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viertchährlich 1,80 Mk^ mauMch 60 Pfg., für 61» »artig« Abonnenten mit dem betrefseuden Pastausschlag, Die einzelne Nummer k«st«t 10 Psg.

General-Anzeiger

|Wali»nlbtM<t und Verlag der Buchdruck«« bei vcctitb

Amtliches Grgau fit Stadt- md Faadkreis Zanas.

Oie sL«/ gespalten« Petitzeil« »der der«, Statt* M, M Reklameuteil die Zeü, SS Psg,

e». Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn* und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verantmorü. Redakteur: «. Schrick«« * Ha««.

Nr. 99 F-rnsprechanschlittz Nr. 605.

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Amtliches.

Eandhms Ranau.

Des Königs Masest-ät haben dem ZentralverbanLe der Gemeindebeamten Preußens zu Berlin die Genehmigung zur Veranstaltung einer Geldlotterie mit einem Spielkapital von 25000 Mark zu Gunsten seiner mildtätigen Einrichtungen für das Jahr 1909 unter der Bedingung zu erteilen geruht, daß der Vertrieb der Lose auf die Mitglieder des Verbandes beschränkt bleibt.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, dem Umtriebe der Lose bei Mitgliedern des Verbandes keine Hindernisse zu bereiten.

Hanan den 28. April 1909.

Der Königliche Landrat.

V 2458 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Witive des Kaufmanns Wilhelm Schlingloff, Mar­garete geb. Brochhausen, verwitwet gewesene Willer- mann in Hanau, Inhaberin der Firma Wilhelm Schling- loff in Hanau wird Termin zur Abnahme der Schluß­rechnung, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schluß- verzeichnis, zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke und zur Anhörung der Gläubiger über die dem Verwalter zu gewährende Vergütung anberaumt auf den 21. Mai 1909, vormittags 11 Uhr.

Hanau den 24. April 1909.

__Königliches Amtsgericht 5. 11359

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Fabrikanten Friedrich Schwab in Großauheim, Inhabers der Firma Parkettfabrik Großauheim Friedrich Schwab in Großauheim ist zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen Termin auf

den 14. Mai 1909, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht 5 in Hanau Markt­platz Nr. 18 Zimmer Nr. 5 anberaumt.

Hanau den 15. April 1909. 11361

Der Gerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts 5.

Politische Rundschau.

Der Kaiser nahm gestern auf Achilleion den Vortrag des Vertreters des Staatssekretärs des auswärtigen Amtes

Feuilleton.

Die Gabe des Gastes.

Von G. Weffe«b-rg.

(Nachdruck verboten.)

Der leichte Südwind trug den verhallenden Klang der Kirchenglocken zu denen, die andächtig gewesen waren. Der Gottesdienst war zu Ende. Vor den Türen der kleinen Tagelöhnerhäuser standen sie in größeren und kleineren Gruppen beisammen und berieten über irgend etwas mit großem Eifer. Das Kleid der Wolken schimmerte in stahl­hartem Blau. Von den Wiesen her schwebte ein starker Duft von Klee und trockenem Gras. Und sie nickten ein­ander zu, trugen die Gesangbücher ins Haus legten den langschößigen Sonntagsrock ab und wanderten zum Gutshof hinüber. Auf der Treppe des Herrenhauses stand der Ritter­gutsbesitzer Fiebrecht und starrte gen Himmel. Er ließ sich durch die Klarheit da oben nicht täuschen. Vielleicht morgen schon würde es von neuem gießen. Der Landregen, der volle sechs Tage über das köstliche Heu floß, würde wiederum einsetzen. Ja, wenn heute ein Arbeitstag gewesen wäre. Aber der alte Fiebrecht wagte nicht recht, die Leute um ein Zugreifen anzugehen. Wer weiß, ob dieNeuen" sich dem nicht widersetzt hätten. Er hob erstaunt den Blick, als er in demselben Augenblick acht seiner Tagelöhner daher­kommen sah.

Herr," sagte der eine mit lustigem Augenzwinkern,wir wollten Sie um was bitten." Das Gesicht des Gutsherrn verfinsterte sich.Wir wollten heute ins Heu. Sehen Sie, es wäre doch jammerschad, wenn das alles flöten ging, und viel gehört wohl nicht mehr dazu."

