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Erstes Blatt.

Bezug Spr<ttr

Virrietjährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aal« »artige Lionnenten mit dem beneksmden ^jjiauff^teg.

Die eu^etae Nummer testet 10 Pf»

WetoiUBlbrud! und Verlag der Buchdruckerei bei verein.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanan.

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Die lünfztsMeue Petüzrü« »der deren RE 24 PfA im abeOameateil die Ante L- Pf».

es, Waisruhauss in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sinn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berantsorü. Motte«:. «chrecker tat HanaL.

Nr. 92

Fernsprechanschlutz Nr. 605

Mittwoch den 21. April

Fernsprechanschlutz Nr. 605

1909

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14 Seiten.

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Zwecks Ausführung von Pflasterarbeiten roirb die Hammerstraste vom 2L d. Mts. auf die Dauer von vier Wochen für den öffentlichen Fährverkehr ge» lverrt.

Hanau den 19. April 1909.

Königliche Polifei-Direktion.

P 4264 I. V.: Dr. v. Waldow. Reg.-Assessor.

Eandkreis Hanau.

Den Weißbinder Georg G e r st im g in Oberissigheim habe ich zum Fleischbeschauer und Trichinenschauer für die Gemeinde Oberissigheim auf Widerruf bestellt.

Der dem Beschauer Heinrich Schröder in Nieder- ilsigheim erteilte Auftrag zur Ausübung der Schlachtvieh- und Fleischbeschau in Oberissigheim ist gleichzeitig zurück­genommen.

Der bisherige Trichinenschauer Heinrich Schäfer II. m Oberissigheim hat seinen Dienst niedergelegt.

Hanau den 20 April 1909.

Der Königliche Landrat.

V 2289 J. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Handelsregister.

Firma Jakob Koch in Hanan.

Dem Kaufmann Julius Marquardt in Hanau ist Prokura erteilt.

Hanau den 7. April 1909.

Königliches Amtsgericht 5. 9803

Genofsenschaftsregister.

Niederrodenbacher Darlehnskaffenverein, ein­getragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in Niederrodenbach.

An Stelle von Wilhelm Mook in Niederrodenbach ist Heinrich Friedrich Schöpf daselbst und an Stelle von Friedrich Johannes Göbel daselbst, Ludwig Fischer daselbst in den Vorstand ge­wählt worden.

Hanau den 7. April 1909.

Königliches Amtsgericht 5. 9805

Feuilleton.

Die Ausstellung I. Chr. Gewin.

Hanau, 20. April.

Ein ganz anderes Bild zeigt uns jetzt für kurze Zeit der Ausstellungsladen der Hofbuchhandlung A l b e r t i. Diese Firma, die sich in anerkennenswerter Weise durch das ständige Ausstellen von Originalgemälden und Re­produktionen guter Arbeiten so sehr um die ständige Ent­wickelung der Kunst Hanaus bemüht, bringt gegenwärtig, wie bereits angezeigt, eine Kollektion des wohlbekannten Architekten I. Chr. Gewin, Darmstadt-Hanau, Entwürfe und Modelle ausgeführter Bauten.

Wer die vorigjährige Darmstädter Ausstellung besucht, dem wird die mittlere der drei großen Villen, die rechts vom Gebäude für angewandte Kunst standen, wohl noch im Ge­dächtnis sein das HausWagner-Gewin". Nach den Plänen I. Chr. Gervins ausgearbeitet, gefiel es allgemein durch seine äußerst praktische Einteilung und seine an­sprechenden Formen im äußeren und inneren. Nach dieser Villa richten sich zur Zeit noch die im Bau begriffenen wesentlich, darunter auch" das hier in Hanau für Herren Kurr-Pfeffermann in der Villenkolonie Hochstädter Landstraße errichtete Haus und das der Portland-Zement­fabrik Elm, A.-G., H. u. Aug. Brüning für Herrn Direktor

F o u c a r. Auch in anderen Städten, sogar in der Schweiz, wird es wiederholt und bildet so in den ver- schiedensten Gegenden ein technisch und künstlerisch gut ent- taltetes Bild süddeutscher Kunst.

Sehen wir uns nun einmal die ausgestellten Arbeiten an, so fällt uns zuerst die Vielfältigkeit derselben auf. Wir erblicken große Projekte, größere und kleine Villen, Innen­architekturen und kunstgewerbliche Gegenstände. Ein Beweis

Bekanntmachung.

Am Mittwoch den 28. April d. I., von nach­mittags 5 Uhr ab, soll in der GastwirtschaftZum F orft= haus" bei Hanau die Lieferung der für den Ausban der Holzabfuhr- und Landwege erforderlichen Kalk- Nttd Vasaltsteitte von ca. 280 Kubikmeter für die Schutzbezirke Niederrodenbach, Neuwirtshaus und Lamboybrück öffentlich an den Mindestfordernden vergeben werden.

Forsthaus Wolfgang den 20. April 1909.

Der Königs. Forstmeister.

