Erstes Blatt.
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VkrMihrl'ch 1,80 TIL, m»natlich 60 Pfg., für au9> «artige Aâonnrni«n mit dem betreuenden Postausschlag.
Die eittjflne Nummer testet 10 Pfg.
tzetânldruck und Verlag der Buchdruckers deS verein, a. WarjeuhaujeS in Hanau.
General-Anzeiger
Awiliches Organ für Stadt- and Fandkrets Zanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die ffafpftMltem HetUjal« »der deren Stan« Ä Pj^ tat »«kUuuvueit di« Lâ LS Pl»
Berantmorü. Redâur: «. Schrecker hl Ha«».
Nr. 110
Fernsprechanschlus; Nr. 605» .......................................... !■■■■..............
Mittwoch den 12. Mai
Die ieiltilitNilmier msaèt M -.MeihMiBlaK
14 Seiten.
Amtliches.
Bekanntmachung.
DaS ostasiatische Detachement ist bis auf eine Gesandt- schaftsichutzwache aufgelost worden.
Demzufolge treffen im Laufe des Monats Mai die zurückzuführenden Mannschaftstransporte (über 500 Mann) in Deutschland ein.
Einem großen Teil dieser Mannschaften steht ein Anspruch auf Wiedereinstellung als Kapitulanten in das Heer nicht zu.
An diese Mannschaften tritt' die ernste Sorge der ?In= nähme einer Zivilstellung oder Wiederaufnahme ihres Zivil- beruis.
Ihnen den Nebergang in den Zivilberuf durch Bekanntgabe und Vermittelung freier Stellen nach Möglichkeit zu erleichtern, ist die Ausgabe der Auflösungsleitung des ostasiatischen Detachements in Cuxhaven.
Damit letztere jedoch den an sie herautretenden Anforderungen gereckt werden kaun und den Mannschaften je nach ihrem erlernten Zivilberuf freie Stellen bekannt zu geben und zu vermitteln in der Lage ist, bittet das Bezirkskommando Private (Kaufleute, Handwerker rc.), welche Mannschaften als Arbeiter einzustellen gewillt sind, der Auflö'ungsleitung in Cuxhaven freie ©testen unter Angabe der Bedingungen tum 15. Mai d. As. mitzuteilen.
Hanau den 3. Mai 1909.
Königliches Vezirkskommando.
An das Handelsregister A ist bei Nr. 24 eingetragen, daß die Firma Karl Meier in Fechenheim auf den Kaufmann Adolf Diedrich Prinz in Fechenheim über- gegangen ist.
Bergen, Kreis Hanau, den 5. Mai 1909.
Königliches Amtsgericht. 12317
Politische Rundschau.
Die Reichswertznwachssteuer. Die „Vossische Zeitung" meldet : Die vorgestrige Konferenz beim Reichssekretär, an der die Oberbürgermeister der großen Städte, Vertreter der Wissenschaft und eine Reihe von Kommissaren der einzelnen Bundesstaaten teilnahmen, beschäftigte sich eingehend mit der Reichswertzuwachssteuer. Man gelangte zu dem fast einmütigen Ergebnis, daß die Frage der ReickS-
Feuilleton.
Das plwtoinaphische Bildnis.
(Zu der photographischen Ausstellung von Alfred von GrooS in Alberns Kunsthandlung)
Im Verlag von Gustav Schmidt, Berlin, ist ein Werk erschienen, das sich mit der Entwicklung der Bildnis- Photographie beschäftigt. Der 'Verfasser ist Fritz Loelcher. Einleitend bemerkt er, daß die Photographie von Anfang an mehr Porträtierkunst als Landschaftskunst gewesen sei und daß ihr Problem auch heute noch in der Wiedergabe des Menschen lebens, im Bildnis, ruhe. Die Geschichte der Photographie sei in erster Linie eine Entwicklungsgeschichte der Technik. „Wie überall im modernen Leben ist die Entwicklung der Technik der Pflege innerer Eigenschaften vorausgeeilt. Aufgabe des Menschen unserer Zeit ist es, die bedeutenden technischen Mittel, die ihm ohne weiteres gegeben sind, segensreich anwenden zu lassen. Die Ueberschätzung des Techstischen birgt eine Gefahr für die Pflege der Innerlichkeit. Der Triumph der Technik, die blendende Vielseitigkeit, die Bequemlichkeit und Anschmiegsam- leit der photographischen Prozesse erzeugte Oberflächlichkeit und Verflachung, ersetzte die ernste, mit dem Material kämpfende Arbeit durch eine spielerische Mannigfaltigkeit, tso ist es heute vor allem für uns wichtig, auf einer höheren Stufe der Entwicklung, mit reicheren Arbeitsmitteln ausgestattet, jene schlichte Innerlichkeit, das innige und wahrhafte Verhältnis zum Leben zurückzugewinnen, wie man es früher, bei weit primitiverer Technik, noch belaß."
