Samstag den 12. Juni 1909
Politische Rundschau.
Bon freiwilligen Wohlfahrtseinrichtnngen für Arbeiter wissen die preußischen Regierungs- und Gt- werberäte und Bergbehörde!: auch für das Jahr 1908 viel Erfreuliches zu berichten. Sehr groß ist "die Zahl der städtischen Betriebe, die den regelmäßig beschäftigten Arbeitern Urlaub, bis zu 14 Tagen jährlich, und zwar unter Fortbezug des Lohnes gewähren. Einzelne städtische Behörden haben das sogenannte Gnadenvierteljahr, d. h. die Fortzahlung des Lohnes während eines Vierteljahres nach dem Tode des Angestellten an die Hinterbliebenen, auch auf die gewerblichen Arbeiter ihrer Betriebe ausgedehnt. Die aus den Unterstützungskaffen der städtischen und privaten Betriebe, sowie aus den Witwen- und Waisenfonds an Hinterbliebene gezahlten Beträge haben sich vielfach erhöht. Aus einzelnen Bezirken wird über Stiftungen zwecks Gewährung von Zuschüssen zu Invalidenrenten berichtet. Die Stadt Thorn verleiht ihren Arbeitern und Handwerkern außer anderen Vergünstigungen, nach 3 Jahren ein Sparkassenbuch über 50 Mk., ein Stück pachtfreies Gartenland und den Familien im Todesfall des Ernährers ein Sterbegeld von 5 pCt. des Jahresarbeitsverdienstes bis zur Höhe von 50 Mk. Nach 10 jähriger Tätigkeit wird ein Sparkassenbuch über 100 Mk. ausgehändigt. Von einer Firma fin Bezirk Potsdam wird berichtet, daß 49 Angestellte, die 5 Jahre bei der Firma beschäftigt waren, als Weihnachtsgeschenk je eine Lebensversiche- rungspolize über 1000 Mk., 16 Arbeiter, die 4 Jahre beschäftigt waren, Sparkassenbücher mit Einlagen von 50 Mk. erhielten. Die Bücher bleiben bis zum Austritt oder bis zum Tode des Inhabers in Verwaltung der Firma, die die Einlagen jährlich um 50 Mk. erhöht. Es fehlt ferner nicht an weitgehender Fürsorge für das leibliche und gesundheitliche Wohl der Arbeiter. Speisehäuser, Badeanstalten, Wald- erholungsstätten , Wohlfahrtsstellen für Lungenkranke, Fürsorgestellen für Al ko hol kranke, Arbeiterheime, Heimstätten für ledige und für jugendliche Arbeiter, Arbeiterkastnos, Ar- deitrrgärien, Anhaltung der Arbeiterfamilien zur Ziegenhaltung, Wohlfahrtshäuser der verschiedensten Art und Bestimmung wären auf diesem Gebiete zu nennen. Besonders entwickelt ist die Wohnungsfürsorge; sie wird teils seitens der Arbeitgeber, teils durch WohnungSbauvereine ansgeübt. Für die geistige Unterhaltung und Bildung der Arbeiter sorgen volkswirtschaftliche und wissenschaftliche Vorträge, die jyn ben freien Studentenschaften an den Universitäten einge- * ächteten ArbeiterfortbildungSkurje, Konzerte, Vylksunisr- haltungsabende, Verabreichung guter Lektüre am Schluffe der Woche nach beendeter Arbeitszeit usw. Besonderen Anklang scheint bei den Arbeitern die Einrichtung einer freiwilligen Sanitätskolonne gefunden zu haben, die auf Kosten einer Waggonfabrik im Regierungsbezirk Danzig im Samariterdienst ausgebildet ist und sich der Genossenschaft freiwilliger Krankenpflege im Kriege angegliedert hat. Auch die Bestrebungen der Arbeitgeber, Arbeiter und Behörden zur Seß- Haftmachung von gewerblichen Arbeitern haben vielfach zu erfreulichen Fortschritten geführt. In der Nähe der Stadt Hohensalza ist eine hübsche, dorfartige Kolonie von etwa 20 Einfamilienhäusern fertiggestellt, weitere Wohnungen sind im Bau begriffen., Zu jedem Hause gehört ein Stück guten Ackerbodens von */a—P/a Morgen Größe. Die netten Häuser kosten durchschnittlich etwa 4500 Mk. (ohne Land). Die Unternehmerin „Deutsche Kleinsiedelnngsgenossenschaft" erwarb bei Argenau (Kreis Hohensalza) ein Terrain zur
Von Rolf Crittius.
