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viertes LhrRch f,80 M., rn»narlich 60 Pfg., für «* Mutige Adouuauen mit bot betreffenden Paßauflchl«^, Di« «i»z«l»! Stummer faßet 10 Psg.

EkmUmt-SgeSth» i

WeMMhnti ueb Verlag der Buchdruck«, bei w«l«. 0» Waijwhaus^ in Hsuau.

General-Anzeiger

Amtlicher Grgsn für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Smm- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die Hluf jifaalteac Petit»«»« »6er bereu Reum SS Kg, « SeOomeateil di« Ziti« U Pj^

Beraniwerti. »ebuhewi «. erntet * HM»

Nr. 137

Fernsprechanschltttz Nr. 605»

Dienstag den 15. Juni

^ernsprechanschlutz Nr. 605. 1909

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

, Zwecks Verlegung von Gasrohren wird die Nordstratze zwischm der Eberhardstraße und der Bogenstraße von Mon- tag den 14. bis 26. d. Mts. für den öffentlichen Fnhrverkehr gesperrt.

Hanau den 12. Juni 1909.

Königliche Polizei-Direktion.

P 7366 I. A.: Dr. v. Waldow, Reg.-Aflessor.

Eandkreis Hanau.

Unter den Schweinen in Bruchköbel ist die Schweine­seuche erloschen.

Hanau den 14. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

V 3417 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Unter den Schweinen in Kilianstädten ist die Schweine« feucht festgestellt.

Hanau den 14. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

V 3417 I. A.: Hartmann, Kreis sekretâr.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Durch das Gesetz, betreffend die Abänderung des Ein« kommensteuergesetzeS und des Ergänzungssteuergesetzes vom 26. Mai 1909 (Ges.-S. S. 349), hat der § 19 Abs. 1 und 2 des Einkommensteuergesetzes die nachstehende Fassung erhalten:

^ .. Gewährt ein Steuerpflichtiger, dessen Einkommen den Betrag von 6500 Mk. nicht übersteigt, Kindern oder an­dern Familienangehörigen auf Grund gesetzlicher Verpflich­tung (§§ 1601 bis 1615 Bürgerliches Gesetzbuch) Unter­halt, so werden die im § 17 vorgeschriebenen Steuersätze ermäßigt

um eine Stufe bei dem Vorhandensein von 2,

um zwei Stufen bei dem Vorhandensein von 3 oder 4, um drei Stufen bei dem Vorhandensein von 5 oder 6 derartigen Familienmitgliedern. Für je zwei weitere solcher Familienangehörigen tritt eine Ermäßigung um eine weitere Stufe ein.

Bei Einkommen von mehr als 6500 Mk., aber nicht mehr als 9500 Mk., wird der im § 17 vorgeschriebene Steuersatz ermäßigt

um eine Stufe, wenn der Steuerpflichtige 3,

um zwei Stufen, wenn der Steuerpflichtige 4 oder 5 Kindern oder andern Familienmitgliedern auf Grund ge­

Die Erdtante.

Von Rosa Gerheirffer, Stuttgart.

(Nachdruck verboten.)

Oberförster Heinrich Bergmann las die zwei Postkarten, die er soeben von dem Postboten erhalten hatte, und sein Gesicht strahlte wie das eines vergnügten Schuljungen!

Was sagst Du dazu, Lotte!" rief er, indem er seiner Frau die Karten reichte. Und Frau Lotte las:Hurra I Uebermorgen bekomme ich Ferien I Werd« mittags bei Euch sein. Freue mich grenzenlos, auszuspannen. Tausend Küsse den lieben Kinderchen! Tante Erika i"

Und die zweite Karte lautete:Lieber, alter Freund! Kannst Du mich für einige Tage in Deinem lieben Forsthaus aufnehmen? Auf der Heimreise von China komme ich morgen in Eure Nähe und sehne mich, Dich nach den langen Jahren wiederzusehen. Max."

Frau Lotte schaute rasch auf und die Blicke ber, beiden begegneten sich verständnisinnig.Ein wahrer Glücksfall I Es hätte sich nicht besser treffen können !" lachte der Ober­förster.

