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«â 19

Dienstag

______________Juli

5959Vj Pfg. Geschäftsgang in Hornvieh und Kleinvieh mittelmäßig, Ueberftand Hornvieh und Schweinen unbe­deutend, in Kälbern und Schafen keiner. Aus Oesterreich- Ungarn standen 48 Ochsen zum Verkauf.

Berlin, 19. Juli. Weizen Juli 261., S^pt. 234.75, Okt. 231.75. Roggen Juli 194., Sept. 185.75, Okt. 185.75. Hafer Juli.. Sept... Mais Juli ., Sept... Rüböl Juli., Oktbr. 55.30, Dezbr. 55.50. Weizenmehl 33.7536.75. Roggen- M eh l 23.6525.50.

Mannheim, 19. Juli. Weizen Ulka 9 p. 25 Mk. 203., Ulka 9 p. 30 Mk. 204, Ulka 10 p. Mk. 206.-. Ru­mänischer 77/78 Ko. Mk. 193.. Laplata Juli-Abl. Bah.- Blanka 80 Ko. Mk. 207.-. Red. Winter II Juli-Abl. Mk. 194, Russischer Roggen 9 p. 10/15 Mk. 145.. Mais Laplata Mk. 122,

Paris, 19. Juli. Roggen Juli 17.60, August 17.60, Sept.-Dez. 17.40, Noo.-Febr. 17.40. Weizen Juli 25.85, August 24.60, Sept.-Dez. 24.05, Nov.-Febr. 24.25. Mehl Juli 38.55, August 32.70, Sept.-Dez. 31.75, Nvo.-Februar 31.70. RüböI Juli 63*/«, August 63 7», Sept.-Dez., 64-/«, Jan.-April 65-/'. Spiritus Juli 39'/«, August 40V«, Sept.-Dez. 39'/«, Jan.-April 39'/,. Zucker, Rohzucker 88°/° loco 27V«, weißen Zucker Nr. 3 per 100 Kilogr., Juli 30'/«, August 30'/», Okt.-Jan 29'/», Jan.-April 29V«. Leinöl per Juli 56'/-, Jan.-April 577». Talg 71.-.

Kurs-Bericht.

17. Juli | 19. Juli

Provinzial- und Kommnnal-Obl. l°/o Rheinprovinz

101.80

101.80

t'/» Hanauer Stadt-Anleihe

101.90

101.90

4"/« Lffsaboner

80.10

80.30

Lose.

37»°/o Köln- Mind. Soft

135.40

135.90

4% Mein. Präin.- Pfandbriese

136-

134.80

t/o Oesterr. v. 60

162.80

162.40

27»% Raab Graz.

109.30

109.50

Ungar, ff. (Guld ) 100 Lose

_.

Deutsche Staatspapiere.

4°/o D. Reichsanl.

10.3-

3W/0

95.50

95.40

3%

86.40

86.40

4% Preuß. Kons.!

103.10 102.90

BW

95.40

95.40

3°/°

86.50

86.40

37s/o Bayern

94.80;

94,70

4*/o 1899er Hessen

101.90' 101.70

4»/o 1906er ,

102.40 102.40

3W

94.75

94.80

3%

83,70

83,70

Ausländische Staatspapier». 4°/oOesterr.Goldr.

99.90

100,20

5°/o 1903er Ruin.

102.10

102,20

4/» Rum. amort. corwert.

90.30

90.50

472% Russen 4e/o 1902er Russen

..

99.20

87.-

87.-

4% Serben

4°/oUngarn(Gold)

4°/o Kronen

5% Chinesen

81.-

80.90

95.70

95.70

93.10

93.10

102,70

102.70

Bank-Aktien.

Berliner Handels- yel.-Aktien

Darinstadter Banl

1131.40

1.3130

Divk.-Konim. A.

.

_

Dresdner Bank- Aktien

153,60

153.70

Mitteldeutsche Kreditbank

, 120.90

1121.40

Oesterreichische Kredit-Anstalt

i 200.25

! 200.50

17. Juli 1 12-Juli

Aktien v. Transport- Nnternehmnngen.

Kahlgrund E--B.

119.

119.-

Hainburq-Amerika Paket

117.-

117.-

Norddeutsche Lloyd

89.80

89.75

Oesterr. Staatsbahn

154.70

154,60

Oesterr. Südbahn (Lombard.)

21.60

21.10

Balümoreu.Ohio Sch.

