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ein Rheinhafen werde. Ich habe in Karlsruhe Rheinschiffe unmittelbar landen gesehen, die mit elekttischen Kranen ent­laden wurden, und die ein Bild bieten wie eine Stadt, die nicht unmittelbar an einem großen Strom liegt, den Welt- oerrehr an sich zu ziehen vermag. Wir sind auf einem Weg, der früher eine Weltstraße war, aber keine mehr ist.

Mit dem erneuten Ausdruck der Hoffnung, daß es ge­lingen möge, der Wafferstraße auf dem Main ihre alte groß« Bedeutung wieder zu geben, schloß Prinz Ludwig mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Stadt Kitzingen.

W. Kitzinge«, 6. Juni. Heut« vormittag tagt« unter Teilnahme der Prinzen Ludwig von Bayern die 19. Haupt­versammlung des Bersins zur Hebung der Fluß- und Kanal- Schiffahrt in Bayern. Abgesehen von anderen Referaten hielt RegierungSbaumeister Gebhardt-Nürnberg, der das neue technisch« Amt deS Vereins leitet, einen eingehenden Vortrag über das von dem genannten Amte ausgearbeitete Projekt für einen Main-Donau-Kanal mit Anschluß an München und Augsburg. Bei dem Festmahl am Nachmittag hielt Pnnz Ludwig ein« längere Rede, in bet er insbesondere die Fortsetzung der Mainkanalisterung bis Aschaffen« Burg behandelt» und unter anderem sagte: Ein GtaatSvertrag ist geschlossen. Es handelt sich jetzt darum, ihn durchzuführen, und daS wissen Sie, eS hängt alles an d.er SchiffahrtSabgaben. $n dem baye- Eichen Verein ist man dafür eingenommen, daß SchiffahrtS» abgaben eingeführt werden, nicht weil man für sie schwärmt, sondern weil man weiß, daß man ohne dieselben keinen An- >chluß bekommt. Leider ist daS außerhalb Bayerns nicht der Fall, und fast überall findet von interessierten Kreisen Widerspruch dagegen statt, und was ist die Folge? Nicht daß diese Interessenten, deren Wunsch ist, daß sie die SchiüahrtSabgaben nicht bekommen, bestraft sind; sondern wir bekommen gar nichts. DaS ist ein Zustand, der auf die Dauer im deutschen Reiche nicht möglich sein sollte. Wenn also, nicht durch die Schuld Bayems, die Schiff- iahrtSabgaben nicht eingeführt werden sollten, so muß auf and«re Weise dafür gesorgt werden, daß wir Anschluß be­kommen. Es wäre doch eine unglaubliche Sache, daß im ganzen Norden tausende von Schiffahrtsstraßen sind und am Rhein bis Basel, und daß nur das rechtsrheinische Bayern von diesen Schiffahrtsstraßen ausgeschlossen ist. Be­züglich der Abgaben möchte ich auf die Zwickverbände Hin­weisen, die der preußische Minister o. Breitenbach vorge­schlagen hat. Dieser Gedanke scheint mir sehr gut deshalb, n>etl er es leichter ermöglicht, daß die Schiffahrtsstraßen ver­bessert werden. Die Unterscheidung, die bis jetzt gepflogen worden ist zwischen verschiedenen Schiffahttsstraßen, muß endlich auch einmal .fallen; daS ist ein Vorteil für Bayern. Suchen wir, daß wir endlich einmal vorwärts kommen. Hoffen wir, daß im übrigen Deutschland unseren Bestrebungen feine Schwierigkeiten gemacht werden. Wir wollen einig und friedlich mit einander leben; wir wollen das Wohl aller Teile d«S Reiches, nicht nur Bayerns, aber selbstverständlich auch daS Wohl Bayerns, und wir wünschen, daß daS übrige Deutschland ebenso bestrebt ist, für das Wohl Bayerns ein­zutreten, wie wir für seine anderen Teile eintreten.

Hus Dato und fern,

X Kahl a. M., 7. Juni. An der preußisch-bayerischen Grenze wurde heute früh ein Radfahrer tot aufgefunden, der als der Einwohner Dey aus Albstadt erkannt wurde. Die Leiche wurde nach Alzenau geschafft. Ueber die Todesursache ist Näheres noch nicht bekannt.

w Aschaffenburg, 7. Juni. Im benachbarten Hain wollte der 19jährige Bahnarbeiter Sauer anläßlich einer Kindtaufe Freudenschüsse abgeben, jedoch entlud sich das mit gehacktem Blei geladene Gewehr und tötete den unglücklichen Schützen.

