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14 Seiten.

Amtliches.

Eandhrds Ranau.

Der Bürgermeister Heinrich Goy in Noßdorf ist zum Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Roßdorf bestellt worden.

Hanau den 13. Mai 1909.

Der Königliche Landrat.

A 2388 v. Beckerath.

Politische Rundschau.

Ein neuer Nist im Block. In der Finanzkommission des Reichstags kam es bei der Fortsetzung der Tabaksteuer- beratung gestern zu einem schweren Konflikt zwischen den Blockparteien und zu der Abgabe des Vorsitzes durch den Abg. Paasche an den Abg. Spahn. Die Kommission war, wie angekündigt, in die Beratung der Banderole eingetreten. Der § 2, der das Prinzip enthält, wurde aber abgelehnt. Nunmehr verlangte der Vorsitzende Paasche, daß jetzt die gestern ausgesetzte Abstimmung über § 4 des Antrags der Subkomnuision vorgenommen werde. Die Konservativen und das Zentrum lehnten das ab. Sie verlangten vielmehr trotz der Ablehnung des § 2 die Fortsetzung der Beratung des Banderoleneniwurfs. Vorsitzender Paasche erklärte dies für gescbäfisordnnnaswid'ig. Gleichwohl erfolgte der Be- fchluß. Paasche übergab infolgedessen den Vorsitz an Spahn. Im Namen der NationaUibernIen erklärte nun Dr. Weber, daß sie sich nicht weiter beteiligten. Sie verließen den Saal. Dr. Spahn vertagte gleichzeitig die Sitzung auf heute. Der Abgeordnete Dr. Paasche hat sofort nach der gestrigen Sitzung der Finanzkoinmission in einer Zuschrift an den Ab­geordneten Dr. Spahn sein Amt als Vorsitzender der Kommission niedergelegt. Damit ist die Lage wesentlich ver­schärft worden.

Die Sekundärbahnvorlage. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses beendete die Beratung der Seknndär- bahnvorlage. Zunächst wurde über die Erfordernisse der Fiihrparks ausführlich verhandelt. Für Fahrzeuge auf be­stehenden Bahnen sind 92 Millionen Mark erforderlich, zu denen aus dem Etat für den gewöhnlichen Ersatz 60 Millionen und über die notwendige Ergänzung hinaus weitere 20 Millionen gefordert werden. Alles in allem sind mit den für die neuen Bahnen bestimmten 61/» Millionen und dem hessischen Anteil von 1,9 Millionen im ganzen rund 180 Millionen Mark gegenüber 263 Millionen im Jahre 1908 erforderlich. Die Leistungen des Fuhrparkes sind im Laufe der letzten zehn Jahre bedeutend gestiegen: bei den Lokomotiven um durchschnittlich 25 Prozent. Die Eisenbahnverwaltung gab auf Befragen an, daß die Be­anspruchung der Lokomotiven außerordentlich groß sei und daß dadurch auch ungewöhnlich viele Reparaturen veranlaßt werden. Die neueren Konstruktionen der Lokomotiven wiesen sehr gute Erfolge auf. Im allgemeinen gelingt es auch, schwere Züge mit einer Maschine zu führen. Bei der Linie Geestgottberg-Salzwedel hat die Kommission bekanntlich be- schloflen, dem Hause vorzuschlagen, im Einverständnis mit der königlichen Startsregierung nur die Teilstrecke von Salz­wedel nach Arendsee zunächst zu bauen, die Weiterführung nach Vornahme der genaueren Vorarbeiten, sei es nach Geest­gottberg oder Scebâusen oder einem dazwischenliegenden Punkte der Linie von Stendal nach Wittenberge in die nächstjährige Vorlage aufzunehmen.