(Nachdruck verboten.)
Wodurch entsteht Hagel? Und wie vermag man den Verheerungen, die er anrichtet, möglichst wirkungsvoll zu steuern? Durch diese beiden Fragen ist die Stellung, die der moderne Kulturmensch jener Naturerscheinung gegenüber einnimmt, hinreichend gekennzeichnet. Im voraus sei gesagt, daß sich weder in der einen noch in der anderen Hinsicht wirklich befriedigende Antworten erteilen lassen. Mit der Frage nach der "Entstehung des Hagels hat sich die Wissen- schaft selbstredend schon lange Zeit beschäftigt; aber immer blieb es eine harte Nuß, die völlig zu knacken, bisher keinem meteorologischen Forscher gelang. In der Tat steht man auch einer geradezu rätselhaften Erscheinung gegenüber. Denn während auf der Erdoberfläche eine verhältnismäßig sehr hohe Temperatur vermerkt wird, herrscht in den oberen Luftschichten eine Kälte, die es zuwege bringt, daß sich dort feste Eisstücke bilden — Eisstücke, die gar nicht selten bis zur Größe eines Hübnereies anwachsen, Wie ist es ferner möglich, daß diese Stücke, die wir Hagel nennen so groß werden können, ohne vorher herniederzusallen? Die Erklärung i er hier erwähnten Erscheinungen wird nun in olgendem versucht. Jedes Hagelwetter pflegt mit emem Luftwirbel verbunden zrr sein. Betrachtet man nun die Wirbelbildung an fließendem Wasser, so offenbart sich ganz äugen alld em regelrechter Trichter, in den stets die Über dem Wasser befindliche Luft einzudringen versucht. Uebertragt man dreie Trichterbildung auf ben Wirbel in der Lust, so mußte man an dieser sehr streng unterscheiden zwischen der ungemein verdünnten oberen unb der um vieles dichteren, s^wereren Bodenschicht des Lustmeeres. Die Erstellung m>n einem Luftmeer soll jedoch festgebalten werden; dadurch nämlich dürfte die beabsichtigte Erklärung am besten ^nleuchte,
Nun hat Werner Siemens der bekannte Gelel)rte, seinerzeit darauf hingewiesen, daß in diesem Luftmeer z Strömungen das große Wort führen, die m bemale - gegengesetztsr Richtung ihre Bahn nehmen. Bollig ruht r )
baldigen Errichtung einer ähnlichen Arbeiterkolonie. Die Ansiedler sollen ^io der Kaufsumme bar anzahlen und den Rest mit 31/a Prozent verzinsen und mit jährlichen Raten von Ua Prozent abtragen. Weiterhin bilden sich Wohnungs- bauvereinigungen, um das Interesse der Arbeiter für gute und billige Wohnungen zu wecken. Aber es fehlt auch nicht an Enttäuschungen und unerfreulichen Erfahrungen. Der Regierungs- und Geivcrberat für Bromberg berichtet: „Eine Aktiengesellschaft in der Nähe der Stadt Bromberg errichtete in der Nähe ihrer Werke auf dem Lande 16 freundliche Arbeiterwohnungen mit Ackerzubehör von je I Morgen. Trotz des mäßigen Preises von 110 Mark jährlich sind erst drei Wohnungen vermietet. Die Leute zogen es bei bequemer Eisenbahnverbindung mit der Stadt vor, dort zu wohnen; auch zeigten die Arbeiterfrauen wenig Neigung, den Garten oder Acker zu bebauen.* Aus dem Bezirk Gunibinnen wird berichtet, daß die Errichtung kleiner Rentengüter, obwohl recht ungünstige Wohnungsverhâltniffe herrschen, hauptsächlich wegen des Widerstandes der Arbeiterbevölkerung nicht gelingen will.
