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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stob and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 163 Fernsprechattschlutz Nr. 605»

Donnerstag den 15. Juli

Fernsprechanschlittz Nr. 605. 1909

Hierzit

Amtliche Beilage Nv. 8".

Amtliches.

Eandhreis Fjanau.

Unter den Schweinen in Ostheim ist die Schweineseuche sestgestellt.

Hanau den 14. Juli 1909.

Der Königliche Landrat.

V 3963 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 neues gelbes Portemonnaie ohne In­halt (vor 4 Wochen auf dem Marktplatz).

Verloren: 1 gelbes längliches Damenportemonnaie mit 12 Mk. (bestehend aus einem Zehnmarkstück und einem Zweimarkstück).

Zugelaufen: 1 brauner langhaariger Jagdhund mit weißer Brust m. Geschl.

Hanau den 15. Juli 1909.

Rene Männer.

Eine Sonderausgabe desReichsanzeigers" gibt be­kannt : die nachgesuchte Entlassung des Fürsten Bülow unter Verleihung des Schwarzen AdlerordenS mit Brillanten und die Ernennung des bisherigen Staatssekretärs des Innern v. Bethmann-Hollweg zum Reichs^ kanzler, Präsidenten des preußischen Staatsministeriums und Minister des Auswärtigen in Preußen, ferner die Ernennung des Staatsministers Delbrück zum Staatssekretär des Innern, die des Staatssekretärs Sydow zum Handels­minister und die des Unterstaatssekretärs des Innern Wer­muth zum Staatssekretär des Reichsschatzamts, weiter die nachgesuchte Entlassung des Kultusministers Holle und die Ernennung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg o. Trott zu Solz zum Kultusminister, schließlich die Ernennung des Unterstaatssekretärs in der Reichskanzlei v. L o e b e l I zum Oberpräsidenten von Brandenburg.

Fürst Bülow

ist geborener Holsteiner. Er wurde am 3. Mai 1849 in Klein-Flottbeck im Kreise Pinneberg als ältester Sohn des späteren deutschen Staatssekretärs des Auswärtigen Bernhard Ernst v. Bülow geboren. Bis 1862 besuchte er das Gym­nasium in Frankfurt a. M., bann' das in Neu-Strelitz und Halle. Er studierte in Leipzig, Berlin und Lausanne, machte als Bonner Königshusar den Krieg mit und war dann bis

16. Deutsches Bnndcsschicßcn.

Von Paul Schweder-Berlin.

Unber. Nachdr. Derb. S. & H. Hamburg/ 13. Juli.

In Hamburg, wo die Kinder mit dem Regenschirm im Arm zur Welt kommen, mag es nicht weiter auffallen, daß es noch immer regnet; aber auf den Fremdling, der nicht mit einem Canoe, einem Jsarfloß, einem Spreekahn oder einer Weichselfähre die weiß-roten Grenzpfähle der Republik überschritten hat, um das Schützenfest mitzumachen, wirkt die Sache allmählich peinlich. Blickt er entrüstet gen Himmel, so läuft ihm das Wasser von der Hutkrempe in den Nacken, und beugt er sein Haupt demütig zu Boden, so läuft es ihm in den Westenausschnitt, was auch nicht gerade zur Erhöhung der Gemütlichkeit beiträgt. Am gleichmütigsten schauen noch die Münchener Festgenosscn drein. Sie haben wasserdichte Maßkrüge von daheim mitgebracht und freuen sich, daß es tn Hamburg noch keinen Verein für betrügerisches Einschänken gibt. Sie sind als Frühaufsteher auch die ersten am Schieß- T "nd mit ihnen die Enakssöhne des bayerischen Hoch- landes. Diese Prachtkerle schießen fast ohne zu zielen und Zentrum ist bei ihnen Trumpf! Einem Tiraillcurfeuer gleich rollen die Schüsse fast ohne Unterbrechung über den weiten Platz und schrecken die Langschläfer rundum aus den Federn. Auch die Frau Justitia wird durch das Schießen in Mit­leidenschaft gezogen. Erheben sich doch unmittelbar neben dem Schützenplatze die Paläste der Hamburger Zivil- und Strafgerichte in deren Verhandlungen die Gewehrschüffe, unterbrochen von dumpfen Böllerschlägen und sideler Schützen­musik hineintönen und den Ernst der Sache manchmal freundlich mildern. Im Grunde seines Herzens ist ein jeder mehr oder weniger ein Freund des grünen Rocks und der Donnerbüchse. In München sah man vom Prinzen Ludwig herab bis zum Toelzer Floßknecht im zer­setzten .Gewand!" alle Stände und Berufe am

