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General-Anzeiger
Milius Organ fm SW M MKreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 182 F-rnsprechanschlutz Nr. 605*
Amtliches.
Stadtkreis Fjanau*
Zwecks Ausführung von Pflasterarbeiten wird die Straße an der Westseite des Paradeplatzes (an der sogen, gelben Mauer) vom 9» d Mts. ab auf die Dauer von drei Wochen für den öffentlichen Fnhrverkehr gesperrt.
Hanau den 4. August 1909.
Königliche Polizei-Direktion.
P 9455 Frhr. v. Laur.
Eandkreis Hanau.
Die durch meine Bekanntmachung vom 1. November v. I., V 7342, (Nr. 257 des „Hanauer Anzeigers") gesperrte Landwegestrecke von Niederissigheim nach Butterstadt wird hiermit für Fuhrwerke bis zu 20 Ztr. Ladegewicht freigegeben. Dagegen bleibt diese Wegestrecke für alles übrige Fuhrwerk, sowie für Kraftfahrzeuge jeglicher Art auch fernerhin gesperrt.
Hanau den 4. August 1909.
Der Königliche Landrat.
V 4372 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Für einen nervenleidenden Mann, 44 Jahre alt, wird nne Pflege auf dem Lande gesucht.
Meldungen sind an das Armenamt zu richten.
Hanau den 2. August 1909.
Der Magistrat, Armenamt. 17953
Gefundene und verlorene Gegenstiindc re.
Gefunden: 1 Handtäschchen mit Nickelverschluß, 1 Kneifer, 1 Schachtel mit mehreren Uhrketten.
Verloren: 1 Prisma-Fernglas (Fabrikmarke Heusold, Wetzlar), 1 Anhänger, gez. C. P.
Hanau den 6. August 1909.
politische Rundschau*
Der Bimbesrat hat in der Sitzung vom 8. d. Mts. beschlossen, daß dem ersten Satze der (durch die Bestimmung im § 16 Absatz 4 der Postzollordnung ersetzten) Vorschrift in Ziffer 32,4 der Anweisung zur Ausführung des Vereinszollgesetzes folgende Fassung gegeben wird: Nach der Bestimmung der obersten Landesfinanzbehörde darf auch den nicht zur Klasse der Hauptämter gehörigen Zollstellen, bei denen ein Bedürfnis hierfür vorhanden ist, die Befugnis beigelegt werden, diejenigen Eisenbahnfrachtstücke, die aus dem freien Verkehre des Zollgebiets irrtümlich in das Ausland befördert oder sonst in das Ausland versandt, aber nicht in die Hände des Empfängers, gelangt, sondern im Ausland im Gewahrsam der Eisenbahn-, Zoll-, Post-, Gerichts- oder Polizeibehörde geblieben sind, beim Wiedereingange selbständig aus Billigkeitsrücksichten vom Eingangszolle freizulassen, wenn diesen Eisellbahnfrachtstücken eine eisenbahnamtliche Bescheinigung darüber beigegeben wird, daß sie während ihrer Beförderung sich ununterbrochen im Gewahrsam der Eisenbahn-, Zoll-, Post-, Gerichts- oder Polizeibehörde befunden haben.
