Hanauer K Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Fernsprechanschlutz Str. 605. 1909
Amtliches.
Eandhreis Hanau.
Auf Grund des § 1 der Bundesrats-Instruktion vom 277^^7 1895 bestimme ich hierdurch zur wirksamen Bekämpfung der Tollwut in Ergänzung deS § 20 Absatz 3 der vorbezeichneten Instruktion folgendes:
In solchen Gegenden, in denen die Tollwut eine größere Verbreitung gefunden hat, können Ortschaften und Gemarkungen auch in weiterer Entfernung von den Seuchenorten als in 8 20 Absatz 3 der Bundesrats-Instruktion vom 87^ Juni" 1895 vorgeschrieben ist, von den Deterinärpolizci- behörden als gefährdet angesehen und demgemäß den Schutzmaßnahmen des § 38 des Reichsviehseuchengesetzes vom 17^7^- unterworfen werden. Als Seuchenorte gelten alle Ortschaften, in denen der wutkranke oder der der Seuche verdächtige Hund gesehen 'worden ist.
Berlin W 9, am 28. Juni 1909.
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
I. A.: Richter.
Es lauten:
§ 38 des Reichsviehseuchengesetzes vom y |^- ^
»Ist ein wutkranker oder der Seuche verdächtiger Hund frei umhergelaufen, so muß für die Dauer der Gefahr die Festlegung aller in dem gefährdeten Bezirke vorhandenen Hunde polizeilich angeordnet werden. Der Festlegung ist das Führen der mit einem sicheren Maulkorbe versehenen ^nde an der Leine gleich zu erachten. Wenn Hunde dieser Vorschrift zuwider frei umherlaufend betroffen werden, so kann deren sofortige Tötung polizeilich angeordnet werden."
S 20 Absatz 3 der Bundesrats-Instruktion vom 1895:
»Als gefährdet gelten alle Ortschaften, in welchen der wutkranke oder der der Seuche verdächtige Hund gesehen worden ist, und die bis vier Kilometer von diesen Ortschaften entfernten Orte einschließlich der Gemarkungen derselben."
Veröffentlicht. (A III 3594.)
Cassel, am 22. Juli 1909.
Der Regierungspräsident.
Graf v. Bernstorff.
Wird veröffentlicht.
Hanau den 7. August 1909.
Der Königliche Landrat.
V 4257 I. A.: H artmann, Kreissekretär.
Kuno und Elfe.
6m deutsches Sagenspiel in 6 Akten von Kark Engelhard.
In seinem Buche „Kattenloh" hat Karl Engelhard den gleichen Stoff schon einmal episch behandelt. Der „Liebenbach von Spangenberg" singt noch heute die wehmütige Geschichte zweier Liebenden, die dem starren Sinne des stolzen Vaters durch eine unerhörte Leistung bezwingen sollen: die Liebenbachquelle vom Bransberg ohne Hilfe innerhalb Jahressrist durch den felsigen Boden in die Stadt zu leiten; und die in der Stunde der Vollendung, die für sie die Erlösung?- und Glücksstunde sein sollte, als Opfer ihrer übermenschlichen Leistung ein tragisches End« finden. Der balladeske Stoff ist nicht leicht in eine dramatische Form umzugießen, Engelhard hat aber mit so glücklicher Hand die wirkungsvolle Ausgestaltung der romantischen Sage zustande gebracht, daß nicht nur von ihrem naiv-volkstümlichen Zauber nichts verloren ging, sondern auch ihr spröderer lyrischer Gewalt bem Handlungsgefüge zu einer ganz eigenartigen Wirkung verhilft. Die innige, zuversichtliche Herzenskraft E Liebenden leuchtet mit bezwingender Gewalt durch alle Wirmisse und Prüfungen und spiegelt sich mit schönster Klarheit in dem trotzig, unnachgiebigen Sinne des ehrgeizigen Bürgermeisters, dem seine großen Pläne mehr gelten, als die Herzensnot seiner Else. Despotischer Eigensinn läßt die Forderstimmen des Gefühls, das um sein Glücksrecht kämpft, nicht aufkommen und erst als die armen Gequälten, als stumme Opfer unter der Riesenlast ihrer Aufgabe erdrückt liegen, bricht sich der verblendete Starrsinn. Das Werk ist voll poetischer Schönheit, die Sprache schlicht-vornehm, oft von prächtiger Plastik, immer dem besonderen Charakter der hessischen Sage fein angepaßt, daS historische Gepräge der Handlung und deS Milieus aufs glücklichste herausgebracht. Man merkt an jeder Szene, daß eine starke, sichere Dichterhand am Werke war, daß ein bis in die letzten Tiefen gehendes Verstehen für den feinen Sagenstoff, dessen innigsten Gehalt in den leuchtenden Zauber einer großzügigen Dichtung zu bannen verstand. Vom letzten Akte gilt dies ganz besonders. Hier reflektiert das Drängend-Fieberhafte der Ver-
Unter den Schweinen in Rückingen ist die Schweineseuche festgestellt.
Hanau den 10. August 1909.
Der Königliche Landrat.