Damit kommt er auf das Daguerrotyp zu sprechen. Wenn dieses auch der erste primitive Anfang der praktischen Photographie war, so zeichnete es sich doch durch wunderbare Feinheit der Wiedergabe aus. Es sind einige
werizuwachssteuer zurzeit noch lange nicht genügend geklärt sei, um mit einer Vorlage an den Reichstag heran zutreten, daß ferner zweifellos die Erträgnisse der Steuer überaus großen Schwankungen unterliegen würden und die Steuer bei günstigster Schätzung höchstens 12*/, Millionen, bei optimistischerer und in besonders günstigen Jahren höchstens 20 Millionen bringen würde.
Tranerseier. An der Kavelle des Augusta-Hospitals fand gestern eine Trauerfeier für den Geheimrat v. Holstein statt, an der der Reichskanzler und die Fürstin v. Bülow, der Staatssekretär Frhr. v. Schoen, Unterstaatssekretär Stemrich und andere Teilnahmen. Prediger Prof. Sckolz sprach ein Gebet und teilte mit, der Entschlafene habe gewünscht, daß ihm keine Ruhmesrede gehalten, auch seiner amtlichen Wirksamkeit nicht gedacht werde. Auf dem der Kapelle gegenüberliegenden Kirchhof erfolgte hierauf nach einer einfachen liturgischen Feier die Beisetzung.
Der nationalliberale Parteitag der Mein- Provinz in Kreuznach, der von 169 Vertretern besucht war, nahm folgende Resolution an: „Eine Reform der Reichsfinanzen, die das Reich von der ungesunden Schulden- wirtschaft befreit und gegenüber den Einzelstaaten selbständig macht, ist eine Lebensfrage der Nation. Es ist beschämend für das deutsche Volk, daß große Parteien ihre Mitarbeit an diesem nationalen Werke abhängig machen von der Gewährung größerer politischer Macht. Der Parteitag fordert die schleunige Durchführung einer auf Verbrauch- und Besitzsteuern basierenden Finanzregelung; er hält, in Uebereinstimmung mit den Parteifreunden im Reiche, den Ausbau der Reichserbschaftssteuer für eine Notwendigkeit, und bedauert auf das lebhafteste die auf einseitiger Jnteressenpoliük beruhende ablehnende Haltung der Konservativen Partei. Der Parteitag erwartet zuversichtlich, daß die liberalen Parteien wie die Regierung an ihrem bisherigen Standpunkt hinsichtlich der Erbanfallsteuer festhalten und ein baldiger Beschluß des Reichstages eine Entscheidung bringe, die unser Vaterland vor einer unheilvollen inneren Krisis bewahrt."
