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««MjShrlich 1,80 Mk^ mauatlich 60 Ug., für M âig« Abonnenten mit dem betreffenden PastauMatz. Die tingeln« Nummer kostet 10 Pfg,

-»-dnlck und Verlag der Buchdruck«« bd »«â w. Waisenhäuser in Hanau.

Gtllkral-Anzeiger

Amtliches ©rgen fit Stakt- 8») fa^krtis Sinan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sinn* und Feiertage belletristischer Beilage.

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Die fünf Spalten« Petit-eile Oer der« Ww» iO WO « NfNivrmtâ Ma AO, O y^

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Nr. U5

Fernsprechanschktst Nr. 605

Donncrstng den 24. Juni

^ernsprechanschlutz Nr. 605

1909

Amtliches.

Candkreis F)anatL

An Stelle des bisherigen Beigeordneten Peter Heck IV. ist der jetzige Beigeordnete Ackermann Johannes Dörr in Rüdigheim zum Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Rüdigheim ernannt worden.

Hanau den 22. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

A. 2939 I. B.: v. Strahl, Kreisdeputierter.

Anträge auf Zahlung der vollen Staats- beiträge für Lehrerstellen.

Es ist wiederholt vorgekommen, daß Anträge auf Zah­lung des vollen Staatsbeitrags für Lehrerstellen, bei denen die Voraussetzungen zur Kürzung nach § 3 und § 27 III des Gesetzes vom 3. März 1897 nicht mehr vorliegen, er­heblich verspätet, sogar erst nach Ablauf des betreffenden Rechnungsjahres,-hier vorgelegt worden sind. Die daraus entstehende« Unzuträglichkeiten werden vermieden, wenn die Verbandsvorsteher und die Vorsitzenden der Schulvorstände dem Königlichen Landrat in jedem Falle unverzüglich berichten, sobald ein endgültig angestellter Lehrer vier Jahre im öffent­lichen Schuldienst gestanden hat (anzurechnen ist auch die aktive Milnärzeit nach vollendetem 20. Lebensjahre rc.)

Soff el, den 18. Dezember 1908.

Königliche Regierung.

Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. Fliedner.

yiBirb veröffentlicht. , ^__

*'''** Hanau den 23. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

J. A.: H a r t m a n n, Kreissekretär.

Handelsregister.

Firma Wilhelm Rau in Großauheim.

In Hanau ist eine Zweigniederlassung errichtet.

Hanau den 21. Juni 1909.

__________Königliches Amtsgericht 5. 15173

Gefundene und verlorene Gegenstünde re.

Gefunden: 1 mattgoldene Brosche (Knotenform), 1 Peitsche mit 3 gelben Ringen, 1 desgl. mit 2 weißen Ringen, 1 großer Fuhrhammer, 5 Pulver von der Altstadt-Apotheke.

Verloren: 1 neues Damenportemonnoie mit 2 Mk., I Weinzipfel, 1 schwarzes Portemonnaie mit etwa 8 Mk.,

Sommcrsonncuwcndc Johannistag.

Seit undenklichen Zeiten ist der 24. Juni, an dem später Johannes der Täufer, der Vorläufer des Weltheilands, ge­boren wurde, dem germanischen Volke bedeutsam gewesen. Des Jahres Höhepunkt ist gekommen. Die Sonne wendet sich vom Steigen zum Sinken und kehrt zu den Ländern des Südens zurück. Unsere heidnischen Vorfahren schon feierten diesen Tag alsSommersonnenwende". Auf Bergen und freien Plätzen flammten die Opferfeuer empor, wie sie am Tage derWintersonnenwende", dem Fest des zunehmen­den Lichtes, gleichfalls dem heidnischen Sonnengotts darge- brachl wurden. Die Weisheit der christlichen Sendboten, die wohl erkannten, mit wie zäher Treue das Volk an den alten liebgewordenen Bräuchen hing, verstand es, diese Bräuche ihren Einrichtungen dienstbar zu machen und m chrumcye Formen die heidnische Gedankenwelt zu prägen. Damit^ge- währte aber die christliche Kirche den alten Gottern der Natur­völker eigentlich desto sichereren Schutz und Schirm, â scheinbar unterlagen die heidnischen Sitten. Noch heute klingt aus den verschiedensten Volksbräuchen, aus einzelnen alten Redewendungen der Geist jener fernen Tage 'E°er

