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Erscheint täglich mit Ausnahme bei Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Ms. 133 Fsrnsprschanschliitz Nr. 605»

Donnerstag den 10. Juni

Fsrnsprschanschlutz Nr. 605» 1909

Amtliches.

Landkreis Hanau.

Unter den Schweinen in Hüttengesäß ist die Schweine­sruche erloschen.

Hanau den 9. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

V 8298 v. Beckerath.

Unter den Schweinen zu Niederissigheim ist die Schweine- seuche sestgestellt worden.

Hanau den 9. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

V 3298 v. Beckerath.

In der Zeit vom 16. bis 30. August d. Js. wird in Cassel ein 'staatlicher Kursus für Heizer und Maschinisten abgehalten werden.

Anmeldungen behufs Teilnahme an diesem Kursus find bis zum 19. ^tmi d. J. entweder an den Herrn Ge­werberat Wedel in Cassel, oder an den Vorstand des Dampfkessel-Ueberwachungs-Vereins dortselbst zu richten, von wo aus in beiden Fällen weitere Auskunft über die Bedin­gungen für die Teilnahme, den Ort des Stattfindens des Kursus und die genaue Zeit für dessen Beginn erteilt werden wird.

Hanau den 5. Juni 1909.

Der Königliche Landrat.

V3261 v. Beckerath.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Auf Grund des § 65 des Kommnnalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 wird bekannt gemacht, daß an Kommunal­abgaben im Steuerjahre 1909 erhoben werden:

im seitherigen Stadtbezirke Hanan:' Zuschlag zur Staatseinkommensteuer 145°/o, Betriebssteuer 16O°/o der staatlich veranlagten Beträge,

im Ortsbezirke Hanan Kesselstadt:

Zuschlag zur Staatseinkommensteuer 8O°/o, Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Betriebssteuer 8O°/o der staatlich veranlagten Beträge. Personen, welche auf die Vergünstigungen des § 9 des Eingemeindungsvertrages keinen Anspruch haben, zahlen 145°/° der Einkommensteuer und 160°/» der Grund-, Ge­bäude-, Gewerbe- und Betriebssteuer.

Die Hebelisten über die besonderen Grund- und Gewerbesteuern im seitherigen Stadtbezirke Hanau liegen

Zur Bekämpfung des Lupus.

Von den verschiedenartigen Formen, in denen die Tuber­kulose auftritt, ist der Lupus, diefressende Flechte", weit­aus die entsetzlichste. Gewöhnlich in früher Jugend, meist an der Nase beginnend, kriecht die Krankheit nach und nach auf das Gesicht,' die Lippen, Wangen, Augenlieder und Ohren fort; in vielen Fällen nimmt sie auch an einer anderen Körperstelle, besonders an den Händen, ihren Anfang. Ueber« all erzengt sie Geschwüre, die sich mit Krusten bedecken und zur allmählichen Zerstörung der ergriffenen Teile führen. Vielfach kommt es im Laufe der Zeit zu den schrecklichsten Verstümmelungen. Meist noch schwerer als die körperlichen sind die seelischen Leiden der Lupuskranken. Diese können ihr Gesicht nicht verbergen, sondern müssen die Geschwüre und Verstümmelungen offen zur Schau tragen und werden daher gemieden wie die Aussätzigen. Ihre Versuche, Arbeit zu erhalten, scheitern. Sie ziehen sich daher scheu von der Welt zurück und aeraten so in die bitterste Not. Dies so­wie die Tatsache, daß die Krankheit im Anfänge nicht er­kannt und beachtet wird, ist der Grund, weshalb zahlreiche Krankheitsfälle verborgen bleiben. Der Lupus ist leider viel verbreiteter, als man ahnt, und seine Bekämpfung dringend geboten um so mehr, als die Lupuskranken als Ansteckungs- quelle nicht ohne Gefahr für ihre Umgebung sind. Eine Rundfrage in Deutschland hat ergeben, daß die Zahl der in Behandlung befindlichen Lupuskrauken über 11000 beträgt; man darf annehmen, daß wohl die doppelte Zahl mcht in Behandlung steht, daß es also bei uns weit mehr als 30 000 Lupuskranke gibt. Die früher üblichen Behandlungsmethoden zeitigten nur geringe Erfolge. Erst Niels R. Finstn in Kopenhagen hat in seinem Vaterlande Dänemark 18. a die systematische Bekämpfung des Lupus mit der von ihm er­fundenen Lichtbehandtungsweise erfolgreich durchgesuhrt. Durch die weitere Ausbildung der Licht- und <Dtrablcnbeaanohuig ist der Lupus in die Reihe der heilbaren Krankheiten ge­

vom 14. d. Mts. ab im Zimmer Nr. 23 der städtischen Steuerverwaltung, Marktplatz 14, 1 Treppe hoch, zwei Wochen lang aus. Einsprüche sind binnen einer mit dem ersten Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist beginnenden Frist von vier Wochen bei uns anzubringen.

Hanau den 5. Juni 1909.