116.80

117.30

Aktien industriell.

Unternehmungen.

Frff. Henninger Br.

132.

132.30

Hanau Nicolay-Br.

84.-

84.-

Badische Anilin- u. Sodafabrik

398.80

400,-

Deutsche Gold- und Silber-Scheideanst.

499.80

498.

Höchster Farbwerke

423.50

424.50

Allgem. Elektr.-Aktien

231.70

232.-

Labuwyer

116.-:

116.-

Schuckert-Aktien

123.60

125.

Siemens u. Halske

220.-

221.25

Niederrh. Leder, Spier

182.50,

182.50

Adlerwerke Kleyer

337.75

337.25

Westd. Jutespinnerei

119.-

118,-

Bergwerks-Aktie«

Bochumer

Buderus Eisenwerk

Harpener

Vr. König. Laura

109*90 HO*. 191.- 192.50

Prioritäts-Obligat.

5% Oesterreich. Süd« bahn (Lomb.)

4V° Oester. Südb. 4°/o Oesterr. Staatsb.

von 1883 4°/° Russ. Südost. 4°/» Rybinsk E.-B. 5Vo I. Anatolier 3% Saloniyue

Monasttr-Anl.

102.60

85.40

102.-

102.50

84.20

99.10

8540

102.10

65.90 66.-

Pfandbriefe.

4°/» Franks. Hypoth.-

Bank, Ser. 20

4°/o Frankf.Hypothek.-

Kredit-Ver., Ser.48 4V° Meininger Hypo­thekenbank, Ser. 13

101.20 101.20

100.80 100.80

100.801100.80

Frankreich in Kindernot.

Bekanntlich ist das Bevölkerungsproblem eins von jenen, welche die Politiker des modernen Frankreichs am intensivsten beschäftigen und dies ist auch verständlich, da die Einwohnerzahl des Landes seit Jahrzehnten völlig stationär geblieben ist. Bis jetzt haben alle Versuche, diesen Zustand zu ändern, wenig gefruchtet, und weder die Prämien für kinderreiche Familien, noch die Agitationsarbeit im Lande hat dem Zweikindersystem großen Schaden zufugen können. Jetzt versucht man es mit einem neuenkleinen Mittel", das in ähnlicher Richtung wirken soll. Es ist eine nicht bloß in Frankreich zu beobachtende Erscheinung, daß die Hauswirte Familien ohne Kinder der solchen mit Kindern vorziehen, was von ihrem Standpunkte aus ja auch schließlich ganz begreiflich ist.. Man hat aber bisher noch nie versucht, diese Ansicht gesetzlich zu bekämpfen; dies ist vielmehr Frankreich vorbehalten geblieben. Hier ist jetzt auf den Tisch der Kammer ein Gesetzentwurf niedergelegt worden, der es znm straffälligen Versehen stempelt, wenn Haus­wirte sich weigern, Mietern mit Kindern eine Wohnung zu überlassen oder ihnen diese lediglich der Kinder wegen wieder kündigen. In der Begründung wird ausgeführt, daß das Verfahren der Wirte geradezu zum Skandal geworden jei und gesetzliches Einschreiten schon deshalb notwendig erscheine, weil das Verhalten der Hausbesitzer der Wünschenswerten Bevölke­rungsvermehrung entgegenarbeilr. Man könnte versucht sein, den Entwurf für einen Scherz zu halten, wenn er nicht gar zu ernst wäre und von ganz ernsthaften Leuten ausginge. Viel Zweck würde das Gesetz allerdings kaum haben, selbst wenn es angenommen würde, denn es wird in den meisten Fällen nicht möglich sein, dem Wirte nach- zuweisen, daß seine Handlungsweise auf die Furcht vor dem Kinde zurückzuführen ist. *

