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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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vsantwsrü. Redakteur: ®. Sch,«Ser tat Hanan

Nr. 97

F-rnsprechanschltttz Nr. 605,

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Dienstag den 27. April

Fernsprechanschlutz Nr. 605

1909

Amtliches.

Eandkrds Ranau.

Unter den Schweinen zu Ravolzhausen ist die Schweine­seuche festgestellt.

Hanau den 26. April 1909.

Der Königliche Landrat.

^ 2424 ,J. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Bekanntmachung.

Die Königliche Kreiskasse bleibt wegen der Ab- schlußarbeiteu für das Rechnungsjahr 1908 von Mittwoch den 28. bis einschl. Freitag den 30. April er geschlossen.

Hanau den 26. April 1909.

Königliche Kreiskasse. 11195

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Politische Rundschau.

Der deutsche Kronprinz ist gestern abend 10 Uhr vom Nordbahnhof in Wien nach Berlin abgereist. In den Straßen zum Bahnhof, namentlich in der Praterstraße und auf dem Praierstern hatte sich ungeachtet der späten Stunde tin sehr zahlreiches Publikum versammelt, das dem Kron­prinzen begeisterte Ovationen darbrachte. Am Bahnhöfe hatten sich zum Abschiede eingefunden der Botschafter v. Tschirschky Bögendorff mit den Herren der Botschaft sowie der Ehren­dienst. Der Kronprinz verabschiedete sich herzlich von den erschienenen Herren und wechselte dann mit dem Erzherzog herzliche Abschiedsivorte. Vom Fenster des Waggons winkte der Kronprinz bis zur Abfahrt dem Erzherzog noch wieder­holt. zu.

3ttr Reichsfinanzreform. sDieNorddeutsche Allg. Ztg." schreibt:In derKonservativen Korrespondenz" finden sich Beschwerden darüber, daß die Bewegung für die Reichsfinanzreform bedenkliche Formen angenommen habe und daß der konservativen Partei in Preßorganen und Ver­sammlungen egoistische und persönliche Motive in Bezug auf ihre .Haltung gegenüber der Nachlaß- und Erbanfallssteuer unterstellt worden seien. Die Korrespondenz legt Ver- wahrung gegen eine derartige Agitation ein und deutet an, daß sie sich unter Duldung und Förderung von Organen der Regierung vollzieht." Hierzu bemerkt dieNordd. Allg. Ztg.":Wenn sich zu Gunsten der Finanzvorschläge der verbündeten Regierungen im Lande während der letzten Monate eine wachsende Bewegung geltend gemacht hat, so kann dies als ein erfreuliches Zeichen für die steigende Teil­nahme an dem Werke der Finanzreform nur begrüßt werden. Die Regierung nimmt das Recht für sich in Anspruch, in der öffentlichen Meinung ihre Vortagen zu vertreten und die konservative Bevölkerung ebenso wie die liberale in ihrem Sinne aufzuklären. Die Ausübung dieses Rechtes hat übrigens bisher auch konservativen Anschauungen ent­sprochen; so wenig also die Reichsregierung Ursache hat, die in den erwähnten Kundgebungen sich zeigenden patriotischen Absichten abzulehnen, so wenig ist es gerechtfertigt, sie für jeden Zeitungsartikel und jede Versammlungsrede verant­wortlich zu machen. Dabei muß anerkannt werden, daß die Bewegung sich im wesentlichen in einwandfreien Bahnen hält. Insbesondere gilt dies für die vom Reichskanzler empfangenen Abordnungen; wir nehmen daher nicht an, daß sich die Beschwerden derKonservativen Korrespondenz" gegen diese Kundgebung richten. Sollte sie Aeußerungen im Auge haben, die auf dem Beamtentage gefallen sind, so möchten wir betonen, daß diese Versammlung der Reichs­regierung durchaus unerwünscht gewesen ist und daß vor ihrem Besuch ausdrücklich gewarnt worden ist. Ueber die Vorgänge auf diesem Tage sind Feststellungen angeordnet worden, von deren Ergebnis es abhängen wird, ob ein An­iaß zu disziplinarischem Vorgehen geboten ist."

