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General-Anzeiger

AMches Organ für Mt- uni Fandkreis Kanan.

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Erscheint tâgllch mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage»

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9ir. 149 Mernkpr-chanschluk Nr. 605.

Dienstag den 29. Juni

K-rnIP«e»aaschl«tz Nr. 605. 1909

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 neues gelbes Portemonnaie mit 1,50 Mark, 1 älteres Portemonnaie mit 0,65 Mk.

Verloren: 1 goldener Damenring mit rotem Stein. Zugelaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Ab­zeichen m. Geschl.

Entlaufen: 1 schwarzer Dobermannpinscher.

Hanau den 29. Juni 1909.

PolitiTcbe Run dich au.

Der Rücktritt des Fürsten Bülow. DieNordd. Eg. Zeitung" schreibt: Von einigen Blättern ist versucht worden, die am SamStag ergangene Mitteilung über den bevorstehenden Rücktritt des Reichskanzlers in ihrer Be­deutung abzuschwächen. Zur weiteren Klarstellung bemerken wir daher folgendes: Der Reichskanzler hat den Kaiser um seine sofortige Entlastung gebeten. Seine Majestät hat sich zur sofortigen Erfüllung seines Wunsches nicht zu entschließen vermocht und hat den Reichskanzler unter warmer Betonung seiner großen, in zwölfjähriger Ministertätigkeit der Krone und dem Lande geleisteten Dienste dringend gebeten, sein Amt noch so lange zu führen, bis die Reichsfinanzreform, deren Erledigung eine nationale Notwendigkeit sei, zu Stande gebracht sei. Der Kaiser hat sich dabei von der Ueberzeugung leiten lassen, daß es am allerersten dem Fürsten Bülow gelingen werde, das Werk unter Abweisung der dem Gesamtinteresse schädlichen und daher für die verbündeten Regierungen unannehmbaren Steuervorschläge zu Ende zu führen. Dem Ersuchen des Kaisers hat der Kanzler sich ^.^Ä A-4ue»i,.*gMéij^ MM aujâ politische Entwicklung, die durch die Wstimmung über die Erbschaftssteuer ihren Ausdruck gefunden hat, unwiderruflich entschlossen, alsbald nach Erledigung der Finanzreform aus dem Amte zu scheiden.

Englisches Unterhaus. In der gestrigen Sitzung richtete Carlile (kons.) an den Generalstaatsanwalt Sir W.

S. Robson die Anfrage, ob seine Aufmerksamkeit auf die Artikel gelenkt worden sei, die vor kurzem in einer Zeitung in bezug auf den herannahenden Besuch de« russischen Kaisers veröffentlicht wurden und in denen zur Ermordung deS Kaisers angereizt wurde. Der Fragesteller bat um Aus­kunft, welche Schritte in dieser Angelegenheit unternommen werden würden. Der Generalstaatsanwalt erwiderte, er habe die Artikel gesehen; sie seien von höchst sträflichem Charakter; aber im Hinblick auf den herannahenden Besuch des rulsischen Kaisers halte es die britische Regierung nicht für ratsam oder nötig, jetzt oder überhaupt irgend eine Mit­

Ein origineller Heiratsantrag. Heitere Geschichte von Marie Thalheim.

(Nachdruck verboten.)

Mehr oder minder anmutig hatten sich die jungen Damen aus den zierlichen Empiresesseln, die den Salon der liebens­würdigen Wirtin schmückten, niedergelassen. Ein hübscher Anblick, dieser Kreis eleganter Frauen, deren noch keine daS 25. Lebensjahr überschritten haben mochte, wahrend bie Jüngste unter ihnen, ein schönes, blondes Mädchen kaum 18 Lenze zählte und sich eine fortdauernde Verhätschelung gefallen lassen mußte. Indessen trug auch sie seit kurzem schon eine goldene Fessel am linken Ringfinger.

