Erstes Blatt.
Hanauer K Anzeiger
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tetetiexibnidt und Verlag der Buchdruck««! dB »«eie» CK WaijerchausiS io Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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14 Seiten.
Dicnstnachriihtcn aus dem Kreise.
,Der Ackermann Peter Dörr in Rüdigheim ist zum Beigeordneten der Gemeinde Rüdigheim gewählt und bestätigt worden.
Gefundene und dcrlorcnc Gegenstände re.
^Gefunden: 1 dunkle Weste mit weißen Metallknöpfen, 1 roter Pompadour mit gelben Schnüren, 1 neuer unfertiger brauner Filzvantoffel.
Verloren: 1 gelber Sammetgürtel mit gelber Schnalle, 1 goldenes Kettenarmband (auf dem Wege Bahnhof Wilhelmsbad bis Hochstadt), 1 silberne Tasche mit kleinem Portemonnaie (auf einer Bank im Schloßgarten gegenüber der großen Fontaine liegen geblieben).
Hanau den 25. Mai 1909.
Politische Rundschau.
In der italienischen Kammer ist gestern ein Gesetzentwurf betr. die Abänderung des Marineetats zur Verteilung gelangt, der eine Ausgabe von 440 Millionen Lire vorsteht, die sich auf sechs Rechnungsjahre von 1909,10 bis 1915116 verteilen. Das bedeutet eine Mehrausgabe von 146 781 680 Lire gegenüber den Krediten, wie sie durch die früheren Gesetze bereitgestellt waren. In der Begründung heißt es: Angesichts der Notwendigkeit, die Stärke der Seemacht durch einen raschen, in den vernünftigen Grenzen der Schnelligkeit gehaltenen Bau von mächtigen Schiffseinheiten nach modernsten Typen unter Berücksichtigung der Fortschritte der fremden Flotten zu vergrößern, werden die geforderten 440 Millionen für die Vollendung der in den früheren Gesetzen vorgesehenen Bauten bestimmt sein, ferner für den Neubau von zwei Schlachtschiffen erster Klasse, zwei weiteren Aufklärungsschiffen, sowie einer größeren Anzahl von Torpedobootszerstörern und Unterseebooten, als sie durch das Gesetz vom 2. Juni 1905 vorgesehen sind. Ferner sollen sie auch zur Bestreitung verschiedener anderer unvermeidlicher Ausgaben für die Schlagfertigkeit der Flotte und die Küstenverteidigung verwendet werden, so z. B. zur Einführung von vollkommeneren Ausrüstungsgegenständen auf den im Dienst befindlichen Schiffen, zur Ergänzung der Munition und Brennmaterialien, zur Verbesserung der den Zwecken der Kriegsmarine dienenden Anstalten und zur Verstärkung der Küstenverteidigung.
Englisches Unterhaus. Lansdale (kons.) stellte die Frage, ob die Regierung entschlossen sei, im laufenden Finanzjahre acht Schlachtschiffe ersten Ranges auf Stapel zu legen. Premierminister Asquith antwortete, er habe den früheren Erklärungen zurzeit nichts hinzuzufügen. Auf eine weitere Frage über denselben Gegenstand erklärte Asquith, daß alle Zeitungsmeldungen in dieser Angelegenheit auf Vermutungen beruhen. Vor einigen Tagen habe Sir John Barlow (liberal) an den Kriegsminister eine Anfrage über die von Provinzblättern gebrachte Nachricht gerichtet, daß sich 6600 ausgebildete deutsche Soldaten in England befänden und daß in einem Keller unweit des Sharing Croß Bahnhofes Mausergewehre und 7*/« Millionen dazu gehörige Patronen lagern. In einer schriftlichen Antwort hatte der Kriegsminister diese Nachricht als eine außerordentlich törichte gekennzeichnet. Nun stellte Barlow in der gestrigen Sitzung dieselbe Frage, die Haldane folgendermaßen beantwortete: „Sir John Barlow hat Recht daran getan, dieses' Beispiel einer Sorte von Alarmnachrichten, denen von gedankenlosen Personen allzuhäufig Glauben geschenkt wird, dem Hause zu unterbreiten. Für jedweden, der auch nur eine blasse Ahnung von den Erfordernissen einer Mobilmachung hat, ist diese Unterstellung lächerlich. (Beifall und Heiterkeit.) Derartige Nachrichten sind dazu angetan, den Ruf unseres gesunden Menschenverstandes im Auslande zu schädigen. Barlow habe sich daher ein Verdienst erworben, da er die Unterstellung der gebührenden Lächerlichkeit preisgibt."
