Schutzmächte, falls die Türkei dennoch Griechenland angreife, die Integrität des griechischen Staates garantieren und eine endgültige Lösung der Kretafrage zugunsten Griechenlands herbeiführen würden. Die Note schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Pforte alles tun werde, um die Bemühungen der Mächte für die Erhaltung des Friedens zu unterstützen. Die Note, deren Inhalt vom Minister des Aeußern noch in der Nacht dem Großwesir telegraphisch übermittelt wurde, rief in den Kreisen der Pforte eine unverkennbare Ueberraschung hervor. — Die Antwortnote der griechischen Regierung, die gestern dem türkische» Gesandten in Athen übersandt worden war, ist nachmittags bei der Pforte eingegangen. In der Note wird erklärt, daß die griechische Regierung über das Verhalten ihrer Offiziere und Konsuln innerhalb des ottomanischen Reiches nochmals eine Unter- suchung eingeleitet habe. Diese habe aber ergeben, daß keine Vergehen vorgekommen seien, die so schwerwiegend waren, daß hierdurch die guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern gestört werden könnten. Die griechische Regierung werde ihre Freundschaft und Loyalität gegenüber der Türkei auch weiterhin durch die Tat beweisen. — Die Kretafrag«
selbst wird, wie verlautet, in der Note nicht berührt. Der Eindruck der Antwort auf die Regierung-kreise scheint nicht ungünstig zu sein.
Konstantinopel, 19. Aug. Amtlichen Informationen der Pforte zufolge haben die Konsuln in Kanea vom Exekutivkomitee die schriftliche Verpflichtung verlangt, dafür zu sorgen, daß die griechische Fahne nicht mehr auf der Festung gehißt wird. Eine Gefahr, daß Unruhen ausbrechen, ist nicht vorhanden. Das Exekutivkomitee versprach, dem Verlangen nachzugeben. Eine amtliche Mitteilung der Pforte dementiert nachdrücklich die Nachrichten von der Aufwerfung der Dardanellenfrage.
Der große AttSstand in Schweden.
Stockholm, 19. Aug. Im Ministerium des Innern sind in den letzten Tagen aus vielen Orten des Landes Nachrichten darüber eingelaufen, daß in den verschiedensten Betrieben die Arbeit ganz oder teilweise wieder ausgenommen worden sei. Unter diesen Betrieben sind Eisenwerke, Sägemühlen (auch eine mit organisierten Arbeitern), Holzstoffund Papierfabriken, Ziegeleim, Baumwoll- und Kleiderfabriken. An mehreren Plätzen sind die Hafenarbeiter zur Arbeit zurückgekehrt, in Upsala und Göteborg die Straßenbahnbeamten und in vielen Städten die städtischen Arbeiter; auch in der Pulverfabrik von Björkborn wird wieder gearbeitet. Ungefähr tausend Landarbeiter sind ausständig, doch meiden sich mehr Leute freiwillig, als nötig sind, um die Ernte einzubringen. Wie die Zeitung „Dagen" dagegen meldet, haben sämtliche bürgerlichen Zeitungen einen Prozeß gegen den schwedischen Setzerverband angestrengt, weil er das Uebereinkommen mit den Zeitungen gebrochen und diesen dadurch Schaden zugefügt habe. Die Zeitungen fordern die Erstattung des Schadens, den sie bisher durch dm Ausstand erlitten haben und noch erleiden werden.
Hus aller Melt.