Man unterhielt sich in gedämpftem Tone, teils weil daS tm Nebenzimmer befindliche Mädchen geraufchloSdieTafel abräumte, teils weil man sich schon vorhin der Kaffee, S$Ia£i« sahne und feinstem Backwerk müdegearbeitet batte. © vergingen etwa zehn Minuten in woh ig-sußer Ruhe benn nachdem sich die Türe nunmehr endgültig hinter derFee geschlossen hatt», richtete sich die lebhafte Frau Doktor Reutter auS ihrer graziös zusammengesunkenen Stellung auf.

So, meine Damen, was jetzt? Die ere,gmsarme Woche haben wir bereits durchgeheche t, .sogar die Politik haben mir kübnlick aestreist, und Gespräche über Wasche und ahn llche Dinge sind auf unsern Kaffees strengstens verpönt. Also? Politisieren wir weiter? Das Thema ist fast uner-

rojr überlassen dasKannegießern" besser Äte»

meines Aufraffen aus der befcbauhifjen i b y ^hea gemacht hatte, einstimmig erwählt, mi dem Erzählen z beginnen.

teilung über ihre Absichten bezüglich der Schritte zu machen, die gegen die für die betreffenden Artikel verantwortlichen Personen zu unternehmen seien.

Die französische Kammer nahm mit 453 gegen 61 Stimmen di« von dem Senat bereits bewilligten Er- gânzungs Kredite für Marokko für die Rechnungsjahre 1908/09 an.

Italienische Kammer. In Beantwortung der An­frage des Sozialisten Turati wegen der kürzlich von der preußischen Regierung erlassenen Verordnung betreffend die Ausweiskarte für italienische Arbeiter erklärte der Minister des Aeußern, Tittoni, der italienische Botschafter in Berlin habe im Auftrage der italienischen Regierung eine Erklärung überreicht, in der ausdrücklich Verwahrung gegen die Recht­mäßigkeit dieser Verordnung zum Ausdruck gebracht worden sei. Tittoni bemerkte dazu, die Verordnung fei nur in Preuß«, Sachsen und einigen kleineren Staaten in Kraft. Die Forderung einer einfachen Ausweiskarte halt» er für gesetzmäßig, aber eine Steuer von zwei Mark für die Aus­gabe dieser Karte zu verlangen, sei nicht gesetzmäßig; eben­falls nicht gesetzmäßig sei die Vollziehung einer Ausweisung, welche denjenigen Arbeitern angedroht ist, die ihren Arbeits­vertrag brechen. Er wolle damit nicht sagen, daß die bundes­staatlichen Regierungen in Deutschland nicht das Recht hätten, diese Maßnahme zu ergreifen, sondern nur, daß sie mit Rücksicht auf die allen Arbeite« vertragsmäßig zugestcherte gleiche Behandlung nicht das Recht haben, gegen ausländische Arbeiter dies« Maßregeln ohne weiteres in Anwendung zu bringen. Zum Schluffe erklärte der Minister, die Regierung fordere die Abschaffung dieser Steuer und die Abschaffung dieser Bedingungen des Arbeit-vertrages ; sie werde die Ant­wort der deutschen Regierung abwarten und ihre Ver- fielt führen. Sollte die deutsche Regierung sich durch die Einwände der italienischen Regierung nicht überzeugen lassen, so werde diese die Entscheidung des Schiedsgerichts anrufen. Er müsse dabei allerdings darauf aufmerksam machen, daß außer bei Zollstreitigkeiten, das Schiedsgericht nicht obli­gatorisch sei, nichtsdestoweniger sei das Schiedsgericht als bestes Mittel in Aussicht genommen, um diese Meinungs­verschiedenheiten zwischen befreundeten Regierungen aus der Welt zu schaffen. Dies, so schloß Tittoni, kann der Kammer beweisen, daß die Regierung von der ganzen Wichtigkeit der Frage überzeugt ist.

Die Pforte ist durch die Schutzmächte von der bevor­stehenden Räumung Kretas offiziell in Kenntnis gesetzt worden. Wie verlautet, mehren sich bei der Pforte die einlaufend« Klagen der kretischen Mohammedaner über die Behandlung durch die kretische Regierung. Der griechische Gesandte hatte heute mit dem Minister des Aeußern eine längere Unterredung.

In launigen Worten schilderte sie daS allzukühne Vor­gehen eines edlen Marsjüngers und seinen mehr als ver­blüfften Rückzug und erntete reichen Dank.

