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Gelleral-Anzeiger
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««antmortl. »edrckt««! «. Schrecker A HaWru.
Nr. 119 ^n^tc^anwun Nr. 605» Montafl den 24. Mai
^ernsprechanschlutz Nr. 605. 1909
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Durch Allerhöchsten Erlaß vom 25. März d. Js. ist dem Verein der mittleren Justizbeamten des Oberlandesgerichtsbezirks Breslau in Zabrze die Genehmigung zur Ausspielung einer Geldlotterie mit einem Spielkapilal von 25 000 Mk. für das Jahr 1909 mit der Maßgabe erteilt worden, daß der Vertrieb der Lose auf die Mitglieder des Verbandes der mittleren Justizbeamten Preußens beschränkt bleibt. Die Ziehung der Lotterie soll am 17. Oktober d. J. in Zabrze stattfinden.
Hanau den 22. Mai 1909.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor. P 5494 I. A.': vr. v. W aldo w, Reg.-Affessor.
Aufgebot.
Der Handelsmann Markus Rothschild von Heldenvergen und der Kaufmann Adolf Lichtenstein von Frankfurt a. M., vertreten durch Rechtsanwalt Müller in Hanau, haben das Aufgebot des verloren gegangenen Hypothekenbriefs zu der für den verstorbenen Handelsmann Seligmann Scheuer II. in Heldenbergen im Grundbuch von Hanau Band VII in Artikel 890 unter Abt. III Nr. 7 eingetragen gewesenen und durch das Zwangsversteigerungsverfahren K 17/1899 erloschenen Hypothek über 764 Mk. Darlehnsforderung nebst 5°/o Zinsen seit 14. Juli 1889 aus Schuldurkunde vom 20. Juli 1889 beantragt.
Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens m dem auf den
25. Oktober 1909, vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht — Marktplatz 18 — Zimmer Nr. 14 — anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird.
Hanau den 13. Mai 1909.
— Königliches Amtsgericht 2. 13091
Gefundene und verlorene Gelzenstlinde re.
Verloren: 1 Paar Manschetten mit Farben-Knöpfen (am Wasserkasten in der Burgallee liegen geblieben). Hanau den 24. Mai 1909.
politische Rundschau.
Der Kaiser und die Kaiserin trafen mit der Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge gestern früh 8 Uhr 39 Minuten auf der Station Wildpark ein. Der Kronprinz und die
Dritter Wcttßrrit Deutscher MimrzeflNiüHeretue.
(Unber. Nachdr. Verb.) S. &H. Frankfurt, 22. Mai.
VI.
Am heutigen dritten Festtage erschienen die letzten im Wettbewerb stehenden Vereine und man erlebte daher den Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungen, da fast alle Vereine über glänzendes Material verfügten, den Preischor, wie die Wahlchöre brillant zum Vortrag brachten und dadurch dem Publikum, wie dem Preisrichterkollegium die Wahl noch schwerer machten, als sie nach den Wettgesängen der beiden ersten Tage ohnehin schon war. Leider störte ein höchst bedauerlicher Zwischenfall die großartige Veranstaltung und traf gerade den im Jahre 1903 preisgekrönten Berliner Lehrergesang-Verein. In dem Augenblick, als dieser Verein den schweren Gang zur Verteidigung des Kaiserpreises nach dem Podium antreten wollte, brach an der Tür der Lehrer Wilhelm Hahn aus der Wollinerstraße 27 in Berlin, ein erster Baß und Vater einer erwachsenen Tochter, vom Schlage getroffen nieder und war schon innerhalb der nächsten Minute eine Leiche. Er stand erst im 49. Lebensjahre und hat jedenfalls unter der gleichen furchtbaren Erregung gelitten, die alle Sänger des Berliner Lehrergesang-Vereins naturgemäß ergriffen haben muß, als sie das Kaiserliche Kleinod gegenüber den mächtig vorgedrungenen rheinischen Vereinen verteidigen wollten. Leider blieb der Zwischenfall auch nicht ganz ohne Nachwirkung auf den Gesang des Vereins, der den Preischor zwar herrlich und nur um einen halben Ton zu hoch endete, aber im zweiten Wahlchor: „Lützows wilde, verwegene Jagd" das Tempo etwas zu sehr überhastete. Immerhin bleibt' er auch weiterhin an der Spitze der Deutschen Männergesangvereine und wird beim Stundenchor noch zu zeigen haben, was er kann.