R. Aus dem Rodgau, 6. Juni. Ein Luftballon von anscheinend gewaltigen Dimensionen überflog heute vor« mittag gegen 11 Uhr in bedeutender Höhenentfernung, aber auffallend geringer Fluggeschwindigkeit, in der Richtung nach Süd-Ost den Rodgau und daS Mittelmaingebiet. Bei Seligenstadt, Zellhausen und Babenhausen beobachtete man

das hellfarbige Luftschiff kurz nach 11 Uhr etwa 4S Minuten lang, bis es in der Richtung nach Aschaffenburg den Blicken entschwand. Mittelst Fernglases konnten in der Gondel zwei Luftsegler wahrgenommen werden. Die Aufstieg - Station entzieht sich ebenso unserer Kenntnis, wie das Landungsziel.

Darmstadt, 6. Juni. Der französische Komponist Camille Saint-Saens, der den Saint-Saens-Abend des hiesigen Kammermusikfestes am 8. d. M. persönlich leiten wird, ist heute aus Paris hier eingetroffen.

^Heidelberg, 6. Juni. Heute vormittag 11^/» Uhr fand hier die Feuerbestattung Theodor Barths unter Be­teiligung fast aller Familienmitglieder und einer großen Anzahl ehemaliger und derzeitiger Reichstagsmitglieder statt. Zahlreiche politische Verbände und Vereine, sowie Korpo­rationen und Zeitungen hatten eine Ueberfülle prächtiger Kranzspenden ringesandt. Bei den Kranzniederlegungen hielten Ansprachen namens der liberalen freisinnigen Fraktion Abg. Schrader-Berlin, namens der freisinnigen Vereinigung Dr. Breitscheid-Berlin, namens der süddeutschen Volkspartei Dr. Haas-Karlsruhe, namens des nationalsozialen badischen LandeSvereins Dr. Meyer-Mannheim, namens der sozial­demokratischen Partei Rechtsanwalt Dr. Ludwig Frank« Mannheim, namens des Heidelberger national-sozialen Vereins Rechtsanwalt Dr. Fürst, namens des freisinnigen Vereins Heidelberg Dr. Leeser, namenS der Freunde des Hauses des Verstorbenen Professor Dr. Hugo Preuß, namens der ehe» maligen Mitarbeiter derNationalzeitung" Dr. Heilborn, namens des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus Bank­direktor Thorwart-Frankfurt a. M., namenS derFrank­furter Zeitung" Direktor Curti, namenS des Frankfurter demokratischen Vereins Redakteur Burger. Außerdem waren von derzeitigen und ehemaligen Parlamentariern erschienen Mommsen, v. Gerlach, Naumann, Dohrn-Stettin, Wolff- Straßburg, Neumann-Hofer, und schließlich der ehemalige Oberst Gädke vomBerliner Tageblatt".

^- Wiesbaden, 6. Juni. Nach einem Telegramm der Wiesbadener Zeitung" aus Diez beschloß die heutige Ver­trauens- und Wahlmännerversammlung der nationalliberalen Partei anstelle deS zurückgetretenm Dr. Heydtweiler den Amtsgerichtsrat Dr. Lieber als Landtagskandidaten für den vierten Wahlbezirk Wiesbaden (Unterlahnkreis) aufzustellen.

Frankfurt a. M., 5. Juni. Interna pionale Luftschiffs h rt«A uS st ellung Frankfurt a. M. Das asronautische Observatorium in Lindenberg hat mit Ge­nehmigung des Kgl. Kultusministeriunis eine Ausstellung an­gemeldet. Das Kriegsministerium hat dem von Professor Dr. Prandtl entworfenen, von der Ausstellungsleitung vor- gelegten Entwurf für einen Luftpropeller-Wettbewerb, für welchen das Kriegsministerium bekanntlich einen Preis yon 6000 Mark ausgeworfen hatte, die Genehmigung erteilt. Herr Bankier Bernhard Kahn stiftete einen Ehrenpreis im Werte von 1200 Mark. Beer, Sondheimer u. Co. und die Telluè" A.-G. stifteten Ehrenpreise zur freien Verfügung derIla".

Drahtnachrichten

Flottenbau.