Mußte sich in nördlichen Gegenden schon durch das Klima bedingt das Wintersonnenwendsest auch allmalsiich auf das Haus beschränken, um endlich ganz m dem christlichen WeihnachtSfest aufzugehen - so Innert der lichtstrahlende Tannenbaum, wie der puleclog 'N England noch hei das heibn d é Ovlerfeuer. Vor allen Dingen erhielten sich aber, trotz der wachsenden Kultur, die bereits manche ver­nichtete, was die Kirche nicht auszurotten vermochte in den verschiedensten Gauen unseres deutschen Vaterlandes b^ m Malb. und W-bug-g-g-nd-n.di.S-nnm^ Bergangen I, eit in den Iodanmsseuern, t $ .f, ^r. Namens alles in sich schließend, was br diesem fahren an Sehnsucht, Hoffnung, gemütvoller Poesie mit dwse Tage verbanden! Wie damals erscheint dem Volke «n sonders heUoderndes Feuer als gute âber e g ' Zukunft; wie damals hoffen sie, Gluck und Freude aus oen Stämmen zu lesen.

1 desgl. mit etwas über 10 Mk. und 1 Fahrscheinblock der Straßenbahn für Heinrich Heck.

Zugelaufen: 1 kleiner schwarzer Spitz mit weißer Brust m. Geschl.

Hanau den 24. Juni 1909.

Politische Rundschau.

Die neue hessische Wahlrechtsvorlage ist von dem Ausschuß der Zweiten Kammer soweit durchberaten, daß zunächst noch über einige grundsätzliche Bedenken eine Aeußerung der verschiedenen Fraktionen deS Landtag- wünschenswert erscheint. Aus diesem Grunde, insbesondere aber, um den Fraktionen Gelegenheit zur Aussprache zu geben, ist der Landtag vorübergehend zu einer Sitzung auf den 24. Juni einberufen, wobei eine Anzahl von Gegen­ständen zur vorläufigen Beratung im Plenum auf die Tages­ordnung gesetzt ist. Der Schwerpunkt der Verhandlungen wird in den Fraktions- und Ausschußfitzungen des TageS liegen, worauf die Kammer sich wieder vertagen wird, voraussichtlich, wie schon früher mitgeteilt, bis zum Herbst.

Italienische Deputiertenkammer. In der gestrigen Nachmittagssitzung der Deputiertenkammer wurde die Debatte über das Budget deS Ministeriums deS Auswärtigen fort­gesetzt. Nachdem Minister Tittoni auf die Ausführungen verschiedener Redner erwidert hatte, betonte er, daß in diesen Ausführungen nur gelegentlich von der internationalen Politik die Rede gewesen sei. Das sei natürlich, denn wenn man verstehe, daß ein Land auS Anlaß ernster Ereignisse die Ziele und Ergebnisse seiner auswärtigen Politik prüfe und erinnere, so würde man nicht begreifen, wenn eS ohne Not LS J^J^egM. â^M â^MM .zursicklonimen wollte, um zu sehen, ob es sich empfehle, ihre Grundlage und ihre Richtung zu ändern. Man würde an der Klug­heit eines Landes zweifeln, das so handeln wollte. So sei die große Debatte vom Dezember vorigen Jahres nicht nur notwendig, sondern unvermeidlich gewesen und man habe ihm, Tittoni, zu unrecht einen Vorwurf daraus gemacht, daß er sie entschlossen gewünscht habe. Aber heute stelle sich die Lage ganz anders dar. Die seitherigen Ereignisse haben ein volles Licht auf Tatsachen geworfen, die zuerst nicht in der richtigen Beleuchtung erschienen seien und an deren Verdunkelung manche Leute zu verschiedenen Zwecken gearbeitet hatten. Er hab« im Dezember deS längeren von den Beziehungen Italiens zu Rußland und von dem italienischen Programm im europäischen Orient gesprochen, aber hier noch dort sei eine Aenderung eingetreten. Die Begegnung von Baja und die patriotischen Kundgebungen anläßlich der Wiederkehr der glorreichen Tage unserer nationalen Erhebung sind neu« Beweis« unserer