Island macht Front gegen Dänemark. Das isländische Althing, das jetzt seinem Ende entgegennergt, schickt sich an, einen großen Schritt zur Lockerung des Verhältnisses zu Dänemark zu tun. Die Mehrheit des Allhingausschusses hat nämlich dem vorliegenden Entwurf über Regelung des staatsrechtlichen Verhältnisses zwischen Island und Dänemark eine Fassung gegeben, wonach beide Länder nur durch eine reine Personalunion miteinander verbunden
Dienstag den 25. Mai
sein sollen. Dies bedeutet aber nicht viel anderes, als maskierte Lostrennungsbestrebungen. Die Bestimmungen über gemeinsame Angelegenheiten, wie gemeinsames Ver- teidigungswesen, gemeinsame Handelsflagge u. a. m., sind gestrichen worden. In diesem Sinne wird aller Voraussicht nach auch das Althing seine Entscheidung treffen, denn die Mehrheit dieser Körperschaft besteht aus Radikalen, die nur eine so lose Verbindung wie möglich mit Dänemark wünschen, und auf demselben Standpunkt steht der jetzige isländische Minister Björn Jonsson, der unlängst an Stelle Hannes Hofsteins getreten ist. Die gegen Dänemark feindselige Haltung des Althings zeigt sich auch darin, daß das Anerbieten der Kopenhagener Dampfergesellschaft „Thore" wegen Uebernahme der Dampfschiffahrt mit Island abgelehnt wurde. Der neue isländische Minister hat einen Entwurf eingebracht, wonach Island einen Handelskonsul in Hamburg ernennt, der für den Handel Islands mit Deutschland wirken soll.
Türkische Kammer.
Konstantinopel, 24. Mai. Die Sitzung begann mit einer Debatte über das Preßgesetz. Um 4 Uhr erschien das gesamte Kabinett, worauf sofort die Verlesung des Regierungsprogramms durch den Großwesir begann. Nach der Verlesung, die mehrmals von Beifall unterbrochen wurde, wollte der Präsident ohne Abstimmung zur Tagesordnung übergehen. Da hiergegen Widerspruch erhoben wurde, schritt man zur Abstimmung durch Handaufheben und erklärte als Ergebnis der Abstimmung die Annahme des Vertrauensvotums. Zwei Deputierte erklärten durch diese Abstimmung sich nicht befriedigt. Der Präsident verweigerte ihnen das Wort, während die Abgeordneten auf ihrem Verlangen, zu sprechen, bestanden. Nach längerem Lärm gestattete der Präsident beiden Abgeordneten zu sprechen. Beide griffen darauf die Regierung heftig an. Der eine führte auS, das Kabinett sei an dem Au'stande deS 13. April beteiligt gewesen und verlangte weitere Aufklärung über die Urheber des Aufstandes. Der andere erklärte, das Kabinett habe bereit» früher gezeigt, daß es der Situation nicht gewachsen und unfähig sei, die Geschicke des Landes zu leiten inib forderte, daß über das Vertrauensvotum namentlich abgestimmt werde. Inzwischen ging ein Antrag ein, der ebenfalls namentliche Abstimmung forderte. Unter großem Lärm und allgemeiner Verwirrung wurde dieser Antrag angenommen. Das HauS schritt sodann zur namentlichen Abstimmung und nahm, wie bereits gemeldet, mit 191 gegen 5 Stimmen das Vertrauensvotum an, worauf eine Pause ein trat. — Der Großvesicr hatte sofort nach der Verlesung den Saal verlassen. Haus und Tribünen waren überfüllt. Der deutsche Botschafter, Frhr. v. Marschall, hatte einem Teile der Sitzung beigewohnt.