Staatseigeue Mietwohugebättde. An der Verwendung der durch die bisher erlassenen zehn Wohnungsfürsorgegesetze bewilligten Mittel zur Herstellung von staatseigenen Mielwohngebänden ist in erster Linie die Eisenbahn- verwaltung beteiligt. In den 21 Eisenbahndirektionsbezirken sind an 344 Orten 1237 Häuser mit insgesamt 9409 Wohnungen errichtet. Unter den Wohnungen überwiegen die dreirâumigen Wohnungen ganz erheblich. Die Zahl solcher Wohnungen beträgt 6214. Demgegenüber treten die vierräumigen Wohnungen mit 1927, die zweiräumigen mit 821 und die fünfräumigen mit 447 entschieden zurück. Das Anlagekapital für diese Wohnungen beziffert sich auf rund 43 Millionen Mark, wovon 1,6 Millionen Mark auf den Wert, des staatseigenen Geländes, 1,3 Millionen Mark auf den Preis des angekauften Geländes und 40 Millionen M. auf Bau- und Bauverwaltungskosten fallen. Die baren Aufwendungen betragen sonach 41,4 Millionen M.; mithin stellt sich die bare Aufwendung für das einzelne Haus im Durchschnitt auf 33 500 M., für die einzelne Wohnung im Durchschnitt auf 4400 Mark. Von den Wohnungen sind 6663, also rund zwei Drittel sämtlicher Wohnungen fertiggestellt. Im Gebiete der Bauverwaltung handelt es sich um 19 Orte, in denen 45 staatseigene Mietwohnungen hergestellt find. Auch hier überwiegen die dreiräumigen Wohnungen: es sind 97 unter 148. Unter den übrigen sind 2 fünf-, 27 vier* und^MLrveirâum^ Das Mlagekapital, das sich aus 19 400 Mk. als Wert des staat-eigenen Ge» lândes, 10 300 Mk. für das angekaufte Gelände und 610 370 Mk. Bau- und Bauverwaltungskosten zusammensetzt, beträgt rund 640 000 Mk. Die Wohnungen sind bereits sämtlich fertiggestellt. Die Bergverwaltung unterscheidet Arbeiterrpohnhäuser und Beamtenwohnhäuser. Die ersteren, 697 an Zahl, bieten Raum für 2645 und zwar 512 vier- räumige, 1923 drei- und 210 zweiräumige Wohnungen. Das Anlagekapital beträgt 11,1 Millionen Mk. Davon sind rund eine halbe Million Mark für den Wert des staatseigenen Geländes, 31 000 Mk. als Preis des angekauften Geländes und 10,6 Millionen Mk. für Bau- und Bauver- waltungskosten gerechnet. Die Durchschnittskosten betragen sonach 15 750 Mk. Fertiggestellt find 1617 Wohnungen. Die Beamtenwohnhäuser, 63 an Zahl, enthalten 157 Wohnungen. Davon sind 57 fünf-, 98 vier- und 2 dreiräumig. Die Bau- und Bauverwaltungskosten betragen 1,3 die an unsere Erdoberfläche stoßende Bodenschicht des Lustmeeres egentlich niemals, wird vielmehr meistenteils vom Südwestwinde bewegt. Gleichzeitig qedoch jagt von Ost nach West ein Obersturm, der in der Drehung der Erde um ihr« Achse seine Ursache findet. Daß beide Strömungen, wenn sie einander hinreichend nahe kommen, in Konflikt geraten müssen, liegt auf der Hand. Zumal wenn man erwägt, daß jener Obersturm bis zu einer Geschwindigkeit anwachwn kann, die beinahe jener gleicht, mit der sich unser Planet um seine Achse dreht. In der Widerhaarigkeit zwischen den beiden Luftströmungen ist jedoch schon von selber eine Hauptbedingung gegeben für die anfangs erwähnte Wirbelbildung — also für den Trichter im Luftmeer.
