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w. Waisenhaus« in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Vrrantmarü. ÄMteut: «. TchreSer * H«a».

Nr. 193 Fernsprechanichluk Nr. 605.

Donnerstag den 19. August

N«ri>sprechanschl«tz Nr. 605. 1909

Gefundene und verlorene Gegenstände 2t.

Gefunden: 1 Perlen-Damentäschchen mit Porte­monnaie mit 60 Pfg. und 1 weißen Taschentuchs 1 Automobil- Hebewinde, 1 oxidierte Damenuhr, 1 Schlüsselring mit 2 Schlüsseln und 2 Schlinken, 1 alter bunter Damengürtel mit runder gelber Schnalle, 1 alte Brille.

Verloren: 1 Damenring mit 2 Rubinen und I Perle. Hanau den 19. August 1909.

Politische RundTcbats»

Die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen haben derNordd. Allgem. Ztg." zufolge im Juli 1909 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr 3,2 Millionen Mark oder 5,46 Prozem, im Güterverkehr 3,5 Millionen Mark oder 3,38 Prozent mehr und insgesamt nach Abzug einer Minder­einnahme aus sonstigen Quellen 5,9 Millionen oder 3,45 Prozent mehr betragen. Die Zahl der Sonntage und Werk­tage war in beiden Jahren gleich.

Landtagsersatzwahl. Bei der gestern stattgehabten Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Diephol-Syle wurden für den Landgerichtsdirektor Meyer - Werden (national-liberal) 129 Stimmen und für den Hofbesitzer Logemann-Rathlosen (Kreis Sulingen) (Bund der Landwirte) 84 Stimmen abge­geben; nicht erschienen waren zehn Wahlmänner. Meyer ist mithin gewählt.

Die Neichstagsersatzwahl in Koburg ist jetzt auf den 11. Oktober anberaumt worden. Der Streit zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen wird jetzt leider immer Mehr verschärft durch Erklärungen und Gegenerklärungen, die beide gegeneinander in die Welt senden. So hat jetzt wieder der Freisinn eine Erklärung veröffentlicht, in der er die Schuld daran, daß es zu keiner Einigung gekommen ist, den Nationalliberalen in die Schuhe zu schieben versucht. Man täte wirklich besser daran, solche Streitereien jetzt zu unterlassen und wenigstens für die Stichwahl eine Einigung anzubahnen, wenn sie für den ersten Wahlgang nun einmal nicht möglich ist. Sonst kann vielleicht noch die Sozial­demokratie der lachende Dritte sein.

Der Ausstand der städtischen Arbeiter in Kiel ist nunmehr beendigt. Nachdem noch am Freitag eine Ver­sammlung der Ausständigen beschlossen hatte, die Bedingungen des Magistrats abzulehnen und im Ausstande zu beharren, meldeten sich am Samstag und Montag eine größere Anzahl zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Arbeit, und darauf­hin beschlossen die übrigen am Montag den Streik abzu­brechen. Eine Abordnung der Streikenden und Ausgesperrten setzte davon den Magistrat am Dienstag vormittag in Kennt-

Bon derIla".

I.

Ila", das ist eines jener modernen Kürzungsworte, wie Damuka",Augur" und andere mehr. Es entstand aus den Anfangsbuchstaben eines Titels und bedeutet dieInter­nationale Luftschiff-Ausstellung", welche zurzeit in den neuen großen Ausstellungshallen zu Frankfurt am Main stattfindet.

Man hört heute gelegentlich das absprechende Urteil, daß unsere Industrie ausstellungsmüde sei, daß in unserem Zeit­alter eines hochentwickelten Verkehrs Ausstellungen überhaupt nicht mehr zeitgemäß seien. Das mag vielleicht für manche Arten von Industrieausstellungen zutreffen, bei denen man an hundert einförmigen Ständen vorbeiwandert, die nur Strümpfe oder nur Hemden oder Konservenbüchsen zeigen, Dinge, die man tatsächlich in jedem großen Geschäft be­quemer und billiger besichtigen kann. Aber es trifft in keinem Falle auf ein Unternehmen wie dieIla" zu. Bringt diese doch ein ganz neues Gebiet zur Darstellung, die Luft­schiffahrt, in welcher es sich heut auf allen Gebieten in neuem Leben regt und Entwickelungsmöglichkeiten entstehen, die dem kommenden Menschenalter vielleicht ein ganz anderes Gepräge verleihen werden.