Fenner. 0819

In das Handelsregister Abt. B ist zu Nr. 1 bei der Firma I. Brüning und Sohn, Aktiengesellschaft zu Langendiebach, folgendes eingetragen worden:

Durch Beschluß der Generalversammlung vom 27. März 1909 ist das Grundkapital' um 500 000 Mark erhöht und zwar durch Ausgabe neuer auf den In­haber lautender Aktien von je 1000 Mark zum Kurse von lO6°/o.

Langenselbold den 8. April 1909.

Königliches Amtsgericht. 9825

Gefundene und verlorene Gegenstände k.

Gefunden: 1. schwarzes Damenportemonnaie mit In­halt, 1 brauner Glacehandschuh, 1 Wagenlaterne, 1 goldene Brosche.

Verloren: 1 goldenes Kettenarmband, 1 Päckchen (enthaltend 1 Paar graue halbseidene Sommerhandschuhe und Rüschen), 1 goldene Brosche mit blauem Stein, 1 schwarze wertvolle Hut feder.

Entflogen: 1 Papagei.

Zugelaufen: 1 brauner Foxterrier.

Hanau den 21. April 1909.

Politische RundTchau.

Dem Reichstag ist, wie alljährlich, eine Zusammen­stellung der statistischen Ermittelungen über die Anwendung des bedingten Strafaufschubes zugegangen. Der bedingte Strafaufschub hat von 1895 an Eingang gesunden. Die Vergünstigung beschränkt sich auf Freiheitsstrafen mit Ein­schluß derjenigen, welche an die Stelle einer nicht einzu­treibenden Geldstrafe treten, und wird überwiegend nur Jugendlichen zuteil. Die Gesamtzahl der Fälle, in denen bedingter Strafaufschub bewilligt worden ist, betrug bis zum 31. Dezember 1908 165 680, für die Zeit bis 31. Dez. 1908 hatten sich durchschnittlich im Jahr 62 041 Fälle er- für gutes, künstlerisches Vermögen. Villen, schon im Preise von 15 000 Mk. an, dabei repräsentabel erscheinend. Hier tritt uns nicht Bildermackerei entgegen, sondern praktisches und technisch durchdachtes Arbeiten. So erblicken wir den Architekten und so zeigt er sich uns. Seine Entwürfe sollen uns nicht bloß Bilder sein, auch technische Kombinationen, sind doch sogar einige Sachen ausgestellt, die bildlich minder, praktisch sehr gut sind.

Das Sehnen der Städter nach dem Lande zeigt sich mehr und mehr. Die Zahl derer, die ihren Wohnsitz aus dem nervösen Getriebe des Stadtlebens hinausverlegen in eine landschaftlich reizende, stille Dorf- gegend, wächst glücklicherweise bedeutend. Die kleinen und größeren Landhäuser zeigen im Gegensatz zu den Bauern- häusern einen eigenartigen, fast möchte man sagen feierlichen Cbarakier. Muten sie nicht wie ein Bild des Friedens, der Ruhe an? Haftet an ihnen nicht ein besonderes Gepräge? Es ist gleichsam, als wollten sie Zeugnis geben, daß der Städter, der sich unter ihren Dächern anfhält, nicht im ent­ferntesten den bäuerlichen Charakter der Umgebung ange­nommen, sondern daß er immer eine gewisse Vornehmheit wahrt, die ihm gleichsam angeboren scheint.

Die eigentliche Charakteristik all dieser Häuser ist natür­lich eine äußerst verschiedene, richtet sie sich doch wesentlich nach den jeweils landschaftlichen, örtlichen Verhältnissen. Praktisch und vorteilhaft sind entschieden vie hohen Dach- formen. Sie zeigen so eine eigene Großzügigkeit und bilden mit ihren weit überstehenden Gesimsen gleichsam einen Schirm, der das ganze Haus bis zum Sockel beschützen soll. Diese großen Dächer vermißt man leider bei J. Chr. Gewin. Die (einigen zeigen die Eigenart, wie man sie in Süddeutschland häufig findet. Ueberhaupt erkennt man in ihm sogleich den Darmstädter. Nichts Prunkvolles und doch die große Vor­nehmheit der Einheit und Ruhe. Auch er ist der Künstler, der die Einfachheit zur Seele, zur Schönheit unserer Kunst erhebt. Es ist Leben in all seinen Werken. gleichviel, ob cs

