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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Fernsprechanschlutz Nr. 605

Mittwoch den 18. August

Fetmsprechanschlutz Nr. 605. 1909

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Die Rotlaufseuche unter den Schweinen des Bahuarbeiters Heinrich Jhl hier, Salzstraße 7, ist erloschen.

Die Gehöftsperre ist aufgehoben.

Hanau den 16. August 1909.

Königliche Polizei-Direktion.

P 9245 I. V.: Dr. v. Waldow, Reg. -Assestor.

Eandkreis Hanau.

Unter den Schweinen in Niederrodenbach ist die Schweine- seuche festgestellt.

Hanau den 17. August 1909.

Der Königliche Landrat.

V 4590 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Unter den Schweinen in Windecken ist die Schweineseuche erloschen.

Hanau den 17. August 1909.

Der Königliche Landrat.

V 4558 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kauf­manns Konrad Hestermann in Hanau, Inhaber der Firma Koch & Hestermann in Hanau, wird der auf den 25. August 1909, vormittags 11 Uhr, anberaumte Termin zur ersten Gläubigerversammlung verlegt auf den .

1. September 1909, vormittags 10 Uhr.

Hanau den 17. August 1909.

Königliches Amtsgericht 5. 18839

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Paar gelblich seidene, durchbrochene Damenhandschuhe und 1 weißes Taschentuch (auf dem Spiel­platz in Wilhelmsbad), 1 grauemaillierte Milchkanne, 1 Kinderschirm, 1 loser Brillant, 1 Damenuhr ohne Kette, 1 Zug-Pferdestrang, 1 Radfahr-Medaille mit der Gravierung (13 Km 3. 9. 1899 1 Std. 29 M. 19 Sek.), 2 Radpedale.

Verloren: 1 schwarzes Notizbuch (am Sonntag im Bruchköbeler Wald), 1 Korallenkettchen, 1 Damenporte­monnaie mit etwas über 12 Mk.

Zugelaufen: 1 grauer Wolfsspitz m. Geschl.

Hanau den 18. August 1909.

Von baltischen Inseln. Von Hedda von Schmid.

Nachdruck verboten.

Die Frühlingsstürme sind über das baltische Meer dahin­gebraust, nun blaut die Flut im Hochsommer, und die Inseln, die sich aus den Wogen erheben, die während des langen nordischen Winters gleichsam scheintot gewesen, umschränkt von Schnee und Eis, umtost von dräuendem Unwetter, lachen lieblich im Schmuck ihrer Wälder, im Schimmer ihres weißen Dünensandes. Während der kalten Jahreszeit sind diese Inseln oft wochenlang vom Verkehr mit dem Festlands ab­gesperrt ; durch diese sich alljährlich wiederholende Isolierung und überhaupt ihrer geographischen Lage nach, hat sich auf den Ostsee-Eilanden ein ganz besonderer Charakter in Bezug auf ihre Bewohner und deren Sitten entwickelt. Weltverloren lagen sie lange Monate hindurch im Eise, nun hat der schmeichelnde 'FrühIingSwind daS Leben auf ihnen wachgeküßt, das sich aber erst im Sommer zur vollen Blüte dort ent­faltet. Dampfschiffe und Segler finden den Weg zu den einsamen Küsten, neugierige Fremdlinge betretenden muschel­durchsetzten Strand und wahrlich, es verlohnt die Fahrt nach den baltischen Inseln, viel Eigenartiges gibt es da zu schauen. Etwas urwüchsig Gesundes bildet den Grundzug im Wesen der Fischer auf den baltischen Eilanden. Die Leute sind so herzerquickend weltfremd. Wenn man von Stettin aus den finnischen Schären zusteuert, kommt man an der Insel Gotland oder Gudland, wie sie früher hieß, vorüber. Die Sage berichtet, daß ein dänischer Prinz Hading bei Gotland seinem Feinde, dem König Svildager, eine Seeschlacht geliefert habe, aus der er als Sieger hervor­gegangen sei. Aus Erbitterung über seine Feinde habe er die Leichname der Erschlagenen auf einer Klippe liegen lassen, den Raben zur Speise. Da Rabe auf guthiländisch Körper hieß, so wurde jene Klippe von da anCorpe- Klint" genannt. Die Hauptstadt der Insel, Wisby, ist an der Westküste an einer heidnischen Opferstütte erbaut. Im 12. Jahrhundert kamen die ersten deutschen Ritter, Kaufleute nnd Missionare dorthin, und die Insel wurde

Politische Rundschau.