Staatssekretär Schön «nd die Zitstände in Nordschleswig. Die „Nordd. Allgem. Zig." meldet: Graf Rantzau-Rastorf kommt in der „Deutschen Tageszeitung" auf die Feststellungen zurück, die wir in unserer Nummer oom 3. August über das Gespräch des Staatssekretärs Frhrn. v. Schön mit dem Abg. Dr. Struve gemacht haben. Zu den Ausführungen des Grafen Rantzau ist zunächst zu be- merken,^ daß unsere Mitteilungen nicht korrekt zitiert sind. Zu unserem Text heißt eS, eS sei an der Zeit, daß auf dulden Seiten, zunächst auf dänischer, aber auch auf deutscher ^eite Don aussichtslosen Bestrebungen, unfruchtbarem, ver- bitternbem Streiten und Kämpfen Abstand genommen werde. Dagegen zitiert Graf Rantzau: Es sei an der Zeit, daß auf beiden Seiten tunlichst von aussichtslosem unfruchtbarem Streiten und Kämpfen Abstand genommen werde. Der Staatssekretär hat also betont, daß mit der Einstellung des Kampfes von dänischer Seite begonnen werden muß. Er hat dagegen anerkannt, daß die Deutschen im Grenzbezirke sich in der Verteidigung befinden. Daß ferner auch der Staatssekretär die Agitation auf dänischer Seite an der Fortdauer der Unruhe die Schuld beimißt, ergibt sich aus seinem Hinweis auf den Optantenvertrag und andere Maßnahmen der preußischen Staatsregierung. Mit der Erwähnung dieser Maßnahmen ging der Staatssekretär ebensowenig über seine Zuständigkeit hinaus, wie die Tatsache seines Gesprächs mit einem freisinnigen Abgeordneten überhaupt zu der Vermutung Anlaß geben konnte, er stände hin-
Freitag den 6. August
sichtlich der Abwehr der dänischen Jrredenta auf einem andern Standpunkt als die preußische Staatsregierung. Der Wunsch nach ruhigeren Verhältnissen im Grenzgebiet schließt nicht die energische Abwehr von Uebergriffen und Herausforderungen aus. Es besteht auch nicht der mindeste Anlaß, an der Einheitlichkeit der in der preußischen Staatsregierung und an den Reichsstellen unverändert herrschenden Auf- fassungen in der Behandlung nationaler Fragen zu zweifeln. Die Einheitlichkeit aufrecht zu erhalten und das Deutschtum in unserer Nordmark durch positive Maßregeln zu fördern, wird der Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident in voller Uebereinstimmung mit allen ihm Nachgeordneten Stellen andauernd bestrebt sein.
Tarifbill. Der Senat der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat in seiner gestrigen Sitzung die Tarifbill mit 47 gegen 31 Stimmen in der Fassung des Konferenzkomitees angenommen.
Württemberg und die Reichsfinanzreform.
Stuttgart, 5. Aug. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer gab Ministerpräsident Dr. von Weizsäcker auf die Anregung mehrerer Redner folgende Erklärung ab: Ich begrüße die Gelegenheit, den Standpunkt der würtiem- bergischen Regierung zur Reichsfinanzreform kund zu tun, denn ich stehe auf dem Standpunkt Hausmanns, daß die Regierung verpflichtet ist, in dieser Frage keinen Zweifel zu lassen. Viel neues werde ich kaum mitteilen können, außer als wenn man sich auf den Standpunkt gestellt hat, daß man die Phantasien der Preffe als bare Münze ansieht. (Sehr richtig rechts.) Die Regierung hat dem neuen Finanzgesetz im Bundesrat schließlich durchweg zugestimmt, sie konnte nach Almcht sämtlicher Mitglieder der Staatsregierung gar nicht anders handeln. Allerdings war ihr ausgesprochenes Motiv dabei auch, daß sich die Regierung in einer Zwangslage befand. Ohne sie hätten wir uns wohl anders entschlossen. Aus Passion für die Art und Weise, wie die Finanzreform erledigt wurde, haben wir nicht zugestimmt. Die Regierung hätte aber ihre Pflicht vergessen, hätte sie der Zwangslage nicht Rechnung getragen. Ihren letzten Grund Halle die Zwangslage in der schlechten Finanzwirtschaft- des Reiches in den letzten Jahren. Das Reich hat fortlaufende Ausgaben auf sich genommen, ohne für