1874 Referendar in Metz. 1874 ging er zur diplomatischen Laufbahn über. Rom, Petersburg, Wien, Athen, Paris waren die ersten Etappen. 18841888 war er Botschafter in St. Petersburg, 18881894 Gesandter in Bukarest, und von da bis zu seiner Ernennung zum Staatssekretär Bot­schafter in Rom. In Rom vermählte er sich mit der gegen­wärtigen Fürstin Bülow, einer geborenen Prinzessin Cam­poreale und Stieftochter Minghettis. Im Sommer 1897 wurde Bülow mit der Vertretung beS Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, Frhrn. v. Marschall beauftragt, und im Oktober 1897 zum Staatssekretär ernannt. Am 17. Oktober 1900 erfolgte seine Ernennung zum Reichskanzler als Nach­folger des Fürsten Hohenlohe.

Hamburg, 14. Juli. In einer Besprechung mit dem Chefredakteur des Hamburger Korrespondenten erklärte Reichs­kanzler Fürst Bülow über die Gründe seines Rücktritts, er habe sich zum Rücktritt entschlossen, weil durch die Haltung der konservativen Partei eine politische Konstellation herbei- geführt worden sei, die unter Trennung aller liberalen Parteien bk Konservativen zum jüngsten Bunde mit dem Zentrum und den Polen führten, wodurch wieder das Zentrum zur ausschlaggebenden Partei gemacht wurde. Der Erfolg dieser Haltung der Konservativen und der dadurch herbeigeführten Konstellation hätten sein Verbleiben im Amte unmöglich gemacht.

Der fünfte Reichskanzler.

Die Ernennung des Herrn v. Bethmann-Hollweg kommt nicht überraschend; es stand seit voriger Woche fest, daß er, seit längerer Zeit der anssichtsvollste Anwärter auf die Nach­folgerschaft des Fürsten Bülow, Reichskanzler werden würde. Der neue Reichskanzler, der der bekannten Frankfurter Bankiersfamilie entstammt, steht dem Kaiser seit nieten Jahren persönlich nahe und er kann als dAen Wer^auensmaun gelten. Auch mit dem Fürsten Bülow wußte er sich gut zu stellen und dieser soll ihn ja selbst als Nachfolger dem Kaiser empfohlen haben, wie er ja auch bei der Ernenunng des Herrn v. Bethmann zum Staatssekretär bei Innern be­stimmend eingkwirkt hat. Einem Lebensbild, da» Herr v. Rath in derN. Fr. Pr." dieser Tage von dem aus- sichtsvollsten Anwärter auf das Reichskanzleramt gab, ent­nehmen wir die folgenden Mitteilungen:

Die Familie, der Herr v. Bethmann-Hollweg entstammt, blickt auf eine Jahrhunderte alte Geschichte hochgeachteter kaufmännischer Betätigung zurück. Der Stammvater der Bethmann wurde seiner Religion wegen im siebzehnten Jahr­hundert aus den Niederlanden vertrieben und ließ sich bei Frankfurt a. M. nieder. Di« beiden ältesten Söhne von Simon Moritz Bethmann traten im Beginn des 18. Jahr­hunderts in das Geschäft ihres Onkels Jakob Adamy ein, das sie nach dessen Tode unter der Firma Gebrüder Beth­mann fortsetzten. Sie wurden dadurch die Begründer des