Der Magistrat.

Hild. 14271

Steuererhebung.

Zu den nächsten Tagen wird mit der Zu­stellung der Stenerzettel sür das Rechnungsjahr 1909 (1./4. 09 bis 31./3. 10) begonnen. Zahlungen sür das I. Vierteljahr haben als­bald nach Empfang der Steuerzettel zu erfolgen. Die veranlagten Staatseinkommen- und Gs- meindesteuerbeträge sind im Steuerzettel mit schwarzer Tinte, die für 1909 gesetzlich zu er­hebenden Staatssteuerzuschläge mit blauer Tinte angegeben.

Ueber das Mittelschulgeld werden demnächst besondere Zettel ausgehändigt.

An Stelle der Barzahlungen werden Schecks, welche auf die Reichsbank, den Hanauer Kredit- verein oder auf eines der hiesigen Bankhäuser bezogen sind, angenommen; hierbei wird be­merkt, daß die Aussteller und die Jndosianten für die Einlösung der Schecks haften und daß die von den Kaffen ausgestellten Quittungen (die zum Zeichen, das; Zahlung nicht in bar er­folgt, mit dem Stempeldurch Scheck bezahlt" versehen werden) keine Gültigkeit haben, sobald die Einlösung der Schecks durch die Bezogenen abgelehnt wird. Einzahlungen durch die Post sind zulässig, jedoch hat der Steuerzahler Porto und Bestellgeld zu tragen.

Im Interesse der schnellen Abfertigung wird ersucht, das Geld möglichst abgezählt zur Kaste zu bringen.

Die Steuerkaste befindet fich im Neustädter Rathaus, Zimmer Nr. 3, Erdgeschoß rechts, und ist für Einzahlungen täglich (nicht wie seither nur Montags, Mittwochs und Freitags) vormittags von 812'/» Nhr geöffnet. Schluß des Zahlungstermins für alle Steuerpflichtige ist der 30. Juni d. Js., anschließend wird mit der Beitreibung begonnen.

Hanau den 8. Juni 1909.

Stadtkasse. 14285

treten. Wie bei der Tuberkulose überhaupt, so kommt auch beim Lupus alles darauf an, so zeitig wie möglich die Be­handlung einzuleiten, bevor die Krankheit eine zu große Aus­dehnung gewonnen hat und zu tief in das Gewebe vor­gedrungen ist. Vor allem muß im Kindesalter eingesetzt werden. Die Behandlung ist schwierig und erfordert lang­jährige Erfahrung mit allen in Frage kommenden Mitteln. Sie wird daher am besten in besonders eingerichteten und mit geschultem Personal versehenen Heilanstalten durchgeführt. Allerdings ist die Aufnahme der Kranken in ein Krankenhaus nicht immer notwendig, weil die Mehrzahl von ihnen nicht bettlägerig ist. Ihre Unterbringung in Mietwohnungen stößt aber erfahrungsgemäß auf Schwierigkeiten, weil die Haus­wirte aus naheliegenden Gründen sich vielfach weigern, so entstellte Kranke aufzunehmen. Daher müssen, zumal da die Kranken meist der ärmeren Bevölkerung angehören, die nicht selbst für Obdach und Verpflegung sorgen kann, in der Nähe der Heilanstalten Unterkunftsräume bereitgestellt werden, in denen sie während der langen Behandlungsdauer billig und liebevoll verpflegt werden. Das unter dem Pro- teklorat Ihrer Majestät der Kaiserin und unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern Dr. von Bethmann- Hollweg stehende Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose hat die wich­tige und schwierige Aufgabe in die Hand genommen, den Lupuskranken Gelegenheit zur Heilung und Unterkunft zu verschaffen und mit der Durchführung dieser Aufgabe einen Ausschuß beauftragt, dessen Leitung dem Geheimen Ober­medizinalrat und Vortragenden Rat im preußischen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, Professor Dr. Kirchner, anvertraut worden ist. Der Aus­schuß trat am 22. Mai bei Gelegenheit der diesjährigen Ge­neralversammlung des Zentralkomitees zu einer Sitzung zu­sammen, in der über die weitere praktische Tätigkeit beraten wurde. Beabsichtigt ist, 1. die Errichtung von Lupusheil­anstalten zu fördern, 2. die Anschaffung von Lichtheilappa- raten durch Gewährung von Beihilfen zu erleichtern,

Politische Rundschau.

Der Kaiser reiste gestern um 11 Uhr abend« vor Kiel nach Dallgow-Döberitz ab, wo er heute früh 7 Uhr 48 Min. eintraf. Zur Verabschiedung hatten sich ringe funden : Prinz Adalbert von Preußen, der Chef be Marinestation der Ostsee o. Prittwitz und Gaffron, der Stadt kommandant v. Bedungen und Polizeipräsident v. Schroeter.

Verwaltungsresorme«. Auf Anordnung des Kaiser- soll eine Jmmediat-Kommission gebildet werden, die unter dem Vorsitz des Ministers des Innern die geplanten Der- waltungSreformen in Preußen vorzuberaten hat.

