m Waisenhaus« de Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristisch« Beilage.
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Nr. 174 Fernsprechanschluß Nr. 605.
Mittwoch den 28. Juli
Fernsprechanfchlutz Nr. 605. 1909
Amtliches.
Eandkms Hanau.
Die Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, hat die Königliche Kreiskasse hierselbst angewiesen, die Differenzbeträgt zwischen den für das Rechnungsjahr 1908 nach den früheren Sätzen gewährten Alterszulagen und den nach § 8 des Gesetzes vom 26. Mai 1909 zu zahlenden Alterszulagen für Lehrer und Lehrerinnen an dir berechtigten Empfänger bezw. an die betreffenden Gemeinde- pp. Kassen — unter dem Vorbehalte einer etwa noch erforderlichen anderweiteu Regelung — alsbald zu zahlen.
Hanau den 27. Juli 1909.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
V 4197 I. V.: Hartmann, Kreissekretär.
HMlsreMer des Amts-erichis Ävselbâ
Zn das Handelsregister, Abt. A, ist eingetragen worden:
Nr. 62: Firma Heinrich Ludolph, Drogerie- und Kolonialwarcngeschâft in Langenselbold.
Langenselbold den 12. Juli 1909.
______ Königliches Amtsgericht. 17485 Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit 7.38 Mk. und kinigen Briefmarken, 1 kleiner Puppenwagen, 1 dunkle Decke (Art Gummidecke).
Verloren: 1 Gummireif von einem Kinderwagen, 1 kleines Granatbroschchen, 1 Münzbrosche A. S„ 1 Korallen- halskettchen, 1 gelbes kleines Portemonnaie mit 1.03 Mk., 1 weißer Kinder-Strohhut.
Zugelaufen: 1 junger weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen, 1 weißgrauer Wolfsspitz.
Entlaufen: 1 junger Dobermanpinscher, m. Geschl.
Entflogen: 1 Kanarienvogel.
Hanau den 28. Juli 1909.
Politische Rundschau,
Zur 70. Geburtstagsfeier des Augenarztes Herzog Karl Theodor von Bayern werden große Vorbereitungen getroffen. Es kommen viele Fürstlichkeiten nach Possenhofen am Starnberger See, unter ihnen auch der deutsche Kronprinz, der mit dem Herzog eng befreundet ist, ein Mitglied des österreichischen Kaiserhauses und Prinz Albert von Belgien mit Gemahlin, einer Tochter des Herzogs. Auch eine Offiziersdeputation des preußischen Dragoner-
Dit Infinit der llnimWt Leim.
Zu ihrer Fünfhundertjahrfeier, 28.-30. Juli.
Von C. Fritz Opel.
(Nachdruck verb.)
Unter eigenartigen Verhältnissen erhielt Leipzig seine Hochschule. Kein Kaiser und König, kein mächtiger Kirchenfürst veranlaßte ihre Gründung, sondern aus Prag vertriebene deutsche Studenten und Professoren ließen sich in der großen mitteldeutschen Handelsstadt nieder, um hier ihre wissenschaftliche Tätigkeit fortzusetzen, an der sie an den Ufern der Moldau durch den Haß und Fanatismus der Tschechen verhindert worden waren.