Die Schlußberichte der städtischen Schulen in Essegg liefern für den Umfang nnd Einfluß der deutschen Sprache in Slawonien bemerkenswerte Berichte. Von 2051 Schülern und Schülerinnen, welche die Essegger Gemeinde­schulen besuchen, bekannten sich 952 zu der deutschen Mutter­sprache, während nur 800 die kroatische Sprache als Mutter­sprache nannten. Der Rest verteilt sich auf die verschiedenen slavischen Idiome des Slowenschen, Slowakischen, Serbischen und Tschechischen und auf das Madjarische. Die Deutschen stellen danach die Hälfte sämtlicher Schulkinder und sind hier­bei sogar der herrschenden kroatischen Bevölkerung an Zahl überlegen.

Die Tschechisiernng des böhmischen Schul­wesens dauert fort. So ordnete der Landesschulrat neuestens die Errichtung einer öffentlichen tschechischen Schule in Leitmeritz an. Die Stadtvertretung beschloß einstimmig, an das Ministerium einen Rekurs zu richten.

Englisches Unterhaus. Auf eine Anfrage wegen der Lieferungen für die Tientsin - Pukowbahn erwiderte der Staatssekretär des Auswärtigen, Sir Edward Grey, er habe keinen Grund zur Annahme, daß der Artikel 18 des Ab­kommens über die Tientsin-Pukowbahn nicht in loyaler Weise ausgeführt worden sei. Der Artikel sieht vor, daß die Deutsch-Asiatische Bank und die Chinesische Zentralbahn als Agenten für die Bahnverwaltung während des Baues den Ankauf des fremden Materials besorgen sollen und daß bei gleichen Preisen und Qualitäten die britischen und deutschen Erzeugnisse bevorzugt werden sollen vor den übrigen fremden Erzeugnissen und zwar für die nördlichen bezw. südlichen Teile der Bahn.

Die Kretafrage.

Köln, 17. Aug. DerKölnischen Zeitung" wird aus Konstantinopel telegraphiert: Zwei Admirale und 29 Offiziere sind mit einem Transport Munition, Torpedos und sonstiges Material zur Flotte abgegangen. Wie die Persönlichkeiten aus leitenden Kreisen erklären, wird das türkische Geschwader kräftig vorgehen, wenn die Schutzmächte nicht schnell zwingen, den Status quo ante wieder herzustellen und die »ttomanische Souveränität anzuerkennen. Die Vertreter der Mächte setzen ihre vermittelnde Tätigkeit fort, aber an maßgebender türkischer Stelle erklärt man, man erwarte Handlungen statt Worte. Infolgedessen herrscht jetzt im diplomatischen Korps eine pessimistische Auffassung vor.