Schießstand, und auch die Vertreter der Presse und des Schrifttums taten fröhlich mit. Neben Ludwig Thoma im Wackersberger Schützenkleid sah man den früh­verstorbenen Baron v. Reznicek, Fritz v. Ostini und bie braven Leiter der Pensionsanstalt Deutscher Journalisten und Schriftsteller mit der Büchse im Arm. Auch die sozialdemo­kratischen Abgeordneten v. Vollmar und v. Hallerstein zielten mal auf den laufenden Keller. In Hamburg scheint der Kontorrock allen anderen Röcken voranzugehen, und das ist schade. Man rühmt den Hanseaten festen Blick, Weitsichtig­keit und energische Hand nach, lauter Eigenschaften, die zum guten Schützen gehören. Da ist es verwunderlich, daß sie nach deS Tages Arbeit nicht ihre Erholung im Schützenzelte suchen. Auch die Kollegen von der Feder bleiben weit vom Schuß. Otto Ernst fährt mitAppelschnut", die nun auch schon groß geworden ist, Karussell und hält damit seine Pflichten gegen das engere und weitere Vaterland für erfüllt. Gustav Falke, der feinsinnige Lyriker, besang das edle Schützenhandwerk zwar, doch fürchtet er anscheinend das Schießeisen gemäß dem Spruch:Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es könnt geladen sein 1" Und wo steckt Detlef D. Lilienkron, der alte Haudegen auf dem Pegasus, wo Hermann Löns aus dem hannoverschen Nachbarlande, der uns in Mümmelmanns und anderen schönen Jagdgeschichten sein waidgerechtes Herz gezeigt hat? Die Hamburger Chef­redakteure haben auch anderes zu tun. Der eine wird dem­nächst Senator und probiert deshalb seit Wochen das An­legen der weißen Halskrause, der andere muß auf seinem Rittergut die Ernte beaufsichtigen, der dritte, der schon bei Lebzeiten ein Denkmal in Syrakus hat, legte die letzte Hand an ein epochemachendes Werk über die fortschrittliche Frauen­bewegung in Hamburg auf Grund persönlicher Studien, und nur der vierte, ein Münchener Kind, erschien einmal am Schießstand unter dem Hallo seiner MünchenerSpezis", die ihm zuriefen :Doktor lrefft's!" Und er traf auch nämlich einen Bekannten aus der Münchener Zeit, und das

heut« noch hochangesehenen Frankfurter Bankhauses gleichen Namens. Geschäftliche Tüchtigkeit und Ehrenhaftigkeit zeichnete die Bethmanns aus; viel« Regierungen bedienten sich chrer Vermittlung bei Anleihegeschäften. Simon Moritz Bethmann erhielt am 11. Mai 1808 den österreichischen Adel. Johann Jakob Hollweg, der einer Gießener Bürgerfamilie entstammt», heiratete im Ausgang des 18. Jahrhunderts Susanne Beth­mann, Schwester des oben erwähnten, in den österrerchrschen Adelstand erhobenen Simon Moritz Bethmann, nahm den Familiennamen Bethmann-Hollweg an und trat in das Bankhaus ein. Sein Sohn, ein ausgezeichneter Jurist, erhielt als Professor der Bonner Universität im Jahr« 1840 den preußischen Adel. Er nahm als Mitglied der ersten, dann der zweiten preußischen Kammer lebhaften Anteil an den Verfassungskämpfen und wurde ® Kultusminister in daS liberale Kabinett berufen. Gr schred mit feinen Kollegen im Jahre 1862 auS. Sein Sohn wurde märkischer Grundbesitzer und Landrat. Denen Sohn Theobald ist der heutige Kanzler. Geboren im Jahre 1856 widmete er sich dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften und legte bie übliche Laufbahn der preußischen Verwaltungsbeamten zurück. Landrat :m hei­mischen Kreise Ober-Barnim seit 1886, wurde er 1896 Ober- prästdialrat, 1899 Regierungspräsident in Bromberg uns schon einige Monate später Ob«rprcistd«nt der Vrovmz Brandenburg. Bereits 1901 sollt« er Minister des Innern werden. Damals befand bie preußische Verwaltung 1M w der Kanalkrise, und Bethmann-Hollweg stellt« Bedingungen, die nicht erfüllt werden konnten. Seine Berufung m dieses Amt erfolgte dann vier Jahre später. Beim Ausscheids des Grafen PosadowSky wurde Bethmann-Hollweg am Juni 1907 zum Staatssekretär des Reichsamts des Innern und gleichzeitig zum Vizepräsidenten deS preußischen StaatS- ministtriums ernannt. Herr v. Bethmann-Hollweg gilt ai- gemäßigt konservativ. Er war niemals ein Anhänger des Regierungssystems Puttkamerscher Observanz. Ein Wort von ihm ist mir aus der Amtszeit jenes Ministers in bei Erinnerung geblieben. Als ihm als Landrat eine Beein­flussung der Wahl zugemutet wurde, äußerte er mit tiefster Indignation:Ich bin Verwaltungsbeamter, aber nicht Wahlagent*. Der Umstand aber, daß den Konservativen seine Kandidatur genehm zu fein scheint und der fernere Umstand, daß das Zentrum feinem anfänglichen Widerspruch gegen feine Berufung auf­zugeben beginnt, beweisen, daß man eine liverali- fierende Richtung von ihm nicht befürchtet. Diese An­schauung mag insofern berechtigt sein, als Herr v. Bethmann- Hollweg nicht zu denjenigen Staatsmännern gehört, di« ihrer Umgebung einen individuellen Stempel aufdrücken. Sein rechtschaffener Charakter verbürgt, daß er niemals gegen feine Ueberzeugung handeln wird., Aber er ist ausge­wachsen im starren Rahmen der preußischen Tradition, er ist nicht der Mann, mit ihr zu brechen. Di« Eskapaden, du Fürst Bülow sich erlaubte, und die ihm bie Gefolgschaft der Konservativen kostete, wird Herr v. Bethmann-Hollweg niemals machen. Fürst Bülow kannte eben den Geist und