An der Universität Prag, die Kaiser Karl IV. 1348 eingedenk seiner im Kreise fröhlicher Kommilitonen auf der Pariser Hochschule verbrachten Studienzeit gegründet hatte, besaßen die vier Nationen der Böhmen, Polen, Bayern und Sachsen, in die alle akademischen Bürger geteilt waren, in ^n Univcrsitätsversammlunaen und bei Wahlen je eine Stimme. Seit Errichtung der Universität hatte jedoch die Zahl der Böhmen ständig zugenommen, so daß wir bereits Ende des 14. Jahrhunderts laute Klagen über das für die Tschechen ungünstige Stimmenverhältnis vorfinden. Dazu kam, daß die'Mitglieder der 3 anderen Nationen durchweg Deutsche waren, denn auch die Angehörigen der Nation der Polen rekrutierten sich aus der Lausitz, Meißen, Schlesien und Preußen. Die Böhmen forderten daher an ihrer Landesuniversität — nicht ganz mit Unrecht — zum mindesten die gleiche Anzahl Stimmen, wie die Ausländer besaßen. Als ihr Wortführer trat besonders Johann Huß hervor, der soeben infolge des herrschenden Stimmrechtes eine einträgliche geistliche Pfründe an einen deutschen Magister verloren hatte. Bald forderte Huß jedoch nicht nur Stimmengleichheit, sondern verlangte, daß die Tschechen an der Karls-Universität die Oberhand bekommen sollten, schürte fanatisch den Haß seiner Landsleute gegen alle Fremden, besonders aber gegen
regiments Frhr. v. Manteuffel (Rheinisches Nr. 5) aus Hofgeismar, dessen Chef der Herzog ist, wird sich zur Gratulation einfinden. Die Stadt München ernennt den Herzog zum Ehrenbürger, und auch die Aerzteschaft wird ihrem fürstlichen Kollegen eine besondere Ehrung erweisen.
Reichspost und Postbeamtenorganisation. Die Reichspostverwaltung hat gegen den Oberpostassistenteu Zollitzsch, den ersten Vorsitzenden des größten Reichsbeamtenverbandes, des Verbandes mittlerer Reichspost-und Telegraphen- bcamten, Anklage erhoben. Er soll als mitverantwortlicher Leiter des Verbandesorgans, der „Deutschen Postzeitung", sich gegen § 10 des Rcichsbeamtengesetzes vergangen haben, indem nach Ansicht der vorgesetzten Behörden in mehreren Artikeln des Blattes die Beamten aufgehetzt und die Reichsund preußische Regierung verunglimpft wurden. Der Verhandlung, die am 28. Oktober ds. Js. vor der Disziplinarkammer in Potsdam stattfinden soll, wird in Beamtenkreisen mit lebhaftem Jnterresse entgegengesehen.
Die sächsischen Konservativen haben am Montag bei einer Generalversammlung nach dem L.-A. die Haltung der konservativen Fraktion im Reichstag bei der Finanzreform gebilligt.
Maßnahmen einer Behörde im Kampf gegen den AlkoholisMtts. Dle Landesversicherungsanstalten handeln in ihrem eigensten Interesse, wenn sie der Bekämpfung der Trunksucht in ihren Ursachen und Wirkungen Aufmerksamkeit schenken. Denn jeder Trinker ist in Gefahr, frühzeitig invalide zu werden und damit der Versicherung anheim zu fallen. Das eigene Interesse wahrend, fördern sie aber zugleich das Gemeinwohl in hohem Maße, zumal wenn sie so einsichtig und durchgreifend zu Werke gehen wie in der Rheinprovinz. Der Vorstand dieser Landesverstche« rungsanstalt gewährt: 1. jeder Trinkerfürsorgestelle ihres Bereichs eine namhafte Jahresbeihilfe; 2. jedem versicherten Trinker nach einem gewissen Versicherungszeitraum die Wohltat des Heilversuchs in einer entsprechenden Anstalt; 3. jedem Abstinenzverein für solche geheilten Trinker, die mit seiner Hilfe gebessert oder durch ihn nach der Anstaltskur vor Rückfall dauernd bewahrt geblieben sind, Jahresprämien. Der am Sitz der Versicherungsanstalt arbeitenden Fürsorgestelle für Alkoholiker hat diese Behörde überdies ein geeignetes Sprechzimmer und die tatkräftige Mitwirkung mehrerer Beamten zugute kommen lassen.
Französische Kolonialkämpfe. Die Franzosen hatten, nach einer Meldung aus Saigon, in der Nacht zum 26. ds. einen Zusammenstoß mit einer Bande Eingeborener. 1 Hauptmann und 10 Soldaten wurden getötet, 20 verwundet. Der Feind verlor 40 Tote.