Die Schiffahrtsabgaben. Die Arbeit* ausschüffe oer Rhein-, sowie der Elbe- und Weserschiffahrtsinteressenten haben dem Reichstage folgende Erklärung zur Berücksichtigung unterbreitet:Am 9. Februar 1904 hat zum erstenmal ein preußischer Minister eine Erklärung abgegeben, die auf die Absicht der preußischen Regierung, Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen einzuführen, schließen ließ. Am 15. März 1900 ist dem Bundesrat ein Gesetzentwurf vor­gelegt worden, der die rechtliche Unterlage für diese Maß­nahme darbieten soll. Dieser Gesetzentwurf, zu dessen Vor- legung sich demnach die preußische Regierung mehr al^ fünf Jahre Zeit genommen hat, soll nunmehr, Zeitungsnachrichten Zufolge, im Bundesrat und Reichstag beschleunigt erledig werden. Gegen diese Absicht legen die Arbeitsausschüsse der Rhein-, Weser- und Elbe-Interessenten (Handelskammern,

Städte, wirtschaftliche Vereine) um so schärferen Wider­spruch ein, als der Gesetzentwurf selbst bei denen, die in gewissem Umfange Freunde der Abgaben sind, infolge seiner dehnbaren und unklaren Fassung große Bedenken erregt und ohne gleichzeitige Bekanntgabe der seither vorenthaltenen, wirtschaftlichen und finanziellen Unterlagen für die Abgaben­erhebung und die Bildung von Zweckverbänden in seiner Tragweite garnicht beurteilt werden kann. Soweit die Sachlage ein Urteil erlaubt, muß außerdem vermutet werden, daß den Schiffahrts-Interessenten ein genügender Einfluß auf die Verwaltung der Stromkassen, die vorzunehmenden Stromverbesserungen und die Höhe der Schiffahrtsabgaben nicht eingeräumt werden wird. Die Arbeitsausschüsse richten an den hohen Reichstag das dringende Ersuchen, eine über­stürzte Behandlung unter keinen Umständen zuzulassen und dafür zu sorgen, daß das gesamte Material über Organisation der Verbände, Tarifbildung, Höhe der Abgaben, Begrenzung der Aufgaben, Mitwirkung der Beteiligten usw., ehestens be­kannt gegeben werde." Gleichzeitig verlautet, daß bei den thüringischen Regierungen aus wirtschaftlichen, wie aus staatspolitischen Gründen keine Geneigtheit besteht, im Bundes­rat für die Schiffahrtsabgaben zu stimmen.

Oesterreichisches Abgeordnetenhaus. Die Galerien sind dicht gefüllt, die Abgeordneten nahezu vollzählig ver­sammelt. Ministerpräsident Dr. Wekerle, Minister Kossuth und Graf Apponyi werden beim Erscheinen mit großen Ovationen begrüßt. Unter großer Spannung ergriff Dr. Wekerle das Wort und teilte die Demission des Kabinetts mit, weil die Verhandlungen mit der österreichischen Regierung ergebnislosfgewesen seien und die Mitglieder des Kabinetts be­züglich der weiteren Schritte in der Bankfrage zu keinem Einverständnis gelangen konnten. Der Ministerpräsident ersuchte das Haus, sich bis zur Klärung her. Lage ju ver­tagen. Hoitsy von der Kossuthpartei erklärte hierauf, daß die Kussuthpartei nicht durch Starrsinn die Lösung der Krise verhindern wolle, aber ihre Nachgiebigkeit habe gewisse Grenzen, über die hinaus sie nicht gehen werde. Der Handelsminister Kossuth erklärte weiter, daß der Rücktritt des Kabinetts herbeigeführt worden sei, weil die Solidarität der Mitglieder in der Bankfrage aufgehört habe. (Zwischen­ruf: Die Koalition hat aufgehört l) Redner verwahrte sich dagegen, daß die Kossuthpartei mürbe werde. Die Partei und ihre Führer seien vor dem Lande und vor der Krone für ihre Ueberzeugung mannhaft eingetreten.