Ferner: jedermann kennt bestimmt einen Zerstäuber, wie er zum Auffrischen der Luft in Zimmerrüumen dient oder zum Benetzen von Blumen und Blattpflanzen. Er besteht aus zwei Röhren; einer wagerechten und der anderen, die aufrecht steht. Die letztere ragt unten in ein mit einer Flüssigkeit gefülltes Gesäß; beide grenzen unter rechtem Winkel aneinander. Wird jetzt in das wagerechte Röhrchen hineingeblasen, so steigt im senkrechten die Flüssigkeit. Dies Bild ist festzuhalten und zwar in der Art, daß man sich den durch Wirbelbildung entstandenen Trichter als senkrechte Röhre vorstellt. Ueber ihre obere Oeffnung hinweg bläst der Obersturm mit aller Gewalt. Folge davon, daß sich die untere Luftschicht hebt. Hin und her wird sie in dem Trichterrohr gewirbelt: einen förmlichen Tanz führt sie auf. Nun drängen jedoch, genau so wie beim Wasserwirbel, so auch bei diesem im Luftmeer die oberen eiskalten Schichten sofort in den Trichter. Wenn also jetzt die mit Wasserdämpfen sehr reich gesättigte Luft der unteren Schichten mit jenen ersteren zusammengerät, muß notgedrungen ein Gesrierprozeß entstehen. Kurz: es kommt zur 'Hagelbildung.
Die Erklärung hat mancherlei für sich. Außer dem bereits Mitgeteilten besonders noch den Aufschluß, wie die Körnchen nicht sofort, nachdem sie sich gebildet, herniederfallen. Nein, sie verbleiben vielmehr vorläufig innerhalb des Trichters, wo sie im übermütigsten Tanze hin und her gewirbelt werden. Auf diese Weise finden sie Zeit, größer und größer zu werden. Zur Erde fallen sie wahrscheinlich
Millionen Mk., mithin für ein Gebäude im Durchschnitt 21000 Mk. Fertiggestellt sind bereits 132 Wohnungen. Die Zahl der Häuser beträgt für alle drei Verwaltungen 2142, die Zahl der Wohnungen 12 359, das Anlagckapiüü 56,1 Millionen Mk, davon 53,9 Millionen Mk. bare Auf» Wendungen, die Zahl der fertigen Wohnungen 8560. Von der Gesamtzahl der Wohnungen bestehen 506 aus 5, 2564 aus 4, 8236 aus 3 und 1053 aus 2 Räumen. An Staats« mitteln zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Ar* beitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten sind bisher einschleßlich aller Gesetze, die in Fortsetzung des mit dem Gesetze vom 13. August 1895 begonnenen segensreichen Werkeè ergangen sind, rund 120 Millionen Mk. im ganzen verwendet oder zur Verwendung festgelegt.
Die Abhaltung von Schießübungen in -e« Schulen. Die Unterrichtskommission des preußischen Ab» geordnetenhauses hatte sich jüngst mit der Petition eines emeritierten Lehrers zu beschäftigen, der eine Erhöhung der Schlagfertigkeit der deutschen Armee ohne Kosten für Steuer* zahler und Reich dadurch anregte, daß er die Uebung im Schießen für die schulpflichtige Jugend empfahl. Der Berichterstatter der Kommission, Abg. D. Hackenberg, empfahl, die Petition zu verwerfen, da die Zeit für die Schießübungen den Turnstunden abgezogen werden müsse, und eine Verkürzung der Turnstunden im Interesse einer tüchtigen körperlichen Ausbildung unserer Heranwachsenden Jugend nicht angängig sei. Es sei auch zweifelhaft, ob solche Schießübungen der militärischen Ausbildung wirklich förderlich sein würden. Trotz der Jugendwehrbewegung in England, Frankreich und Oesterreich und auch nach dem an der Elberfelder Oberrealschule gemachten Versuch solle man sich nicht für die gutgemeinte Anregung aussprechen. Die Kommission stimmte diesen Ausführungen einstimmig zu und verwarf die Petition.