V 4432 I. A.: Hartman», Kreis sekretär.
Unter den Schweinen in Niederdorfelden ist die Schweineseuche erloschen.
Hanau den 10. August 1909.
Der Königliche Landrat.
V 4460 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
6iWt Aerm-NeMutei §mn
Die Tischlerarbeiten für die Mannschaftsgebäude des Eisenbahn - Regiments Nr. 3 sollen in öffentlicher Ausschreibung in zwei Losen, LoS 1 MannschaftSgebâude I, II und UI, Los 2 Mannschaftsgebäude IV, vergeben werden.
Die Angebote sind versiegelt und mit kennzeichnender Aufschrift versehen, bis zur Eröffnung derselben am Dormers- tag den 26. August 1909, vormittags 10 Uhr, an die Bauleitung der städtischen Kasernen-Neubauten in Hanau, Lamboystraße 56, einzuveichen.
Die Zeichnungen, Verdingungsunterlagen und der Verdingungsanschlag liegen dortselbst zur Einsichtnahme arb»; letzterer kann, so lange der Vorrat reicht, gegen postfrei« Einsendung von 5 Mk. — nur in bar — von dort bezogen werden.
Der Zuschlag wird innerhalb 5 Wochen erteilt und bleibt der Unternehmer so lange an sein Gebot gebunden.
Hanau den 7. August 1909.
Der Magistrat. 18387
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Politische Rundschau.
Zum Lehrerbesoldttugsgesetz. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Durch die Presse geht die Nachricht, daß die Ausführung des neuen VolkSschullehrer« Besoldungsgesetzes insofern zu Klagen Anlaß gibt, als den Lehrern die ihnen im Jahr« 1908 aus der Staatskasse für Rechnung der Schulverbände gezahlten einmaligen Zulagen von 150 Mk. bei der Gehaltszahlung am 1. Oktober d. J. in Abzug gebracht werden sollen, so daß ihnen an dem genannten Tage unter Umständen ein geringeres Gehalt gezahlt werden würde, als bisher. Nach § 2 Abs. 2 des Gesetzes vom 13. April 1908 sind die Lehrer verpflichtet, die erhaltenen einmaligen Zulagen zurückzuzahlen, „sobald die mit Rückwirkung vom 1. April 1908 ab in Aussicht genommene Abänderung des Lehrerbesoldungsgesetzes in Kraft getreten sein wird". Wie in der Ausführungsanweisung zu
zweiflungsarbeit im großen Hoffnungsempfinden der nahen Erlösung in meisterhaft veranschaulichter Intensität; während schon die Lustigkeit der bevorstehenden Glücksstund« aus dem nahenden Morgen zittert, bricht der Liebenden Leben unter der fast bezwungenen Nachtgewalt eines feindselig aufgezwungenen Schicksals zusammen.
Die Aufführung in Spangenberg war mit liebevoller Hingabe und großem Ernst vorbereitet und brachte die klingenden Schönheiten zu starker Wirkung; dem Werke wurde an allen Spieltagen enthusiastische Aufnahme zuteil und dem Dichter reichster Dank für das schöne Denkmal, das er dem idyllischen Hessenstädtchen, als Ergänzung der wunderfeinen Brunnengruppe „Kuno und Else" schuf. 6. K.
Kunst und Leben.
Früchte ver Schundliteratur. Welche Saat der Nic Carter-, Sherlok Holmes-Literatur und ähnlicher Machwerke entsprießt, ja entsprießen muß, beweist wieder einmal der jüngste Frauenmord in Berlin. Im Zimmer des Mörders fand man, wie die Tageszeitungen berichten, überall verrufene Hefte mit Blut bejubelt umherliegen. Das zeigt am deutlichsten, wie notwendig es ist, daß alle, die es mit ihrem Volk und seiner Entwicklung wohl meinen, sich zum Kampfe gegen bie Schundliteratur zusammenscharen und bis Bestrebungen der Vereinigten Deutschen Prüfungsausschüsse für Jugendschriften tatkräftig unterstützen. Diese Prüfungsausschüsse haben eine Deutsche Jugendbücherei, im Berlage Hermann Hillger in Berlin W. 9 ins Leben gerufen, die durch Darbietung spannender, aus der Feder erster ^Dichter und Schriftsteller, wie Liliencron, Tolstoj, Perfall, L>chmitt- Henner, Thompson, Zahn u. a. stammender Erzählungen durchaus geeignet erscheint, die verderbliche Schundliteratur zu verdrängen. Das beste Zeichen dafür, daß die Deutsche Jugendbücherei dazu berufen ist, der guten Sache zum Siege zu verhelfen, kann man darin erblicken, daß diese 10-Pfennig- Hefte bereits eine über jedes Erwarten weite Verbreitung bei der Jugend und im Volke gefunden haben.