Fast jed« der jungen Damen hatte etwas Erzählens­wertes erlebt und hielt nicht damit zurück.

Erstaunt lächelnd hört« Ellen Hartwig, die junge Braut, diesen klein« Kapttelchen auS den verschiedenen Lebens­romanen zu. Sie selbst hatte in ihrem jungen Leben erst einen einzigen Antrag erhalten, der nicht einmal besonders gesucht gewesen war, und doch, wie namenlos glücklich, wie überselig hatten die wenigen geflüsterten Worte ihres Werner sie gemacht I Diese jemals vor fremben Ohren wiederholen? Um keine Schätze der Welt!

Noch eins andere hatte bisher schweigend zugehött, die hübsche Gattin des Rechtsanwalts Berkholz, die als vorzüg­liche Erzählerin galt.

Jetzt wandte sich Thea Wildau dirett an sie.Nun, Berkhölzchen, spannen Sie uns nicht auf die Folter, man sieht's ja Ihren lächelnden Lippen an, daß Sie was be­sonders Nettes zu erzählen haben!

In der Tat, meine Damen, ich habe auf diesem Gebiete etwas erlebt, das wohl Anspruch auf Originalität machen kann, doch es ist eine längere Geschichte, die Ihre Geduld mindestens ein Viertelstündchen in Anspruch nimmt. Haben wir noch so lange Zeit?"

Aber gewiß, Liebste, erzählen Sie; unsere Männer sind ja auch nicht immer pünktlich l*

Und Felicitas Berkholz begann:Wie Sie wohl alle wissen, war mein Mann, bevor wir hierher kamen, einige Zeit Rechtsanwalt in G., einem kleinen Städtchen in Ost­preußens fruchtbaren Gefilden. Dort zog ich auch, nach unserer wunderschönen Hochzeitsreise, als blutjunges Frauchen ein, mit Kisten und Kasten und einer wirklichen Perle von Dienstmädel. Ich war damals noch nicht älter als unser kleines, blondes Bräutchen hier und ungeheuer stolz auf meine junge Frauenwürde. Auch meine Ausstattung war täglich eine Quelle neuer Freuden für mich, und ich ließ es mir daher nicht nehmen, meine Möbel höchst eigenhändig vom Staub zu befreien. So stand ich eines schönen Tages, angetan mit einer großen, hellblauen WirtschaftSschürz«,

Die Lage in Persien. Dir Partei Asts ed Mulks forderte vom Schah die Entlassung Saad el Daulehs und des von fremben Gesandtschaften empfohlene« Kabinetts, an dessen Stelle ein Kabinett aus der Mitte der Partei mit diktatorischen Vollmachten zu treten habe. Die Bewegung nimmt einen scharfen nationalen Charakter an.

Die evangelische Mission in Japan.

