Einzelbild herunterladen
 

Hanauer D Anzeiger

«*m« L iM^ltrf Is9l 1111*1111*1* *^^"

***'»<« «d d-m MtiffafagoMWat. VLX Vll^^U*^KtflVtl&V.ä' SU M<*>*»< Dm»«« »i» »< ««ui M W»

RetoiUnBbnicr und Verlag bei Buchdrmk«ä M wHF Junuitf MW Mt- nai Mittels Zlliüitt.

fet^ s in Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Vermtwartl. ÄcWttw: v. ® 4 te ftt m (^mu.

$lU2 ^-rnsprechanschl«^ Nr. 605, MvNtag dtN 21. JuNt F-rnsprechanschlutz Nr. 605» 19 0 9

Amtliches.

Landkreis Kanarr.

Infolge der ^Aufbesserungen der Beamtenbesoldungen wird in denjenigen Fällen, in denen Offiziere a. D. und invalide Mannschaften im Zivildienste verwendet werden, eine Neu­regelung ihrer Pensionen bezw. Renten erforderlich sein.

Behufs Vornahme der Regelung ersuche ich daher die Anstellungsbehorden um Zusendung von Einkommensbescheini­gungen über die bei ihnen beschäftigten Offiziere a. D. bezw. der mit entsprechendem Einträge versehenen Quittungsbücher der bei ihnen verwendeten Mannschaften.

In Frage kommen nur solche Pensionäre, die neben ihrem Zivildiensteinkommen ihre Militärpension bezw. Rente ganz oder zum Teil zur Erreichung eines Einkommensatzes beziehen. Außer Betracht bleiben alle Invaliden und Rentenempfänger, die nur den 2On/o der Vollrente übersteigenden Betrag aus ihrer Invalidenpension bezw. Rente erhalten, weil er neben jedem Diensteinkommen zu zahlen ist.

Da die Gehaltsaufbesserungen mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1908 ab in Kraft treten, ist die möglichst baldige Einsendung der Bescheinigungen bezw. Bücher erforder­lich, damit eine weitere Ueberhebung an Militärpensionen u. s. w. vermieden wird.

Cassel den 8. Juni 1909.

Der Regierungs - Präsident.

J4276 I. A.: Freiherr von Tettau.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 19. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

^y 7 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

'--gr-------- -------------------

In das Genostenschaftsregister ist zu Nr. 4: Spak- ltnd Darlehnskaffe, eingetragene Genostenschaft mit un­beschränkter Haftpflicht zu Ravolzhausen, eingetragen worden:

Das Vorstandsmitglied, Ackermann Wilhelm Schadt, ist ausgeschieden und an seiner Stelle durch Beschluß der Generalversammlung vom 21. Mai 1909 der Gast- und Landwirt Friedrich Clauß ge­wählt worden.

Langenselbold den 2. Juni 1909.

KönigN-hes Amtsgericht. MW3

Gcfiliidcnc und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 22 Pfg. mit Kettchen, 1 Brosche mit Herren-Photographie.

Stehen geblieben bei Trapper, Philipp Ludwigs- anlage 3: 1 Damenschirm mit grüner Borde. Empfang« nähme daselbst.

Verloren: 1 neue braune Mütze, 1 Gesangbuch (im Schloßgarten).

Zugeflogen: 1 Bienenschwarm.

Zugelaufen: 1 schwarze Dachshündin, 1 weißer Spitz männl. Geschl.

Hanau den 21. Juni 1909.

Politische Rundschau.

Der Kaiser traf g-st-m.u» 7 Uhr 40 M». »°n Danzig kommend in Wildpark ein und begab sich ms Neu- Palais. Später sind der Kaiser und die Kaiserin im Hof­zuge nach Hamburg abgefahren Aus H am b ur g wir gemeldet: Das Kaiserpaar traf gestern nachmittag 3 Uh im Hofzuge auf dem Dammtorbahnhof, wo zum Empfang Prinz Joachim, Bürgermeister Dr Burchard unb ®em* sowie der preußische Gesandte Graf v. Gotzen un $ erschienen waren, ein. Vom Bahnhof fuhren 1 i f