Eine schreckliche Hitze lagerte heute über der Festhalle und ihren gewaltigen Kuppeln, als der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Victoria Luise, Prinz Oskar und das ganze Gefolge von Wiesbaden her mit dem Automobil kommend, im Kreise der Sänger erschien. Nach den üb
Kronprinzessin, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich sowie Prinz und Prinzessin August Wilhelm erwarteten die Majestäten auf dem Bahnsteig. Es sand eine überaus herzliche Begrüßung statt. Mit den zum Empfang erschienenen Damen und Herren des Gefolges und des Hauptquartiers unterhielten sich die Majestäten längere Zeit. Besonders zeichnete der Kaiser den Polizeipräsidenten von Potsdam v. Starck durch eine längere Unterredung aus. Die Majestäten begaben sich im Automobil nach dem Neuen Palais.
Die Rückfahrt der Deputation der Magistrate von Manchester und Salford erfolgte gestern früh mit dem Sonderzug der Hamburg-Amerika-Linie von Hamburg nach Cuxhaven, von wo heute nachmittag die Weiterreise nach Southampton angetreten wird. Vor ihrer Abreise beauftragten die englischen Gäste den kaiserlichen Konsul in Manchester, Schlagintweit, folgendes Telegramm an den Kaiser abzusenden : „Eurer Majestät bin ich vom Lordmayor von Manchester und vom Mayor von Salford beauftragt, nach entzückender Rundfahrt durch Hamburg ehrfurchtsvollste Grüße zu entbieten. Im Begriffe, heute früh mit dem Dampfer „Präsident Lincoln" der Hamburg-Amerika-Linie nach England zurückzukehren, bekennt die Deputation, daß ihr dieser Besuch in Stammesgemeinschaft mit den deutschen Vettern zum Bewußtsein gebracht hat: „Blut ist dicker als Wasser!"
Dem Präsidenten des Reichstafles Grafen zu Stolberg-Wernigerode sind zu seinem fünfzigjährigen Dienstjubiläum folgende Telegramme zugegangen: „Heute sind es 50 Jahre, daß Sie, mein lieber Graf, der Armee angehören, in deren Reihen Sie sich vortrefflich bewährt, in großer Zeit mitgekämpft und geblutet haben für die Ehre des Vaterlandes. Es ist mir daher eine aufrichtige Freude, in dankbarer Erinnerung hieran Ihnen zu Ihrem heutigen Ehrentage von Herzen Glück zu wünschen. Wilhelm R." Ferner: „Eurer Exzellenz spreche ich zu dem heutigen Tage meine herzlichen Glückwünsche aus. In aufrichtiger Verehrung: Fürst Bülow." Ferner: „Namens des Vorstandes des Reichtages beehre ich mich, Eurer Exzellenz zu der heutigen Feier der Wiederkehr des Tages, an welchem Eure Exzellenz vor 50 Jahren in den Staatsdienst eingeireten sind, unseren herzlichen Glückwunsch auszusprechen. Möge Eure Exzellenz noch oft diesen Tag in voller Gesundheit, Frische und Rüstigkeit erleben. Dr. Paasche." Außerdem haben der Kriegsminister, Staatssekretär Sydow und andere Glückwunschtelegramme gesandt.