So ist dieIla" eine der intereflantesten Ausstellungen, die wir in den letzten 30 Jahren gehabt haben, wohl ge­eignet, sowohl die Interessen der ausstellenden Industrien zu fördern, wie auch dem besuchenden Publikum Anregung und Unterhaltung in Fülle zu gewähren. Auch die Ver­anstalter von einfachen Gewerbeavsstellungen haben heut be­griffen, daß lauter Kioske mit Strümpfen oder Hemden das Publikum wenig interessieren, daß es dagegen dem Entstehen dieser Dinge, dem Weben und Stricken gefesselt zuschaut, und bringen daher solche Maschinen in Tätigkeit zur Vorführung. In gleichem Sinne will dieIla" ihren Besuchern nicht nur die einzelnen Flugmittel, die Freiballons, Motorluftschiffe und Motordrachen vorführen, sondern darüber hinaus alle dies« Dinge auch in Tätigkeit zeigen. So Offert nur eine große Zweiteilung der ganzen Ausstellung, nämlich die Vol- sührung von Konstruktionen und den Betrieb dieser Kon-

nis und bat um Wiedereinstellung der früheren Arbeiter. Soweit die Stellen nicht inzwischen bereits anderweitig dauernd besetzt sind, was bei mehr als der Hälfte geschehen ist, werden die früheren Arbeiter unter den bekannten vom Magistrat gestellten Bedingungen wieder eingestellt, wobei sie noch ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß sie als Neuangestellte angesehen werden und auf ihre früheren Rechte, wie Urlaub, Zahlung des Lohnes bei Krankheitsfällen und sonstige Vergünstigungen bis zum 1. April n. I. keinen An­spruch haben.

Der 4. deutsche Malertag, welcher am 8. August in Dresden stattfand, war von 600 Teilnehmern aus allen Gauen Deutschlands besucht. Die Vorträge der Herren Stolz-München und Kruse-Berlin überOrganisationsfragen" wurden beifällig ausgenommen und verpflichteten sich die An­wesenden für weiteren Ausbau der Arbeitgeber-Verbände im Malergewerbe Sorge zu tragen. An dem Referat des Maler­meisters Kleinknecht-Nürnberg über neue Erfindungen und Erfahrungen knüpfte sich eine recht anregende Debatte, an der sich die Herren Professor Dr. Eibner-München und Andes-Wien beteiligten. Die Generalversammlung des Haupt­verbandes Deutscher Arbeitgeber-Verbände im Malergewerbe am 9., 10., 11. August war von 300 Delegierten, welche 50 Millionen Mark gezahlter Jahresarbeitslöhne vertraten, beschickt, außerdem hatten sich noch 200 Vorsitzende von Orts- verbänden eingefunden. Nach einem eingehenden Referat des Reichstagsabgeordneten Dr. Mugdan überdie Rechtsfähig­keit der Berufsvercine" wurde eine Resolutton einstimmig an­genommen, welche den Bundesrat ersucht, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf über die Verleihung der Rechts­fähigkeit an die Berufsvereine, in dem die Haftbarkeit der Vereine für Schäden, die sie selbst oder ihre Mitglieder ins­besondere durch Tarifvertragsverletzungen verursachen, ausge­sprochen wird, zugehen zu lassen. Der Vortrag des Reichs­tagsabgeordneten Irl über die neue Reichsversicherungs- ordnung soll in einer Denkschrift ausgearbeitet und den be­teiligten Stellen als Material unterbreitet werden. Nach Schluß der 3tâgigen öffentlichen Verhandlungen fand eine geschloffene Sitzung statt, welche sich mit den Tarifverhandlungen be­schäftigte und völlige Einstimmigkeit mit den Arrordnungen des Vorstandes ergab.

Die Kretafrage. Die griechische Regierung hat die Pforte ersucht, die Beantwortung der letzten türkischen Note bis Freitag aufschieben zu dürfen. Der Ministerrat hat sich hiermit einverstanden erklärt. Nach bei der Pforte einge- troffenen Meldungen aus Kanea beschränkte sich die Aktion der Matrosenkompanie der Schutzmächte gestern früh darauf, den Flaggenmast der griechischen Flagge zu fällen, da diese selbst wegen der frühen Morgenstunde noch nicht gehißt war. Durch das Vorgehen der Schutzmächte ist die Pforte lebhaft struktionen, d. h. die Veranstaltung von allerlei Flügen. Beginnen wir mit dem ersten Teil!