Konstantinopel, 17. Aug. Namens des griechischen Gesandten erhob der erste Dragoman bei dem Minister des Aeußeren abermals Vorstellungen gegen den Boykott der griechischen Schiffe. Der Minister des Auswärtigen hatte sodann eine Besprechung mit dem Großwesir über die gegen ein wichtiger Verkehrspunkt. Dann überfiel der. Dänen­könig Waldemar Sittertag die Stadt, plünderte sie, und von nun an hausten eine Zeitlang Seeräuber in den Ruinen. «Von den einst dort erbauten 14 Kirchen sind 7 als Ruinen noch erhalten. Trotzige Türme, Reste der ehemaligen Stadtmauer, umschließen einen botanischen Garten. Von viel Kampf, wilder Vergangenheit und viel Romantik ist dieses Eiland umwoben. 'Für die Reisenden, die aus Finnland nach Stettin dampfen, hat der Anblick von Gotlands Küste etwas ungeheuer Beruhigendes, denn hinter der Insel vermindert sich in der Regel der hohe Seegang, und die Seekrankheit entschwindet oder wird wenigstens erträglich. Vor der Einfahrt in den Hafen von Reval, die bei Nebel außerordentl-ch gefährlich ist, liegt die von Schweden be­wohnte Insel Nargen oder Nargön. Ein Leuchtturm erhebt sich dort, dunkle wundervolle Wälder, in deren Schatten es sich wie in einem wundervollen Park wandelt, rauschen im Seewinde. Köstlich ist die Lust auf Nargön. Vor einem Jahrzehnt noch kümmerte man sich in Estland kaum um diese Insel, die wie so leicht keine zweite in der Ostsee sich zu einem Kurort eignet. In letzter Zeit haben sich einige Revalenser dort angekauft, und ein Tourendampfer ver­mittelt den Verkehr mit der Stadt. Bemerkenswert ist, daß während des schlimmen Revolutionsjahres 1905 einige Städter die Absicht hatten, ihre Familien aus Nargen in Sicherheit zu bringen. Die Bevölkerung sei dort außerordentlich fried­lich und gänzlich unbewaffnet. Als jedoch bald darauf die Fischerhäuschen von Grenzsoldaten nach Waffen durchsucht wurden, sand man nicht weniger als 700 aus Finnland ein­geschmuggelte Flinten, was allerdings nur von dem kauf­männischen, nicht vom kriegerischen Geist der Insulaner Zeugnis ablegte. Um Nargen herum tobte 1790 die See­schlacht zwischen König Gustav in. und Katharina II., aus welcher Rußland siegreich hervorging. Weiter westwärts rauschen die Meereswogen und umspülen zwei Eilande: Worms und Dagö oder'Dagden. In ihrer Gruppe ist noch die Halbinsel Nuckö nennenswert, die reich an allerhand Sagen ist. Sie grüßt mit ihrem flachen reizlosen Strand zum idyllischen Städtchen Hapsal, dem vielbesuchten See­bad herüber. Die Bauern dort sind ungeheuer abergläubisch:

die Boykottbewegung zu ergreifenden Maßregeln. Nach­richten aus Kanea melden die Auswanderung zahlreicher Mohammedaner nach Rhodos. Gestern wurden hier drei Griechen wegen politischer Umtriebe verhaftet. Die griechische Antwort auf die türkische Note wird für morgen erwartet.

Smtytna, 17. Aug. (Reuter.). Das türkische Ge­schwader, bestehend aus zehn größeren und kleineren Schiffen, ist von hier in See gegangen, wie es heißt, mit der Be­stimmungsorder nach Karpathos. Die ottomanischen Ge­sellschaften beteiligten sich an dem Boykott der Schiffahrt durch Entlastung ihrer griechischen Arbeiter.

Kanea, 17. Aug. (Aaence Havas.) Die Konsuln der Schutzmächte teilen der kretischen Regierung mit,. daß die griechische Flagge morgen niedergeholt werden würde und machten hierbei auf die nicht wieder gutzumachenden Folgen aufmerksam, die jeder Angriff auf die internationalen Landungs­truppen haben würde. Die provisorische Regierung richtet in einer Proklamation an das Volk die Mahnung, sich dem Willen der Mächte vollständig zu unterwerfen.

Konstantinopel, 17. Aug. In der Kollektivnote werden die Schutzmächte, wie verlautet, erklären, in der Kreta­frage habe die Pforte sich nur an die Schutzmächte und nicht an Griechenland zu wenden. Bei dem gestrigen Diplomaten­empfang sollen einige Botschafter den maßgebenden Stellen der Pforte nahegelegt haben, man möge die erste Antwort Griechenlands als einen Erfolg betrachten.

Der türkisch-griechische Streit.