geben. Seitdem hat die Zahl mit jedem Jahr zugenommen; 1908 ist sie auf 28 004 gestiegen. Die Zunahme betrug 1908 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast die Hältst der Zunahme des letzten Jahres entfällt auf Bayern, wo sie um 66 Prozent gegen das Vorjahr gestiegen ist. Aut je 100 wegen Verbrechen oder Vergehen gegen Reichsgesetze im Jahre 1906 verurteilte Jugendliche kommen in Bayern 64 Fälle, in denen 1908 der bedingte Strafaufschub bewilligt wurde, in Preußen 31, auf je 100 Erwachsene in Bayern 5,3, in Preußen nur 1,3. Von den 165 680 Fällen des bedingten Strafaufschubs waren am 1. Januar 1909 59 828 Fälle oder 36 Prozent noch nicht erledigt. Im Durch­schnitt der letzten 10 Jahre haben mehr als vier Fünftel der Fälle einen günstigen Ausfall gehabt. Im letzten Jahre ist das Verhältnis mit 82,3 Prozent endgültiger Begnadigungen so günstig gewesen, wie nie zuvor. Durch Vergleiche mit der Kriminalstatistik kann festgestellt werden, daß der Prozent­satz der Rückfälle geringer ist als die Verhältniszahl der un­günstig verlaufenden Fälle bei der bedingten Begnadigung. Daß die bedingte Begnadigung zur Verminderung der Rück­fälle beitrage, ist in Deutschland eben so wenig nachgewiesen, wie daß sie die allgemeine Kriminalität ungünstig beeinfluß: habe. Die Bewilligung von Strafaufschub kam 74 Prozent Männern und 26 Prozent Frauen zugute. Etwa »wei Drittel aller Fälle betreffen Jugendliche, doch geht die Ent­wicklung auf ein Steigen des Anteils der Erwachsenen. Die strafbare Handlung war in zwei Dritteln aller Fälle ein Vergehen, die Dauer der ausgesetzten Gefängnisstrafe betrug in etwa zwei Fünfteln der Fälle eine Woche oder weniger.

Persien. Nach Mitteilungen des Verwesers des russischen Generalkonsulats in Täbris beabsichtigt die durch Hunger zur Verzweiflung getriebene Stadtbevölkerung mit den Revolutionären an der Spitze die armenischen Stadtteile und die dort befindlichen Konsulate Rußlands und Englands auszuplündern, um Brot zu erlangen. Die Führer dieser Bewegung rechnen offenbar darauf, auf diesem Wege und im äußersten Falle auch durch die Ermordung des Konsuls eine Einmischung Rußlands hervorzuru^en und die Ueber- gäbe von Täbris an die Truppen des Schahs zu verzögern, wodurch es den Revolutionären ermöglicht würde, sich zu verbergen. Im Hinblick auf diese Sachlage beauftragte die russische Regierung ihren Vertreter in Teheran, vom Schah rundweg die Anordnung zu fordern, daß unverzüglich für die ausländischen Konsulate, Anstalten und Untertanen, sowie für die friedliche Stadlbevölkrrung Lebensmittel in genügender Menge nach Täbris durchgelaffen werden. Dabei mürbe dem Geschäftsträger vorgrschrirben, der persischen Regierung zu erklären, daß die Nichterfüllung dieser Forderung Ruß­land nötigen werde, sofort entschiedene Maßnahmen zur nun eine kleine Dilla oder ein Bau für Hunderttausende ist, gleichviel ob es nur ein Schmuckstück oder ein ganzer Raum ist.

Auch er ist der Künstler, der alles mit Liebe ausarbeitet, das Kleine dem Großen, das Große dem Ganzen anpaßt, Einheit schaffend, nach Ruhe strebend.

Es würde zu weit gehen, wollten wir hier auch von den anderen Bauten I. Cbr. Gewins sprechen. Seine Kauf­haus- und Hotelgebäude, seine öffentlichen und privaten Ge­bäude sind bekannt.

Seine Arckitekturen, seine Jnnenräume geigen Gemüt und durch das Gemütvolle seiner Arbeiten wird er den An­forderungen des Deutschen gerecht, dem wahre Kunst tief in die Seele greift.

Walter Kind-Erfurt.

Die Freiheitssackel vom Jselberg.

Zur Erinnerung an die Tiroler Freiheitskämpfe vom April, Mai und August des Jahres 1809.

Wenn in diesen Apriltagen vom Jselberg die 100jährigen Erinnerungszeichen an die kühne Tiroler Volkserhebung gegen das napoleonische Joch auiflammen, wird auch der Geist deS gewaltigen Franzosenkaisers wiedererwacht durch Deutschlands Gaue gehen, die vor jenen 100 Jahren ein Dezennium fast unter seiner drückenden Faust geknechtet lagen. Damals war des Korsen glänzender Stern auf schneller Bahn in den Mittag Europas gerückt. Der mittellose Advokatensohn, ein unbeachteter Artillerieleutnant noch, als im Jahre 1789 di« Revolution in Paris ihr blutiges Haupt erhob und den Königsthron des glanzvollenBourbonengeschlechts in Trümmer schlug, stand 15 Jahre später an derselben Stelle, umwallt vom Purpur des Königsmantels, die Kaiserkrone über der hohen Stirn und begann aus Machtgelüst und Willkür, für Europa Gebote zu schmieden. Den kühnsten Träumen gab er Gestalt und schrieb mit unerbittlicher Hand in den Pulverdampf der gewonnenen Schlacht das Menetekel dem Besiegten. Die Dreikaiserschlacht von AusterliU war I8O5