Die Luftschiffahrt zerfällt in di« Aerostatik und die Aerodynamik, oder deutsch gesagt: in Ebensoschweralsdieluft- maschinen und Schwereralsdieluftmaschinen. Die Fahrzeuge der ersteren Gruppe schwimmen im Luftmeer nach dem Archimedes'schen Gesetz, weil sie in ihrer Gesamtheit ebenso schwer als die von ihnen verdrängte Luft sind. Sie sind ausnahmslos dadurch gekennzeichnet, daß sie größere Säcke oder Ballons mit tragendem Gas besitzen. Die Fahrzeuge der zweiten Gruppe halten sich nach dem Drachenprinzip schwebend, indem sie unter Benutzung motorischer Kraft auf die unter ihnen befindliche Luft einen Druck ausüben, sie zusammenpressen und so ein elastisches Luftpolster bilden, von dem sie getragen werden.

Betrachten wir weiter die erste, die aerostatische Abteilung! GaS ist dazu notwendig und ferner ein Ballon, der es um­schließt. So haben wir zunächst die zahlreichen Apparate zur Gasbeschaffung. AIs Füllgas kommen Leuchtgas und Wafferstoffgas in Frage. Das Leuchtgas wird man natür- lich aus den verschiedenen Gasanstalten entnehmen. Weit­aus schwieriger ist die Beschaffung des Wassecstoffgases, und zwar sowohl für die zivile Luftschiffahrt, wie auch für die Militärluftschiffahrt unter den schwierigen Verhältnissen des Felddienstes. So finden wir in der Ausstellung feste Wasserstoffstationen, bei denen der Wasserstoff entweder durch die elektrolytische Zersetzung des Wassers gewonnen, oder aus Wasserdampf durch Behandlung mit glühendem Koks und glühendem Calcinmcarbid dargestellt wird. Dabei handelt es sich um ortsfeste Stationen. Ihnen gegenüber sind die ortsbeweglichen Stationen, die Gasflaschwagen, zu betrachten, welche den irgendwo erzeugten und durch kräftige Pumpen unter einem Druck von 200 Atm. in gewaltige Stahlflaschen gepreßten Sauerstoff mit ins Feld nehmen, so daß die Füllung von Ballons jederzeit irgendwo bei den Vorpostenlinien geschehen kann. Schließlich sind die interes­santen chemischen Versuche zu betrachten, das Wasserstoffgas, welches wir ja für ein luftsörmiges Metall halten, ebenso wie wir im Quecksilber ein flüssiges Metall kennen, mit anderen Metallen, speziell mit dem Zink zu Amalgamen oder

befriedigt. Der Minister des Innern hat an sämtliche Walis den Befehl ergehen lassen, Maßregeln zur Aufhebung bei Boykotts der griechischen Schiffe zu treffen.

Zur Feier des Geburtstages Kaiser Franz Josefs.

Cassel, 18. Aug. Der Kaiser hatte bei der Geburts­tagstafel lebhafte politische Gespräche mit dem Reichskanzler und den Botschaftern Szögyenyi und Marschall von Bieber­stein. Später besuchte Bieberstein Szögyenyi im Grandhotel und hatte mit ihin eine anderthalbstündige Konferenz. Beim Kaisertoast wurde die unentwegte BundeStreue Deutschlands und Oesterreichs hervorgehoben, welche sich allezeit, und auch jetzt wieder, vollauf glänzend bewährt habe.

Hamburg, 18. Aug. Anläßlich der 79. Geburtstages des Kaisers Franz Josef wurde heute vormittag in der katholischen kleinen Michaeliskirche ein Festgottesdienst abge­halten, an dem in Vertretung bei beurlaubten österreichisch ungarischen Generalkonsuls Vizekonsul Ritter v. Frankenek sowie zahlreiche Mitglieder der österreichisch-ungarischen Ko­lonie teilnahmen. Nach dem Gottesdienst fand Empfang auf dem Generalkonsulat statt.