Dmlschm SanbwtrtWafMelW W «J- ^" E°?»m »anbraiiäfklhuig in'lp«*rg *J SS E°ch,m besaite di- AuSft-llMS

B-iuch'rz°h' ;*ÄÄ Ä^ K°p.n. NÄg "ton® bk h°,b°-,<ich-

Sibenbe gelegen«» her ®Ä^«"»«« Verhäilni- Relchstagsabgeordneten ^onhardt b t- # ^rrtutHf Deutschlands zu Dänemark, e^ s 8 Deutschland mehr daß Dänemarks Verteidigungsplane g ggnchegedanke ?« ygen anbere Staat« f'j *2^ -inl.h-, et in Dänemark vollkommen ausgestoibm, daß feine B-rwirMchun, Sdbftmorb Mente. - .

Ztg." bemerkt dazu: Angesichts der engen verwandtschaft- lichm Beziehungen zwischen dem dänischen und russischen Hofe ist es bezeichnend, daß in dem Augenblick, wo der Kaiser und der Zar in den finnischen Gewâstern zusammentrafen, aus Kopenhagen eine halbamtliche Stimme herübertönt, die die friedlichen und freundnachbarlichen Gesinnungen Däne­marks Deutschland gegenüber betont. Das soll mit Befriedi­gung festgestellt werden.

Ueber die Angelegenheit des englischen DampfersWoodburn" veröffentlicht der russische Generalstab der Marine folgende Mitteilungen:Angesichts der mehrfach vorgekommenen Fälle, daß sowohl russische als ausländische Handelsdampfer sich dem Standorte des in russischen Territorialgewässern befindlichen Geschwaders der Kriegsflotte näherten und ungeachtet der Warnung der Wachtschiffe in den Schutzbereich des Geschwaders eindrangen, ist es im letzten Jahre für nötig befunden worden, ergänzende Regeln für solche Fälle festzusetzen, Regeln, welche für die finnischen Schären durch den Generalgouverneur von Finnland eingeführt und in englischer Nebersetzung in den diesjährigen Januar- und April-Ausgaben der vom englischen Handels­amt herausgegebenen Notizen für Seefahrer abgedruckt wurden. Am 16. Juni ging der englische Handelsdampfer Woodburn" unter Führung eines finnischen Lotsen aus dm Schären seewärts. Bei Annäherung des Dampfers au die in Pitkopas auf der Standart-Reede liegmdm, die Kaiser­jacht brgleitendm Kriegsschiffe, fuhr baß wachthabende Torpedoboot demWoodburn" entgegen, ging auf seine Seite und befahl ihm, dm Kurs zu ändern und dm Schutz­bereich des Geschwaders zu verlaffm. Da derWoodburn" ungeachtet deS Befehls den Kurs auf die Kaiserjacht beibr- hielt, gab das Torpedoboot drei blinde Schüsse und, als der Dampfer seine Richtung trotzdem nicht änderte, einen scharfen Schuß gegen die oberen Teile des Dampfers ab. Als gleich­zeitig das TorpedobootEmir Bukharski" bemerkte, daß der Woodburn" fortfuhr, auf die Kaiserjacht loSzusteuern und bereits die Linie deS DchutzkreiseS überschritten hatte, gab eS ebenfallS zunächst einen blinden, dann einen scharfen Schuß aus einem 75 Millimeter-Geschütz ab, der den unteren Teil deS Schornsteins traf. Das Kommunique des GmeralstabS der Marine schließt: Sofort auf Anordnung des Flagg- kapitäns, Generaladjutanten Milow, wurde ein Offizier auf dieWoodburn" entsandt, um die Beschädigung deS Dampfer» zu besichtigen und festzustellen, warum die Befehle des Wacht- schiffeS nicht befolgt worden waren. ES stellte sich heraus, das ein 75 Millimeter-Geschoß die Bekleidung des Schorn­steins durchgeschlagen und das Dampfrohr der auf dem Oberdeck befindlichen Reservemechanismen zerschmettert hatte; außerdem wurde ein Heizer durch ein Geschoßsplitter am Oberschenkel leicht verwundet. Bei Befragung deS Kapitän» ergab sich, daß der Lotse, der das Schiff steuerte, die Linie des Schutzkreises schneiden wollte. Der Kapitän hatte ledig­lich die Anordnung des Lotsen befolgt.

