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Montan

Sette 8

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fr I , ' ................. Ul'l Ttegmann versah dann den Brief mit einem früheren Zeit­stempel, sodaß also der Anschein erweckt wurde, als sei der Aufttag regelrecht noch vor Beginn des NmnenS zur Post gegeben worden. Die meisten Angeklagten geben ihre Schuld zu. Stegmann ist, wie er behauptet, von Kollegen dazu verführt worden, sich an Rennwetten zu beteiligen. Ein- gehende Angaben über die Usancen in Wettburraus machte Kriminalkommissar Willberger aus Frankfurt a. M., der sich speziell mit Angelegenheiten auf diesem Gebiete beschäftigt. Er führte aus, daß die Wettburraus, namentlich die großen, sehr oft Betrügern zum Opfer fallen. Aus Scheu vor Prozessen und um ihr Renommee zu wahren, würden von diesen Bureaus viele Wetten ausgezahlt, die nicht rechtmäßig eingegangen worden seien. Vielfach werden die Namen der Pferde bei schriftlichen Aufträgen so undeutlich geschrieben, Laß man alle möglichen Ramen daraus entziffern kann. Oft werden die Wetten auch erst aufgegeben, wenn das Rennen bereits gelaufen sei, ohne daß man aber Beweise dafür er­bringen könne. Gegen derartige Betrügereien seien die Wett­bureaus einfach machtlos. Da sich unter den Angeklagten zwei holländische bezw. schweizerische Staatsangehörige be­finden, machte einer der Verteidiger darauf aufmer' am, daß eS das erste Mal sei, daß Inhaber ausländischer Wettbureaus sich vor einem deutschen Gerichtshöfe zu verantworten hätten; bisher seien nur die inländischen Agenten solcher Bureaus unter Anklage gestellt worden. Für die deS gewerblichen Glückspiel Angeklagten plädierten die Verteidiger auf Frei­sprechung bezw. Verurteilung zu einer kleinen Geldstrafe. Das Urteil lautete gegen diese Angeklagten auf je ein bis drei Tage Gefängnis und 100 bis 1000 Mark Geldstrafe, gegen die Angeklagten Imhoff und Geist wegen Betruges und Bestechung zu vier bezw. fünf Monaten Gefängnis und gegen Stegmann wegen Beihilfe zum Betrug, Bestechung und Fälschung von amtlichen Urkunden zu einem Jahre neun Monaten Gefängnis, sowie Verlust der bürgerlichen Ehren­rechte auf die Dauer eines Jahres.

Frankfurter Theater.

Opernhaus. Dienstag, 4. Mai, abends 7 Uhr.La Bohème." Im Abonn. Große Preise. Mittwoch, 5. Mai, abends halb 8 Uhr.Der Bettelstudent." Außer Abonn. Ermaß. Preise. Donnerstag, 6. Mai, abends halb 8 Uhr.Elektra." Im Abonn. Große Preise. Freitag, 7. Mai, abends halb 8 Uhr.Josef und seine Brüder." Außer Abonn. Kleine Preise. Samstag, 8. Mai, abends 7 Uhr.Die lustigen Weiber von Windsor." Im Abonn. Gcwöhnl. Preise. Sonntag, 9. Mai, abends 7 Uhr.Cavalleria rusticana". Hierauf:Der Bajazzo." Im Abonn. Große Preise. Montag, 10. Mai, abends halb 8 Uhr.Ein Walzer- traum". Außer Abonn. Ermäß. Preise. Dienstag, 11. Mai, abends 7 Uhr.Violetta" (La Traviata). Im Abonn. Gewöhnl. Preise. Mittwoch, 12. Mai, abends 6 Uhr. Einmaliges Gastspiel der k. u. k. Kammersängerin Frl. Edyth Walker vom Stadttheater in Hamburg.Tristan und Isolde." (Isolde: Fräul. Walker a. G.) Außer Abonn. Große Preise.

Hus aller Mett.

Folgenschwerer Streit zwischen zwei Gutsbesitzern. In Neuhof in Niederbayern stritten sich zwei Gutsbesitzer, und in diesen Streit griff auch ein Diener ein, der seines Herrn Gegner verprügelte. Dem Mißhandelten eilte nun seine Frau zu Hilse, schoß zweimal auf besten Bedränger und verwundete ihn schwer.