In einzelnen Ortschaften erhielt sich der Brauch, daß jeder Teilnehmer des Festes eine bestimmte Beisteuer an Brenn­holz entrichten muß. So ziehen in Schwaben die jungen Burschen am Abend vor Johanni von Haus zu Haus, mit dem alten Reim:

Hütt ischt Johannistag, Gebt mer a Scheit von Ladern.

St. Veit Gloria! Himmel, Himmel, Juiole, Gönnt mer au a Stuiole, Scheitle raus I Scheitle raus!

Wieder in a annet Haus.

oder, wie eine Variante lautet:

Zum JohanniSfeuer

Der Haber ist gar teuer.

Haberj'a I Haberj'a l

Fri, Fre, Frid, Schenkt uns doch ein Schiet.

In NeckarSulm heischt die Jugend Reisig mit den Worten:

Ist eine gute Frau im Haus, Wirft sie ein Büschel Holz hinaus, Oder 's kommt der Marder ins Taubenhaus.

Im Fulda'schen heißt es:

Da kommen sie gegangen, Mit Spießen und mit Stangen, Sie wollen Holz erlangen.

Feuerrote Blümelein: Aus der Erde quillt der Wein, Gebt Ihr uns der Eier ein.

Da überall die älteste Form aller Dichtungen, das Bettel­lied, durchgingt, ist das hohe Alter dieser Reime erwiesen.

Wenn es in der Donaugegend heißt:

Komme niemand zum Johannisfeuer

Ohne Brandsteuer,

Oder Hut und Küpple ins Feuer, so ist dies ein Hinweis auf den alten Brauch, daß wer kein Holz zu dem nötigen Rcisighaufen schenkte, über das Feuer springen und, bei einem etwaigen Mißgeschick, einen Teil seines Anzugs als Pfand lassen muß, der zum Schluß mit einem Trunk ausaelöst wird.

ausgezeichneten Beziehungen zu ben befreunbeten Stationen England und Frankreich. Desgleichen bewiesen bie Begeg- nungen in Brindisi und zwischen dem Kaiser von Deutsch­land und Oesterreich und dem König von Italien gewechselten herzlichen Telegramme bie unerschütterliche Festigkeit bei Dreibundes. Man sprach davon, all ob diese Ereigniss« bestimmt wären, sich gegenseitig zu neutralisieren und ihr« Wirkung gegenseitig zu nichte zu machen. Nichts falscher als das. Die Ereignisse neutralisieren sich nicht, sondern treten hinzu, zueinander und ergänzen sich. ES ist srltsam, daß die Politik der Bündniss« und Freundschaften, bie im Ausland von Verbündeten und von Freunden all Friedens- element hochgeschätzt wird, nur in Italien kritisiert wird von Leuten, die sich bemühen, unseren Verbündeten und Freunden Mißtrauen und den Verdacht der Eifersucht nahezulegen und zuzuschreiben, die sie nicht haben. Dieselbe Erscheinung zeigt« sich bei den RüstungSauSgaben, die vom Parlament soeben mit patriotischer Begeisterung gutgeheißen und dir, wie ich nie müd« geworden bin, zu wiederholen, unentbehrlich find, wenn man bei der gegenwärtigen Lage in Europa auswärtig« Politik machen will. Im Ausland hat jedermann ihr« Bedeutung und Not­wendigkeit begriffen und niemand hat daran gedacht, daran etwas Kritisches zu finden; nur in Italien behauptete man, daß sie jemand verletzen könnte. Nein, im Gegenteil, sie verletzen niemand, weil sie gegen niemand gerichtet, weil die Politik, die wir verfolgen, die Politik deS Frieden- ist und weil wir in der Politik des Frieden- fest verharren werden, durchdrungen von der Ueberzeugung, daß el eine Politik ist, die den wahren Interessen deS Landes am besten entspricht. Gewissen vorübergehenden Kundgebungen der Presse ober der öffentlichen Meinung, sei el in Italien, sei eS im Ausland, darf man nicht zu viel Wichtigkeit beimessen. Der Minister gab ein« bestimmte Antwort auf die bestimmte Frage Barzilai« über eine angeblich vorzeitige Erneuerung des Dreibundes, indem er sagte: Nicht nur ist der Dreibund nicht vorzeitig erneuert, sondern ich kann in der formellsten Weise ver­sichern, daß an diese vorzeitige Erneuerung feine der vertrag­schließenden Parteien jemals gedacht oder heute denkt. ES gibt keinen Grund, den festgesetzten Ablauftermin nicht abzu- warten. Eine Vorwegnahme könnte nur durch Furcht oder durch Zweifel veranlaßt sein. Aber es gibt nicht nur kein« derartigen Bestimmungen, sondern bie verbündet«» Staaten sind von dem vollkommensten gegenseitigen Vertrauen beseelt. Der Minister schloß, indem er versicherte : Ungeachtet einiger Augenblicke der Bitterkeit, verursacht durch gewisse feindlich« Angriffe, die unter seltsamen Vorwänden der auswärtigen Politik gegen ihn gerichtet wurden, hatte er immer daS fest» Gefühl der Pflicht, den Blick auf die Interessen deS Vater- landrS gerichtet und den Glauben an feine Bestimmung im Herzen. (Lebhafte Zustimmung.) Der Minister wurde viel­fach beglückwünscht.