Das Regierungsproizramm.
Konstantinopel, 24. Mai. Das in der heutigen Kammersitzung verlesene Regierungsprogramm brandmarkt zunächst den reaktionären Charakter der Ereignisse vom 13. April, hebt die Verdienste der Armee, Tewfik Paschas und der heldenmütigen Freiwilligen, sowie die Wiederherstellung des konstitutionellen Regimes auf fester Grundlage hervor. Bezüglich der Unruhen in Adana, die man auf dieselbe Triebfeder zurückführt, wie die reaktionäre Bewegung in Konstantinopel, kündigt das Programm strenge exemplarische Bestrafung an, wer sie auch seien, und teilt mit, daß der Wali von Adana und der Mutessariff von Dschebel-i-Berreket abgesetzt, die Ordnung wieder hergestellt, das geraubte Gut allmählich zurückgestellt und Aerzte und materielle Mittel zur Verfügung gestellt worden seien. Das Programm kündigt die Entsendung einer gemischten Kommission an und teilt mit, daß die Provinzbehörden kategorische Instruktionen erhielten, dort, wo es nötig sei, genügende Truppen bcreitzuhalten.
Was die Finanzlage betreffe, so werde das ursprüngliche Defizit von 6 Millionen durch Ersparung von 3 800 000 Pfund herabgesetzt werden. Die Ausgaben noch weiter hinabzusetzen, sei unmöglich, wohl aber, die Einnahmen zu erhöhen durch progressive Erhöhung gewisser Einnahmequellen und Aufstellung eines besseren Steuersystems. Der Großwesir hoffe, keine neue Anleihe aufnehmen zu müssen und kündigt an, daß die außerbudgetären Einnahmen zur Ausgestaltung der Armee und Marine verwendet und das diesbezügliche Budget dem Parlament werde unterbreitet werden. Das Programm kündigt für morgen die Unterbreitung eines Gesetzentwurfs über den Militärdienst und für die laufende Woche einen Gesetzentwurf über die Reorganisation der Verwaltungen, insbesondere eine Reform des Beamtensystems an. Der Großwesir ersuchte die Kammer, die Gesetzentwürfe über die Presse-, die Versammlungs- und Vereinsfreiheit zu votieren. Er erklärt sich und die Kabinettsmitglieder für
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
1909
Anhänger der Preßfreiheit, aber nicht einer egoistischen und antipatriolischen Preßfreiheit.
Bezüglich der äußeren Politik, heißt es in dem Pro» gramm, wird die Türkei ihre Beziehungen mit dem Ausland« auf dem Fuße absoluter, vollkommener Aufrichtigkeit fortsetzen, dabei aber ihre Interessen und Rechte schützen. Da heute Konflikte mit dem Auslande nicht mehr bestehen, werde die Regierung von jetzt an ihre Bemühungen der Ausführung der Reformen widmen.
Kürzn Getreide-Wochenbericht der Pretsberichtsstelle des Deittschen Landwirt- schaftsrats vom 18. bis 24. Mai 1909.