Der Heiratsschwindler und sein Sekretär. In der Uniform eines Königlich Preußischen Oberschaffners haben zwei gefährliche Heiratsschwindler jahrelang in Sachsen und Preußen ihr Unwesen getrieben. Jetzt wurden sie für längere Zeit vom Dresdener Landgericht unschädlich gemacht. Die Verhandlung gewährte interessante Einblicks in die Praktiken dieser Spezies von Schwindlern, sie zeigte aber auch, daß die Zahl derjenigen, die nicht alle werden, immer noch im Zunehmen begriffen ist. In Treuen i. V. machten die beiden Schwindler Anton Bamberger aus Marburg und Otto Päßler aus Annaberg miteinander Bekanntschaft. Im Frühjahr 1908 trafen sie wieder in Frankfurt a. M. zusammen und lebten seitdem von den Erträgnissen der Heiratsschwindeleien. Bamberger trat in der Uniform eines Kgl. Preuß. Ober- schaffners auf, nannte sich Adolf Hoffmann und gab an, in Dresden, Eger, Krefeld oder Wiesbaden stationiert zu sein. Seinen Gehalt bezifferte er auf 3000 Mark, sein Vermögen auf 30000 Mark. Die Korrespondenz mit den Heiratslustigen Frauen und Mädchen, die Beantwortung der zahlreich einlaufenden Heiratsofferten blieb dem schreibgewandten Päßler überlasten. In Frankfurt brandschatzten die beiden Schwindler eine junge Witwe um 700 Mk. und verschwanden wieder. Um dieselbe Zeit ließ Bamberger in einem Dresdner Blatte ein verlockendes Heiratsgesuch einrücken. Der „Sekretär- Päßler bekam viel Arbeit, denn es waren an 80 Offerten aus Sachsen und Brandenburg zu beantworten. In vielen Fällen hatte der uniformierte Schwindler Glück. Mehrere Frauen und Mädchen, Arbeiterinnen, Näherinnen und Töchter sogenannter besserer Familien, fielen den beiden Gaunern zum Opfer und wurden um ihre gesamten Ersparnisse gebracht. Einige verloren bis zu 900 Mark. Einer Heiratslustigen in Plauen zog der „Kgl. Preuß. Oberschaffner" bei der Verlobung einen Brillantring vom Finger, der einen Wert von 120 Mark hatte. Als das Mädchen später die Rücksendung des Ringes forderte, antwortete der Heiratsschwindler in einem Briefe: Der Ring ist gut aufgehoben, tritt Dein Glück nicht mit Füßen und schweige gegen jedermann, denn in Plauen wird viel geklatscht. Das Mädchen hat das Schmuckstück bis heute nicht zurückerhalten. Beider Verhaftung trug Bamberger einen geladenen Revolver bei sich. Das Landgericht verurteilte ihn zu 3 Jahren Zuchthaus, 450 Mark Geldstrafe oder weiteren 60 Tagen Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Sein „Sekretär" erhielt 2 Jahre Gefängnis und ebenfalls 5 Jahre Ehrenrech ts- verlnst. x _
Eine Mutter und dre» Kinder verbrannt. In fiaandam (Holland) brach ein großer Brand aus, durch den fünf Häuser in Asche gelegt wurden. Eine Mutter mit drei Kindern ist in den Flammen umgekommen.
Eifersuchtsdrama. In einer Villa des Brüsseler Vorortes Uccle hatte sich seit einigen Monaten eine sehr elegante etwa 30 Jahre alte Dame eingemietet, die regelmäßig zum Diner den Besuch eines älteren Herrn empfing. Als das Paar sich eben zu Tische gesetzt hatte, erschien durch die nach dem Garten führende, geöffnete Tür ein etwa 26 Jahre
alter, junger Mann und gab auf die nichtsahnend Speisenden drei Revolverschüss« ab, di« di« Dam« sofort töteten, Mit zwei weiteren Schüssen sprengt« sich dann der junge Mann die Hirnschal«. Di« erschossene junge Frau war bis vor kurzem die Geliebte deS Mörder-, eines 26jährigen Lütticher Großindustriellen gewesen.
Nach 10 Jahre« gestanden! Am 10. August 1899 wurde im Gräfenberger Walde bei Düsseldorf die Arbeiterfrau KeukenS, die ihrem Mann« das Mittagessen bringen wollte, ermordet aufgefunden, ohne daß eine Spur des Mörders entdeckt werden konnte. Jetzt hat der Fleischergesell, Lentz, der gegenwärtig eine sechsjährige Zuchthausstrafe verbüßt, eingestanden, als 15jähriger Bursche die Frau erstochen zu haben. Die Staatsanwaltschaft leitete aur Grund der detaillierten Angaben des Mörder- eine neue Untersuchung ein. ,
Rauchlose Lokomotiven. Dieser Tage werden auf der Arlbergbahn Probefahrten mit einer Lokomotive mrt Petroleumfeuerung gemacht, die im Tunnel bet großer Heiz- kraft keinen Rauch entwickelt. Die Lokomotive kam bei Schnell- und Personenzügen auf dir Strecke Landeck-Bludenz in Anwendung. U. a. zog sie auch einen Zug mit einem Gewicht von 240 Tonnen anstandslos von Bludenz bis Langen (auf dem Arlberg). Die Probefahrten, an denen Beamte vom Eifenbahmninisterium, der StaatSbahn- direktion usw. teilnahmen, ergaben durchaus befriedigende •Rafitltcita.