Die Maßregelung des Jnfanten Alfonso, die dessen Vermählung mit der Prinzessin Beatrice von Koburg die Deutschen, und suchte seine Stellung als Beichtvater der Königin Sophie zu benutzen, um König Wenzel für seine Pläne zu gewinnen.
Doch Wenzel legte nicht entfernt das Interesse für die Hohe Schule an den Tag, das ihr sein verstorbener Vater stets erwiesen hatte; er hielt die Universität — wie er scherzhaft sagte — für eine Gans, die ihm goldene Eier legte. Er ließ daher alles beim alten. Die zwischen deutschen und tschechischen Studenten bestehende Feindschaft zeitigte inzwischen jedoch immer schlimmere Folgen. Häufige Raufereien fanden in den Kollegien statt; ja die Böhmen überfielen sogar Nachts Deutsche auf den Straßen, erschlugen sie und warfen die Leichen in die Moldau. Entrüstet über diese Gewalttätigkeiten wandten sich die 3 deutschen Nationen im Frühjahr 1409 an König Wenzel, der auf Schloß Toezniz bei Prag weilte, um Schutz und Hebung der Mißstände zu erlangen. Aber auch die Böhmen waren nicht müßig; sie unterbreiteten gleichfalls ihre Wünsche dem König, und schließlich entschied sich dieser, von einer kleinen Agitationspartei dazu gedrängt, zu Gunsten seiner Landeskinder, indem er ihnen künftighin drei Stimmen, den drei übrigen Nationen zusammen aber nur eine erteilte. Gleichzeitig erlaubte sich König Wenzel in einer tollen Laune den unüberlegten Spott, seinen Küchenmeister Zdenck zum Bector Magnificus für das kommende Semester zu ernennen, nachdem er vom bisherigen deutschen Rektor Boldenhagen mit Gewalt die Auslieferung der Rekto- ratsinsignien erzwungen hatte.
Ungeheuer war die Erregung aller Deutschen Prags über diesen Schritt des Königs; besonders sein Spott hatte tief verletzt. Am 9. Mai fand daher eine große Versammlung sämtlicher Professoren, Doktoren, Magister und Studenten deutscher Nation, sowie der Bürgermeister Prags und vieler deutschen Einwohner statt, in der man lebhaft gegen das Vorgehen Wenzels protestierte und in der alle akademischen Bürger einmütig schwuren, Prag und seine Universität zu verlassen. Zwei Tage später, am 11. Mai 1409, mittags
nach sich gezogen hat, findet ihren Ausdruck durch die Veröffentlichung eines interessanten Telegrammwechsels. Der Jnfant Alfonso ist der Sohn des Prinzen Anton von Orleans, der mit der Infantin Eulalie, der Tante des Königs von Spanien, vermählt ist, von seiner Gemahlin aber getrennt lebt. Prinz Anton Hal, wie jetzt bekannt wird, an König AlfonS von Spanien folgendes Telegramm gerichtet: „Ohne daß mir vorher die geringste Andeutung gemacht wurde, ohne daß ich zugezogen oder benachrichtigt wurde, erhielt ich zu meiner großen Betrübnis von Alfons folgende Depesche: „Lieber Vater! Ich freue mich, Dir hierdurch anzeigen zu können, daß Beatrice und ich seit heute miiemanber verheiratet sind. Ich umarme Dich. Alfons/ Prinz Anion von Orleans hat darauf an seinen Sohn folgendes Telegramm gesandt: „Deine Depesche überrascht und betrübt mich. Indem Du Dich ohne Zustimmung und sogar ohne Wissen Deines Vaters vermähltest, hast Du bi» Pflichten der Ehre und die von Gott auferlegte heilige Psiickt eines guten Sohnes verletzt. Du kannst Dir denken, daß nach einer solchen Handlungsweise wir nichts mehr miteinander zu tun haben."
Erklärung des neuen französischen Ministeriums.