Der Schiedsspruch über Casablanca. In der Casablanca-Angelegenheit hat der Haager Schiedshof folgendes Urteil gefällt: „Zu Unrecht sowie mittels eines schweren und offensichtlichen Versehens hat der Sekretär des kaiserlich deutschen Konsulats in Casablanca den Versuch gemacht, Deserteure der französischen Fremdenlegion, die nicht die I
lichen Fanfarenklängen sang heute zunächst „Concordia" Aachen. Im Preischor zeigten sich die Tenöre etwas stumpf. Der Dirigent leitete mit großer Ruhe. Der Chor hielt ziemlich bis zur Mitte den Ton, fiel aber dann um eine halbe Stufe. Der erste Mittelsatz wurde sehr schön durchgeführt. An unserem Platze störte das verhängnisvolle Echo des Riesensaales, durch das deutlich die Kommandorufe des Dirigenten in störender Weise wiedergegeben wurden. Sie schlossen den Preischor in F, aber mit schönem Wohlklang und großer Steigerung. Ihr Wahlchor „Vergebliche Flucht" war das allerungünstigsts, was in diesem Riesenraume mit seinem Widerhalls geboten werden konnte. Man mußte sich schließlich eine Beurteilung des Vortrages versagen. Aber man merkte, daß der Chor gut einstudiert und virtuos vorgetragen wurde. Sie stiegen in der Mitte und sanken dann wieder um einen halben Ton, sodaß sie mit dem richtigen Tone schlossen. An zweiter Stelle sang die „Harmonia". Sie führte den Anfang des PreischorS wunderbar durch; auch ihr Material schien besser zu sein, wie das ihres Konkurrenzvereins. Die einzelnen Nuancen waren gut durchgearbeitet. Die Tenöre klangen leicht und elegant: sie schlossen gut, waren aber auch einen halben Ton gestiegen. Im übrigen war es eine überaus prächtige Leistung. Noch eindrucksvoller und nahezu vollendet gelang ihnen der Wahlchor „Die Rose sank im Tau" von Robert Schumann. Am Ende waren sie um einen halben Ton gestiegen. DaS schönste, was geboten wurde, war der zweite Wahlchor, der „Chor der Pilger" aus Tannhäuser von Richard Wagner. Hier nahmen sie die schwierigen Modulationen mit vollkommener Sicherheit, sodaß ihre Leistung die allgemeine Bewunderung errang. Sie schlossen wieder einen Ton zu hoch, was jedoch in anbetracht der phänomenalen Leistung nicht viel besagen will. Nunmehr erschien der mit größter Spannimg erwartete Preisträger des Wettbewerbs vom Jahre 1903, der Berliner Lehrergesangverein. Eine längere Pause entstand bei seinem Aufmarsch,' die man sich zunächst nicht zu erklären vermochte, und die böse rheinische Zungen sogar dahin auslegten, daß die Berliner eine möglichst lange Zeit zur Entstellung brauchen wollten, um den guten Eindruck der voraufgegangenen Chöre zu verwischen.
deutsche Reichsangehörigkeit besaßen, auf einem ,heutigen Dampfer einzuschiffen. Der deutsche Konsul und bte andern Angestellten des Konsulats sind hierfür nicht verantwortlich, jedoch hat der Konsul durch Unterzeichnung des ihm vorgc- legten Geleitscheins ein nicht beabsichtigtes Versehen begangen. Das deutsche Konsulat hatte unter den vorliegenden Umständen nicht das Recht, den Deserteuren deutscher Reichs- angehörigkeit seinen Schutz zu gewähren, doch kann der in dieser Hinsicht von den deutschen Konsularbeamten begangen« Rechtsirrtum ihnen weder als beabsichtigtes noch als unbeabsichtigtes Versehen zugerechnet werden. Zu Unrecht haben die französischen Militärbehörden den im Namen des deutschen Konsulats über die Deserteure ausgeübten tatsächlichen Schutz nicht soweit irgend möglich respektiert. Selbst abgesehen von der Verpflichtung, den konsularischen Schutz zu respektieren, berechtigten die Umstände die französischen Militärpersonen weder zur Bedrohung mit einem Revolver, noch zur Fortsetzung der den marokkanischen Konsulatssoldatcn zugefügten Schläge. Den weitern in den Anträgen der beiden Parteien erhobenen Ansprüchen (Auslieferung der drei deutschen reich-- angehörigen Deserteure, die vom deutschen Sachwalter Geh. Rat Lentze verlangt wurde), kann nicht stattgegeben werden." Nach den diesem Urteil zugrunde liegenden Motiven hätte man einen für Deutschland günstigern Spruch erwarten können. Im allgemeinen kann aber gesagt werden, daß weder eine siegreiche noch eine unterliegende Partei aus der Verhandlung hervorgegangen ist. Damit hat nun diese Frage ihre endgültige Lösung gefunden.