Marokko. Aus Fez wird vom 16. Juni gemeldet: Die Mahalla El Roghis schlug die scherifische Mahalla unter Ould Mohammed Chergui vollständig; von allen Setten treffen Flüchtlinge in Fez ein.

Die Borgänge in Persien. Vierhundert Bach, tiarenreiter sind auf dem Wege von Jspahan nach Kum, und können, da unlängst bit Truppenabteilung aus Kaschan abberufen wurde, unbehindert dorthin gelangen. In Kaswin herrscht volle Anarchie. Am Freitag wurde dort der Kurden- führer Mijast Nisam ermordet. Die Befürchtung, die Bach- tiaren und Revolutionäre könnten sich zu einem gemeinsamen Vorgehen vereinigen, ruft in Teheran große Besorgnis her- vor. Aus sanitären Erwägungen wird das russische Lager mit Zustimmung des Schahs in die Nähe des dem Schah gehörigen Gartens von Bagischemal verlegt. Die Mörser- batterie und zwei Schützenkompanien sind nach Rußland zurückgekehrt. In der Vorvergangenen Nacht wurden im Stadtviertel Armeniß ein russischer Schützenposten und das benachbarte russische Generalkonsulat überfallen. Diese Tat wird hier den Sattar Khan und Bagir Khan umgebenden kaukasischen Revolutionären zugeschrieben. Die Volksmassen sind überzeugt, daß die Ruhe nicht wiederkehrm werde, so­lange Sattar Khan und Bagir Khan sich in Aserbeidshan befinden. Sämtliche Konsuln, mit Ausnahme des türkischen, erhielten Drohbriefe mit der Forderung, daß die russischen Truppen unverzüglich abberufen werden.

Die Kretafrnge. Offiziös verlautet, daß Muktar Pascha, der während seines Pariser Aufenthalts mit Minister­präsidenten Clemenceau und dem Minister des Aeußern, Pichon, auch die kretensische Frage erörterte, darauf hin- gewiesen habe, daß die Türkei zu einem Einschreiten auf Kreta gezwungen werden könnte, falls daselbst ein Ausstand ausbrärbe und das Leben der Muselmanen bedroht wäre.

Der heilige Krieg. DieAgmce Hava," verbreitet nachstehende Meldung aus Udschda: Unter den Völkern des Rifgebietes um Udschda ist allgemein die Ansicht verbreitet, daß Feindseligkeiten zwischen Spaniern und den Guelayas nahe bevorständen. Die Citadelle von Melilla ist voll von Soldaten, die dort kürzlich aus Spanien eingetroffen sind. Die Guelayas sind überzeugt, daß General Marina Gewalt anwenden wird, um die Arbeiten in den von El Roghi über- laffenen Minen zu schützen. Von dm Bölkem des Rifge- biets wird ohne Unterlaß der heilige Krieg gepredigt. Eine Erhebung gegen dm Maghsen scheint unvermeidlich. Die Guelayas sollen sich bemühen, alle Stämme de» Rif» in dm Kampf gegen Mulay Hafid und die Spanier Hineinzuziehm.

Erbanfallstcucr und Landwirtschaft.

Ueber die Vorlage einer Erbanfallstmer herrscht noch i» weiten, besonders bäuerlichen Kreism eine. erstaunliche Un­kenntnis. Vielfach wird noch immer befürchtet, daß eie solche» Gesetz überaus schwere Schädigungen, vielleicht sogar dm Untergang für die Landwirtschaft im Gefolge haben könnte. Mit Recht hat der prmßische Finanzminister Frei­herr v. Rheinbaben in seiner ReichStagSredr am Donnerstag ausgeführt, daß die Lmte, die solche Behauptungen aufstrllen, dar Gesetz gar nicht gelesen haben und vor allem dir Schutz- bestimmungen nicht kunen, die die Regierung im Jntercff» der Landwirtschaft ausgenommen hat.

