Erstes Blatt.
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W»t»ti»»Sdruck und Bering der Buchdruckers del verein, e». WatfenhauseS in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Bet antwort!. Redakteur: •. Beredet in H«a»
^L 122 ^ernkprechans^luf; Nr. 605.
Tonnerstaa bett 27. Mai
nerotvtciboofdituß Nr. 605. 1909
Die War Statt mW Mr d.WerhMaMiti
14 Seiten.
Gcsaudcnc und «criarenc Geaenstände rc.
Gefunden: 1 Halsketichen mit Medaillon, 1 Brille, 1 Axt.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 8 Mk. (in Wil- helmsbad), 1 Medaillon (Anhänger einer Herren-Uhrkette).
Zugelaufen: 1 schwarzbraune Dachshündin, 1 )obermanhündin.
Hanau den 27. Mai 1909.
politische Rundschau.
Der Bundesrat erteilte in seiner gestrigen Sitzung dem Entwurf des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb in der vom Reichstage beschlossenen Fassung seine Zustimmung.
Zum Bcamten-Besoldungsgesetz. Das preußische Staatsministerium hat sich am Montag mit den Ausführungsbestimmungen vi dem Beamtenbeioldungsgesetz beschäftigt und die Besoldungsgesetze genehmigt. Die Auszahlung der erhöhten Gehälter und die Nachzahlung des Wohnungsgeld- mschusses für 6 Quartale wird im Laufe des Juni erfolgen, spätestens am 1. Juli bei der Gehaltszahlung. Die Vorarbeiten für die Auszahlungen, die Berechnungen usw. sind bei allen Behörden^ erledigt, formell müssen aber die Aus- sührungsbestimmungen noch abgewartet werden. — Von anderer Seite wird dazu gemeldet, daß die Unterzeichnung der Gesetze voraussichtlich noch im Laufe des heutigen oder am morgigen Tage erfolgen dürfte," und daß dann die amtliche Publikation gleich darauf erfolgen dürfte.
Eine neue dänische Gründung zu politischen Zwecken ist, wie der „Voss. Ztg." aus Kiel gemeldet wird, im Kreise Sonderburg erfolgt in Gestalt einer dänischen Bank mit einem von dänisch gesinnten Landl euten und Kaufleuten gezeichneten Aktienkapital von 600 000 Mark. Man hatte, zumal in Sonderburg bereits eine vollständig unpolitische Bank mit deutschen wie dänischen Aktionären erfolgreich tätig ist, nur auf Zeichnungen im Betrage von etwa 300 000 Mark gerechnet. Die Dänen hatten schon einmal auf-Alsen eine rein nationale Bank und Sparkasse gegründet, die aber nicht gediehen ist. Daß jetzt die geforderte Summe trotz dieser schlimmen Erfahrungen doppelt gezeichnet wurde, ist ein Zeichen dafür, wie der nationale Haß die Dänen selbst in wirtschaftlichen Dingen verblendet.
Vergiß — mein — nicht.
Eine Episode.
Vergißmeinnicht auf feuchtem Moose! Wer kennt nicht das kleine Blümchen mit den unschuldsvollen, himmelblauen Blüten, das auf feuchten Wiesen und am Rand der Bäche sein zartes Köpfchen verstohlen zwischen grünem Gras hervorstreckt ?! Von den Gelehrten wird es „Myosotis", das ist Mâusöhrchen, genannt, indessen die alte Sage von dem Ursprung seiner so poetischen, volkstümlichen Benennung eine rührende Geschichte zu erzählen weiß.
Heinrich Frauenlob, der bekannte Minne- und Frauensänger, derselbe Dichter, der die Frauen so verherrlichte und auch in seinem Streitliede gegen den Meistersinger Regen- bohle das Wort „Frau" gegen das Wort „Weib" verteidigte, kehrte nach langen Wanderjahren, mit Ehre und Ruhm bedeckt, nach seiner Vaterstadt Mainz zurück.