Die Verstaatlichung der Gotthardbahn. Die Norddeutsche Allg. Ztg." schreibt: Am 20. April sind in Bern die Verhandlungen zum Abschluß gelangt, die zwischen dem Deutschen Reich und Italien einerseits und der Schweiz andererseits aus Anlaß der am 1. Mai erfolgenden Ver­staatlichung der Gotthardbahn und zum Zwecke der hierdurch notwendig gewordenen Revision der bisher gültigen Ab­machungen zwischen den drei Staaten geführt worden find. Ueber den wesentlichen Inhalt der getroffenen Vereinbarungen teilt dieNordd. Allg. Ztg." mit, daß die Schweiz sich bereit erklärte, die Beamten und Arbeiter deutscher und italienischer Staatsangehörigkeit, die jetzt in den Diensten der Gotthard­bahn stehen, in den Dienst der Bundesbahnen zu über­nehmen, ohne ihnen die Erwerbung der schweizerischen Staats­angehörigkeit aufzuerlegen. Endlich verpflichtet sich die Schweiz, im Falle der Elektrisierung der Gotthardbahn die Materiallieferungen auf dem Wege der öffentlichen Aus­schreibung zu vergeben und damit die ausländische Industrie zum Wettbewerbe zuzulassen. Bei den übrigen Material­lieferungen für die Gotthardbahn soll die bisher bereits bei den schweizerischen Bundesbahnen beobachtete Praxis befolgt werden, nach welcher im Submissionsverfahren Aufträge für Lieferungen auch an ausländische Unternehmer vergeben werden können. Der neue Vertrag enthält auch eine Schiedsabrede für den Fall, daß sich über die Auslegung oder Anwendung einzelner Bestimmungen des Vertrages Meinungsverschieden­heiten ergeben. Er soll vom I.Mai 1910 an in Wirksam­keit treten mit der Maßgabe, daß die Bestimmungen rück­wirkende Kraft vom 1. Mai d. J. an haben.

Englisches Unterhaus. In Erwiderung von An­fragen über den Einspruch Englands bei der chinesischen Re­gierung wegen der Kanton-Hankau-Bahn-Anleihe sagte der Parlamentsunterstaatssekretär der auswärtigen Angelegen­heiten, Mc. Kinnonwood, die Antwort der chinesischen Re­gierung sei am 14. d. Mts. eingegangen. In dieser ver­teidigte die Regierung im allgemeinen ihre'Haltung, berührte aber garnicht die Behauptung der englischen Regierung, daß der Abschluß der Anleihe unter Bedingungen, welche keine Garantien für die angemessene Verwendung der Gelder boten, dem Sinne nach ein Bruch des Abkommens von 1905 be­deute. Die chinesische Regierung sei hierauf hingewiesen worden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung stellte Rees an

den Lord der ersten Admiralität die Anfrage, ob irgend eine Mitteilung zu erwarten sei über die Absicht Oesterreich-Un­garns, seine Flotte um vier oder mehr Dreadnoughts zu vermehren. Mc. Kenna antwortete bejahend. Die Gesetzes­vorlage zur Einführung von Reformen in Indien wurde vom Hause in dritter Lesung angenommen. Bezüglich des gegen den Willen der Regierung durchgebrachten Antrages aus Streichung eines Zusatzes wird mit dem Oberhause ein Kom­promiß herbeigeführt werden.

Tarifentwurf. Aus Washington wird gemeldet: Senator Overmann brachte ein Amendement zum Tarifent­wurf ein, der eine Kopfsteuer von zwölf Dollars für den Einwanderer vorsieht.

Der Prästvent von Venezuela übertrug die Prä- fidenlschaft zeitweilig dem Vizepräsidenten Delutini und trat eine Erholungsreise an.

Zur Lage in Persien. In Bageschah finden täg. lich Ministerberatungen statt, in welchen die Einzelheiten der Konstitution erörtert werden. Die Progressivpartei gewinnt sichtlich an Erfolg. Es 'widersetzen sich bloß die Anhänger des Scheiks Falullah, welche gegenwärtig an Einfluß ver­lieren.

Die Vorgänge in Marokko. Nach einer Meldung aus Fez lagerte am 22. d. Mts. eine starke Mahalla der Beni Mters drei Wegstunden von der Stadt entfernt. Der sich allgemeiner Beliebtheit erfreuende Scherff Mulep Abd Eslam El Omrani hat sich zu der Mahalla begeben, uw die Beni Mters mit dem Maghzen auszusöhnen.