Ein neuer Schmugglertrick. In Lindau wurden beim Loskoppeln zweier direkter Schweizerwagen unter den Durchgangsklappen festgeklemmte Saccharinpakete entdeckt.

Erkrankung an Trichinose. Die Nachteile der Laien- fleischbeschau haben sich in Lorenzen bei Regensburg wieder einmal in abschreckender Weise gezeigt. Dort sind 6, Per­sonen einer Bauernfamilie derart schwer an Trichinose er­krankt, daß einige davon verloren erscheinen. Ein Knecht ist bereits gestorben.

Tod vurch Karbolsäure. Während eines Wohnungs­umzuges in Siegburg (Rheinland) ergriff ein milhelfender Arbeiter eine auf dem Schranke stehende Flasche in dem Glauben, daß sie Branntwein enthalte. Die Flasche war jedoch mit Karbolsäure gefüllt. Der Mann wurde durch den Trank derart schwer verietzt, daß er alsbald im Kranken­hause starb.

Schrecklicher Tod. In Recklinghausen i. W. stürzte der Bergmann Hüttner auf einer Radtour mit seinem Rade, wobei sich ihm die Lenkstange in den Leib bohrte. Die furchtbare Verletzung führte schon nach kurzer Zeit den Tod herbei.

Sie will keine Böhmin mehr sein. In einem an der böhmischen Grenze gelegenen niederbayrischen Ort hat eine nach Böhmen zuständige Dienstmagd einen alten, schon 72mal vorbestraften Mann geheiratet, weil sie keine Böhmin mehr sein will.

Mord und Selbstmord. Der Portier Strauch zu Schweidnitz ermordete seine Frau und nahm sich dann selbst durch Erhängen das Leben.

Opfer der Orkane.

Newhork, 1. Mai. Der Gesamtverlust an Menschen­leben durch die neuesten Orkane im Mississippitale und in den Mittelstaaten wird auf mehrere Hundert angegeben, der der Verlust an Eigentum auf 5 Millionen Dollars. Der 60 Fuß hohe Wall deS Gefängnistes von Michigan City in Jndiania wurde durch den Sturm zerstört. Triippen wur­den requiriert, um ein Entkommen der Sträflinge zu ver­hindern.

Postrâuber.

Rew-Nork, 1. Mai. Räuber koppelten die Lokomotive und den Postwagen eines Northern-Pacific-Zuges ab, fuhren damit fort und raubten die Postsäcke.

Drahtnachrichten

Haast, 2. Mai. Nach einem heute vormittag ausge­gebenen Bulletin befinden sich die Königin und die Prinzessin wohl.

Dienstenthebung.

Paris, 2. Mai. Minister Barthou verfügte, daß acht Telegraphenbeamte vom Zentralbureau, die beleidigende Aeußerungen gegen den Ünterstaatssekretär Simyan taten, vom Dienst zu suspendieren seien. Ferner wurden auf An­ordnung des Ministers 30 Telegraphenarbeiter wegen Nicht­erscheinens zum Dienst suspendiert.

Die Maifeier.

Buenos Aires, 2. Mai. Gestern kam es hier an­läßlich der Maifeier zu zahlreichen Kundgebungen. Eine Anzahl Anarchisten feuerten Revolver ab und verwundeten fünf Polizeibeamte. Diese erwiderten das Feuer, töteten 12 und verwundeten etwa 100 Personen.

Automobilunglück.

München, 3. Mai. Ein schweres Automobilunalück ereignete sich gestern abend gegen 10 Uhr auf der Forsten- rieder Straße. Ein von Garmisch kommendes mit 5 Perso­nen besetztes Automobil fuhr gegen einen Baum und wurde total zertrümmert. Der 47jährige Fuhrmann Georg Mayer erlitt einen Schädelbrüch und war sofort tot, fein Bruder Michael erlitt gleichfalls einen Schädelbruch. Die übrigen Insassen erhielten bei dem Unfall schwere innere Verletzungen.

Schneefall und Frost.

Paris, 3. Mai. Aus Ost- und Mittelfrankreich wird Schneefall und starker Frost gemeldet. Der an den Bluten angerichtete Schaden ist sehr bedeutend.