Die Budgetkommission des Reichstages er­ledigte gestern durch einstimmige Annahme den Gesetzentwurf über die Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer und setzte darauf die Beratung der Besoldungsvorlage fort. Zu­nächst wurden die Gehaltsverhältnisie der Rcichstagsbeamlen beraten und nach dem Kompromißantrage die Gehälter fest­gesetzt. Die Verhandlungen hierüber waren vertraulich. Sodann wurde über die Zulagen für die obern Beamten beraten. Auch hier liegt ein Kompromißantrag vor, der gegenüber der Regierungsvorlage eine andere Regelung vor­schlägt. Von verschiedenen Seiten wird gegen die vor­gestrigen Aeußerungen des preußischen Finanzministers über die Arbeit der Budgetkommission des Reichstags Verwahrung eingelegt. Der Referent Dr. Drösche wird diese Verwahrung im Namen der Kommission im Plenum entlegen. Der Kompronußantrag wird en bloc angenommen. Montag sind et die Weiterberatung über die Zulagen statt.

Freitag den 14. Mai

Zum Besuch des deutschen Kaiserpaares in Oesterreich.

Wien, 13. Mai. Zu dem Besuche des deutschen Kaisers und der Kaiserin schreibt dieWiener Abendpost" : Mit inniger Freude und mit verehrungsvollen Empfindungen sieht die Bevölkerung Wiens den Herrscher des mächtigen Deutschen Reiches und seine erlauchte Gemahlin in den Mauern der alten Kaiserstadt. Die Bürgerschaft erblickt in dem Besuche des deutschen Kaiserpaares eine erneute, höchst eindrucksvolle Kundgebung jener treuen, innigen Freundschaft, die die beiden Herrscherhäuser und verbündeten Reiche vereint. Wârmer denn je sind die Empfindungen, die heute de« hochverehrten kaiserlichen Gästen hier und im ganzen Reiche entgegen* schlagen, nachdem in der letzten bewegten Epoche der inter­nationalen Politik daS Bündnis mit dem Deutschen Reiche sich als kostbare Frirdensbürgschaft bewährt hat. Die Völker der habsburgischen Monarchie würdigen auch mit freudigem Danke jene persönlichen Empfindungen, die der deutsche Kaiser unserem erhabenen Herrn entgegenbringt, denen Kaiser Wilhelm bei der Begrüßung der deutschen Bundesfürsten im Jubeljahre so herzbewegen­den Ausdruck verliehen hat. Dem hochsinnigen Herrscher und der erhabenen Frau, die ihm in Hoheit und Milde zur Seite steht, bringt die Stadt ihre ehrfurchtsvollen huldigenden Grüße dar.

