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General-Anzeiger
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AMilchts Organ für Stadt- and Fandüreis Hanan
W» Waisenhauses in Harum.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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$L 181 Fer«sprecha«fchltttz Nr. 605»
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Donnerstag den 5. August
FerniPrechanschlub R». 605. 1909
Amtliches.
Landkreis k^anau.
Unter den Schweinen in Fechenheim und Ravolzhausen ist die Schweineseuche festgestellt.
Hanau den 4. August 1909.
Der Königliche Landrat.
V 4347 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Die Gasanstaltsbetriebsgesellschaft m. b. H. in Berlin veabsichtigt auf den Grundstücken Karte 13 Nr. 50, 51, 52, 53, 136/54, 137/54, 138/55, 139/55, 56, 57 und 58 in Windecken ein Gaswerk zu errichten.
Es wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Einwendttttge« gegen die Anlage, zu welcher Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreisausschusses —Hainstraße 10 hier — osten liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier anzubringen sind. Später eingehende Einsprüche werden nicht berücksichtigt.
Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin aus
Freitag den 20. August d. Js., vormittags IO1/» Nhr,
in das Bureau des Kreisausschusses anberaumt. Die Interessenten werden hierzu mit dem Bemerken geladen, daß im Falle des Nichterscheinens des Antragstellers und der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der etwa erhobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.
Hanau den 3. August 1909.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A 3531 F rh r D. Laur. 18043
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Zugelaufen: 1 grauer deutscher Schäferhund mit ledernem Halsband, m. Geschl.
M i t t e l b u ch e n den 4. August 1909,
Bürgermeisteramt. 17997
Politische Rundschau«
Die Durchfahrt des Zareugefchwaders durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal wird am Samstag oder Sonntag erwartet. Kavallerieschwadronen und Jnfanteriedetachements werden wiederum den Ehren- und Sicherheitsdienst auf beiden Seiten des Kanals übernehmen und in den nächsten Tagen ihre Standorte verlassen. Ueber die Dauer des Aufenthalts des Zaren und seiner Familie im Kieler Kriegs- Hafen ist noch nichts bekannt. Eine aus sechs modernen Hochseetorpedobooten, 8 98, 8 JOI, 8 126, 8 127, 8 128
Was ich im Walde träumte.
Von Karla Ljung.
Aus dem Schwedischen von Rhea Steruberg.
_ . (Nachdruck verboten.)
, Es war ein Spatsommertag. Ich weilte noch in dem kleinen Badeort H. in Süddeutschland. Der Abend war still und warm, in tiefroten Purpurfarben ging die Sonne unter. An dem Tennisplatz vorüber, wo einige verspätete Badegäste eine letzte Partie spielten, ging ich in den Wald und setzte mich auf eine Bank, von der aus ich die Spielenden ab und zu vorüberhuschen sah. Da bemerkte ich zum ersten Mal die stattliche Birke, in deren Locken sich bereits Goldfarben mischten, die dort drüben nahe dem Tennisplatz einsam vor dem dunkeln Tannenwalde stand. Während ich so dasaß, die mannigfachen Schattierungen in Luft, Feld und Wald genießend, glaubte ich plötzlich gleichsam Töne in der
?°""' sie klangen in eine seltsame Melodie aus, und allmählich vernahm ich Worte, und aus den Worten 'ldeten sich Sätze. Und jäh wurde mirs klar, mit einer
Gewißheit klar, daß es die Birke war, die mir etwas erzählte.
^t nicht viele", sagte die Birke, „die uns ver- V Menschen glauben, daß wir nichts wissen, weil 111 cr nuf demselben Platze verharren, und daß wir I oöeil wir nicht ihre Sprache reden. Doch Deine blonde Landsmännin, die verst nb uns. Ja, sie kam I« «"8... W-'t-r, -JM« st- an
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9 ldig glänzend roie @crmanin§, und um den Mund lag ein Zug von Sehnsucht und Wehmut. Sie hat noch nie geliebt, dachte ich, als ich sie zum ersten Mal sah. Es war an solch einem Abend wie heute, sie kam in Gesellschaft
und 8 130, bestehend« Flottille hat den Zaren auf der Nordseefahrt begleitet.
Die Umzugskosten der evangelische« Geistlichen. Der Reichsanzeiger veröffentlicht ein vom Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrats gegengezeichneies Gesetz über die Umzugskosten der Geistlichen. Danach hat jeder evangelische Geistliche beim Antritte des Pfarramts von der Kirchengemeinde eine Vergütung für Umzugskosten zu erhalten. Die Vergütung beträgt für Geistliche mit Familie an allgemeinen Kosten 300 Mk., an Transportkosten für je 10 Kilometer 8 Mk. Geistliche ohne Familie erhalten die Hälfte. Ein Verzicht des Geistlichen auf die Vergütung ist unzulässig. Jedoch kann bedürftigen Gemeinden eine Beihilfe aus dem Hilfsfonds für landeskirchliche Zwecke gewährt werden. Die Einführung dieses Kirchengesetzes in Rheinland und Westfalen ist von dessen Billigung durch wenigstens eine der beiden Provinzialsynoden abhängig. Nach erfolgter Billigung wird das Gesetz in diesen beiden Provinzen durch landesherrliche Verordnung eingeführt werden. Auf dieselbe Weise soll auch der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes überhaupt bestimmt werden.