Mord. Ein auf der Trientiner Reichsstraße bei LaviS aufgefundener Leichnam zeigte verschiedene schwere Wunden Di« Leiche wurde als bte deS 44jährigen Paul Serafini aus Faber agnosciert. Es liegt nicht, wie man anfangs glaubte, ein Automobilunfall, sondern ein Mord vor.
Has nab and fern.
Die Kaiserparade in Mainz.
Matttz, 19. Aug. Um 10^4 Uhr formierten sich die Truppen zum Parademarsch ; an diesem nahmen teil: Stab der 21. Division, Stab der 41. Infanterie-Brigade, 1. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 87, 2. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 88, Stab der 42. Infanterie-Brigade, Füsilier-Regiment von Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80, 1. Kur- hessisches Nr. 81, Stab der Großh. Hess. 25. Division, Stab der 49. Infanterie-Brigade (L Großh. Hess.), Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Inf.» Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Stab der 50. Infanterie-Brigade (zweite Großh. Hess.), Infanterie- Regiment Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Unteroffizierschule Biebrich, Fuß-Artillerie-Regiment Generalfeld- zeugmrister (Brandend.) Nr. 3, Stab der 2. Pionier-Inspektion, Nassauisches Pionier-Bataillon Nr. 21, Stab der 21. Kavallerie-Brigade, Magdeb. Dragoner-Regiment Nr. 6 (ohne 1. Eskadron), Thür. Ulanen-Regiment Nr. 6, Stab der 21. Feld-Artillerie-Brigade, 1. Nassauisches Feld-Art.-Regiment Nr. 27 (Oranien), Stab und zweite Abteilung be# 2. Nass. Frld-Art.-Regiment8 Nr. 63 Frankfurt a. M^ zusammen 2b Bataillone, 9 Eskadronen und 9 Batterien. Der Kaiser begrüßte zunächst die zum Parademarsch ausgestellten Truppen. ES fanden sodann zwei Vorbeimärsche statt, bei dem ersten defilierten die Infanterie in Kompaniefronten, die Kavallen» in ESkadronsfronten im Schritt, die Artillerie in Batteriefronten im Trab«, bei dem zweiten die Infanterie in Reg'« mentskolonnen, die Kavallerie und Artillerie im Galopp. Beidemale führte der Kaiser den anwesenden Fürstlichkeiten sein Regiment 116 vor, ebenso führten der Großherzog, die Großherzogin und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen ihre Regimenter. Die Parade kommandiert» Generalleutnant v. Sirantz. Zahlreiches Publikum wohnte * dem militärischen Schauspiel bei. Der Kaiser nahm militärisch« Meldungen entgegen und setzte sich sodann mit dem Großherzog an dir Spitze der Fahnen-Kompanie, um diese nach Mainz zu führen. Die Truppen bildeten von der Stelle des Parademarsches bis zum Ausgange des Exerzierplatzes Spalier. Der Kaiser verlieh den Stern zum Roten Adlerorden 2. Kl. mü Eichenlaub dem Generalleutnant Scholtz, den Roten Adler- orden 2. Kl. mit Eichenlaub dem Generalmajor v. Francois, den Kronenorden 2. Kl. dem Obersten Dewitz. Gegen 1 Uhr zog der Kaiser mit dem Großherzog in dir reichgeschmückte und geflaggte Stadt Mainz ein unter dem Zub«l der Bevölkerung und dem Läuten der Glocken sämtliche» Kirchen. Vor bem großherzoglichen Schlosse lirß der Kais«, die Fahnenkompanie und Standarteneskadron vorbei- marschieren. Im Vestibül wurde der Kaiser vom Ober» bürgermeister von Mainz, Dr. Göttelmann, im Namen bet Stadt begrüßt. Der Kaiser zog den Oberbürgermeister in ein längeres Gespräch, an dem auch der Großherzog teil» i*. Der Kaiser bemerkte, daß der Kreuzer „Mainz* demnächst in Dienst gestellt werden dürfte und meinte auf die Bemerkung des Oberbürgermeister-, die Bürgerschaft von