Von einem anderen Plan, der Kindernot in Frankreich zu steuern, wird folgendes aus Paris berichtet: Noch in diesem Herbst wird sich das französische Parlament mit Vorschlägen beschäftigen, die darauf abzielen, den Rückgang der Geburten in Frankreich aufzuhalten. Lebhaftes Aufsehen erregt der Vorschlag des bekannten Professors Richet von der Akademie der Medizin, der Geburtsprämien vorschlägt, um den Eltern die Erziehungskosten zu erleichtern. Jedes zweite Kind soll mit 400 Mark, jedes folgende mit 800 Mark prämiiert werden. Damit ließe sich die Geburtsziffer von 750 000 nach Ansicht des Gelchrien auf eine Million erhöhen. Den Staat würde dies 240 Millionen kosten. Das Geld soll aufgebracht werden durch die Erhebung einerTotensteuer", die alle Erbschaften, die nicht an direkte Nachkommen, sondern an Seitenlinien geben, mit 50 Prozent trifft. Auch dao einzige Kind, das das Ver­mögen der Eltern erbt, soll 50 Prozent abgeben. Ein be­kannter Nationalökonom beantragt, bei der Anstellung von Staats- und Gemeindebeamten die Eltern dreier Kinder zu bevorzugen. Beamte, die unverheiratet sind, sollen einen Ge­haltsabzug von 20 Prozent erfahren und verheiratete Be­amte, die nach fünfjähriger Ehe nur ein Kind haben, einen Abzug voir 10 Prozent. Es bleibt freilich abzuwarten, wie die Kammer zu diesen Reforinvorschlägen sich verhalten wird.

Hus aller Mett.

Cholera. Seit gestern sind in Rußland an Cholera 68 Personen erkrankt und 36 gestorben. Die Zahl der Kranken betrügt 962.

Auf See verschlagen und aufgefischt wurden zwei Saßnitzer Badegäste, die Söhne Johann und Christian deS Grasen Konrad Preysing. Sie hatten einen Ausflug auf Rügen mitgemacht undJich von dort in einem Ruderboot zu weit in die See hinauSgewagt, so daß sie nicht mehr zurück konnten. Heute nacht" wurden die beiden jungen Grafen auf hoher See von einem Dampfer ausgenommen und in Kopenhagen gelandet.

Unter dem Verdacht, umfangreiche Betrügereien ver­übt zu haben, wurde gestern in Charlottenburg dèr Kürassier- leutnant a. D. Philipp v. Nathusius verhaftet und nach dem Amtsgericht Charlottenburg übergeführt.

Die Stendaler MordafiSre. Der Einjährige Baum­gart, der Mörder des Fahnenjunkers v. Zeuner, ist nach Magdeburg übergeführt worden. Er hat bis jetzt noch nichts gestanden, sondern nur immer gesagt, er wisse von nichts. Tatsache ist, daß er seinen Kameraden Doß, zu dem er ins Zimmer gelaufen war und den er gebeten hatte, ihn zu ver­stecken, gewürgt hat. Es wird auch angenommen, daß er den zweiten Schuß auf Voß hat abgeben wollen, aber die Pistole hat versagt. Festgestellt ist weiter, daß der erschossene Fahnenjunker den Schuß 'im Schlafe erhalten hat.

Das Unglück auf der Radrennbahn Berlin.

Berlin, 19. Juli. Unter den Schrittmachern wird die gestrige Rennbahn-Katastrophe noch immer lebhaft erörtert. Sie schieben die Schuld an dem Unfall Krüger zu, dessen Maschine vor dem Rennen nicht in Ordnung gewesen sei. Die Oelpumpe war leck, die Vorderpneumatik besaß keinen Flügelreifen. Käser erlitt beim Sturz schwere Quetschungen und einen Bruch der Schulter. Am schwersten ist aber Porter weggekommen, der nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. Er zog sich einen Schädelbruch und schwere Brandwunden zu. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Berlin, 19. Juli. Die Staatsanwaltschaft des Landge» richts Berlin I hat bereits zur Ermittlung des Schuldigen an der gestrigen Rennbahn-Katastrophe eine Untersuchung eingeleitet. Gegen wen die Anklage erhoben wird, hängt von dem Ergebnis der Untersuchung ab. Der Minister des Innern forderte kurz nach dem Unglück einen ausführlichen Bericht über die Katastrophe ein, in dem die genauen polizei­lichen Feststellungen, auch soweit sie Mängel an der An­legung der Rennbahn betreffen, angegeben werden sollen.

Hus Ranau Stadt und Eand.

Harrait, 20. Juli.

Vereins u. Verqnngnngsnachrichten

für Dienstag den 20. J uli.

Es. Männer- und JänqUngSverein: Unterhaltung (Ev. DereinshauS). Turngesellschaft : Abends von 810 Uhr: Turnen der Iugendabteilnuq. Zurngemembe; 4'/s5'/«: Mädchmabteilung von 67 Jahren, 57» bis

67»: Mädchmabteilung von 1014 Jahren, 6'/-7'/»: Frauen- abteilung B, 73/<8'/«: Fraumabteilung A, 910: Juxend- abteilung.