Militâranwârter als Fleischbeschauer. Die Stellen der Fleischbeschauer und Trichinenschauer sind den Militäranwärlern nicht vorbehalten worden, weil es sich nicht um Beamtenstellen im engeren Sinne handelt. Man hat den Wunsch geäußert, Militäranwärter auch bei Besetzung dieser Stellen zu berücksichtigen; das ist aber nach einer Verfügung des Landwirtschaftlichen Ministers und des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten an die sämtlichen Regierungs-Präsidenten und den Polizei- Präsidenten in Berlin nur in soweit zulässig, als die Militäranwärter den Anforderungen genügen. Insbesondere müssen sie die Ausweise über ihre Befähigungen erbringen, bie in den Prüfungsvorschriften vorgeschriebeu sind. Mit dieser Einschränkung liegt es im Interesse der Versorgung der ehemaligen Angehörigen des Reichsheeres und der Marine, Militäranwärtern bei Besetzung der Stellen vor anderen Bewerbern den Vorzug zu geben. Es gilt dies auch für Inhaber des Anstellungsscheines. Die Regierungspräsidenten sind ersucht worden, darauf hinzuwirken, daß hiernach verfahren wird.
Auf der Suche «ach dem „Seestern". Zm Reichskolonialamt betrachtet man den Regierungsdampfer „Seestern von Deutsch-Neu-Guinea, der von einer Fahrt in See nicht zurückgekehrt ist, nunmehr mit seiner Besatzung als verloren, da sowohl der Dampfer „Delphin" als auch englische Schiffe auf der Suche nach dem „Seestern" von dem überfälligen Schiff nichts entdecken konnten. Man nimmt an, daß der Dampfer im Sturm unter gegangen ist, möglich wäre es noch, daß der Dampfer verschlagen worden ist und eine Nachricht
mehrerer Badegäste und eines jungen Arztes auS dem Sanatorium dort. Die spielten dann dieses Ballspiel, bei dem so manche Liebesgeschichte ihren Anfang nimmt Ach, ich habe ja so sehr, sehr viele gesehen, die begannen wie diese beiden, Deine Landsmännin und der junge Arzt. Sie spielte nicht besonders gut, doch mit Energie, imd ihre Bewegungen waren weich und elastisch, obwohl sie nicht mehr in der ersten Jugendblüte stand. Danach kamen sie täglich, doch stets in Gesellschaft, und bald bemerkte ich, daß der junge Doktor nicht nur um des Spieles willen kam. Eines Tages erfuhr ich bann, daß. auch sie in jenem Sanatorium angestellt war, und daß sie erst nun , zum Schluß der Saison, Zeit fand, sich ihrem Vergnügen zu widmen. , „ „ .
Daun kam sie eines Abends spat ganz allein, oie beobachtete mit Genuß, wie die Nebel über die Fluren sanken, und wie der Mond mit seinem kalten, opal- farbenen Licht die Erde wie in einem Bann hielt, wie träumte, Gott weiß was! Vielleicht vom Meere, vielleicht von milderen, helleren Nächten, von einem weiten, un- endlichen Horizont. Sie liebte die Natur. Bald kam Jie jeden Abend hierher zu mir, denn von hier hat man den weitesten Ausblick. Wir wurden gute Freunde, doch meine und meiner Verwandten, der Tannen, Sprache, verstand sie noch nicht. Oft stand sie da und Riefte in das Waldesdunkel, doch sie fürchtete sich vor den Schatten und wagte sich nie hinein. Sie vertraute mir an, wie einsam sie war, wie sehr sie sich nach einem, guten Freunde sehnte, daß alle zwar freundlich gegen sie waren, doch stets in einer reservierten, herablassenden Art, so baß, sie sich hoppelt einsam fühlte und nie vergessen konnte, dai; sie sich ihr Brot verdiente. Wenn sie sich wenigstens einem einzigen Menschen in ähnlicher Stellung auvertrauen konnte, wie glücklich wäre sie dann, meinte sie. Gar bittere Tranen vergoß sie oft. Ihr Stolz verbot es ihr, nach Hau.e zuru^- zukrhren. Hatte sie doch mit aller Kraft gekämpft, um
wegen mangelnder Telegraphenverbindung erst später von ihm eintrifft. Diese Hoffnung ist jedoch sehr gering. Das Schiff war vom Norddeutschen Lloyd für eine gewisse ZeU gechartert worden, die Matrosen waren Angestellte des Lloyd. — Einem Telegramm aus Yap zufolge ist das Vermessungsschiff „Planet" dort eingelaufen, nachdem es in der Zeit vom 15. bis 23. Juli bei dem Louisiaden vergeblich nach dem vermißten Regierungsdampfer „Seestern" Nachforschungen angestellt hat. Der Kreuzer „Condor", der am 1. August von Auckland in Brisbane rintraf, soll gleichfalls nach dem „Seestern" suchen.