Haben die Burschen genügend Reisig, alt« Besen, Tannen­zapfen und dergleichen beisammen, so errichten sie verschiedene Scheiterhaufen, die am Abend deS Johannistages in Brand gesteckt werden. Außerdem werden strohumwickelte Räder entzündet und die Abhäng« herabgerollt oder lodernde Pech­kränze in die Luft geschleudert, ohne daß vielleicht auch nur einer der Anwesenden bedenkt, daß dies« Pechkränz« und Radscheiben den Altvordern daS Symbol der nun wieder abwärts eilenden Sonnenscheibe war. Keck und mutig springen die Mägde über brennende Besen, jubelnd singend:

Spring, Liebster, spring,

Verdiene dir den goldnen Ring,

eS als gute Vorbedeutung für ein baldiges Verlöbnis nehmend, wenn sie ungefährdet über die Flammen kommen. In Schwaben und Württemberg springen Knaben und Mädcher? über Feuerbrände mit den Worten:

St. Johann, mach den Hanf drei Ellen lang I Vermutlich den heiligen Johannes und die Göttin Perchta, die Patronin des Flachsbaue- identifizierend.

Als zur Zeit, da Goethe in Weimar Minister war, btt Polizei ein Verbot gegen diese Feuer erließ, wandte sich daS Volk direkt an den Minister, der denn auch Verständnis für die alte Tradition bekundete, indem er all Randbemerkung auf die Bittschrift schrieb:

Johannisfeuer fei unverwehrt, Die Freude unverloren, Besen werden stets stumpfgekehrt Und Jungens neu geboren.

Machte Goethe doch selbst 1803 daS Johannisfest in Jena mit und erzählte von dem brennenden A, daS daS Volk all dankbare Erinnerung an die Herzogin Anna Amalia kunst­voll hergestellt habe.

Früher war es überhaupt Sitte, daß sich hoch und niedrig, alt und jung, beim Schein des JohanniSfeuer- traf. So tanzte am Johannistage 1401 Herzog Stefan von Bayern mit seiner Gemahlin Elisabeth von Lothringen auf dem Marktplatz, zu München mitten zwischen seinen Untertanen um das lodernde Feuer. Auch Kurfürst Friedrich i. von Brandenburg wohnte mit seiner Gemahlin,bet schöner. Else", und seinen Kindern dem Sonnenwendkest zu Tange».