ordnungsmäßige Deckung zu sorgen. Daß Deutschland unter allen Umständen Geld brauche, darin lag von Anfang an die schwache Position der Regierung. Die Sanierung der Reichsfinanzen war eine schwere nationale Sorge. Wir haben die Entwicklung der Angelegenheit zu einer parteipolitischen Sache aufs lebhafteste bedauert. An der Erbschaftssteuer haben wir stets festgehalten. Fürst Bülow konnte darüber gar keinen Zweifel haben, daß wir ihn auf diesem Wege durchaus unterstützen werden. Passiv haben wir uns nicht verhalten, im Gegenteil, wir haben unsere ganze Kraft dafür eingesetzt. Fürst Bülow hat damals, als die Erbanfallsteuer vom Reichstage abgelehnt wurde, eine Auflösung des Reichstages aus sachlichen Gründen nicht für tunlich gehalten. Damit war auch in diesem kritischen Moment für die württembergische Regierung, sie mochte über die Auflösung des Reichstages denken wie sie wollte, diese Frage erledigt. Dies ergibt sich aus den einschlägigen Bestimmungen der Verfassung, wonach ohne den Reichskanzler eine Auflösung des Reichstages unmöglich ist. Wir haben damit schweren Herzens auf die Erbanfallsteuer verzichtet, die wir im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit für politisch notwendig gehalten haben. Einen Trost haben wir, da wir uns überlegen werden, ob wir uns die Reserve der Erbschaftssteuer für das Land hereinholen werden. Wir beklagen lebhaft, daß sich die gesetzliche Bindung der Matrikular- beiträge nicht hat erreichen lassen. Eine Remedur wird auf diesem Gebiete erst eintreten, wenn in der Wählerschaft eine solche Stimmung erzeugt wird, daß auch der Reichstag seinerzeit auf die Interessen der Einzelstaaten genügend Rücksicht nimmt. Dabei erkennen wir an, daß wenigstens die gestundeten Matrikularbeiträge vom Reich übernommen worden sind. Eine Auflösung war nicht in Aussicht ge- nornmen, zudem wäre sie zu dem gegebenen Zeitpunkt jedenfalls zu spät gekommen. Auch von einer Vertagung der Frage konnten wir uns nichts versprechen, da das Defizit täglich um l1^ Millionen Mark stieg. Die Regierung mußte an das Ausland benfen, das schadenfroh auf uns sah. Wir haben nicht bezweifelt, wohin uns eine höhere Pflicht ruft. Für die eingetretenen verschärften Partei- und Interessengegensätze sind wir nicht verantwortlich. Wir beklagen die Ansammlung von Agitationsstoff. Im übrigen sind wir der Ansicht, daß die weitgehenden Befürchtungen bezüglich der Reform nicht gerechtfertigt sind. Das private Wirtschaftsleben blüht. Dem ungesunden Luxus gegenüber muß Einhalt geboten werden, sparen müssen wir im Lande,
Fernsprechanschlutz Nr. 605* 1909
wie im Reiche. Diese Tendenz haben wir schon häufig verfolgt. Zum Schluß spreche ich auS, die neue Reichsleitung haben wir mit vollstem bundesfreundlichen Vertrauen begrüßt.
Zur Begegnung in Cowes.
Cowes, 5. Aug. Kaiser Nikolaus empfing heute vor» mittag an Bord des „Standart" Deputationen der Städte London und PortSmouth sowie der Handelskammern von London und Liverpool, die dem Kaiser eine Willkommen- adresse überreichten. Der Kaiser verlas in englischer Sprache die Erwiderung, in der er die Zuverficht aussprach, daß die freundliche Stimmung zwischen beiden Ländern ihre glückliche Wirkungen weiterüben und der Aufrechterhaltung des Weltfriedens erfolgreich dienen werde. In der Erwiderung auf die Adresse der Londoner Handelskammer sprach der Kaiser die Ueberzeugung aus, daß die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und England eine Förderung erfahren werden durch die jüngst erfolgte Bildung einer russisch-britischen Handelskammer in Petersburg und einer russischen Sektion in der Londoner Handelskammer.
Cowes, 5. Aug. Der „ Standart" mit dem russischen Kaiserpaar und der kaiserlichen Familie an Bord ist um 3 Uhr 40 Minuten nachmittags unter Geschützsalut in See gegangen.