Opfer der Stürme.

Atlanta, Georgia, 2. Mai. Die Zahl der infolge d er Stürme in den drei letzten Tagen ums Leben gekommenen wird auf 200, die der Verwundeten auf 400 geschätzt; der Sachschaden dürfte mehrere Millionen betragen. Das Ge­schäftsleben liegt vollständig darnieder.

©einseitige Freundschaftsbezeugungeu.

London, 2. Mai. Gestern abend veranstaltete die inter­nationale Schiedsgerichtsliga zu Ehren der zur Zeit in Eng­

land weilenden deutschen Arbeiterführer ein Diner. ßorb Weardvte führst in seiner Begrüßungsrede auS: Die große Masse der Bevölkerung Englands halte an der Meinung fest, daß zwischen Deutschland und England kein Grund zum Streite bestände und wünsche mit Deutschland in Freund­schaft zu leben. Arbeitsminisstr Burns trank auf die englisch­deutsche Freundschaft und griff die chauvinistische Presse scharf an, die den deutsch-englischen KriegSgedanken provo­ziert habe. Wenn alles Geld, das von den europäischen Nationen für Kriegszwecke verschwendet werde für das Volks- wohl verwandt würde, wäre bald der letzte Argwohn zwischen den Nationen verschwunden. (Stürm. Beifall.) Burns schloß, daß der ernste, aufrichtige Friedensappell der deutschen Arbeiter vom englischen Volke ausrichtig erwidert werde. Man werde nicht erleben, daß Frankreich, Deutschland, Ruß­land oder England einen verderblichen Streit anfangen würden, der ihnen die Erfüllung ihrer höchsten Bestim­mungen erschweren würden. Wenn die Nationen mit- éinanber rivalisieren wollten, dann sollten sie einen Wett­eifer in der Veredelung des Lebens und in der Bekämpfung der Armut zeigen. Ein Wettkampf um edle Ziele, ein Streit um hohe Gedanken hab« größeren Wert als das Be­mühen, alle Ideale zu stürzen, die das Leben in sich schließt.

Eingestellte Wettfahrt.

Berlin, 3. Mai. Sämtliche Ballons des Berliner Ver­eins für Luftschiffahrt, die am Samstag abend in Schmargen­dorf aufgestiegen waren zwecks einer Wettfahrt, mußten in­folge eines heftigen Schneesturmes schon nach zwei- bis dret- stü'ndiger Fahrt niedergehen.

Raubmord.

Berlin, 3. Mai. In Spreenhagen bei Fürstenwalde wurde am Donnerstag vor 8 Tagen der Militärinvalide Wagner mit zerschmettertem Schädel aufgefunden. Ursprüng­lich glaubte man, daß Wagner verunglückt sei. Jetzt wurde festgestellt, daß im Nachlaß deS Invaliden mehrere Spar­kassenbücher fehlen, die wenige Tage nach der Tat von dem Maschinisten Matuschke um billiges Geld zum Kaufe ange­boten wurden. Die Polizei nimmt an, daß der jetzt flüchtige Matuschke den Wagner erschlagen und beraubt hat.

Castro klagt.

Paris, 3. Mai. Castro klagt gegen die französische Re­gierung auf Ersatz der Krankheitskosten, die ihm durch tye Verschlimmerung seines Zustandes infolge seiner unfreiwilligen Abreise von Martinique verursacht wurden.

Verstorben.

Friedrichshafen, 3. Mai. Der frühere württembergische Ministerpräsident Freiherr v. Mittnacht ist gestern nachmittag gestorben.

Erdbeben.

Reggio di Calabria, 2. Mai. Heute mittag wurde hier ein heftiges, von unterirdischem dumpfen Getöse be­gleitetes Erdbeben verspürt. Im Laufe des Nachmittags er­folgten noch mehrere weniger heftige Stöße.

Im Schneesturm.

Wien, 2. Mai. Zwei Studierende der Exportakademie Wilhelm Skopcynski und Ferdinand Petsch wurden auf einer vorgestern unternommen Besteigung des SchneebergeS von einem Schneesturm überrascht. Skopcynski starb vor den Augen seines Freundes, der am Tage darauf gänzlich er­mattet aufgefunden wurde.

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