Da zog heller Sonnenschein in das vergrämte Gesicht Fiebrechts. Er nickte ihnen fast dankbar zu.Das ist brav von Euch, und unser Herrgott kann nach solchen Leidenstagen auch nichts dagegen haben."

Donnerstag den 29. April

entgegen. Der Kaiser hat eine Reihe von Ordensauszeich­nungen verliehen, darunter den Königlichen Kronenorden zweiter Klasse dem Minister des Arußern Baltazzi und dem Minister des Innern Levidis. Den Roten Adler - Orden zweiter Klaffe dem Stallmeister v. Czernowitz, den beiden Flügeladjutanten des Königs Zimbrakaki und Messalos, dem Platzkommandanten von Korfu Oberst Hatzepolus, sowie den Kapitänen zur See Damianos und Guinnis. Den Sterr zum Königlichen Kronen-Orden zweiter Klaffe dem stellver­tretenden Souschef Pallis, den Königlichen Kronen-Orden zweiter Klasse mit Stern dem Geschwaderchef Miaulis; den Königlichen Kronen-Orden zweiter Klasse dem Generalkonsul Kaklamanos, dem Oberstleutnant Droso und dem Flottillen- Chef Giotopulos.

Ju bezug auf die Besteuerung der Ueber- stuuden hat der preußische Finanzminister auf eine An­frage der Steuerbehörde in Hagen i. W. geantwortet, daß die Grundsätze, die für die Nichtbestenerung des Einkommens aus Ueberstunden bei den Zollbeamten maßgebend seien, auf die Lohnarbeiter nicht angewendet werden dürfen. Die Be­steuerung des Lohnes an Ueberstunden müsse bei den Ar­beitern aufrechterhalten bleiben. Gegen Arbeitgeber, die die Angabe des Ueberstundeneinkommens verweigerten, werde mit der größten Schärfe vorgegangen. In einem Falle sei bereits eine Ahndung mit 3000 M. Geldstrafe erfolgt.

Die Wirren in Persten. Aus Dschulfa wird ge­meldet : Am 26. nnd 27. April betraten die Hauptkräfte des Generals Snarski das persische Gebiet. Am 26. April wurde eine Kosakenpatrouille im Engpaß von Daradie, 23 Werst von Dschulfa, von persischen Truppen beschossen, wo­bei diese kategorisch kriegerische Absichten in Abrede stellten und erklärten, sie würden die Kosaken nicht in den Engpaß lassen. Die Kosaken trafen abenbâ im Lager, 20 Werst von Dschulfa, wieder ein. Einen Kosaken, den die Perser beim Engpaß gefangen nahmen,'ließen sie wieder frei und sandten ihn in das Lager mit der brieflichen Meldung zurück, sie' hätten irrtümlich auf die Kosaken gefeuert, die sie für ver­kleidete Revolutionäre gehalten hätten.

Die Umwälzung in Ver Türket.

Konstantinopel, 28. April. Sultan Mehmed V. beauf­tragte Tewfik Pascha mit der Bildung des neuen Mini­steriums.

Konstantinopel, 28. April. Ueber die Wegführung Abdul Hamids verlauten folgende Einzelheiten; Abdul Hamid protestierte anfänglich energisch gegen seine Wegführung, fügte sich jedoch schließlich dem unabwendbaren Beschluß. Er wurde sehr niedergeschlagen mit kleinem Gefolge unter strengster Ueberwachung wie ein Gefangener fortgeführt.

Konstantinopel, 28. April. Hier läuft das Gerücht, der frühere Großwesir Kiamil Pascha sei verhaftet worden.