Das deutsche Hospital in Kairo. Das deutsche Diakonissenhospital Viktoria in Kairo hat den Jahresbericht für 1908 veröffentlicht. Daraus geht hervor, daß die Bauschuld des Hospitals bei der Ottomanbank gänzlich bezahlt worden ist. Der Kassenbestand, der Ende 1907 ein Minus von 8000 Mark aufwies, zeigte Ende 1908 ein PluS von über 4000 Mark. Es ist daher jetzt die Möglichkeit gegeben, die geplanten Verbesserungen der Poliklinik und des Pavillon- für ansteckende Krankheiten vorzunehmen. Im Laufe des Jahres wurden 1208 Personen, darunter 792 Männer, 303 Frauen und 113 Kinder versiegt. Der Nationalität nach überwogen die Aegypter. Sie stellten zu den Kranken 357 Personen. Alsdann folgen Engländer mit 190 und dann Deutsche mit 173. 69 Personen sind im Laufe des Jahres verstorben. Im Hause für ansteckende Krankheiten wurden 54 Kranke verpflegt, darunter sieben Deutsche. Die Augenklinik war wie in den Vorjahren sehr stark besucht. Nicht weniger als 13 781 Augenkranke wurden behandelt. In der Poliklinik wurden 1750 Patienten behandelt. Die verschiedenen Freibetten waren stets besetzt. Die ägyptische Regierung zahlte wie alljährlich einen Beitrag von 3000 Mk. Unter den Einnahmen kommen auch vor 1000 Mk. al« Stiftung eines reichen arabischen Großgrundbesitzers. An Pflegegeldern wurden 90 000 Mk. gezahlt, während für Arzneien 8000 Mk. vereinnahmt worden sind. Da« deutsch« Hospital, in dessen Vorstand auch ein Schweizer, Amerikaner und Engländer sitzen, genießt nach wie vor den Ruf bei ersten Krankenhauses von Aegypten. Der Vorstand geben tt immer erst, nachdem sie so schwer geworden, daß die emporsaugende Kraft, die vom wagerechten Rohr aus über den Trichter hinwegbläst, keine Gewalt mehr über sie hat. Daraus erhellt ferner: je stärker jene Saugkraft ist, um so größer werden die Hagelkörner sein. Auch ihre Form stimmt zu der hier gegebenen Erklärung. Die Eisstücke werden nämlich im Innern des Lufttrichters herumgewirbelt wie in einem geschlossenen, mit Wandungen versehenen Behälter. Dadurch schleifen sich die Ecken ab; die Stücke selbst gewinnen also die bekannte mehr oder weniger rundliche Form, wie sie Hagelkörnern eigentümlich ist.
Daß ein Naturereignis von einer so verheerenden Wirkung, wie sie leider meist den Hagelschlag folgt, in früheren Epochen auf das Walten unholder Geister zurückgeführt worden ist, versteht sich eigentlich von selber. Im Altertum opferte man denn auch, sobald sich die ersten Anzeichen einstellten, Lämmer und Hühner: dadurch meinte'man, die Dämonenzu versöhnen und somit unheilvolle Wirkungen zu verhindern. Wem jene Opfertiere aus irgend einem Grunde nicht zur Verfügung standen, der ritzte sich zum wenigsten den Finger, bis Blut farm Denn dieser „besondere Saft" war, wi« Seneca bestätigt, ein vorzügliches Schutzmittel wider den Hagel und seine Schäden. Dagegen nahm das gesamte Mittelalter seine Zuflucht zum Wetterschießen — einem Verfahren, das in Weinbau treibenden Gegenden ja auch noch heute wiederholt zur Anwendung kommt. Dort haben sich die Winzer nicht selten zu förmlichen Vereinen zusammengetan zu dem Zwecke, sofort bei nahendem Unwetter ein regelrechtes Schießen zu eröffnen. In gewissen Entfernungen sind Stationen errichtet, wo Böller aufbewahrt werden. Pulver muß selbstverständlich gleichfalls immer zu Gebot« stehen. Nachdem das Signal gegeben worden, beginnt gleichzeitig von allen Punkten aus das Schießen — oftmals aus wohl I)imbert Böllern, die etwa eine Viertelstunde hindurch in Tätigkeit bleiben. In Oberitalien und Frankreich schwört der Weinbauer auf günstige Wirkung dieses Wetterschießens , auch dort hat sie sich, wie man behauptet, ganz ?ewährt. In jedem Falle dürfte man das Weiterschießen kaum leichthin mit Achselzucken abtun tonnen. wenn sich auch bestimmte sickere Erwartungen hü