Wien, 18. Ang. Der Geburtstag des Kaisers Franz Josef wurde in der ganzen Monarchie durch Festgottesdienst und Festlichkeiten unter großer Begeisterung der Bevölkerung begangen. Aus den meisten Großstädten des Auslandes werden Festgottesdienste und feierliche Empfänge bei den österreichisch-ungarischen Botschaftern und Gesandten gemeldet. Dem Festgottesdienst in Marienbad wohnte König Eduard mit Gefolge bei.

Wien, 18. Aug. Der Kaiser verlieh dem Minister bei SMßern, Frhrn. v. Arhrenthal, den erblichen Grafentitel.

Marokko unt> Spanien.

Fez, 18. Aug. Hier ist ein Eilbote mit der Meldung eingetroffen, daß der Roghi und 10 Chorfas seiner Um­gebung gefangen worden sind. Gleichzeitig traf der Kops seines Kämmerers und einer Anzahl Gefangener ein. Zwanzig Verwundete wurden enthauptet, andere Gefangene gemartert. Das Eintreffen des gefangenen Roghi in Fez wird am 35. August erwartet.

Fez, 18. Aug. Der Sultan hat eine Abordnung der Riskabylen, die hierher gekommen war, um seine Intervention zu erbitten, mit der Erklärung zurückgeschickt, daß er selbst bie von den Spaniern begonnene Züchtigung zu Ende führen werde. Fortwährend treffen noch Züge von gefangenen Roghileuten ein. Der Roghi selbst soll bei dem Stamme der Kumer Zuflucht gesucht haben.

Melilla, 18. Aug. Die spanischen Batterien beschoss heute vormittag die Schluchten des Gurughi. Verschiede^ Legierungen zu vereinigen. ES sind das wissenschaftlich hochinteressante Versuche, bie nur an dem Uebelstand kranken, daß das auf diese Weise chemisch komprimierte Wasser- stoffgas recht teuer wird. Ein Gang durch diese Ab­teilung der Ausstellung zeigt eine Fülle interessanter Apparate und Verfahren zur Herstellung und Speicherung von Wasserstoffgas, läßt aber gleichseitig auch erkennen, daß der Technik auf diesem Gebiet« noch ungemein viel zu tun übrig bleibt.

Das Gas soll nun sicher gefangen werden, und dazu ge­hören Ballonhüllen, gehören zunächst Ballonstoffe, bte ein­mal mechanisch genügende Festigkeit besitzen, und ferner große Gasdichtigkeit aufweisen. Die Franzosen bevorzugen nun als Ballonstoff die gefirnißte Rohseide. Wir stoben der­artige französische Ballonstoffe in ziemlicher Auswahl tn oer Ausstellung. In Deutschland hat man sich dagegen sur gummierte Leinenstoffe entschieden, und mehrere gut renom­mierte Pneumatikfabriken, von denen an dieser Stelle nur ol« Kontinentalgesellschaft und die Metzer Pneumatrkgeielllchaft genannt werden mögen, sind mit solchen Stoffen vertreten. Die Technik hat hier bereits viel geschaffen, aber auch hrer bleibt noch eine Riesenarbeit übrig.

Die deutschen Ballonstoffe werden m der Werse erzeugt, daß man ausgesucht gute Leinwand- oder Baumwollstoff« io übereinanderlegt, daß ihr« Fäden sich unter eurem Winkel von 45 Grad kreuzen, zwischen sie eine weime Guninnmave in besonderen Massen ganz gleichmäßig und fein auSwalzt, so daß sie überall gleiche Stärke hat und bte Faden beider Gewebe von innen her dicht umschließt. Die derartig vor- bereiteten Stoffe werden dann vulkanisiert, wobei der Gummi aus dem knetbaren in den völlig elastischen Zustand über­geht. Weiter erhält der Stoff eine schreiende ockergelb« Für- bung. Durch diese werden die violetten und ultravioletten Strahlen des Sonnenlichtes, die die Gummischicht sehr schnell ruinieren würden, von ihr abgehalten. Dieser au» zwei Lagen bestehende Stoff dient für einfache Freiballon», in denen das Gas keinen besonderen Ueberdruck hat. Für bie Motorluftschiffe ist ein stärkeres Material notwendig. Hier werden bis zu fünf Stofflagen in der geschilderten Weise mit den entsprechenden Gummischichten zusammengewalzt und