Im kommenden Juli kann die evangelische Mission m Japan ihr fünfzigjährige« Jubiläum begehen. Nachdem seit 1854 durch eine Reihe von Verträgen mit Amerika, Eng­land u. a.f die bis dahin für alle Fremden fest verschlossenen Türen ein wenig geöffnet waren, kamen im Juli 1859 di* ersten evangelischen Missionare in da« Land. T« war« Sendboten von verschied«« amerikanischen Kirchen, denen später viele englisch« folgten. Als einzige deutsche MisstonS» gesellschaft arbeitet der im Jahre 1884 gegründete Allge^ meine evangelisch-protestantische MisfionLverei« in Japan, ohne bisher besonders in die Augen fallende Erfolge »rziev zu haben. In den achtziger Jahren hatte die zuerst fast fruchtlos« evangelisch« Mission eine Zeit schnellen Wachstums, so daß man schon von einer Christianisierung Japans in 25 Jahren träumte. Aber wie weit ist man heute noch vou diesem Ziele entfernt 1 I» wenigen Jahrzehnten ist Japan ein moderner Kulturstaat geworden, mit dem die europäische» Mächte ernstlich zu rechnen haben. Dadurch ist in groß« Masse« de« Volkes bie Ueberzeugung fast unausrottbar geworden, daß man alle Kultur- und Machtmittel der christlich« Völker sich aneignen könne, ohne doch das Christentum selbst anzunehmen. Dazu kommt das starke Anwachs« atheistischer und materialistischer Anschauungen, besonder« unter der studierenden Jugend. So gebt der Weg der mMâmMjMn in Japan durch viel Schwierigkeiten und über große Hindernisse. Immerhin ist da« Christentum bereits eine Macht im Volksleben geworden, trotzdem seine Anhänger (etwa 50 000 Protestanten, 60 000 römische und 30 000 griechische Katholiken) nur etwa ^s v. H. der Be­völkerung ausmachen. Im japanisch« Reichstage fitz« 14 Christen, auch sonst ist schon mancher vou ihn« zu hoh« Ehr« und Würd« gelangt DaS starke nationale Selbstbewußtsein und baS Bestreb«, sich von allem fremd« Einfluß unabhängig zu machen, tritt auch im kirchlichen Lebe« immer mehr hervor. ES gibt schon eine Reihe fast völlig selbständiger japanischer Kirchen, von benen freilich erst die Zukunft lehren muß, ob sie nicht zu früh der Leitung der Missionar» mtwachsm find. Jedenfalls gilt r« kaum von einem anbern Lande so sehr wie von Japan, daß es für daS Christentum nicht durch Europäer und Amerikaner, sondern nur durch Japaner gewonnen werben wird.

harmlo« am geöffneten Fenster, um mehr Staubtuch auSzu- schütteln. Auf der Straß« fuhr gerabe in langsamste« Tempo ein eleganter Landauer vorüber, dessen lindertet Kutscher offenkundig zu mir heraufblickte, grüßend die Peitsch« schwentte und weiter fuhr. Ein wenig depttmiett trat ich ins Zimmer zurück, doch nach wenigen Augenblick« hatt» ich den Landauer samt Kutscher und Peitsche wieder gänz­lich vergessen.

Am selben Nachmittag schellt es an unserer Tür«, gar» leise und schüchtern. Mem Mann hielt Sprechstunde, uno meine Jette hatte ich zur Stadt geschickt, also mußt« ich not­gedrungen selbst öffnen gehen.

Ein Mann stand vor mir, bet verwegen ferne Mütze drehte und dann in breitem, masurischem Dialekt zu sprech« ar»- Hub:Ach, kennt« ich velleicht nu, Sie find'- ja selbst, Freileinche", unterbrach er sich lebhafter,ich ianat Ihnen gar nich, so fein haben S« sich gemacht!"

Damit trat er ohn« Umstände näher, und jetzt erst et» kannte ich den braven Rosselenker vom Vormittag. Erstaunt und erschreckt zugleich sah ich thu an, unfähig, auch nur ein Wort hervorzubringen.

Doch ließ er mir auch gar keine Zeit dazu, sonde« fuhr mit für einen Masuren bemerkenswerter Zungenfertigkeit fort: Sie haben mich heul' zum erstenmal geseh'n, Freileinche das hab' ich woll bemerkt, aber ich beobacht' Ihnen am lang', we Se immer so fleißig die Stuben reinmachen, und so nett sehen Se aus, mit Ihre kaufe, schwarze Haarchen« und Ihre blanke AugchenS. Und dabei so blaß, garnich' so knallig wie unsere DiarjellenS im Dorf. Das gefällt mir so» na, kurz und gut, Freileinche, ich mecht' Ihn« heirat«!"

Vergebens hatte ich versucht, ihr: zu unterbrech«, et hok nur beschwörend seine großen, roten Hände und sprach weiter, bis ich meinen Heiratsantrag weg hatte, klipp und klar. Und so herzlich aufrichtig hatte er geklungen, daß ich orbent» lich gerührt war, allerdings auch aufS höchste belustigt. Mühsam das Lachen niedettämpf«d, wollte ich eben einige erklärende Worte sprechen, da fuhr er schon wieder fort; Daß Se sich besinnen, Freileinche, kann ich Ihnen ja nich' verdenken, aber aut mechte Se 'S hab« bei mir, ich bin