Zur Reichsfinanzrssorrn. Den Abendblättern zu- folge hatte der Reichskanzler gestern nachmittag eine längere Konferenz mit dem StaatSminister v. Bethmann, Frhrn. v. Rhtinbaben und Sydow. Es fand vormittags in der bayerischen Gesandtschaft Vorbesprechung der in Sachen bei Finanzreform hier eingetroffenen Bevollmächtigten zum Bundes­rate statt. Es nahmen daran teil der bayerische Finanz­minister Ritter v. Pfaff, der sächsische Ministerpräsident Dr. v. Rüger, der württembergische Finanzminister v. Geßler, der badische Finanzminister Dr. Bonsell, der hessische Finanz­minister Dr. Gouth, der lippesche StaatSminister Freiherr v. Gevekot u. a. Auch Reichsschatzsekretär Sydow und Finanz­minister Frhr. v. Rhtinbaben hatten sich eingefunden. A» die Besprechung schloß sich ein Frühstück beim bayerischen Ge­sandten Grafen v. Lerchenfeld.

Die Mitglieder der Budgetkommission de« Abgeordnetenhauses find auf ihrer parlamentarischen Studien- reise in Elbing eingetroffen und besichtigten gestern bi» Schichauwerft.

Für und wider die weiblichen Gemeinde­beamten. Eine Sitzung von BezirkSvertretern des in Leipzig seßhaften Vereins sächsischer Gemeindebeamten und des Direktoriums dieses Vereins hatte sich in der Mehrheit für die Aufnahme weiblicher Beamten in den genannten Verein ausgesprochen. Nunmehr ist daS Direktorium diese« Vereins von einem ihm angeschloffenen Bezirksverein ersucht worden, zu erwägen, ob eS mit Rücksicht auf daS jetzige unverhältnismäßige Eindringen von Frauen in die Gemeinde» beamienlaufbahn angezeigt sei, den Vorstand des Sächsischen Gemeindetages und die Vereinigung der sächsischen Bürger- meister und Gemeindevorstände zu ersuchen, Stellen, bie Hergebrachterweise dem männlichen Geschlechte vorbehalte» sind oder mit Männern besetzt werden können, nicht Frauen zu übertragen.

Etwa 120 englische Gsistlichs trafen gestern abend von Cuxhaven, wo sie nachmittag« mit der Lustjacht Meteor" der Hamburg-Amerika-Linie von Dover ange­kommen find, in Hamburg ein. Auf dem Hauptbahnhofe

3. UnterkunftSräume für Lupuskranke in der Nähe der Heil­anstalten Herrichten zu helfen, 4. bie unentgeltliche Behand­lung und sonstige Unterstützung bedürftiger LupuSkranken zu übernehmen, soweit nicht Dritte zu Beiträgen hierfür ver­pflichtet oder bereit sind, 5. die Methoden der Behandlung und Pflege von Lupuskranken möglichst auszubauen. Für alle diese Aufgaben bedarf es erheblicher Geldmittel. Das Zentralkomitee und der eingesetzte Ausschuß hoffen aber, daß sich auch bei der Beschaffung der Mittel das nötige Ent- gegenkommen im deutschen Vaterlande finden wird. Im Kampfe gegen diese entsetzliche Krankheit müssen vor alle« die Gemeinden und weiteren Kommunalverbinde sich in ihrem eigensten Interesse der Fürsorge für die LupuSkranke« anschließen. Auch die LandeèverstcherungSanstalten vo« denen übrigens einige sich der LupuSkranken, soweit eS ver­sicherungspflichtige Personen find, mit Heilversuchen ange­nommen haben, so z. B. die LandeSversicherungsanstalt Schleswig-Holstein und die der Hansestädte werden nicht zurückbleiben dürfen. Gerade fie sind auf diesem Gebiete zu einer weiter ausgreifenden Tätigkeit berufen und in der Lage. In der letzten Konferenz von Vertretern der Lande«- Versicherungsanstalten zu Berlin am 15. Dezember v. I. hat der Präsident des ReichsverstcherungsamtS Dr. Kaufman« (der dem Präsidiuin des Zentralkomitees angehört) den Vor­ständen der Versicherungsanstalten ausdrücklich an« Herz ge­legt, bei der Bekämpfung des Lupus wirksame Mitarbeit zu leisten. Darüber hinaus sollte aber angesichts der Schwere der Aufgabe dieser Kampf bei der gesamten Bevölkerung bei Deutschen Reichs eine lebhafte Teilnahme und tatkräftige Unterstützung insbesondere durch Zuwendung von Geld­mitteln finden. Die Geschäftsstelle des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose, Berlin W. 9, Königin Augustastraße 11, nimmt Beiträge oder Zeichnungen mit dem VermerkBeitrag zur Bekämpfung deS Lupus" entgegen. Es gilt hier, ein ganz besonders Menschenfreund- Uches und notwendiges Werk zu fördern l