Die französische Kammer beriet die von den Sozialisten Willm und Sembat eingebrachte Interpellation über die Postbeamten. Sembat warf der Regierung vor, daß sie gegen die Postbeamten wegen Totlachen vorgegangen sei, die nicht mit dem Dienst zusammenhingen. Die Postbeamten seien getäuscht worden. Deschanel legte dar, daß, wenn in der Krise die Postbeamten den Gehorsam verweigerten, dies daher käme, daß die öffentlichen Gewalten zu regieren vergessen hätten. Redner verlangte ein Statut, das den Beamten Garantien gewähren und Ordnung und Sicherheit im Sraate schaffen werde. Willm wies darauf hin, daß die Regierung den Postbeamten die Entlaffung des
Daguerrotyp-Aumahmen von D. Okt. Hill, Glasgow, aus den Jahren 1843—45 dem Texte beigegeben, und man muß sich wundern, wie künstlerisch fein, wie ungesucht-sicher und lebendig sie sind. „Man muß sich öfter daran erinnern," sagt der Verfasser, „daß c8 eine Zeit gab, in der die Photographie ein unantastbarer Spiegel des Lebens war." Wie anders wirken diese Aufnahmen aus der Kinderzeit der photographischen Darstellungsmethode als die „gemalt, tätige Pfuscherei, die heute der retouchierende Photograph treibt".
Aber das Verfahren der Daguerrotupie-Wiedergabe war nicht nur unpraktisch und nicht nur sehr umständlich und gesundheitsschädlich, es kam noch der Umstand hinzu, daß man bei der Unempfindlichkeit der P'atten übermäßig lange exponieren mußte und daß man die Aufnahmen nicht kopieren konnte. Erst mit den rudimentären Papier-Negativen war die Kopie gestattet. Mit der Erfindung der nassen Kollodium- plaste war dann ein einfacheres und sicheres Verfahren gefunden, das eigentlich erst das photographische Porträigeschäst in Gang brachte. Die Bromsilber-Trockeuplatte machte die Photographie zu einem Gemeinp'atz, dazu kam die größere Vollendung der Apparate und Objektive u'w.: die Photographie wurde populär und damit sank sie — trotz des gewaltigen technischen Fortschrittes oder gerade deswegen?
— aus dem Adealreich der Kunst in die unkünstlerische, niedere ‘ Sphäre des Dilettantismus, der Konkurrenz, der billigen Warenfabrikation, Jeder halbwegs geschickte Mensch konnte „photographieren". Wenn der Berufsphotograph diesen Konkur.enzkampf bestehen sollte, so mußte er auf Mittel und Wege sinnen, wie er seinen Bildern eine besondere Anziehungskraft verleihen konnte: die routinierte Retousche half nach. Und so entstand das konventionelle Atelierporträt, das „Schönheitsideal des Fachphotogravhen". Aber dieses Ideal war eben nur eine Folge der Wechselwirkung zwischen Photograph und Publikum. Lichtmark sagte 1893 gelegentlich der ersten Hamburger kunstphoto-
Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1909
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Unterstaatssekretârs Simyan zugesichert habe, und, machte im übrigen der Regierung denselben Vorwurf wie Sembat. Louis Dreyfus führte aus, er habe dem Ministerpräsidenten eine Abordnung Postbeamten vorgestellt, die willig waren, die Arbeit wieder aufzunehmen. Er habe von Clemenceau hierzu keinen Auftrag gehabt. Die Postbeamten hätten sich entschuldigt und zugegeben, daß sie sich geirrt hätten, weil st« nach den Erklärungen des Ministers Darthou in der Kammer hätten hoffen können, daß UnterstaatSsekretär Simyan aus dem Amte scheiden werde. Minister Bartbou wirs hierauf nach, daß die von Clemenceau bezüglich Simyans am 21 März abgegebenen Erklärungen sehr bestimmte waren. Nach der Wiederaufnahme der Arbeit hätten die Angestellten unstatthafte Kundgebungen veranstaltet, offen den zukünftigen Streik vorbereitet und Regierung und Parlament angegriffen. In Rouen habe ein Briefträger antipatriotische Erklärungen abgegeben und versichert, mit seinen Kameraden jenseits der Rheins solidarisch zu sein. (Lärm auf der äußersten Linken.) Barlhou erklärte, wenn man den Beamtenverbänden gestatte, sich über die Volksvertretung zu erheben, so wäre es um jede Regierung geschehen. Wenn die Kammer die Aufhebung der getroffenen Maßnahmen fordern sollte, so würde das Kabinett einmütig demissionieren. Die Rede des Ministers würd« mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Die Sitzung wurde aus Donnerstag vertagt.