Turnverein: Abends von 810 Uhr: Turnen der Jugendabteilmig.

Erster Athleten - Verein: Abends von 911 Uhr: Uebungsstunde im Vereinslokale (Restauration Sandhof).

Hunwriftischer MnstkvereinGermania": Von 911 Uhr: Uebungsstund» (NestmNationzum Sandhoff).

Dram.-Liter. Verein Hanan: Vereinsabend imCarlsberg".

Ges. Verb.Normonnia": Klubabend imLöwengärtchen".

Kath. KasinoEintracht" (Vereinst.zumBraustüb'l"): Vereinsabend.

GesangvereinEintracht": Singstunde.

GesangvereinMelomama" : Singstunde in derKarthaune".

Familien - Marken - KonsumvereinEinigkeit": Abends von 810 Uhr? Markenansgabe für Kontrahenten (VcreinshansConcordias.

Verein für Handlungs - Komyris von 1858: VereinSabend im Restov- rantCarlsberg".

GesangvereinSumser": Singstunde in derStadt Bremen".

Kathol. Kaufmännischer Verein: Abends 9 Uhr: Zusammenkunft im Ver» einslokalzum Lindenhof".

Gabelsberger Stenographen-Verein (Lokal:Concordia", Eingang Para­platz, 1 Tr. hoch): Abends von697slO Uhr: Damen - Ab­teilung.

Französischer Klub: Zusammenkunft imBernhardseck".

VereinFreundschaft": Vereinsabend imNeubau".

Verein der Bayern: Vereinsabend im Gasthauszur Sonne".

Gewerbe- und Handwerker-Verein: Vereinsabend in derCentralhalle", KegelgesellschastAlle Neun" zurMainlust"-Kesselstadt.

Versteigernrrgs- re. Kalender

für Mittwoch den 21. Juli.

Angebote betr. Uebernahme der Arbeiten zur Neupflasterung der Siraße am Paradeplatz, zwischen Sternstraße und Bangert sind bis vor­mittags 11 Uhr im Stadtbauamt, Rathaus, Zimmer Nr. 22, abzugebea (s. Nr. 165Han. Anz.").

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&x NESTLE

I Altbewährte Nahrung ! Für kinder und Krankë

Auis Geradewohl biegt Orlando in eine Nebenstraße ein. Welche es ist er weiß es nicht. Die Straßen haben alle dasselbe Aussehen: sie erscheinen wie ungeheure Spalten in einem Trümmerfeld.

Entsetzen packt Orlando.

Mutter! Clelia!" schluchzt seine Seele.

Wohin sich wenden, um zu ihnen zu gelangen!

Blindlings strebt er vorwärts. . . .

Vorbei an der mächtigen Kathedrale, unter deren Trümmern Millionen Wertschätze begraben sind . . . vorbei an den eingesunkenen Häusern, auf deren Schutthaufen halbnackte Menschen hocken, mit blutenden Händen im Schutt wühlend, nach ihren darunter begrabenen Ange­hörigen .... vorbei an der eingestürzten Immaculata- Kirche, auf deren breiter Freitreppe zerquetschte, zerrissene, blutüberströmte Leichen aufgereiht liegen.

Schaudernd wendet Orlando sich ab.

Wenn auch seine Lieben---! Er wagt nicht weiter zu denken. Kalter Schweiß tritt ihm auf die Stirn.

Vorwärts! Vorwärts!

Er klettert über die Schutthaufen der Via Cavour, deren glänzende Läden und Prachtpaläste ein wüstes Chaos bilden.

Um ihn herum stürzen Mauern, krachen Steine hernieder.

Es kümmert ihn nicht.

Nur vorwärts ! Vorwärts !!

Ueberall aus den Schuttmassen gellendes Hilfegeschrei, das Orlandos Nerven bis ins feinste Gefaser hinein erbeben läßt.

Dann wieder grausige Stille über dem Riesengrab.

Ein bewaffneter Carabiniere kommt ihm entgegen, der auf herumschleichende hungrige Hunde und Marodeure Jagd macht.

Wo ist die Via Garibaldi ?" fragt Orlando.

Schweigend deutet bei Mann in der Richtung nach rechts und geht weiter.

Mit erneutem Mut dem Mut der Verzweiflung, begibt Orlando sich abermals ans Suchen.