Er war in der Fremde und an den Höfen der Fürsten, wosewst er minnigliche Frauen in süßen Liedern gepriesen hatte, verehrt worden wie ein Gott; jetzt in der Heimat flogen alle seine Gedanken zu der geliebten Braut, der Heinrich seit frühester Jugend sein Herz geweiht und auf allen seinen Fahrten die Treue gehalten hatte. Er fand Maria noch genau so hold und anmutig, wie zu der Zeit, als er Abschied von ihr genommen hatte; es waren Jahre verflossen, seitdem er die Geliebte zum letzten Mal gesehen. Erst wollte der Dichter Ruhm und Gold ernten und dann die Geliebte heimführen, so war sein Wahlspruck. Maria, die mit Sehnsucht seiner gewartet, war doch nie briefliche Kunde zu ihr gedrungen, nur daß man sich in der Vaterstadt von dem genialen Minnesänger erzählte, empfing den Geliebten mit Freude und Stolz.
Es war ein wunderschöner Frühlingstag; die Vögel zwitscherten und jubilierten, die holden Frühlingsblumen betuchten ihre zarten Düfte aus, es war ein Tag, so recht
Die Keereskommission des französischen Senats genehmigte die im Regierungsenlwurf vorgesehenen 120 Geschütze für jedes Armeekorps, drückte aber den Wunsch aus, diese Zahl möchte auf 144 erhöht werden, gemäß den zur Verfügung stehenden Mannschaften und Krediten. Die Kommission lehnte die geforderten drei Artillerieregimenter für jedes Armeekorps ab und bewilligte zwei, im ganzen 42 Artillerieregimenter, ferner zwei Regimenter schwere und zwei Regimenter Gebirgsartillerie, so daß der Gesamtbestand sich auf 46 Artillerieregimenter, sechs mehr als bisher, belaufen würde.
Die Lage in Marokko. Aus Larache wird vom 25. Mai gemeldet: Im Gharbgebiete bis nach Larache hin werden Herden mit Beschlag belegt und fortgeführt. Die Beschlagnahme erfolgt unter dem Vorwande, daß die Muley Kebir gehörigen Tiere weggenommen werden sollen.
Die türkische Deputiertenkammer verhandelte in ihrer gestrigen Sitzung über das Streikgesetz und nahm einen Antrag an, in dem die Regierung aufgefordert wirb, einen Gesetzentwurf über die Arbeitersyndikate auszuarbeilen. Der Antrag wurde von dem Minister des Innern in längerer Rede bekämpft, der die Kammer warnte, sozialistische Bahnen zu betreten, die für die Türkei verhängnisvoll werden müssen. Mehrere Armenier wandten sich gegen die Ausführungen des Ministers und empfahlen die Annahme des Antrages. Das Haus hörte sodann den Bericht der Kommission über die geflüchteten albanesischen Abgeordneten Ismail Kemal und Mufid. Der Bericht, der für die Abgeordneten ziemlich belastend ist, gibt u. a. die Gerüchte wieder, daß Sabah Eddin und auch Kemal in griechischen und italienischen Diensten gestanden hätten. Nach lebhafter Debatte, in der auf Seiten Kemals die Albanesen und Hodschas standen, wurde die Weiterberatung auf Donnerstag vertagt.