Ein Reskript deS Zaren. In einem Reskript an den Ministerpräsidenten Stolypin beauftragt diesen der Kaiser, da er den Gesetzentwurf über den Etat des Marinegeneral- stabeS nicht sanktionieren könne, in Gemeinschaft mit dem Marine- und Kriegsminister Regeln darüber auszuarbeiten, welche legrslative Angelegenheiten der Kriegs- und Marine- behörden seiner unmittelbaren Entscheidung unterliegen und ihm zur Sanktion zu unterbreiten sind. Die ganze auf die Befestigung der Grundlagen der vom Kaiser unerschütterlich ausgestellten Staatsordnung gerichtete Tätigkeit des Ministerrats unter dem Vorsitz Stolypins verdiene seine volle Billigung und bürge ihm für die erfolgreiche Durchführung auch dieses Auftrags.
Die russische Reichsduma nahm mit einer aus dem Zentrum und der Reckten bestehenden Majorität gegen di« Opposition in erster und zweiter Lesung den Gesetzentwurf betreffend die Umgestaltung der Verwaltung deS Küstengebiets und der Insel Sachalin an. Das Haus sprach entsprechend einem Kommisstonsvorschlag u. a. den Wunsch auS, eS möchten Privatkapitalien zu den industriellen Unternehmungen im fernen Osten in höherem Maße als bisher zugelaffen werden. Sowohl Russen als AuSländrr sollten daS Recht erhalten, Schürfarbeiten vorzunehmen und di« nützlicken Montanschätze zu verarbeiten. Im Laufe der Debatte protestierten sowohl Gegner wie auch Verteidiger graphischen Ausstellung ganz mit Recht: „Das deutsch« Publikum hat im allgemeinen einen Abscheu vor der Wirklichkeit. Selten will eS scheinen, wie eS ist, jeder hat das Bedürfnis, sich im Bildnis nach einem vagen Ideal gesteigert zu sehen. DaS Publikum schätzt im Bildnis nur die sogenannte schöne Aehnlichkeit, d. h. bis Unterdrückung des Charakteristischen. Das Publikum verlangt, daß der Photograph eine möglichst „vorteilhafte" Stellung finde, ganz unbekümmert darum, ob es die ckarakteristisch« ist. Wer eine leichte Falte am Kinn hat, muß einen Augenaufschlag machen und den Kopf in den Nacken werfen, damit der Fehler verschwinde. Gekünstelte Haltung, Beleuchtung und Retoucke korrigieren die unbotmäßige Nasr, und am Ende aller Dinge wird auS dem Bildnis ein Schemen, eine bloße Phantasie über daS gegebene Thema."
Wilhelm Weimer in Darmstadt war nun der erste, der eine neue, d. h. eine persönliche ArbeitSart im Bildnis anstrebte. Er legte in die Photographie das schöpferisch« Prinzip, das sich, wie überall in jeder echten Kunst, um den Geschmack des Publikums nicht kümmert, sondern in s i ch und seiner Entfall u n g genug hat. Einzeln« Photographien von Weimer sind als Beweisstücke hier ein* gefügt, unter denen das Bild eines Knaben und eineS alten Mannes von intensivster Nachwirkung sind. Auch an den andern beigegebenen Proben sieht man, daß daS Wesentliche der Weimerscken Bilder sich nickt auf geschickte Anordnung znrück'ühren läßt, sondern im Ausdruck liegt . . „WrimerS Bilder verleugnen Art und Herkunft nicht. Der Reiche erscheint in seiner Wohlhabenheit, seiner Grandezza, der Arme schämt sich nicht seiner ehrlichen Natur, er will nickt scheinen, was er nicht ist. Wer nicht in den Palazzo gehört, wird auch nicht in ihm ausgenommen. Wer nicht in feinen Kleidern, zwischen verliehen Möbeln, zu Hause ist, der soll auch im Bilde nicht in erborgtem Prunk erscheinen. Der Photograph zwing' sein Publ'knm nicht mehr in etwas Fremdes hinein, er läßt es ruhig sich geben, w i e es i st." „Weimers Künstlertum",