Wien, 13. Mai. DiePolitische Korrespondenz" schreibt: Dem morgigen Besuche Seiner Majestät deS Kaisers Wilhelm bei Seiner Majestät dem Kaiser Franz Josef wohnt eine politische Bedeutung inne, welche die aller früheren Begegnungen der beiden Mo­narchen übcirant. Jede dieser Zusammenkünfte war ein Sinnbild des Oesterreich- Ungarn mit Deutschland verknüpfenden Bündnisses. Jeder kam im Lichte der jeweiligen Weltlage ihr besonderer Sinn und ihre besondere Wichtigkeit zu. Ein unvergleichlicher Glanz liegt auf dem Maitage des ver­gangenen Jahres, da Kaiser Wilhelm sich mit den anderen Bnndesfürsten des Deutschen Reiches in Schönbrunn ver­einigte, um Kaiser Franz Josef aus Anlaß seines 60jährigen Regierungsjubiläums eine für immer denkwürdige Huldigung darzubringen. Kein früheres Erscheinen des deutschen Kaisers inr Wien hat aber hier einen so tiefen politischen Eindruck he vorbringen können wie das jetzige, das auf die Epoche einer internationalen Spannung folgte, wie sie Europa seit langem nicht beherrscht hatte. Durch die Haltung, welche Deutschland während der (Ereignisse einnahm, die sich seit dem vergangenen Herbst bis zum Anbruch dieses Frühjahrs abspielten, wurde die Balkankrists aus einer Angelegenheit Oesterreich-Ungarns zu einem gemeinsamen Erlebnisse der Monarchie und des Deutschen Reichs, svivie zu einer höchst lehrreichen Erfahrung für die gesamte politische Welt. Ver­lauf und Ausgang der Krise, zu welcher sich der jüngste Ab­schnitt der Zeitgeschichte gestaltete, brachte die vielfach unter­schätzte politische und moralische Macht Oesterreich-Ungarns zu Achtung gebietender, sinnfälliger Erscheinung rind zer­störte auf das Gründliche gewisse seltsame Legenden über ihre Vitalität. Zu diesem Erfolge kam die überaus wertvolle Wirkung, daß durch das unerschütterlich treue Zu- sammenstehen Deutschlands mit der Monarchie auch die Sebencfüde und Energie des Bundes zwischen beiden Reichen, den manche als ein welk gewordenes Gebilde hinstellen zu neu glaubten, allenthalben in eindringlicher Weise ins Bewußtsein gerufen wurde. Die unzertrennliche diplomatische Waffenbrüderschaft, welche das Wiener Kabinett der öfter- reichisch-ungarischen Regierung in dem Kampfe um die bos­nische Sache bewies, erhöhte noch den wahren Grad der Freundschaft, die das Bündnis der beiden Mächte erfüllt und sand in Wien und Budapest volle Anerkennung, die in tief­empfundenen Worten zum Ausdruck gelangte. Der jetzige Besuch Kaiser Wilhelms in Wien bildet einen krönenden Ab- schluß dieses epochalen Abschnittes in der Geschichte der Alliance. Die lebhaften Sympathien, die sich der deutsche Kaiser in Oesterreich - Ungarn durch seine fesselnde Per­sönlichkeit, durch die ungewöhnliche Herzlichkeit seiner Freundschaft und die hohe Verehrung für unsern Monarchen erworben hat, verstärkt durch das unvergeßliche Er­eignis der Fürstenversammlung in Schönbrunn sie erreichte in der letzten Phase der Weltpolitik ihren Höhepunkt und brachten den obersten Vertreter des Deutschen Reiches unserem Gemüte noch näher. Den Empfang, der dem deutschen Kaiser und der Kaiserin Auguste Viktoria von unserm Kaiser und den Mitgliedern des Kaiserhauses bereitet wird, werden die aufrichtigen warmen Willkommengrüße be­gleiten, die ganz Oesterreich Ungarn dem treuen Verbündeten und dem unentwegten Freunde entbietet.

Pola, 13. Mai. Um 2 Uhr fand auf derHohen- zolleru" ein Diner Hatt, wozu außer der Erzherzogin Maria

^ernsprechanschlutz Nr. 605. 1909

Joseka, der Marinekommandant, der Statthalter, der Korps» kommandantund der Dezirkshauptmann eingeladen waren. Nach dem Diner stattete das Kaiserpaar der Erzherzogin einen Besuch auf der JachtPhantasie" ab, wo die Majestäten den Tee nahmen. Um halb 5 Uhr erfolgte die Landung des Kaiserpaares an der Eliiabeth-Mole, wo eine Ehrenkompanie, zahlreiche höhere Offiziere und Staatsbeamten bei dem dort haltenden Hofzuge Aufstellung genommen hatten. Die Musik spielte die deutsche Nationalhymne. Nachdem sich das Kaiser­paar von der Erzherzogin und den anwesenden hohen Offi­zieren und Beamten verabschiedet hatte, setzte sich der Hofzug um */<5 Uhr in Bewegung. Heute abend findet im Marine­kasino zu Ehren der Offiziere der deutschen Schiffe ein ge­sellige- Beisammensein statt.

Die Beamtenbewegung in Frankreich.