Paris, 28. April. Der Minister des Aenßern begab sich heute nachmittag auf die otiomanische Botschaft, um den

Um 1 Uhr spannten die Knechte an. Forken und Harken wurden herausgesucht. Jung und alt ging zur Arbeit. Auch die Hausmädchen hatten sich erboten, mitzutun. Da blieb nun nichts anderes übrig, als daß Ilse Fiebrecht mit Hilfe eines großen Ziehwagens in höchsteigener Person den gesamten Leuten das Vesperbrot aufs Feld hinausschaffte. Sie tat es auch gern. Ueber die Arbeit vergaß sie das Grübeln, das die Augustsönne des verflossenen Jahres in ihr junges Herz getragen hatte. Seither war sie nicht mehr, von Herzen froh gewesen. Was half ihr die Liebe des jungen, treuen Offiziers, der ihr zum Abschied Treue gelobte. Gewiß, sie war wie ein süßer Duft über ihrem Leben. Aber der ewig graue Regen, der seit Monaten auf ihr Hoffen niederströmte, würde ihn zuletzt auch vertreiben. Sein Vater war ein wunder­licher Herr. Er besaß die Nüchternheit eines schwerreichen Kaufherrn und einen Widerwillen gegen alles, was sich Agrarier nannte. Das hatte er Ilse Fiebrecht in dem einzigen Schreiben, dessen er sie für würdig achtete, geschrieben. Wenn Sie meinen Jungen wirklich so lieben, wie er sich das einbildet, nun, dann kommt es Ihnen ja wohl auf ein paar Jahre der Prüfung nicht an."

Aber das wurde ihr doch schwerer, als sie es jemals gedacht hatte. Leutnant Fritz Tolsken hatte seinem Vater das Ehrenwort geben müssen, ihr nicht früher zu schreiben, als bis jener es ihm erlauben würde. Was tut junge, heiße Liebe nicht? Leutnant Tolsken mar damals zu allem fähig gewesen. Er hatte sein Wort verweigert. Da griff Ilse ein.Nicht ohne des Vaters Segen" mahnte sie ihn,ich fürchte mich nicht vor den Zeiten des Schwei­gens." Da erst hatte er dein trotzigen, alten Mann nack­gegeben. Die Luft kühlte ihre heißen Wangen heute nicht. AIs sie endlich bei den Leuten mit ihrem Wägelchen ankam, flogen ihre Pulse. Sie mochte nicht mitessen, wie sie das früher getan hatte. Ach ja, früher. Da hockte sie neben dem Vater auf ein paar umgelegten Garben 'ober einem festge­fügten Heuhaufen und nahm freudig aus seiner Hand, was er ihr abgab. Heute lief sie zwischen den Essenden hin und her, füllte die schnellgeleerten Töpfe von neuem und teilte an die Halbwüchsigen, die tapfer nachharkten, immer neues Brot aus. Dann machte sie sich still auf den Heimweg.

Fernsprechanfchltttz Nr. 605. 1909

türkischen Botschafter zur Thronbesteigung Sultan Mehmeds V. zu beglückwünschen. Die französische Regierung hat der tür­kischen Regierung ihre Glückwünsche zum Thronwechsel tele­graphisch übermittelt.

Konstantinopel, 28. April. Der heutige Tag ist ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Stadt ist reich __ beflaggt. Am Abend waren die Botschaften und die öffentlichen Ge­bäude, sowie viele Privathäuser und die im Hafen liegenden Schiffe illuminiert. Trotz des Belagerungszustandes waren große Menschenmengen in den Straßen. Die Ordnung wurde nirgends gestört. Das Freudenschießen hat aufgehört. Ackmed Riza äußerte den Wunsch, Kammerpräsident zu bleiben. Der Sultan wird sich am Samstag in das Parla­ment begeben.

Konstantinopel, 28. April. Nachdem hier die Ruh« gesichert zu sein scheint, wurden die Wachen bei den diplo­matischen Missionen bis auf je einen Militärschüler, einen Gendarmen und einen Polizeibeamten zurückgezogen.

Saloniki, 28. April. Aus Dibra, wo vor einigen Tagen reaktionäre Umtriebe vorgekommen sind, trafen heute be­ruhigende Nachrichten ein. Auf die Nachricht von dem Thronwechsel haben sich die Einwohner von Dibra ent­schlossen, sich dem konstitutionellen Regime zu fügen. Hier eingetroffenen Meldungen zufolge tauchen bei Santi Quaranta Räuberbanden auf, die einen Angriff auf die Stadt planen. Militärische Vorkehrungen sind getroffen.