Urteil des türkischen Kriegsgerichts. Ein Jrade bestätigte folgende Todesurteile: über den ersten Eunuchen des früheren Sultans, Deschwer, den Zollbeamten Tewfik, den Redakteur des „Volcan", Lutfi, den Staatsrat Tajar, den Tabakschneider des früheren Sultans, Mustafa Tuefenk- dschi, den Obersten Halib, den Beamten im Unterrichtsministerium, Redakteur Freizit. Der Leibeunuche des früheren Sultans, Nadir Jman Sedki, der Leibarzt Naredin Pascha, 63 Offiziere und 37 Zivilbeamte, sowie neun Hodschas wurden vom Kriegsgericht freigesprochen. Neun nach der Prinkipo-Jnsel verbannte Würdenträger des alten Regimes, unter ihnen der frühere Kriegsminister Riza Pascha, der Großmeister der Artillerie, Zekki Pascha, der Mariueminister Hassan Rahmi, der Minister des Innern Momduh, Staatssekretär Tachron und der Kammerherr Ragib wurden ins Kriegsministerium gebracht, degradiert und zur Internierung
i dazu geschaffen, um diesen gottbegnadeten Dichter zu ! empfangen. Flur und Hain hatten ihre schönsten Fest- gewänder hervorgeholt, dazu die reine würzige Luft und das Flüstern und Raunen von tausend Stimmen in der Natur, die dem Dichter ein freundliches Willkommen zuriefen; auch der majestätische Strom floß dem Dichter in wunderbarer Klarheit entgegen. Hand in Hand ging Heinrich in der Dämmerung mit der Geliebten an den Ufern des Rheins spazieren, beide so durchdrungen von der Wiedersehensfreude, daß fie nichts zu reden wußten und sich aneinander in stummer Seligkeit ergötzten. Im grünen Ufergras wuchsen die kleinen, blauen Blümchen und der Dichter las in Mariens lieben Augen den Wunsch, ihre Brust mit den zarten, blauen Sternen zu schmücken. Er ging den Rhein hinunter, um einige zu pflücken; schon war ein ansehnlicher Strauß zusammen —, als ein unbedachter Tritt den Dichter straucheln und in den Sirom fallen ließ.
Augenblicklich verschwand er in den Wellen. — Doch noch einmal tauchte sein Kopf empor und mit einer letzten Anstrengung warf Heinrich der Geliebten die verhängnisvollen Blumen zu. — Dann verschlang der Strom sein Opfer, der göttliche Liedermund war verstummt für ewig. Marie war verzweifelt, ihr vergingen die Sinne; als sie wieder erwachte, kehrte ihr bei dem Anblick der kleinen, blauen Blumensterne die Erinnerung an das Geschehene zurück; sie nahm die Blümchen, die Abschiedsgrüße des Dichters und verstand die stumme Blumensprache, die ihr diese zuriefen: „Vergiß—mein—nicht!! Sie hat den Geliebten auch niemals vergessen und weihte ihr ferneres Leben in stillen Klostermaucru dem Andenken Heinrich Frauenlobs. É. B.
RunTt und Leden»
Zu Ferdinand von Schills Gedächtnis. Als ein Vorläufer der Freiheitskriege bleibt dem deutschen Volke
in eine Festung verurteilt; ihr Vermögen wurde konfisziert; das Urteil ist bereits sanktioniert. — Das Amtsblatt erklärt die Gerüchte von Unruhen in Damaskus für unrichtig.
Die Wirren in Persien. Der englische Parlamentssekretär Mac Kinnon Wood erklärte auf eine Anfrage, die russische Regierung habe beschlossen, an Persien einen kleinen Vorschuß von 50—100 000 Pfund Sterling zu geben, daraufhin, daß der Schah es unternommen habe, die Verfassung wieder herzustellen. Der Vorschuß solle für die Auslösung zu entlassender Truppen und anderer notwendiger Dinge verwendet werden. - Es gereiche der britischen Regierung zur Befriedigung, daß der Vorschuß der Sache der persischen Reformen nicht schade und dem gemeinschaftlichen Bestreben Englands und Rußlands, das verfassungsmäßige Regime in Persien aufrechtzuerhalten, entsprechen werde.
Bitt EnglMtr über die Sritntfrage «d dir deutsche FlotteuPlitik.
Aus London, 22. Mai, wird uns geschrieben :
Edward Dicey hat im letzten Hefte der „Empire Review* über wichtigste Fragen der äußeren Politik Betrachtungen angestellt, die der größten Beachtung würdig sind. Die vornehme, ruhige Objektivität des bekannten englischen Journalisten muß in Deutschland um so angenehmer berühren, als wir in dieser Beziehung von Engländern nicht verwöhnt werden, wo immer es sich um eine Beurteilung der deutscher- Politik handelt.