In den Pariser Blätterstimmen über den Haager Schiedsspruch tritt mehrfach die Genugtuung darüber zu Tage, daß durch denselben im wesentlichen die französisch« Rechtsausfassung anerkannt werde. Gleichzeitig aber wird allgemein in lebhaften Worten der Freude Ausdruck gegeben, daß der einst so bedrohliche Zwist friedlich und für beide Völker gleich ehrenvoll beigelegt werden konnte. — Der „Figaro" schließt sich der Aeußerung der „Kölnischen Zeitung" „es gibt in dieser Sache weder Sieger noch Besiegte" an und sagt, eS bleibt nur ein Beispiel von zwei großen Völkern, die einen Beweis von gegenseitigem guten Willen gegeben haben, um einen peinlichen Zwischenfall in denkbar bester Weise zu regeln. Es ist überaus nützlich, sich ein solches Beispiel stets vor Augen, zu halten. — „Pelite R6publique" schreibt: Die Schiedsrichter haben sich zweifellos von dem löblichen Bestreben leiten lassen, die Empfindlichkeit der beiden Parteien zu schonen und etwaige Pressefehden hintanzuhalten. Jedenfalls werden sich alle darüber freuen, daß Rechtsgelehrte ohne Schwierigkeit einen Streit schlichten konnten, der früher nur mit Kanonenschüssen ausgetragen worden wäre. — Der „Radical" schreibt: Niemand wird sich darüber beklagen, daß diese Schiedsrichter keinerlei Reklamation zulassen und
In Wirklichkeit war aber der Verein durch den Todesfall seines Mitgliedes, des Lehrers Wilhelm Hahn in seinen Dispositionen arg gehemmt worden. Man hatte zunächst bte Leiche aus dem Hause geschafft und in der Frankfurter Leichenhalle untergebracht, von wo aus sie nach Berlin überführt werden wird. Allgemein war das Bedauem mit dem Verein, als diese Tatsache bekannt wurde, und auch der Kaiser, der davon sofort Kenntnis erhielt, war bleich und ernst, alS die Berliner endlich vollzählich versammelt waren und ihr Dirigent Professor Felix Schmidt den Takistack ergriff. Als der Vorsitzende deS Berliner Lehrervereins, angetan mit der goldenen Kette, erschien, durchdröhnte brausender Beifall den Saal. Die Berliner zeigten wieder ein wunderbar auSge- wähltes Material, wenn sie auch nicht so prachtvolle Bässe hatten wie die voraufgegangenen rheinisch-westfälischen Vereine, so waren doch die Tenöre von einer seltenen Klang- schönheit und der Preischor gelang ihnen vorzüglich, wenn er auch etwas zu gleichmäßig dürchgefUhrt wurde. Kurz nach dem ersten Teil stiegen die Tenöre nach der Höhe; bei der - sten Fortestelle wâr man in F-dur angelangt; die Hand'des Dirigenten leitete aber die Sänger wieder nach unten. Trotzdem stiegen sie gegen den Schluß nochmals und zwar wieder bis F und endeten einen halben Ton zu hoch. Das Baßmaterial zeigte sich besonders am Schluffe nicht von so prächtiger Fülle wie bei den anderen Vereinen. Aber der Berliner Chor imponierte besonders durch die Ausgeglichenheit im Stimmmaterial und durch die vorzügliche Aussprache, die jedes Wort deutlich erkennbar machte. Stürmischer Beifall begleitete die Absolvierung des Preischors. Dann fangen die Berliner „Ruhe schönstes Glück her Erde" von Franz Schubert" aus dem Volksliederbuch. Der Vortrag fiel besonders auf durch die edle Tongebung in den Tenorstimmen, die nahezu ideal war. Der Chor fiel aber auch um einen halben Ton. Der zweite Wahlchor des Berliner Lehrergesangvereins „Lützows wilde verwegene Jagd" von Karl Mana von Weber wurde von ihnen in geradezu meisterhafter JS eife zum Vortrag gebracht. Auch die Deklamation war vorzüglich und der Dirigent holte jede Feinheit die in der komnoittion ist, heraus. Sie schlossen in F-dur, und ter Beifall wollte nicht enden. Wieder und wieder mußte