Parlamentarisches.

mb. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses erledigte am Dienstag abend den Rest des Kultusetats. Zu­nächst wurde eine Summe von 100000 Mk. behufs Be­schickung der im folgenden Jahre stattfindenden Ausstellung in Brüssel genehmigt, nachdem der Regierungsvertreter aus Anfrage sich eingehend darüber geäußert hatten, in welcher Weise die. Schulausstellung geplant sei. Sodann wurde in die Beratung der Titel über das höhere Mädcbenschulwesen eingetreten. Auf Vorschlag des Vorsitzenden einigte sich di« Kommission dahin, die Fragen von der Besprechung auszu­schließen, welche bereits in der Unterrichtskommission erledigt seien und über die schriftlich« Bericht« dieser Kommission vorliegen. Der Berichterstatter richtete an die Regierung die Anfrage, in welcher Weise die für Unterstützungszwecke eingestellten 329100 Mk. verwendet werden würden, was aus den bisherigen Mädchenschulen werden sollte, die nicht die neue Form der zehnk'assigen annehmen, und ob nicht durch die Teilung der Ressorts Provinzialschulkollegien und Regierung Schwierigkeiten entstehen würden. AuS der Mitte der Kommission wurde betont, daß die neue Ordnung, insbesondere die Errichtung neuer Studieranstalten, die Ge­fahr nahebringe, daß ein weibliches wissenschaftliches Prole­tariat entsteht. Es würde daher falsch sein, auf die Er­richtung von Studienanstalten besonders hinzuwirken. Gegen die geplanten Frauenschulen würden zweifellos in den nächsten Jahren größere Angriff« gerichtet werden. Das sei unvermeidlich. Er bandle sich um eine

---Schon sah sie das Gasthaus durch die silber- grauen Weiden schimmern, als sie einen Herrn mit kläg­lichem Gesicht am Grabenrand hocken sah. Augenschein­lich litt er Schmerzen. Sie ließ also ihr Wägelchen aus her Hand und ging freundlich auf ihn zu.

Kann ich Ihnen helfen? Sind Sie gefallen?"

Er sah sie an und erwiderte kurz, fast unfreundlich: Was sind das hier nur für Wege. Schauderhaft, feine Ordnung in der Geschichte."

Sie wurde rot und eifrig.Mein Vater ist sehr ordent­lich," sagte sie hastig.Hier aber kam der liebe Gott und ließ es regnen. Es mangelt Ihnen nur daS Verständnis der Beurteilung. Sonst müßten Sie sehen, daß schwer« Un­wetter die Wege zerrissen haben. In der jetzigen Arbeits- zeit läßt sich das eben nicht im Handumdrehen Herstellen *

Er wurde sichtlich zugänglicher.

Ist mir gleichgültig, wie das entstanden ist. Genug, ich bin hingeschlagen und habe mir den Fuß so ruiniert, daß ich nicht auftreten kann. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie mir ein paar handfeste Männer besorgten, die mich zum Bahnhof zurückschleppen."

Das ist leider unmöglich. Jung und alt arbeitet Hsut­im Heu. Ich wüßte nur einen Ausweg."

Nun, welchen denn?"

Daß Sie sich auf meinen Wagen setzen. Aber ich fahre Sie nicht zürn Bahnhof, sondern nach Haus. Sehen Sie, dort schimmert es. Da werde ich mich erst überzeugen, ob es gefährlich mit dem Verrenken geworden ist". Er wider­setzte sich anfangs, aber sie buibete keinen Widerspruch.

Sie werden einsehen, daß Sie hier nicht ewig sitzen können", sagte sie schelmisch. Da gab er ihr nach.

---E? wurde eine seltsame Fahrt. Der Fremd« saß auf dem Wägelchen, und Ilse Fiebrecht zog tapfer und unermüdlich, bis sie glücklich vor der Rampe ihres Daheims hielt. Das Herunterschaffen war schon schwieriger. Erst mit Hilfe deS alten Invaliden, der heute das gesamte Vieh ver­sah, gelang es. Sie waren alle froh, als der Stöhnend« auf einem bequemen Sofa nn lergebracht war. Jlse Fiebrich! zog ihn: Schuh und Strumpf herunter und machte sich an die Untersuchung.