Auf die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich-Ungarn zurückgreifend, weist Herr Dicey daraus hin, daß er im Gegensatz zu der Haltung der englischeu Regierung stets der Meinung Ausdruck gegeben habe, keine europäische Macht habe das Recht, sich in bie' seit mehr als 30 Jahren organisch herausgebildeten Beziehungen der Doppelmonarchie zu den angegliederten Ländern zu mischen. Als die Annexion zu Verstimmungen zwischen Oesterreich und Serbien führte und die unkluge Politik des Grafen JSwolSki Rußland in eine peinliche Lage brachte, habe der deutsche Kaiser Rußland einen ausgezeichneten Dienst erwiesen, indem er seine Karten freimütig aufdeckte. Den Staatsmännern in St. Petersburg wurde gesagt, Deutschland wünsche gewiß nicht, Serbiens wegen in einen Krieg zu gehen. Wenn ei aber zum Kriege zwischen Oesterreich und Serbien kommen sollte, und wenn dann Rußland sich einmischte, um Serbien zu helfen, würde fich Deutschland durch seine Bündnisverträge genötigt sehen, auf Oesterreichs Seite zu stehen. Infolge dieser Offenherzigkeit war Rußland die Möglichkeit gegeben, rechtzeitig einzulenken und auch auf Serbien beruhigend einzuwirken. Hätte Rußland den Krieg gewählt, so hätte es den vereinigten Streitkräften Oesterreichs unvergessen ein tapferer Mann, der preußische Major von Schill, welcher bei dem Versuche, daS unter französischem Drucke unsagbar leidende Volk zu den Waffen zu rufen, vor hundert Jahren den Heldentod starb. Als junger Offizier hatte er sich bei der unerschrockenen Verteidigung der Festung Kolberg unter Oberleitung GneisenauS derart hervorgetan, daß er den Orden pour le mèrite erhielt, binnen fünf Monaten vom Sekondeleutnant zum Major befördert wurde und mit des Königs Ermächtigung ein ansehnliche- Freikorps bilden und leiten durfte, dessen kühne Waffentaten den verwegenen Dragoneroffizier alsbald zu einer höchst volkstümlichen Erscheinung machten. Als dann im Dezember 1807 die Reorganisation des Heeres zur Ausführung kam, wurde aus den Schillschen Reitern das Zweite Brandenburgische Husaren-Regiment gebildet, Schill aber zum Kommandeur desselben ernannt. Im Herbst deS folgenden Jahres wurde Berlin von den französischen Truppen geräumt. Auf ausdrücklichen Befehl des Königs aber rückte Schill an der Spitze seines Regiments am 10. Dezember 1808 als erster in Berlin ein, wo ihm ein . enthusiastischer Empfang zuteil wurde. Sein Bild wurde überall ausgestellt und verkauft. „Seine Soldaten hingen an ihm mit unbegrenztem Vertrauen; die Berliner Bürger trugen ihn auf den Händen; der tapfere Husar galt als der leibhaftige Vertreter des alten kriegerischen Preußentums. Unzählige hofften von ihm die Wiederkehr der alten Größe. — Die Volksgunst stieg dem alten Haudegen zu Kopfe; der Bescheidene wähnte sich jetzt auserkoren zu wunderbaren Dingen," so schreibt der berühmte Historiker von Treitschke in seinem hervorragenden Werke „Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert". Ent- schloffen, Preußen durch eine kühne Unternehmung zum Kriege gegen Napoleon fortzureißen, verließ Schill am 28. ^Pril 1809 ohne Vorivifsen des König? mit seinem Regiment Berlin. Bei Dodendorf unweit Magdeburg lieferte er alsbald ein glückliches Treffen gegen einen französischen Oberst. Allein die Kunde von neuen Siegen Napoleons in Oesterreich, die