London, 5. August. Der Vertreter des Reuterschen Bureaus in Cowes hat von dem russischen Botschafter folgende Abschiedskundgebung deS Kaisers Nikolaus erhalten! Der Kais«r hat einen tiefen Eindruck empfangen von seinem Besuch in England. Die herzliche Aufnahme, die er und die Kaiserin von feiten der königlichen Familie gefunden, der Empfang durch die herrliche Flotte, die ihn in Cowes begrüßte, die Haltung der britischen Staatsmänner, der Bevölkerung und der Presse, das alles find glückliche Vorzeichen für die Zukunft. Es ist des Kaisers fester Wunsch und Glaube, daß dieser allzu kurze Besuch nur die glücklichste Frucht tragen kann in der Förderung der freundlichen Gefühle'zwischendenRegierungenundden Völkern der beiden Länder.
Zeppelin in Köln.
Ankunft und Landung.
Köln, 5. Aug. Die „Köln. Ztg." schreibt: Di« Sonne wurde drückend, der Himmel hatte sich voll aufgeklärt, als bet erste Ruf gegen halb 11 Uhr ertönte: Zeppelin kommt! Alles stürzte in die Gegend nach Westen. Man mußte lang« suchen, um das Luftschiff am tiefblauen Himmel in der Gegend von Weiden-Lövenich zu entdecken. Eine feine weiß« Linie, zweifellos die ober« von der Sonne scharf beleuchtet« Sette — nichts weiter l Man verlor sie wieder aus den Augen, dann sah man einen nebelhaften Komplex, der langsam vorwärts zog. Ein eigenartiges Gefühl bemächtigt« sich der Zuschauer wie di« Vorahnung eines großen Augenblicks. Man sah, daß der Luftkreuzer manövrierte, bald stieg er auf, fast senkrecht, bald senkt« er sich wieder, dann sah man ihn in breitem Glanz«, immer größer werdend. Schon konnt« man die Gondeln unterscheiden, und nun richtete er seinen Kurs direkt auf bw Landestelle zu. Jedem einzelnen schien eS, wie das Luftschiff die Spitze scharf nach vorwärts steuerte, daß man nicht- weiter sah als einen großen kreisrunden Fleck, es würde gerade ihn auf seinem Abwärtssteigen zur Erde treffen. Dann hörte man das feine Surren der Propeller, wie etwa das Drehen der Räder an der Drechselbank, aber nicht io geräuschvoll, wie es gewöhnlich geschildert wird. -ras Lustschiff hob sich wieder, man sah den Grafen und die Jutt» fahrenden aus den Gondeln winken, aber in diesem -Augenblick — es war ergreifend und erhebend — vermochte niemand ein lautes Wort der Begeisterung zu rufen, nur erstickte Töne waren zu hören, während alles Hirte und Taschentücher schwenkte; viele hatten Tränen in den Augen. Langsam, stolz und sicher wie ein Adler, auch ein Korng m seinem Reich, zog es über sein künftig HauS in Mäßiger Hohe hinweg und nahm die Richtung auf daS Herz der Stadt. Immer ferner glitt es über den Himmel hin, kam an den Domtürmen vorüber, und in einem weiten Bogen wieder von Osten zurück. 9lun schien die Sonne voll auf seinen weißen, glänzenden Leib, es beschrieb noch einige Bogen über dem Landeplatz, Seile wurden ausgeworfen, Soldatenhände griffen zu und allmählich wurde es niedergezogen. Kein, Gr- schütterung, kein Hin- und Herzerren — ruhig, selbstsicher und majestätisch stand es da. Nun aber brausten Hurrarufe über daS Feld: „z II" mit seinen Insassen wurde in die Halle geführt, langsam und folgsam, ein gefesseltes Ungetüm. Immer wieder Hochrufe, immer wieder Begeisterter Gesang: ein Feier- und Freudentag am Jahrestag von Echterdingen!
Zeppelin 11.
Man hat so viel über das lenkbare Luftschiff des Grafen gelesen, daß man sich nach dem ersten freudig erregten und aufgeregten Augenblick, nachdem es gesichtet worden war fragte: Wie Hebt es nun eigentlich aus, ist eS eine Riesens