Aber auch die schädlichm Wirkungm, die eint Kotierung», steuer nicht etwa bloß auf die Börse, fonbern auch auf den mittleren und kleinen Mann haben müßte, scheinen noch lange nicht in ihrem vollen Umfange bekannt zu sein. Di« Regierung hat, wie Freiherr v. Rheinbaben auSführte, gegen dreie Steuer zunächst da« pru«-ipitÜe Ecdenkeu, daß <S s ch hier um eine partielle Reichsvermögenssteuer handelt. Die Steuer würde ungleichmäßig verteilt, denn di« Besitzer von Hypothekm blieben frei. Vor allem aber würde bie Steuer erhoben werden ohne Rücksicht auf die Leistung», fähigkett, denn der Besitz von . Wertpapieren, insbe­sondere auch von Aktien, ist keineswegs lediglich in den Händen wohlhabender Leute. Die Verteilung von Wert­papieren, insbesondere von Aktien, geht weit in die Kreis« unseres Mittelstandes hinein. Der Minister erörterte bann bit Wirkung für die Belastung der Aktiengesellschaften. Derm Abgabm würden unter Umstândm auf 25 bi» 30 Prozent steigen können.

Noch wichtiger indes find zwei Gesichtspunkte allgemein wirtschaftlicher Bedeutung, die Serteuerung beß Hypotheken- kredits und di« Schädigungen, die darin für den gangen Landbesitz und für dm städtischm Hausbrfitz liegen. Di« preußische Zmtral-Bodm-Kreditgesellschaft, bit jetzt 350 000 Mark Steuern bezahlt, würd« künftig 1 Million mehr be­zahlen müssen. Das wär« 30 v. H. de« Gewinne» all Steuer I Noch bedenklicher wäre bit Rückwirkung der Kotierungssteuer auf den Kredit der Provinzen, Kreis« und Gemeinden. Innerhalb 12 Jahren find von biefen Ver­bänden nicht weniger wie 4,355 Milliarden Schulden kon­trahiert worden. Bei einem Satz von 1 pro Mille mürben sie in dieser Zeit eint JahreSsteuer von 4 355 000 Mk. zu zahlen gehabt haben. Auch die Provinzialhilfskaffm nehmen Anleihm in größtem Stile auf. Die landwirt­schaftlichen Genoffenschaftm find in ihrem Kredit grösstenteils auf diese Kaffen angewiesen. Wird also diesen Provinzial­hilfskaffen der Kredit verteuert, so sind wiederum die mittleren und kleinerm Teil« der produzierendm Bevölkemng in Stadt und Land und namentlich die landwirtschaftlichen Genossen­schaften die Leidtragenden. Auch die Wirkungm auf die Börse selber, auf die der Minister nur kurz zu sprechen kam, sind höchst bedenkliche für unsere wirtschaftliche wie national« Entwicklung, insbesondere wies Freiherr v. Rheinbabm mit erhobener Stimme auf die Bedeutung hin, welche eine leistungsfähige Börse im Ernstfalle besitzt. So bestehen gegen die Kotierungssteuer seitens der verbündeten Regierungm schwere und nicht überwindbare Bedenkm.

Hierauf wandte sich der Finanzminister der Erbansall­steuer zu, indem er vor allem die Behauptung widerlegte, daß der Landwirtschaft schwere Schäden aus der Erbansall­steuer erwachsen würden. In Preußen haben unter 1,8 Millionen selbständiger Landwirte nur 10 v. H. ein Ver­mögen von mehr als 30 000 Mk. Also fallen 90 v. H. der selbständigen Landwirte überhaupt nicht unter die Erb- anfallsteuer. Ferner ist zu konstatieren, daß von den er- gänzungssteuerpflichtigen Vermögen ebenfalls 65 v. H. voll­ständig freibleiben. Man kann also sagen, daß nicht nm die Landwirtschaft, fonbern die mittleren und kleiner« Existenzen bei der Erbanfallsteuer durchaus geschont werden. Für die Landwirtschaft ist ferner dürch Zugrunde