Ja! seufzte Frau Lotte feierlich,es ist rote ein Wink von oben, eine Fügung des Schicksals! Es würde mich unendlich freuen, meine Schwester als Gattin Deines besten Freundes Max zu sehen und sie würden zu einander passen, wie kein anderes Paar!"

Aber wir müssen vorsichtig zu Werke gehen mit beiden, Lotte; denn sie sind beide Starrköpfe!"

Charakterfest!" verbessert« Frau Lotte.

Nun ja, nenne es so, wenn Du willst lachte gutmutig der Oberförster,aber meiner Ansicht nach ist das einfach Eigensinn I Ein solch prächtiger Mensch wie Max darf einfach nicht Junggeselle bleiben! 'Mit seinem großen, warmen Kinderherzen ist er ja wie geschaffen für eine glückliche Haus- lichkeit; das sagte ich ihm airch, ehe er nach China ging, und da erklärte er mir kurz und bündig, er könne niemals betraten ! Er habe ein Ideal im Herzen I Ein Mädchen; dessen Namen er nicht einmal kennt, und dem er aller ^Wahrscheinlichkeit nach im Leben nie mehr begegnen werde l Und deshalb bleib

setzlicher Verpflichtung Unterhalt gewährt. Für je zwei weitere solcher Familienangehörigen tritt eine Ermäßigung um eine weitere Stufe ein.

Diejenigen für das Steuerjabr 1909 bereits zur Ein­kommensteuer veranlagten Steuerpflichtigen, welche glauben, auf Grund dieser Bestimmungen auf eine Ermäßigung deS Steuersatzes Anspruch zu haben, fordere ich hierdurch auf, diese Ermäßigung spätestens bis zum 25. Juni 1909 bei mir schriftlich zu beantragen. Später eingehende Anträge dürfen nach gesetzlicher Vorschrift nicht berücksichtigt werden. Hanau den 14. Juni 1909.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Stadtkreis Hanau.

______________ Dr. Gebeschus.________ 14581

Bekanntmachung.

Der Korb- und Schirmmacher (Zigeuner) Friedrich Ebenper aus Usenborn, Kreis Büdingen, geboren in Butz­bach Oberhessen am 28. Mai 1885, ist durch rechts­kräftiges Urteil des Schwurgerichts zu Hanau vom 27. November 1908 wegen Mordes, begangen in der Nähe von Rommerz, Kreis Fulda, an dem Gendarmerie-Wachtmeister Johannes Schenk aus Flieden, zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist heute morgen im Hofe des hiesigen Gerichts­gefängnisses durch Enthauptung vollstreckt worden.

Hanau den 15. Juni 1909.

Der Königliche Erste Staatsanwalt.

Lehmann. 14599

Gefunden: 1 goldener Trauring ohne Zeichen, 1 gelbes Handtäschchen mit 1 weißen Taschentuch und 1 Paar weißen Damenhandschuhen, 1 Stück (etwa 1 Meter) Bett­barchentstoff.

Gefunden im Lamboy w al d: 1 weißer halb­langer Damenhandschuh.

Liegen geblieben bei Wronker: 1 Wachstuch (Tischdecke) und 1 braunes Portemonnaietäschchen mit 35 Pfg., Empfangnahme auf dem Fundbureau.

Verloren: 1 Hausschlüssel, 1 Handtäschchen mit Portemonnaie und Taschentuch, 1 Herrenschirm, 1 Porte­monnaie mit etwa 2 Mk., auf demselben Monogramm I. K^ 1 Portemonnaie mit 30 Mk. (bestehend aus 1 Zwanzig­markschein, 4 Zweimarkstücken u. 2 Einmarkstücken), 1 schwarzer Gummimantel, 1 goldene Sicherheitsnadel mit rotem Stein,

1 seidener Herrenschirm mit gold. Griff. *

er sein Leben lang ein einsamer Mann ! Es ist ja lächerlich! Ein Pbanton! Ich hoffe, er ist jetzt vernünftiger geworden. Er sollte unserErbtantchen" heiraten l Es ist gut, daß er einen Tag vor Erika kommt, da werde ich ein wenig sondieren. Dom fernen Lande in die Heimat zurückgekehrt, mitten im deutschen Wald muß ihm doch das Herz weich werden! Ich nehme ihn dann am andern Tag mit auf die Jagd und lasse Dir Zeit, Erika ein wenig auf unseren lieben Besuch vorzubereiten. Treibe Dir diese albernenErbtanten-Ge- danken" ordentlich aus dem Kopf I Ein solches Prachtmädel darf einmal nicht Erbtante bleiben!"

