KeMiâpEr
SkMöhrvch 1,80 M, ââch «0 Wz., für «* «LMge S»»««M«a mit beet b«tt«üâ« Pöstausschlax. Die «nelne Nummer teilet 10 Pfz.
Weietiexlbrxct ueb verleg b« Vuchdruckerü b* «eteia.
General-Anzeiger
Änliches Organ fit Mt- and FanLkreis Kanan.
rimü-keegsgerrh?,
Die fLufgefpätt Petttzeil« »bet berat K«m X ^
ee, WaifeuhaujeS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssnn- nnL Feiertage, mit belletristischer Beilage.
tetmtwectl. Sr«dakt«r «. «4m4h in Hâ»
Nr . 179 Fernsprechanschlittz Nr. 605,
Dienstag den 3. August
Fernsprechanschlutz Nr. 605, 1909
Amtliches.
Eandkreis Fjanau,
Der Bürgermeister Johann Adam Rüger in Langendiebach ist als besoldeter Bürgermeister für die gesetzliche Amtsdauer von 12 Jahren gewählt und bestätigt worden.
Hanau den 30. Juli 1909.
Der Königliche Landrat. A 3481 F r hr. v. L aur.
Unter den Schweinen in Rückingen ist die Schweme- seuche erloschen.
Hanau den 2. August 1909.
Der Königliche Landrat.
V 4289 J. V.: Hartmann, Kreissekreiär.
Handelsregister.
Firma Gebr. Ott in Hanau.
Den Kaufleuten Robert Ott und Georg Daube, beide in Hanau wohnhaft, ist Gesamtprokura erteilt.
Hanau den 24. Juli 1909.
Königliches Amtsgericht 5. 17799
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit etwas über 4 Mk.
1 Damenschirm, 1 goldener Ring mit der Bezeichnung M. C. W. 1828, 1 Arbeitsanzug von Hafner Emil Hildebrandt.
■ Entlaufe n: 1 schwarzer kleiner Spitz.
Zugelaufen: 1 weißer Pinscher.
Hanau den 3. August 1909.
WIB^L. je■—■ I«'. ■■ — »„«,.,. . ■ ■ _ ........... ^^,^.^—^^
PolitiTcbe Rundschau,
3«r bevorstehenden Znsammenknnft des deutschen Kaisers mit dem Zaren. Nach den neuesten Bestimmungen kehrt Kaiser Wilhelm am 7. August non der Nordlandreise nach Kiel zurück und wird am 8. August mit dem aus England heimkehrenden Zarenpaar in der Kieler Förde zusammentreffen. Am 9. August setzt das Zarenpaar die Reise nach Rußland fort. Am Tage der Zweikaiserzusammenkunft wird die gesamte Hochseeflotte in Kiel anwesend sein.
Reisepläne des Zaren. Einem Mitarbeiter des ^Echo de Paris" gegenüber bestätigte Minister Iswolski, oaß der Zar im Herbst Italien und die Türkei besuchen
Die letzten Tage von Messina.
Roman von Erich Frieser«.
(15. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
„Du bist grausam, Orlando!"
„Wenn ich es bin, so bin ich es durch Dich geworden! Mein Herz hätte Dich niemals aufgegeben. Ueber daS Grab hinaus hätte es Dir die Treue gehalten. Während Du —"
Und wieder lacht er bitter auf.
„Ich habe Dich nicht aufgegeben," erwidert sie leise. „Wäre nicht das Unglück über uns hereingebrochen — kein Mensch hätte mich dazu. gebracht, einem andern mein Jawort zu geben, und wenn ich hundertmal die Nachricht von Deinem Tode erhalten hätte! Du weißt, gegen den Willen meiner Eltern, ja gegen den Wunsch Deines Vaters verlobte ich mich mit Dir vor Deiner Abreise. Und treu hielt ich Dir mein Versprechen die ganzen Jahre hindurch!"
Sie macht eine kleine Pause, ihn mit ihren schönen Augen lunig anblickend.