New-Mork, 7. Juni. Canada beschloß, zur Unter­stützung der englischen Flotte eine Flotte von acht erstklassigen Kreuzern und eine Torpedoflottille zu bauen und jährlich bis zu einer Million Pfund auszugeben.

Eifersucht.

Paris, 7. Juni. Die 27jährige Frau des Ingenieurs Boucher erschoß ihren 10 Jahre älteren Gatten, da er zu schön war und zu häufig die Aufmerksamkeit der Frauen er­regte, auS Eifersucht. Die Mörderin stellte sich der Polizei.

Der Tod eines Multimillionärs.

Paris, 7. Juni. Der Tod des Besitzers des Kauf­hauses Louvre, des Multimillionärs Chauchard, wird wie

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daS Hinscheiden eines Fürsten behandelt. Die Blätter widmen dem Toten lange Artikel, in denen Hunderte von Anekdoten enthalten sind. Der Wett der dem Staate ver» machten Kunstschâtze beträgt über 20 Millionen Francs. Der frühere Minister Leygues soll 15 Millionen, der Chef­redakteur desFigaro", Calmetto, 2 Millionen Francs ge» erbt haben.

Piaeenea, 7. Juni. In der Königstraße kam es zwischen einem Jnfanteriehauptmann und einem Genieleutnant nach Tätlichkeiten zu einem improvisiert« Säbelduell. An­gesichts einer großen Menge duellierten sich beide und wurden schließlich getrennt. Die Ursache ist vermutlich intimer Natur.

Belgrad, 7. Juni. Der österreichisch-ungarische Ge­sandte Graf Forgasch protestierte energisch bei der serbischen Regierung gegen die heftigen Angriffe und Beleidigungen in dem BlatteRepublica". Infolgedessen wurde das Blatt regierungsseitig unterdrückt.

Petersburg, 6. Juni. Seit gestern find abermals neun Personen an der Cholera erkrankt. Zwei Cholera- kranke sind gestorben. Die Gesamtzahl der Kranken beträgt neunzehn.

Petersburg, 6. Juni. Der Reichsrat bereinigte die Kredite für die von der Reichsduma abgelehnten Linienschiffe, deren Bau inzwischen begonnen worden ist.

Stockholm, 6. Juni. Anläßlich der hundertsten Wiederkehr des Jahrestages der Einführung der Verfassung wurden allerorts im Lande Nationalfeiern veranstaltet. In Stockholm hielt der Minister des Innern in Anwesenheit de« Königs und des Kronprinzen eine Ansprache, in der er betonte, daß die 1809 verliehene Verfassung dem Volke die Verantwortung auferlegt habe, und daß diese Verantwortung hundert Jahre später durch die in diesem Jahre endgültig angenommene Wahlgesetzreform in höherem Grade als bisher der breiten Masse des Volke« auferlegt worden sei.

Melbourne, 6. Juni. Namen« der Regierung bei Commonwealth machte der neue Premierminister der Reich«» regierung telegraphisch da« Anerbieten, einen neuen Dread» nought zu stiften ober einen solchen der eigenen Marine zu- zufügen, je nachdem die Reichsregierung e« für gut befinde.

Cherson, 7. Juni. Der 28jährige Sohn deS Krei«« adelsmarschalls Skadowski erschoß seine im Wochenbette liegende junge Gattin nach einem Streite. SkadowSki, der unlängst bereits einen Arbeiter erschoß und im Jähzorn mehrere Person« durch Schüsse verwundete, dessen Vergehen aber durch den einflußreichen Vater vertuscht worben war, wurde verhaftet.

Berlin, 6. Juni. Nach dem Frühstück« im Reichstage begaben sich dia englischen Arbeiterdeputierten nach Delitz und besichtigten unter Führung des Vorsitzenden der Landes» Versicherungsanstalt Berlin, Dr. Freund, die bärtigen Heil« statten. Die Gäste äußerten bei dem ihnen gereicht« Ter die lebhafteste Anerkennung für dies« in Deutschland und in der Welt «inzigen Anlagen. Abends besucht« die Gäste den Zoologischen Garten.

Este« a. d. R., 6. Juni. Heute nachmittag fand hier das Ausjcheidungswettfliegen' zum Gordon-BennettpreiS der Lüfte statt. Es stiegen 15 Ballons auf, die in südwest« licher Richtung davonflogen. Der Ausstieg ging glatt von statten.

Venedig, 7. Juni. Das neue italienische Unterseeboot namenS Tricheco ist vom Stapel gelassen worden.

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