Das habe ich ihr auch schon ost einreden wollen", ent­gegnete Frau Lotte,aber da ist sie immer gleich damit fertig! Sie heirate nie! Sie bliebe die geliebte, verehrte, von ihren Nichten und Neffen aufs zärtlichste verhätschelte Erbtante"! Eine fixe Idee von ihr! Ich werde da eine schwere Aufgabe haben, ich darf es ihr zuerst gar nicht sagen, daß wir einen Gast im Hause haben, sonst macht sie mir gleich an der Türe kehrt! Sie hält mich beständig im Ver­dacht, Heiratspläne für sie zu schmieden! Aber dieses Mal ist es Schicksal," schloß sie feierlich,und ich überlasst es ganz dem Schicksal! *

Tante Erika war angekommen und brachte eine Flut von Sonnenschein und Heiterkeit mit ins Haus herein. Die Kinder hingen ihr am Hals und jubelten stürmisch jedesmal, wenn Tani« ein neues Paket aus ihrem Koffer hervorbrachr». Jedes der Kleinen wurde mit Spielsachen und Leckerbissen überschüttet. Den ganzen Tag nahmen die Kinder ihrGoldtantchen" in Anspruch, und sie mußte versprechen, Klein-Annes verunglückte Puppe wieder gesund zu machen, Lieschen jeden Tag ein Märchen zu erzählen und dem kleinen Neffen das ganze Heer verbogener und ein­beiniger Bleisoldaten wieder marschfähig zu machen!

Nachdem die Kinder zu Bett gebracht waren, begann Frau Lotte ganz vorsichtig:Erikchen. Schatz, könntest Du nicht ein helleres Kleid zum Abendessen anlegen? Mein Mann sieht Dich so gern in Weiß, es steht Dir ja auch so vorzüglich!"

Ach, Lott«, fürs Land habe ich nur mein grauleinenes

Verloren im Lamboywald: 1 Portemomrail mit 18 Mark.

Zugelaufen: 1 schwarze Dachshündin.

Hanau den 15. Juni 1909.

Politische Rundschau.

Die englischen Geistlichen in Berlin.

Potsdam, 14. Juni. Der Kaiser hielt bei dem Empfang der englischen Geistlichen folgende Ansprache:Meine Herre»! Es bereitet mir ein wirkliches Vergnügen, Sie heute zu empfangen als die Vertreter der englischen christlichen Kirchen und ich hoffe aufrichtig, daß Sie all« mit Ihrem Besuch in Deutschland zufrieden sein werden. Sie sind gekommen, um den Besuch zu erwidern, der im verflossenen Jahre von dm Vertretern der deutschen christlichen Kirchen England abge- ftattet wurde. Ich habe Gelegenheit gehabt, eine Anzahl deutscher Geistlicher zu sprechen, und bin erfreut, Ihnen Mit­teilen zu können, daß sie von ihrem Besuche sehr befriedigt gewesen sind und nicht genug sagen konnten zum Lobe der großen Gaststeundschaft und der wahrhaft christlichen Bruder­liebe, mit der sie in Ihrem Lande empfangen wurden. Ich bin sicher, daß Sie unser Volk nicht weniger gastfreundlich finden werden, und ich hoffe, daß Sie von Ihrem Besuch bei uns bis zu Ende befriedigt sein werden. Ich gebe mich der Zuversicht hin, daß dieser Besuch wie der im verflossenen Jahre dazu dienen wird, die gute Gesinnung zwischen den beiden verwandten Nattonen zu fördern. Ich freue nnch sehr, meine Herren, daß ich das Vergnügen gehabt habe, Sie zu empfangen." Dem Empfang der englischen Geistliche« durch den Kaiser wohnte auch Staatssekretär v. Schön bei.