Doch er nimmt keine Notiz davon. Mit finster zu- sammengezogenen Brauen lehnt er am Fenster, den Kopf von ihr abgewandt.
„Da kam jenes furchtbare Ereignis, daS uns, wie all die anderen Ueberlebenden, zu Bettlern machte," fährt sie traurig fort. „Sieh meinen Vater an, Orlando! Die SchreckenStage die wir da unten zwischen den Mauern unseres eingestürzten Hauses verbrachten — lebendig begraben, ohne Speise und Trank, fast ohne Licht und Luft — sie haben den rüstigen Mann zum Greise gemacht, und meine Mutter und meine kleinen Schwestern getötet. Und auch meine Energie ist gebrochen. Ich habe 'keinen Wunsch mehr, als meinen Vater vor der Verzweiflung zu bewahren —"
„— und da willst Du Dich opfern!" fällt er sarkastisch ein.
Ein wehes Lächeln verzieht ihre Lippen.
„Nenne es so, wenn Du willst, Orlando! Ich erwarte nichts mehr vom Leben!"
„Aber ich!" schreit er auf. „Jchl • • • • Ich werde nicht dulden, daß man wir mein Lebensalück frivol ent-
werde. Kaiser Nikolaus werde von der Krim direkt nach Italien gehen und auf der Rückreise sich am Bosporus aufhalten.
Spanien und Marokko.
Melilla, 2. Aug. Bei dem Angriff auf einen Proviantzug in der Nähe der ersten Station der Bergbahn wurde ein spanischer Hauptmann getötet und zwei Soldaten verletzt. Die Angreifer wurden in die Flucht geschlagen.
Madrid, 2. Aug. Nach Aussage des Ministerpräfi» denten ist die Ruhe in ganz Spanien wieder hrrgestellt. Auch in Melilla herrscht Ruhe.
Cerböre, 2. Aug. Nach einer Meldung aus Barcelona sind die Aufständischen in San Felice, de Gerixols, PalamoS und Casa de la Selwa noch immer Herren der Lage. Der Kampf gegen sie wird fortgesetzt.
Gibraltar, 2. August. • Die Mittelmeerflotte erhielt Befehl, hier vor Anker zu bleiben und weitere Befehle abzuwarten.
Paris, 2. Aug. Eine Madrider Havasdepesche erklärt, die dem Ministerpräsidenten Maura von einem französischen Blatte zugeschriebene Aeußerungen über die Haltung Frankreichs in der Melilla-Angelegenheit beruhen auf Erfindung.
Paris, 2. Aug. Der hiesige spanische Botschafter äußerte sich einem Mitarbeiter des „Temps" gegenüber ziemlich optimistisch über die Lage in Spanien und im Gebiete von Melilla, der Aufstand in Barcelona werde gewiß in keinen Bürgerkrieg ausarten. Es handelt sich nicht um eine von einer organisierten Partei ausgehenden Bewegung, sondern um einen Ausbruch von anarchistischem Fieber. In Melilla sei die Ehre Spaniens engagiert. Trotz der numerischen Uebermacht der Riffleute und trotz der ungünstigen Stellung sei die spanische Armee im Vorteil geblieben. Die panischen Verluste seien von der Presse außerordentlich über- Trieben worden. Ein ihm zugegangenes Telegramm bestätige, daß dieselben niemals 300 überstiegen haben. Man wolle die Riffleut« züchtigen und dafür genügen die gegenwärtig an Land gebrachten Truppen. In finanzieller Beziehung würde es selbst, wenn eine größere Kraftanstrengung nötig wäre, weder neuer Steuern noch eines AnlehneS bedürfen. Der Staatsschatz verfüge über einen Ueberfchuß von 90 Millionen, davon 60 Millionen in Gold. Diese Reserve würde für alle Fälle genügen. Es ist auch nicht die Rede davon, um einen auswärtigen Beistand anzusuchen. Spanien rechne bloß auf die moralische Unterstützung Europas und ich hege die Zuversicht, daß sie uns nicht fehlen wird. Besonders Frankreich wird, so hoffe ich fest, immer an unserer Seite stehen, der Gemeinbürgschaft treu, welche in Marokko seine und unsere Interessen vereinigt.