General Chiabrera. Einer der letzten Veteranen der italienischen Freiheitskämpfer ist am 21. d. M. in, dem piemontesischen Städtchen Acqui gestorben. Der 95jährige General Graf Emanuel Chiabrera-Castelli. 1814 geboren, war er nach Vollendung seiner Studien an der Turiner Militärakademie in eines der von Lamarmora neu errichteten Bersaglieri-Bataillone eingetreten und machte als Offizier alle Feldzüge von 1846 an mit. Im Krimkrieg 1853 wurde er zum Major befördert und zeichnete sich 1859 als Führer eines Bersaglieri-Bataillons bei Palestro aus. Verschiedene Tapferkeitsmedaillen und die Großkreuze aller italienischen Orden wurden ihm für seine Haltung im Felde zuteil, doch auch im Frieden hatte er Gelegenheit sich hervorzutun, und seine rührende Hilfstâtigkeit während der Choleraepidemie zu Ancona wurde von Viktor Emanuel II. mit der Verleihung des Grafentitels belohnt. Seit geraumer Zeit lebte der rüstige Greis nach Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze im Ruhestand; König Humbert, der immer für seine Kriegs­kameraden eine dankbare Verehrung bewahrte, hatte ihn zu seinem Ehrenadjutanten ernannt.

Dom französischen Offizierskorps.

Paris, 26. April. Jaurss teilt in derHumanits- mil, daß der Hauptmann Gerard, der wegen seiner sozialistischen Gesinnung in Beauvais vom Hauptmann Ange tätlich an­gegriffen wurde, die in derHumanits" erschienene Arttkel über eine demokrattsche Umgestaltung der Armee angeregt habe. Jaurès erklärt, er müsse entrüstet Einspruch gegen die Anfeindungen erheben, denen die sozialistisch gesinnten Offiziere in der Armee ausgesetzt seien.

Die Umwälzung in der Türkei.

Konstantinopel, 26. April. Heut« vormittag 10 Uhr brach in der Taximer Kaserne, welche vorgestern Widerstand leistete, eine Feuersbrunst aus. Die Truppenbewegungen in der Stadt und Umgebung dauern fort. Die Stadt hat bei­nahe wieder ihr gewöhnliches Aussehen. Die Geschäfte sind wieder geöffnet und alle Verkehrswege wieder hergestellt. Ueberall herrscht große Bewegung. Die zur Pforte führende Straße ist vom Publikum überfüllt. Gestern ist ein Militär­zug aus Dedeagatsch eingetroffen, zwei weitere folgen heute. Es sind nur wenige türkische Blätter erschienen.

Konstantinopel, 26. April, 3 Uhr nachm. Die Lage ist gegenwärtig gekennzeichnet durch die Bestrafung der am Militärausstand Schulvigen. Es sind mehrere Kriegsgerichte mit der Untersuchung befaßt. Füsilierungen sollen zahlreich sein. Unter den Füsilierten befinden sich auch viele Hodschas, doch ist die Zahl von mehreren Hundert übertrieben. Auch einige Zivilisten werden standrechtlich abgeurteilt. Einer strengen Bestrafung geht insbesondere da§ vierte Bataillon der Saloniker Jäger entgegen, dessen Mannschaften trupp­weise gebunden unter scharfer Bewachung abgeführt werden. Auch die Situation des Sultans ist nach wie vor unter diesem Gesichtspunkte zu betrachten. General Schewket Pascha erklärt allen diesbezüglichen Fragen gegenüber, die Aufgabe der Armee sei erfüllt, wenn Ordnung und Ruh« wieder hergestellt und die Schuldigen bestraft seien. Sache des Parlaments werde es sein, zu beurteilen, ob auch den Sultan an den letzten Vorgängen eine Schuld treffe. So­lange dies nicht erwiesen sei, sind alle hierauf bezüglichin Gerüchte haltlos.

Konstantinopel, 26. April. (Korr.-Bur.) Nach Angaben, aus den Kreisen des Oberkommandos stammend, bezweckt