Potsdam, 14. Juni. Bei dem Empfang der englischen Geistlichen durch den Kaiser hielt der englische Botschaft« Goschen eine Ansprache, in der er die Geistlichen als die Be- tteter aller Gruppen der christlichen Kirchrn Englands vor­stellte. Sie seien der Einladung des deutschen Komitees freudig gefolgt, um di« Freundschaft für ihr« Gäste vom notigen Jahre zu erneuern. Sie seien im Interesse bei Friedens gekommen und überzeugt davon, daß die Zusammen­künfte der kirchlichen Vertreter der beiden durch die Bande des BluteS und der Geschichte ihres Geistes- und Glaubens- lebens so eng verbundenen Nationen nur die erfreulichst»» Ergebnisse zeitigen könnten.

Reich sd«ma.

Petersburg, 14. Juni. Die ReichSduma nahm in zweiter und dritter Lesung den Gesetzentwurf über di« Glaubensfreiheit mit einer Aenderung gemäß dem Antrag» der Oktobristen an, derzufolge der lleberttitt aus einer christ­lichen Konfession in eine nichtchristliche und die Erklärurm der Konfessionslosigkeit gestattet werden soll, obwohl sich kürzlich der Ministerpräsident Stolypin in längerer Rede gegen diese Amendements ausgesprochen hatte. Die Abge­ordneten der Rechten, der gemäßigten Rechten und di» Nationalisten enthielten sich der Abstimmung; die Rechte

Kleid mitgebracht und ein paar hell« Blustn, daS genügt doch?" Ihr seid doch allein?" Ihr habt doch feine Gäste? Ihr habt es mir ja versprochen, ich dürfe mich in aller Ruh» bei Euch erholen von meiner vielen Arbeit!"

Nur einen Gast, ganz zufällig, Erstachen," antwortet» Frau Lotte harmlos.

Lotte!" und Erika sah di« Schwest« streng an,Da hast doch nicht schon wieder Absichten? Lott», um Himmels willen, laß mich doch endlich in Ruhe mit Deinen HeiratS- Plänen ! Ich heirate ein für alle mal nicht! Ich bleibe ein» Erbtante! Du solltest doch froh darüber sein mit Deine» Häuflein Kinder, und sie ist gar nicht zu verschmähen, so eine Erbtante! Denke Dir nur, Lotte," fuhr Erika fort, und dabei leuchtete es froh und stolz in ihren Augen,mein Gehalt hat sich jetzt um ein Drittel erhöht, und ich bin rum in der Lage, jährlich tausend Mark in die Sparkasse zu legen. Meinem Prinzipal bin ich sozusagen di« rechte Hand geworden, ich bekleide einen Vettrauensposten und bin ordent­lich stolz darüber; ich gehe ganz auf in meinem Beruf; «S ist eine freudige Arbeitskraft in mir, die mich übet alles be­friedigt und beglückt! Dieses Selbstgefühl, sich so ganz allein und selbständig in der Welt weiter zu bringen, ist etroal Köstliches! Also, verstehe mich recht, liebe Schwester, ich bin in einigen Wochen dreißig Jahr« alt und ich meine, Du könntest Deine Heiratspläne mit mir endgültig fallen lassen. Es wird nichts daraus! Ich bin und bleibe dieErbtante"!"

Wer ist denn eigentlich Euer Gast?" fragte sie dann nach einer kleinen Pause.

Heinrichs bester Freund, der Max, der aus Ehina zu­rückgekehrt ist!"

Dieser unausstehliche Mensch, von dem ihr Zwei mit beständig vorschwärmt!" rief Erika ärgerlich,den will ich überhaupt gar nicht kennen lernen! Ich reise heute noch zu meiner Freundin 1 Lotte, das ist Verrat!! Du hast mich in eine Falle gelockt; aber ich lasse mich nicht so leicht fangen 1 Warte nur!"

Nur nicht so aufgeregt, liebste Erika!" beschwichtigte Frau Lotte,dieses Mal bin ich ganz unschuldig. Er hat sich selbst eingeladen, ganz unerwartet; Eure Karten kamen vorgestern zu gleicher Zeit an, und ich konnte doch keinem