Paris, 13. Mai. Die Deputiertenkammer setzte beute die Verhandlungen über die Interpellationen über die Post­beamten fort. Sembat (Soz.) trat den Theorien deS MinisterS Barthou entgegen und erklärte, die Beamten hätten außerhalb ihres BureâuS wie alle übrigen Bürger bai Recht, die Regierung zu kritisieren. Er warf Clemenceau vor, den Krieg entfesselt zu haben. IaureS sagte, der Kamps würde ein Ende nehmen, wenn die Regierung daS Syndikat der Beamten anerkennen würde. Clemenceau bekämpf« jetzt daS Werk, an dem er bis zu den letzten Jahren ge­arbeitet habe. Als Barthou Reformen versprochen hätt«, habe jedermann verstanden, waS man sich davon zu ver- sprechen habe. (Lärm.) Zwischen einigen Sozialisten und Sozialistisch-Radikalen brach nunmehr ein lebhafter Streit aus, weil ein Radikaler einem Sozialisten vorwarf, mit Hilfe der Reaktionäre gewählt worden zu sein. Die Sozialisten stimmten die Internationale an, worauf der Präsident unter lebhafter Bewegung die Sitzung aufhob, und die Tribünen räumen ließ. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verlangt« Innrer, daß man klar sage, ob die Postbeamten in gutem Glauben annehmen konnten, daß man ihnen den Rücktritt SimyanS versprochen hatte. DaS sei wahrscheinlich, da bei den Verhandlungen im Verlaufe deS letzten AuSstandeS Simyan von der Re­gierung alS quantite negligeable behandelt worden sei. (Bei­fall.) Redner sagte dann, die Majorität selbst habe btt Politik beS Ministeriums Clemenceau verurteilt, sie möge es jetzt auSsprechen. Zum Schluß beschwor er die Kammer, der reaktionären Politik der Regierung nicht zu folgen.

Paris, 13. Mai. Die Kammer nahm nach sechs­stündiger sehr bewegter Debatte eine Tagesordnung an, in welcher gegen den Beamtenstreik mit 455 gegen 69 Stimmen itnb der VertrauenZpassuS der Regierung mit 395 gegen 159 Stimmen votiert wurde.

Paris, 13. Mai. Heut« nachmittag fand eine Versamm­lung der streikenden Postbeamten statt, in welcher di« Mit­teilung, daß die sozialistischen Deputierten in der Kammer die Internationale gesungen hätten und die Sitzung des­wegen unterbrochen werden mußte, große Begeisterung her­vorrief. Die Postboten stimmten die Internationale an und beschlossen, eine Abordnung in die Kammer zu entsenden, um die sozialistischen Deputierten zu ihrer Haltung zu be­glückwünschen.

Die Umwälzung in der Türkei.

Konstantinopel, 13. Moi. Die Kammer verhandelt« in geheimer Sitzung und in Anwesenheit deS GroßwesirS sowie der Mehrzahl der Minister über daS türkisch-bulgarisch« Protokoll. Der Minister des Aeußern legte in einer längeren Rede die Notwendigkeit der Annahme deS Protokolls dar. Die Ausführungen der Abgeordneten richteten sich in der Hauptsache gegen das alte Regime, sowie gegen daS Ministerium Kiamil Pascha, daS nicht verstand, dem türkischen Standpunkt Geltung zu verschaffen. Vor Eintritt in di« geheime Sitzung nahm die Kammer in öffentlicher Sitzung den Antrag der Regierung, zum Zwecke der Feststellung der Urheber der Unruhen eine gemischte Kommission nach Adana zu entsenden, an. Die Kommission wird auS zwei Mit­gliedern deS Parlaments und zwei Vertretern der Regierung bestehen, unter denen sich je ein Türke und ein Armenier befinden.

Konstantinopel, 13. Mai. Kammer. Im Ver­laufe der Debatte über das türkisch-bulgarische Protokoll machte sich eine heftige Opposition seitens der Griechen gegen die Annahme geltend. Mehrere griechische Deputierte führten aus, die Rechte der orthodoxen Griechen würden nicht ge­wahrt werden. Jssuff Kemal wieS die griechischen Angriff« mir der Bemerkung zurück, die Türkei habe die religiösen Rechte der Mohammedaner BoSuiens bei dem Abschlusse deS österreichisch-ungarisch-türkischen Protokolls gewahrt. Di« Beratung wurde durch die Erklärung des Minister« deS Aeußern beendet, daß er zurücktreten werde, wenn bie Kirchentage aufgeworfen werden würde. Nachdem der An­trag Nisas, das Halts möge eine Revision der bulgarischen Grenze verlangen, abgewiesen wurde, nahm die Kammer das türkisch-bulgarische Protokoll mit 121 gegen 34 Stim- men an.

Konstantinopel, 13. Mai. Die Kommission derPfort« zur Erledigung der Orientbahn-Angelegenheit hat der Direktion