Zu der ohnehin gespannten Lage des GetreidemarkteS infolge der außergewöhnlich knappen Versorgung deS In- und Auslandes ist in der letzten Woche hinzugekommen, daß bie schon seit einiger Zeit vorhandene Besorgnis hinsichtlich der Getreidesaaten nunmehr infolge der andauernden Dürre einen fast bedrohlichen Charakter angenommen hat. Mag diese Befürchtung auch vorläufig noch als übereilt angesehen werden, so hat doch die etwas nervös gewordene Börse in der letzten Woche bereits mit der Tatsache einer geringen Ernte gerechnet und die Weizen- und Roggenpreise um 10—15 Mk. pro Tonne über den schon hohen Stand der Vorwoche emporschnellen lassen. Die amtlichen Saatenstandsberichte von Preußen, Bayern, Württemberg und Baden um Mitte Mai haben den Bericht der Preisberichtsstelle des D. L. R. vom 1. Mai bestätigt, nach welchem der Saatenstand in Süddeutschland etwas günstiger ist als in Norddeutschland und die Umpflügungen in Norddeutschland doch in größerer Ausdehnung stattgefunden haben, als man zu Beginn best Frühjahrs angenommen hatte. Den schlechten Saatenstandsnoten von Preußen mit 3,3 für Winter-Weizen und 3,1 für Winter-Roggen stehen die Noten 2,3 und 2,17 in Bayern, 2,9 und 2,6 in Württemberg und 2,8 und 2,5 in Baden gegenüber. Neben den zurzeit wenig hoffnungsvollen Ernteaussichten trug die erforderliche Abwickelung dringlicher Kaufund Deckungsaufträge für Mai-, Juli- und Septembertermin, ferner bie dringende Nachfrage der Jnlandsmühlen, deren Vorräte erschöpft sind und auch die Nachfrage nach Roggen für Exportzwecke zur Befestigung des Marktes bei. In der Dekade vom L—10. Mai find 24 433 Tonnen Roggen und vom 21.—30. April 30 756 Tonnen Roggen ausgeführt, zusammen in den 20 Tagen 55 189 Tonnen gegenüber nur 11 746 Tonnen in ^derselben Zeit des Vorjahres. Die MehrauSfuhr an Roggen seit dem 1. August war bis zum 10. Mai auf 600 000 Tonnen gestiegen. Erst in den letzten Tagen» der Berichtswoche bröckelten die Juli- und Septembertermine angesichts der größeren russischen Verschiffungen und der starken Weltabladungen etwas von ihrem höchsten Stand ab. Auch Hafer gewann angesichts de» unsicheren Saatenstandes und des geringen inländischen Angebots. Ebenso behielten Mais und Futterqerste ihren festen Charakter.
Es stellten sich die Getreidepreise am letzten Markttag« in Mark pro 1000 Klg. je nach Qualität, wobei das Mehr (+) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist, wie folgt:
Weizen
Roggen
Hafer
Königsberg
250 (— )
186 (4-8 )
190 (+5 )
Danzig
263 (+3 )
192 (+10
193 (+8 )
Siettin
265 (4-13 )
188 (4-7 )
195 (+3 )
Posen
261 (4-6 )
186 (45 )
193 (+4 )
Breslau
265 (4-13 )
195 (4-14 ) 192 (+2 )
Berlin
- (- )
197 (+14 )
210 (+1 )
Magdeburg
265 (+11 1
192 (+12 )
202 (+2 )
Halle
277 (4-17 )
202 (+19 )
206 (+1 )
Leipzig
280 (+19 )
205 (+23 )
210 (+5 )
Dresden
- (- )
198 (+16 )
208 (+5 )
Braunschweig
- (- )
180 (4-5 )
206 (+6 )
Rostock
- (- )
182 (4-8 )
197 (+2 )
Hamburg
259 (+7 )
192 (4-8 ) 205 (4-1 )
Hannover
272 (4-12 )
190 (4-8 )
208 (— )
Düsseldorf
263 (+3 )
195 (4-5 )
186 (+3 )
Frankfurt a.M
. 267^(4-5 ) 190 (+2+)
200 (4-5 )
Mannheim
265 (+5 ) 195 (4-10 )
195 (+2 V»)
Straßburg
2571/s( + 21/s)
1971/4+2+) 2021/»(4'21/j)
Stuttgart
- (- )
190 (- )
200 (4-5 )
München
288 (4-10 )
190 (+2 )
193 (- )
Weltmarktpreise: Weizen: Be-lin Mai 267.— (-4-7.50), Juli 253.75 (-,-8.—), Sept. 226.50 (4-6.—) Budapest Mai 253.90 (4-8.90), Paris Mai 218.95 (-4-4.95), Liverpool Juli 206.35 (4-6.55), Chicago Mai 203.30 ( + 6.85), Roggen: Berlin Juli 197.75* (4-9.25), Sept. 192.— (4-7.25), Hafer: Berlin Wai 184.— (4-2.25^ Juli 186.75 (4-3.75), Sept. 175.— (+2.75) Mark.