war sein lluglück. Denn er errang wohl einen Ehrenbecher nach dem andern, aber nicht am Gaben-, sondern am Gam- brinuStempel der Festwies«, und dies« haben nicht 90 Mk. Silberwert.

Es hätte übrigen» nicht nur ein Ehrenbecher zu fein brauchm, weit schönere Preise winken den treffsicheren Schützen im großen Gabentempel, den die Tausende tagein, tagaus mit sehnsüchtigen Augen umlagern. Da ist zunächst der Ehrenpreis deS deutschen Kaiser», der ein Wunderwerk der Goldschmiedekunst darstellt. Da find ferner dir Stiftungen bei Kaisers Franz Josef von Oesterreich, der Stadt Wien, des Senats der Hansastadt Hamburg und der verichiedrnen Hamburger gemeinnützigen Gesellschaften, alles hochkünstlerffch ausgeführte Erinnerungsgegenstände, die das Herz aller Schützen höher schlagen lassen. DaS schönste daß es heute noch niemand weiß, ob die Preisgewinne in ein Schloß oder in eine einfache Bauernhütte wandern werden. Denn unter den Preisen findet man Gegenstände vom kirnten Porzellan, kostbare Präzisionsgewehrt, Jagdtaschen, Sellen- aewehre und andere Sachen, die der Schutz und ^ager schätzt. Wie immer stehen die süddeutschen Schützen mit ihren Leistungen voran, und unter ihnen wieder die, welch« mit dem edlen Waidwerk in innigster Verbindung stehen, di« oberbayerischen Tiroler und Schweizer Jäger, Forstmeister und Jagdherren. Kein Zweifel, daß dies, die Mehrzahl her Preise erlangen werden. Die Gesamtzahl der aktiven Schützen, die am diesjährigen Hamburger Bundesschießen teilnehmen, beläuft sich auf ca. 4500 Mann, also gegen 200 Schützen mehr als in München im Jahre 1906. Am heutigen Abend versammeln sich die Schützen in der geräumigen Festhallr, in der das SchützenfestspielAnno dazumal" in Szene geht.

Das Stück, das von Alex Otto verfaßt ist, hat m«hr dichterischen Wert, als er sonst derartigen Zweckdichtungen eigen zu sein pflegt. Es wird getragen von einer zwar manchmal etwas gehuiftelt wirkenden altertümlichen, in den Hauptszenen aber bochportisch anmutenden Sprache und