Paris, 27. Juli. (Kammer.) Die Tribünen sind überfüllt und der Saal ist sehr gut besucht. Ministerpräsident Briand verlas eine Erklärung der Regierung, die mit Beifall ausgenommen wurde, insbesondere bei derStelle über das Bündnis und die Freundschaften. Alsdann interpelliert« Lafferre die Regierung im Namen der radikal-sozialistischen Gruppe und führte aus, die Regierung werde eine Politik befolgen müssen, welche die öffentliche Ruhe und Gesetzmäßigkeit sichern werde. Redner fragte, welche Verordnungen die Regierung infolge der Marineuntersuchung treffen und welche Haltung sie gegenüber den entlassenen Postbeamten einnehmen werde. Schließlich wünschte der Redner zu wissen, ob Briand mit der Majorität der Radikalen und Radikal- Sozialisten zu regieren beabsichtige. Lauraine (Rad.) verlangt bündige Erklärungen über das Beamtenstatut. Charles Benoit wünschte Erklärungen über die Wahlreform.
Paris, 27. Juli. (Kammer.) In feiner Erwide- rung führte Ministerpräsident Briand zunächst aus, er habe nicht ohne Gemütsbewegung den Posten übernommen. AIs er aber dazu entschlossen war, sei er nicht ein anderer Mensch geworden, sondern habe sich seinem Amte angepaßt. Er sei derselbe, der er während der sieben Jahre der Zusammenarbeit mit der radikalen Partei stets gewesen sei. Briand sprach dann über die Reformen, die die Majorität vor Ende der Legislaturperiode werde durchzufechten haben. Ordnung und Friede im Innern wir nach außen, sei das Programm der Regierung. Bezüglich der angeregten Begnadigung der abgesetzten Postbeamten [sage die Regierung 12 Uhr, setzte sich ein langer Zug mit Fahnen und Standarten in Bewegung. Begleitet von den wehmütigen Abschiedsgrüßen der Bürger, verließen Tausende von deutschen Jünglingen und Männern Prag, um an einem anderen Orte einen neuen Wohnsitz für sich und die Wissenschaft zu suchen. Vor den Toren der Stadt trennten sich di« Auswanderer; die einen zogen nach Erfurt, Köln und Heidelberg, andere nach Wien und Krakau. Gegen 2000 aber beschlossen, nach Leipzig zu wandern und bei Herzog Friedrich von Sachsen anzufragen, ob er gesonnen sei, ihnen in seinem Lande eine Freistatt zu gewähren. Als sie sich unter Führung Otto von Münsterbergs und Johann Hoffmanns nach einigen Tagen den von alten Linden beschatteten Mauern Leipzig? näherten, da strömten ihnen die Bewohner her Dtadt entgegen, um sie herzlich willkommen zu heißen und rn Li« eiligst hergerichteten Quartiere zu führen. Der Leipziger Theologe Vicentius Gruner, der früher in Prag Magister gewesen war, trug den Herzögen von Sachsen die Wünsche der Prager vor, und bereits Ende Juni sandte Friedrich de. Streitbare zusammen mit seinem Bruder Wilhelm einen Boten an den Papst, um von ihm die Genehmigung zur Eröffnung eines Studium generale in Leipzig zu erhalten. Zugleich stellten die beiden Herzöge bereitwillig den An- kömmlingen zwei große Gebäude, das Fürsten- und daS Peters-Kollegium zur Verfügung. Denn neben Unterrichts- räumen waren Wohnungen vor allem notig. Hatten doch die Doktoren, Magister und Scholaren manchen Diener und Gesellen, manche Magd mitgebracht, und tagtäglich kamen noch Nachzügler aus Prag, sowie andere, die bereits von der neuen Universität gehört hatten. Aeltere Häuser wurden daher rasch für die neuen Bürger Leipzigs hergerichtet und neue Kollegiengebäude geschaffen, in denen Studenten und Professoren zusammen wohnten. Bald entwickelte sich ein besonderes Studentenviertel, in dem später alle die Kämpf« und Fehden, die Leipzigs Musensöhne mit „Schuster- knechten" und Bäckergesellen, mit Pedellen und Stadt--