London, 2. August. Heute soll in ganz Spanien drr allgemeine Sireik einsetzen. „Daily Telegraph" läßt sich
reißt! Daß man mein Alles auf dieser Erde v«rschachert wie eine Ware! . . . Sieh mich an, Clelia! . . . Und nun sage mir — Aug' um Auge — liebst Du mich noch?"
Sie erwidert nichts. Sie blickt ihn nur an, mit Augen, in denen ihre ganze Seele liegt.
„Clelia!" stöhnt er, an ihr niedersinkend. „Treibe mich nicht zur Verzweiflung! Ich weiß jetzt, Du liebst mich noch. Liebst Du mich ebenso heiß, wie ich Dich liebe. Gib jenen Menschen auf! Ich will arbeiten, Tag und Nacht, bis ich so viel verdiene, daß ich Dich und Deinen Vater ernähren kann!"
Wehmütig schüttelt sie den Kopf.
„Und bis dahin ?.....Mein Vater ist noch nicht gesund ... er wird es vielleicht niemals werden ... soll ich ihm die mühsam errungene Ruhe des Gemütes wieder rauben, ihn wieder in jene furchtbareu Wahnvorstellungen zurückstoßen, die ihn wochenlang verfolgten und ihn dem Wahnsinn nahe brachten?"
„Du denkst nur an Deinen Vater!" fällt er bitter ein. „Nie an mich!"
„Du bist jung, Orlando. Du hast noch die Kraft, Dich dem Schicksal entgegenzustemmen, ein neues Leben zu beginnen. Du wirst — vergessen--"
' „Meinst Du?"
„Ich hoffe es — um Deinetwillen.
Hastig fährt sie sich über die Augen. Dann stteckt sie ihni, mit einem rührenden Versuch, zu lächeln, die Hand entgegen. „Und nun — leb' wohl I"
Er scheint die Hand nicht zu sehen. Oder er will sie nicht sehen.
Ist das Dein letztes Wort?" fragt er kurz.
„Mein letztes."
„Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als zur Notwehr zu greifen. Ich werde nicht dulden, daß Du Dich opferst. Dich und mich!Ä
„Orlando!" schreit sie jetzt auf, mit den Augen seinen Blicken folgend. „Was willst Du eigentlich tun? Allmächtiger Gott!" .
Auf der kleinen Kommode in der Ecke der Kammer hat sie einen Revolver bemerkt.
melden, daß nach den Vorbereitungen zu schließen, Brrkehr und Handel, besonder» aber die Zufuhr von Lebensmitteln aufhöre. Nach der „Daily Mail" wird angeblich König Alfons heute von Madrid nach Biarritz fahren. Man nimmt an, daß die Madrider Behörden das Leben des Königs in der Hauptstadt durch den heute begonnenen Streik für ge> fâhrdet halten.
Hus aller Kielt
Grotzfeuer. Auf der Vogelwiese in Dresden brach gestern gegen 6 Uhr abends ein Großfeuer aus, daS mit rasender Schnelligkeit um sich griff und in kurzer Zeit 60 Zelte, 10 Karussells und anderes mehr einäscherte. Der gesamten Feuerwehr Dresdens gelang eS gegen 7 Uhr, den Brand einzudämmen. Wie bis 9 Uhr abends festgestellt ist. wurden zehn Personen schwer, 60 leicht verletzt und niemand getötet. Das Feuer ist jetzt bewältigt; der dritte Teil der Vogelwiese ist niedergebrannt. Die Bogenschützen-Gesellschaft beschloß, das Schießen nach dem großen Vogel morgen zu unterbrechen; im übrigen aber soll der Betrieb auf der Vogelwiese aufrechterhalten bleiben.
I« die Irrenanstalt. Das Gericht der 8. Division hat beschlossen, den Einjährig-Freiwilligen Baumgarten auS Leipzig, zur Beobachtung seines Geisteszustandes auf die Dauer von 6 Wochen nach der Landes-Heilanstalt Altscherbitz bei Schkeuditz verbringen zu lassen.