ES müßte sich Unsinniges ereignen, wenn es wegen der Kretafrage noch zu einem türkisch-griechischen Kriege kommen sollte. Der Griechenhaß der Albanesen und der Tatendrang der Jungtürken in Saloniki und Monastir sind keine ge­nügenden Gründe, um eine wenig gefestigte Regierung in Konstantinopel gegen die Wünsche des ganzen übrigen Europas zu einer kriegerischeri Unternehmung zu bestimmen, mag diese auch vom rein militärischen Standpunkte aus nicht gefährlich erscheinen.

Den sichtbaren Anlaß zum türkisch-griechischen Streit bot die Histung der griechischen Flagge auf den RegierungS- gebäuden in Kanea, alsbald nachdem die Besatzungen der vier Schutzmächte von der Insel zurückgezogen waren. Auf die erste türkische Note, die einen Verzicht auf alle Annexionr- bestrebungen verlangte, hat die griechische Regierung geant­wortet, sie habe an diesen Bestrebungen auf Kreta keinen Teil, und es sei Sache der Schutzmächte, die Angelegenheiten der Insel zu ordnen. In der zweiten türkischen Note ist erklärt worden, daß Griechenland auf Kreta in der Tat nichts zu suchen habe. Die Pforte erhebt weiter aber neue Beschwerden über griechische Umtriebe in Mazedonien und der leibhaftige Teufel, der bald im Wolfspelz, bald als Wechselbalg auftritt, spielt bei ihnen nod) eine große Rolle. Ein paar Rittergüter liegen auf der öden Halbinsel, dw unendlich melancholisch wirkt. Ein Arzt in Hapsal erzählt« mir, daß ein junger Soldat, der zur Grenzreiterabteilung aufbie Nuckö" kommandiert war, aus Schwermut und Heimweh sich selbst eine Schußwunde beibringen wollte, m der Absicht, dadurch dienstunfähig zu werden. Die Flint« hatte er in den Stiefelschaft gesteckt und dann losgedruckt er traf sich aber so schwer, daß er bald verschied. In der Tasche seines WaffenrockeS fand man einen Brief an |«ne Mutter .... Wenn ich im Rotgold deS Sonnenuntergangs auf der Terrasse des in die See hinausgebauten Hapialer Kurhauses saß, und der weiße Strand der Nuckö vor meinen Blicken am Horizont aufleuchtete, dann mußte ich stets an den armen heimwehkranken Burschen denken, deyen Mütterlein irgendwo in einem russischen Steppendott um ihn trauerte. .... Die Spitze der Jniel Worms taucht aus den Wellen empor . . . Schweden wohnen dort, wetterharte Leute in gelben Oelmänteln und «chusermutzen. Ein einziger Gutshof erhebt sich dort. Wenn die frühen Herbststürme die Ostsee beunruhigen, dann spannen bie Wormser Schweden die Segel ihrer erprobten Fahrzeuge. Gen Hapsal geht die Fahrt. Von dort wandern die Lars Nyström, Olaf Bendermann, Swen Söderhild und wie sie alle heißen, auf die estländischen Gutshöf« der Land-Wiek, wo man ihr Kommen gern sieht. Im ledernen Säckel klirren die Goldstücke. Die Wormser Schweden sind keine armen Leute in der Darre des GutShofes glänzt nicht minder goldig die reife Gerste. Die Wormser Schweden sind nicht nur tüchtige Fischer und kühne BootSmanen, sie sind auch schlaue gewiegte Kaufleute. Mit der erhandelten ®erste geht es nach Finnland auf den Getreidemarkt . . . Wie überall auf den Ostseeinseln spinnt und webt auch auf Worms Frau Sage. Sie erzählt vom Meermann auf Busby, der mit dem Getön seiner Sackpfeife eine ganze Hochzeitsgesellschaft in di« See gelockt: nur das Brautpaar widerstand dem Zauber nnd rettete sich auf das Dach einer Hütte, als die Wogen das Dorf fast vollständig zerstörten und dann in ihr Sett zurückschäumten. Eine kurze Strecke von Worms entfernt