Endlich, endlich am späten Abend findet er die Trümmer des Hauses seiner Eltern.

Er meint, sein Herz müsse stille stehen vor Jammer.

Der ganze Palazzo Perini ein Schutthaufen.

Er horcht . . . horcht . . .

Nichts.

Totenstille.

In wahnsinniger Angst eilt er davon, wieder dem Hafen zu.

Ein matter Hoffnungsstrahl durchzuckt sein todeswundes Herz. Vielleicht, daß die Trümmer des Elternhauses doch noch Leben bergen!

Er beschwört einen dahinziehenden Trupp Soldaten, ihm ber den Grabearbeiten behilflich zu sein

Die Soldaten zucken die Achseln. Sie haben anderswo zu tun. '

j?^ Nacht . . und Tag . . . und wieder Nacht.

, Grell beleuchten die elektrischen Scheinwerfer der im Kriegsschiffe das grausige Bild der Ruinen-

. >. ' , ,, Trümmer ab und

knallen alles weder, was ihnen verdächtig erscheint

iKt DtIanb0 durch die Straßen

_ & 1Die N »erhungerte Menschen einen geraubten Esel totschlagem sich um das rohe Fleisch balgen und das Blut aus der Goffe trinken; wie alles um sich haut und beißt und kratzt nach einem Stückchen trocknen Brot siebt wie 'M. Dunkel der Nacht entsprungene Sträflinge zwischen den Trummern rhr furchtbares Gewerbe treiben wie sie stehlen, rauben, morden, und den Leichen die Finger ab- schneiden, um in den Besitz der wertvollen Ringe zu yelanaen

Jetzt stiirzt ein solcher Kerl auf Orlando zu und reibt ihm die Uhr aus der Tasche.

Her damit! Auch wir müssen leben!"

Orlando wehrt ihm nicht. Er fühlt sich müde und matt und wie zerschlagen an allen Gliedern.

Bereits beginnt Verwesungsgeruch die Luft zu verpesten. Die Stille deS Todes breitet sich über das Trümmerfeld.

Nur hie und da noch ein leises Stöhnen, das schwächer und schwächer wird.

Endlich am dritten Tage gelingt es Orlando, Soldaten aufzutreiben, die sich bereit erklären, die Aus­grabungen am Hause seiner Eltern vorzunehmen.

Mit Stricken und Haue und Spaten arbeiten die Braven Tag und Nacht.

Und mit der Kraft der Verzweiflung hilft Orlando.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät!

Vielleicht! . . .

Endlich, endlich wird eine Leiche zutage gefördert.

Orlando ist es, als müsse sein Herz springen vor fiebern­der Erregung, als die Soldaten das verhüllende Tuch hin­wegziehen.

Das wachsbleiche Gesicht ist zu einer entsetzlichen Grimasse verzerrt, aus der unerträgliche Marter, Todesqual, ja Wahn­sinn spricht.

Mutter! Mutter!" schluchzt der Arme wild auf.

Mit einem unartikulierten Schrei stürzt er gegen die Mauer, wo er bewußtlos liegen bleibt.

Auf einer für Tote bestimmten Bahre wird er hinweg­getragen.

Er hat die Besinnung nicht wiedererlangt.

4.

Eine Woche ist vergangen.

Dec leuchtende, tiefblaue sizilianische Himmel hat sich in ein schwarzgraues Wolkengehänge verwandelt.

Es regnet, regnet, regnet in feinem Gesicker, in plät­schernden, großen Tropfen. in schiefen, eiligen Strahlen, als ob ganz Sizilien vom einsturzdrohenden Himmel gründliches Durchfiltrieren benötige.

Immer schauervoller gestaltet sich dadurch die titanische Größe der Messina-Tragödie.

Unerträglicher Verwesungsgeruch durchschwebt die Luft. Ueberall Tote und Schwerverwundete, die nicht mehr fort­geschafft werden können.

Hunderte hat man bereits hervorgezogen unter den Trümmern zu Skeletten abgemagerte Leidensgestalten, mit gebrochenen Gliedern, verglasten Augen, blöden Ge­sichtern.

Obgleich alles getan wird, was Menschenkrast zu leisten vermag es ist wie ein Tropfen Wasser aus glühendes Eisen.

Und nicht nur die Stadt ist zerstört. Nein, auch die Seele rhrer braven, harmlosen Bewohnerschaft

(Forts, folgt)