diesem Gesetz vom 21. April 1908 angeordnet ist, war den Lehrern auch bei der Benachrichtigung über die Gewährung der Zulage eine entsprechende ausdrücklich« Eröffnung zu machen. Da in dieser Beziehung durch daS neue Lehrer- besoldungsgesetz vom 26. Mai d. I. nicht» geändert ist, kann über die Rückzahlungspsticht der Lehrer ein Zweifel nicht bestehen. Soweit aber eine Anordnung der Schulaufsichtsbehörde des Inhalts ergangen sein sollte, daß die einmaligen Zulagen am 1. Oktober d. J. von dem Gehalt der Lehrerin Abzug zu bringen find, so liegt dabei die Voraussetzung zugrunde, daß bis dahin die Gehaltsregelung derart beendet ist, daß die Lehrer die erhöhten Gehaltssätze am 1. Oktober d. J. ausgezahlt erhalten. Nach der Ausführungsanweisung zum Lchrerbesoldungsgrsetze soll die Wiedereinziehung der Zulagen durch Aufrechnung gegen die den Lehrern nach der neuen Besoldung? ordnung von den Schulverbänden zustehend« Gehaltsforderung erfolgen. Die Befürchtung der Lehrer, daß ihnen am 1. Oktober d. I. ein geringere» Gehalt gezahlt werden könnte, als ihnen nach der bisherigen Besoldungsordnung zustand, ist hiernach nicht begründet. Die einmalig« Zulag« von 150 Mk. haben nur di^enigen Lehrer erhalten, welche damals 1200 Mk. und weniger Grundgehalt hatten. Da das jetzige Mindestgrundgehalt 1400 Mk. beträgt, kann irgend «ine Schädigung der Lehrer nicht in Frag« kommen.
Di- Württemberg! sch« Zweite Kammer hat gestern unter Verzicht auf jegliche Debatte die fünfprozentige Steuererhöhung (Einkommen-, Grund- und Gebäude- sowi« Gewerbesteuer) angenommen. — Der Zweiten Kammer ist ein Nachtrag zum Etat zugegangen, der für die Einführung eine» Unterricht» für Luftschiffahrt, Flugtechnik und Kraftfahrzeuge an der Technischen Hochschule in Stuttgart 9000 Mark jährlich fordert. ES wurde ein Antrag angenommen, in dem «klärt wird, daß die wirksamst« Unterstützung der Luftschiffahrt in der Gründung einer Akademie für Luftschifffahrt durch daS Reich zu erblicken sei. Der Kulturminister teilte mit, daß d« Regierung von privat« Seite eint Spende von 59 000 Mk. zur Errichtung einer Forschungsstelle für Luftschiffahrt zur Verfügung gestellt worden fei.
Der sächsische konservative Landtag-abgeordnete Hâbn« erklärt, daß er ebenso wir einig« ander« »egen de» Verhaltens der Konservativen bei d« ReichSfinanzreform au» d« konservativen Fraktion und Partei auStrete. Hübner orrtrüt einen ländlichen Wahlkreis.
Die Kündigung deS deutsch - amerikanischen Handelsabkommens. Di« „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die von d« Regierung dn Vereinigten Staaten von Nordamerika am 30. April d. J. in Aussicht gestellte Kündigung deS deutsch - amerikanischen Handelsabkommen» vom 22. April/2. Mai 1907 ist nunmehr am 7. d. M. erfolgt. DaS Abkommen wird danach mit Ablauf deS 6. Februar 1910
AUSSTELLUNG ^ ^
i Ur Htadwerfc, Gewerbe,
' Kirnet end Girteabee M ” WIESBADEN 1909 •X_Ä^i
AusftellmrgK'Besttch«
Der „billige Sonntag" und da» schöne Wett« ha^n am 8. d. Mts. eine Maffenwanderung zur Ausstellung bewirkt. 17487 Besucher nahmen Eintritt. All« Lokale waren überfüllt und Schausteller wie Restaurateur« machten ein gutes Geschäft. ,
Am letzten Sonntag besuchten folgende Vereine bte Ausstellung. Die Delegierten des Schmiede-VerbandStages mit 120 Personen; die Gewerbeverein« Hanau mit 30, Grävenwiesbach mit 30 und Geisenheim mit 60 Personen l b» Schreiner-Innungen Frankfurt a. M. mit 50 und Aschaffenburg mit 39 Personen; der Maschinensetzer-Verein Offenbach am Main mit 36 und die Gewerbeschule Miehlen mit 2C Personen; der Gesang-Verein Liederkranz mit 270, sowi« der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband mit ca. 100 Personen. Des weiteren trafen die Handwerker des Hand- werkskammerbezirks Coblenz und diejenigen des Kreises Homburg v. d. H. mittels Sonderzuges zur Besichtigung der Ausstellung hier ein.
Albumblâtter.
O Geist der Dichtung, göttliche Gabe, du Deckst mit Blumen den Abgrund deS Leben« zu.
Du beutst Weihe der Freude und Balsam dem Schmerz, Ziehst goldene Fäden vom Himmel in« Herz, Auf daß schon hieniedeu ein Abglanz der Klarheit Uns werde vom Nrborn des Licht« und der Wahrheit.
Friedrich Bodenstrdt.
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Trotz allem FreundeSwort und MitgefühlSgeberden Bleibt jeder tiefe Schmerz ein Eremit auf Erden.
Lenau.