Die Uebergaugsabgabe auf Bier. Das neue Brausteuergesetz hatte die Uebergaugsabgabe von dem.in btt Norddeutsch« Brausteuergemeinschaft aus Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen eingeführten Bier von 2.50 auf 5 Mk. erhöht. In der zweiten Plenarsitzung, versuchten die Bayern diesen Satz auf 4.50 Mk. herabzudrücken doch fand ihr Antrag kein« Mehrheit. Nunmehr wird amb lich gemtldet, daß der Bundesrat die Uebergaugsabgabe auf 5 Mk. für 1 tri festgesetzt hat, und zwar wit Wirkung vom
1. August 1909 ab.
Deutschlands Lod ans Polettvnmd. Ein Lob Deutschlands aus Pol«nmunde gehört jedenfalls zu den größten Seltenheiten. Von einem solchen wird der „D. Ztg. berichtet. Bei der Erörterung des in Russisch-Polen zurzeit ernsthaft besprochenen Gedankens, das Deutsche Rrich sollte für acht Milliarden dem russischen Reich sein Polentum ab- kaufen, schreibt ein „polnischer Patriot": „Wäre es denn wirklich so schlimm für uns, wenn wir zum Deutschen Reich gehörten? Schlimm, wenn wir der tüchtigsten Bevölkerung der Welt ungegliedert wordrn wären? Ich denke, wir Polen könnten nur gewinnen dabei. Wir hatten mustrr- gültige Schulen, hätten Preß- und Versammlungsfreiheit! Unsere Universität wäre nicht, waS sie jetzt ist, ein von Beamten regiertes Institut, sondern sie wäre wie die Straßburger z. B., d. h. eint der besten Deutschlands. Wir, bte wir unter der russischen Knute leiden, wir können bei einem solchen Tausch nur gewinnen. Denn außer den Freiheiten, die wir dort genössen, hätten wir noch Gelegenheit zu lernen und wieder zu lernen, wie ein steißigeS, tüchtiges, gebildete» Volk in kurzen 30 Jahren eS zu einem in der Geschichte beispiellosen Aufschwung auf allen Gebieten menschlicher Betätigung hat bringen können." — Ob nicht viele Polen im stillen so denken?
Ei« neuer Beruf für jüngere Kaufleute. Der Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Grnossen- schäften in Darmstadt schreibt: DaS im raschen Aufblühen befindliche landwirtschaftliche Genossenschaftswesen bietet tüchtigen, jungem Kaufleuten der Geld- und landwirtschaftlichen Handelsbräuche günstige Aussichten für ihr berufliches Fori«
hinauszukommen und mit dem Leben zu ringen. Draußen, wo niemand sie und ihre Familie kannte, wollte sie sich durch sich selbst Ansehen schaffen. Daheim fühlte fi« st« stark und frei und dachte sich das Leben ganz anders, als si« es später fand ...
Eines Abend» kam sie nicht mehr allein. Der junge Arzt begleitete sie. Er sagte zu ihr, sie dürfe so tpat nicht allein ausgehen. Sie führte ihn hierher zu mir, zu ihrem Licblinqsplatz. , _ _ . -.
„Sehen Sie den Wald, wie finster er dastrht! ries iic aus. „Glauben Sie an Zauber und Geister? ^ch wage eS nicht, hineinzugehen, und doch lockig er mich. Dort bnnntn muß es sein wie in einem Märchen."
Er lachte. „Nun find wir zwei, da wagen es doch? Wollen wir hineingehen und den Waldge,st suchen?
Und sie gingen. Ich konnte sie nicht lange verfolgen, doch ehe ich sie aus den Augen verlor, sah ich sie liraucheln, und er zog sacht ihren Arm in den seinen. B | es ganz ruhig geschehen und machte nur eine^gleich>guluge Bemerkung über dieses Vergehen gegen das Herkömmliche. Dann sah ich sie nicht mehr an jenem Abend. Doch willsi Du mehr wissen, so kann Tante Tanne wohl weiter er-
Erstaunt sah ich mich um, wen die Birke meinte, denk ich war von lauter Tannen umgeben. Da gewahrt« ich ein wenig weiter im Walde eine Lichtung, in der eine kleine Hütte stand, wahrscheinlich zum Schutz gegen den Regen für die Badegäste erbaut. Sie bestand nur auS drei Wänden und einem Schindeldach, stand dort recht idyllisch, und neben ihr ^ragte eine hohe schlanke Tann« auf. Die nickte mir verständliisvoll zu, und «s war, alt kämen die Lichtung, die Hütte und die Tanne ganz nahe zu mir heran. Dann begann die letztere zu erzählen. Sir hatte eine gröbere Sprache . und mehr Ernst im Ton alt die Birke.
„Ja", sagte sie, ^eS wurde dunkel unter ben Tannen,