Grotzfeuer. Die Maschinenfabrik von Hollström ui Nienburg (Saale) steht in Flammen. DaS Kesselhaus ist bereits vernichtet. Sämtliche Feuerwehren der Umgegend sind an der Brandstelle tätig. Von Bernburg ist telegraphisch Hilfe erbeten worden.
Relegiert. Der Jenaer Student, der kürzlich in der Johannisstraße einem Schutzmann in den Oberschenkel ge- schossen hat, ist dem Vernehmen nach auf drei Semester relegiert worden. Dieser Bestrafung durch di« Universttäts- behörde wird jedenfalls auch noch eine gerichtliche Ahndung der leichtsinnigen Tat folgen.
Randel, Gewerbe und Verkehr»
Frankfurter F-ruchtmarkt vom 2. August. Es notierten: Weizen, hiesiger und Wetlerauer 00.00—00.00 Mk., kurhessischer, je nach Qualität 00.00—00.00, nordd. 00.00 bis 00.00, russischer 26.75—27.50, Redwinter 00.00—00.00, Kansak 00.00-00.00, La Plata 26.75—27.50, Rumän. 26.75-27.50 Roggen, hiesiger 18.75—19.00, russischer 00 00—00.00, Rumän- 00.00—00.00. Gerste hiesige und Wetterauer 00.00—00.00. Pfälzer 00.w-00.00, Stieb 00.00-00.00, Hafer, hiesig. 20.00 b 21.00, bayerischer 20.00—21.00, württ. 00.00—00.00, russische, 19.50-20.50, Rumän. 00.00-00.00, La Plata 19.00-20.50, Mais mi^ed 00.00-00.00, Russischer 17.00—17.25, Donau 18.00-18.10, La Plata 16.50—16.75. Mehl: ruhig. Weizenmehl Nr. 0 35.50—00.00. Nr. 1 34.00—00.00. Nr. 2 33.00 bis
Er steht ihr Erschrecken und lacht bitter auf.
„Haft Du Deinen Entschluß geändert?"
Sie schüttelt den Kopf.
„Gut l . . . Dann, Schicksal, geh« Deinen W«g t"
Voll Entsetzen eilt sie hin zur Kommode, um den Reoolo« fortzunehmen.
Doch er ist rascher als sie. , .
„Fürchtest Du für Dein Leben?" spöttelt er. „Sei ruhige Ich tue Dir nichts!“
„Aber Dir! Dir selbst I"
„Auch nicht! Laß mich!"
„Großer Gott! Was hast Du vor?"
„DaS ist meine Sache."
In ihrer Verzweiflung klammert sie sich an ihn.
„Orlando! Orlando!"
Da wird die Tür von außen aufgerissen. Pras schreck««»» bleiches Gesicht guckt herein. , ,
„Das Automobil des Marchese! Er scheint erfahren zu haben —! Rasch hinunter! . . In mein Zimmer. Rasch .
Unten heftiges Läuten.
Dann Türzuschlagen. Erregt« Stimmen. Polternd«
„Allmächtiger Gott! . . . Zu spät!" stammelt die arme Pia. „Was habe ich getan I WaS soll ich sagen -"
„Die Wahrheit, liebe Pia."
Clelia hat ihre Selbstbeherrschung wiedergefunden. Furcht* los sieht sie der nächsten Minute entgegen.
Jetzt Fußtritte draußen auf der Treppe.
Clelia öffnet.
Doch nicht der Marchese tritt ein. wie die beiden Mädchen glaubten. Bernardo MorganoS gebeugie Gestalt steht auf der Schwelle.
„Was tust Du hier, Clelia?"
• „Signorina Pia rief mich zu einem Totkranken, Vater l"
„Zu einem — Totkranken?" Sein Blick streift Orlando- hochaufgerichtete Gestalt.
„Er scheint sich merkwürdig rasch erholt zu haben, Dein — Totkranker!"
„Spotte nicht, Vater I Es ist, wie ich Dir sage. Ich lüge nie l"